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Berichte von Geheimen Mitarbeitern aus Westberlin

19. September 1953
Sonderinformation [Information Nr. 3/53]

Aus Berichten der Verwaltung Groß-Berlin wurde bekannt:

Stalinallee

Durch GM-Berichte1 wurde bekannt, dass beim Ostbüro Steine und Erden2 sich ca. 1 300 Bauarbeiter während der Juniereignisse registrieren ließen und dort Unterstützung erhielten. An diese Personen soll per Post Hetzmaterial versandt werden. Vom 8. bis 12.10.1953 soll in Hamburg eine Konferenz vom Ostbüro Steine und Erden stattfinden, dort soll ein gewisser Berger, der in Berlin-Lichtenberg wohnhaft sein soll, als Vertreter der Ostzone sprechen.3

Deutscher Nachrichtendienst

Durch GM-Bericht wurde bekannt, dass ein Schreiben des Generalmajors Gartmann, Chef der Grenzpolizei der DDR,4 an alle Grenzkontrollen der KgU5 bekannt wurde. In dem Schreiben ist gesagt, dass Pakete nicht abgenommen werden dürfen. Personen mit mehreren DPA sind den VP-Revieren zuzuführen. Personen mit fortschrittlicher Haltung sind aufzuklären. Polizeiangehörige sollen höflich und zuvorkommend gegenüber der Bevölkerung sein. Die KgU hat mehrere Male von diesem Schreiben Kenntnis erhalten. Wie im Deutschen Nachrichtendienst6 bekannt wird, soll dieses Material sehr brauchbar sein. Aus derselben Quelle wurde bekannt, dass sämtliche Agentenzentralen bei der Schropp’schen Buchhandlung Messtischkartenblätter für ihre Arbeit beziehen.

Der Deutsche Nachrichtendienst gab folgende Anweisung an seine Agenturen in Mecklenburg. Im Raum von Pasewalk, Prenzlau, Angermünde und Fürstenberg finden seit Ende August große Nachrichten-Rahmenübungen sowjetischer Einheiten statt, die mit der KVP koordiniert sind. Ein- und Ausladebahnhöfe sind zu überwachen sowie Durchgangsstraßen. Kfz-Nummern sind festzustellen.

Am 16.9.1953, um 14.00 Uhr, soll ein Prozess gegen die KgU in Westberlin stattgefunden haben.7 Nach Durchsetzung des EVG besteht beim Deutschen Nachrichtendienst die Absicht, die KgU aufzulösen. Außerdem soll dies eine Maßnahme sein, um einigermaßen den Forderungen des Hohen Kommissars der UdSSR nachzukommen, der darauf besteht, dass die Banditenorganisationen in Westberlin aufgelöst werden. Deutscher Nachrichtendienst hatte zu diesem Prozess Belastungszeugen geladen. Man hat die Absicht, die brauchbaren Elemente der KgU für die Agenturen des Deutschen Nachrichtendienstes zu verwenden.

Der Deutsche Nachrichtendienst hat seine Kuriere in der DDR angewiesen, hochwertige Fotoapparate in der DDR aufzukaufen. Die Zentrale des Deutschen Nachrichtendienstes hat ein Schreiben an die untergeordneten Dienststellen versandt, worin gesagt wird, dass die jetzige Paketaktion8 Anfang Oktober abgeschlossen ist. Dann beginnt eine neue Paketaktion. Bei dieser wird [sic!] Kaffee, Kakao, Tee und andere Genussmittel zur Verteilung kommen. Dies soll insbesondere ein Lockmittel für die Bauern sein. Man ist der Ansicht, dass die Felder der Bauern in der DDR in der Nähe von sowjetischen Objekten liegen. Auf diese Weise sei es möglich, Näheres über die Objekte zu erfahren und Flugblätter dort zu verteilen.

Im Deutschen Nachrichtendienst ist man der Meinung, dass der Ami schon wüsste, warum er diese Aktion gestartet hat. Außerdem wird die Ostzonenbevölkerung propagandistisch beeinflusst. Zur Wahl in Westdeutschland war ein Leiter des Deutschen Nachrichtendienstes der Meinung, wenn Adenauer fällt, könnten wir mit unserer Arbeit einpacken. Der Ami würde nicht einen Pfennig in Deutschland reinstecken und wir wären dem Osten ausgeliefert. Aber der Ami würde schon dafür sorgen, dass Adenauer an der Macht bleibt, mit Dollars könne man viel machen.

Aus derselben Quelle wurde bekannt, dass der Deutsche Nachrichtendienst eng mit der FDP verbunden ist. Die FDP würde über genügend Leute in der Ostzone verfügen, welche Mitglieder der LDP sind. Dieselben würden auch zu den Kundgebungen nach Westberlin kommen. Es sollen dadurch Leute angeworben werden, um für den Geheimdienst zu arbeiten. Kürzlich hätte eine FDP-Versammlung in Wannsee stattgefunden, was sich in dieser Richtung gelohnt habe.

Aus derselben Quelle wurde bekannt, dass Mitglieder des Komitees des 17.6.9 auf Versammlungen der FDP und der VOS10 über den 17.6. gesprochen haben und dass diese um materielle Unterstützung geworben haben.

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    19. September 1953
    Information Nr. 1072
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    Information Nr. 1071