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Tagesbericht

23. Juli 1953
Information Nr. 1021: Analyse über die Vorkommnisse in den Chemischen Werken Buna vom 17.6. bis 22.7.1953

Die politische Struktur der Chemischen Werke Buna mit einer Gesamtbelegschaftsstärke von 16 119 sieht wie folgt aus:

  • 12 197 männlich,

  • 3 922 weibliche,

  • 5 875 Neubürger,

  • 1 806 ehemals NSDAP,

  • 558 ehemals SA,

  • 37 ehemals SS,

  • 147 [Mitglieder] faschistischer Organisationen,

  • 237 ehemalige Offiziere,

  • 2 173 SED,

  • 123 LDP,

  • 108 CDU,

  • 73 NDPD.

Von den im Werk befindlichen Intelligenzlern gehörten ca. 95 % den ehemaligen IG-Farben-Werken an.1

Um die Ereignisse des 17.6.1953 und 15.7.1953 zu analysieren, muss etwas zurückgegriffen werden. In der Zeit vom 25.3.1953 bis 30.4.1953 wurde in Gewerkschaftsversammlungen und Aktivtagungen der Betriebskollektivvertrag behandelt. Hierzu muss bemerkt werden, dass nicht eingehend zu den einzelnen Fragen Stellung genommen wurde. Die leitenden Funktionäre waren daran interessiert, den BKV so schnell wie möglich unter Dach und Fach zu bringen. Abänderungsvorschlägen vonseiten der Belegschaft wurde keine Beachtung geschenkt. Am 30.4.1953 wurde von 320 Delegierten, die eine Belegschaft von ca. 18 000 vertraten, der BKV einstimmig in unveränderter Form angenommen. Die Mehrzahl der Delegierten waren Mitglieder der SED. Von der zentralen Gewerkschaftsleitung sowie der Werksleitung wurden in Bezug auf Realisierung des BKV nicht schnell genug Schritte unternommen, was besonders in der Lohnregelung zum Ausdruck kommt. Obwohl ca. 460 Anträge auf Lohnerhöhung liefen, wurden diese erst am 17.7.1953 in Bearbeitung genommen. Bei zwei Drittel dieser Anträge handelt es sich um Erhöhung der Stundenlöhne von 0,88 DM auf 1,02 DM. Die Erschwerniszuschläge wurden ebenfalls nicht wie im BKV festgelegt eingehalten. Ebenso die Versorgung der Belegschaft mit Arbeitsschutzkleidung.

In der Zeit bis zum 17.6.1953 wurde vonseiten der BGL die Normenfrage behandelt und durch Erteilung einer Kennziffer, die bei 9,3 % lag, auf die einzelnen Betriebe aufgeschlüsselt. Dabei wurde die Forderung zur erhöhten Leistungsnorm gestellt. Ein großer Teil der Belegschaft, besonders aus dem Betrieb I 75 (Energiewerkstätten), B 79 (Dreherei) und G 32 (Reparaturwerkstatt für Karbid), wehrte sich gegen die Einstufung der Normen und verlangte von der BGL und AGL genaue Überprüfung. Die leitenden Funktionäre sahen darauf, dass ihre Anordnungen und Forderungen durchgesetzt wurden, unternahmen aber keinerlei Schritte, die Forderungen der Arbeiter gewissenhaft zu untersuchen. Agitationseinsätze seitens der Partei und Gewerkschaft wurden angesetzt, aber nicht ausgewertet und weitergemeldet.

Als das Kommuniqué vom 9.6.19532 und der Ministerratsbeschluss vom 11.6.19533 bekannt wurden, traten in den Betrieben Diskussionen auf, dass die Regierung jetzt geschwächt ist und sich nicht mehr auf die Massen verlassen kann. Andere Diskussionen besagen, dass das Erkennen der Fehler noch nicht bedeutet, dass diese abgestellt werden, außerdem wären keine Voraussetzungen für die Verbesserung der Lebenslage der Bevölkerung vorhanden.

Diese Diskussionen wurden auch bei Funktionären und Mitgliedern der SED festgestellt. Einige erklärten sogar ihren Austritt aus der Partei. Die Partei verstand es nicht, durch ihre Mitglieder die Lage zu beherrschen und den Ministerratsbeschluss der Mitgliedschaft zu erklären. In der Nacht vom 16. zum 17.6.1953 wurde von der Kreisleitung4 ein Agitationseinsatz durchgeführt und die Normenfrage behandelt. Nach Angaben des 1. Sekretärs – Genossen Rinkel – geschah dies auf Anweisung des ZK. Die eingesetzten Funktionäre stießen schon auf Widerstand, zu Provokationen kam es jedoch nicht. Die Kreisleitung der Partei hatte bereits über die Lage Kenntnis erhalten, ließ sich aber von der noch vorhandenen Ruhe täuschen und berief erst um 9.00 Uhr die Funktionäre der Partei und AGL im Haus der Organisation zu einer Aussprache. Während dieser Zeit wurde bekannt, dass im Werk I 75 größere Menschenmengen versammelt waren und es zu Diskussionen kam, wobei Provokateure Solidarität mit Berlin forderten. Um 9.45 Uhr ertönten die Werkssirenen und die Arbeiter formierten sich zum Demonstrationszug. In dieser Zeit diskutierte die Partei immer noch. Die Führung der Demonstration wurde vom Bau G 32 und B 79 übernommen. Losungen wie: »Hinweg mit der Norm«, »Sturz der Regierung«, »Hinweg mit Grotewohl und Ulbricht« wurden dabei erstmalig in Anwendung gebracht. Die Demonstration bewegte sich in Richtung Merseburg, wo man sich mit den Arbeitern von Leuna vereinigte und die bereits bekannten Verwüstungen anrichtete. Zu bemerken ist, dass die gesamte Produktion des Werkes Buna außer D 47 (Polymerisation) lief. Gegen 16.00 Uhr erschienen sowjetische Truppen, die eine illegale Streikleitung von 38 Personen im Haus der Organisation festnahmen. Auf Hinweis nahm Dr. Nelles5 sämtliche Abteilungsleiter der Produktionsbetriebe zusammen, sprach mit Einzelnen und forderte sie auf, die Arbeit nicht niederzulegen. Vom MfS wurden am 17.6.1953 31 Personen festgenommen, von denen 20 entlassen wurden. Bis zum 14.7.1953 wurden drei Personen verurteilt, einer der SKK übergeben, einer freigesprochen, sechs Personen sind noch inhaftiert. Im Bau B 18 wurden nach dem 17.6.1953 illegale Versammlungen durchgeführt, die AGL aufgelöst und eine neue eingesetzt.

Am 19.6.1953 forderte der Provokateur Hans Schumacher6 im Bau G 32 die Belegschaft auf, die Arbeit nicht früher aufzunehmen, bis die BGL und AGL abgelöst sei. Schumacher trat am 15.7.1953 als Rädelsführer in Erscheinung und wurde am 17.7.1953 festgenommen. Am 23.6.1953, um 15.00 Uhr, wurde im Bau G 32 und H 33 eine schwarze Fahne gehisst und von der Belegschaft für die Opfer eine fünf Minuten lange Arbeitspause eingelegt. Obwohl der Partei und BGL diese »Gedenkfeier« vorher bekannt war, vermochte niemand diese Provokation zu verhindern.

Am 26.6.1953 wurde eine Versammlung mit einem Teil der Belegschaft aus den Bauten G 32, I 75, C 44, welche aktiv am Streik beteiligt waren, mit dem Vertreter des Politbüros Fred Oelßner durchgeführt. Insgesamt waren 600 Arbeiter anwesend. Die Versammlung artete in eine wüste Provokation aus. In der Zeit vom 17.6. bis 15.7.1953 wurden 70 Parteimitgliedsbücher abgegeben bzw. vernichtet. Die Mehrzahl der Ausgetretenen gab keinerlei Begründung. In der oben angegeben Zeit wurden keinerlei Versammlungen in der Grundorganisation durchgeführt. Partei und BGL hatte keinerlei Verbindung zu den Grundorganisationen und zu den Massen. Aus diesem Grunde konnte auch keine Aufklärungsarbeit geleistet werden. Aus den verschiedensten Betrieben gingen Resolutionen ein, die politische und wirtschaftliche Forderungen zum Inhalt hatten. Dies wurde nicht ernst genommen, da, wie der 1. Sekretär zum Ausdruck brachte, derartige Erscheinungen schon früher vorhanden gewesen seien. Am 10.7.1953 wurde vom Bau G 32 eine Resolution verfasst, an der man sich mit 206 Unterschriften beteiligte. In dieser wurde der 1. Sekretär der SED aufgefordert, seine Anschuldigung, die er vor der Parteiaktivtagung im Bau G 32 tat, zurückzunehmen. Sollte dies nicht geschehen, so werden die Arbeiter dies durchzusetzen wissen. Als Termin wurde der 15.7.1953, 9.00 Uhr, angegeben (Rinkel hatte gesagt, im Bau G 32 sind alles Provokateure). Diese Resolution wurde am 15.7.1953, um 14.10 Uhr, nach Aufforderung vom 1. Kreissekretär ausgehändigt, der angab, dieselbe tags zuvor von Dr. Moll7 erhalten zu haben. Der Kreissekretär hatte noch weitere Resolutionen und Forderungen aus den vergangenen vier Wochen, die ohne Bearbeitung und Beachtung liegen geblieben waren.

Am 14.7.1953, gegen 22.00 Uhr, wurden die Partei sowie der Betriebsschutz des Werkes in Kenntnis gesetzt, dass Mitteilungen vorhanden waren, dass die Bauten F 62 und G 63 am 15.7.1953 in den Streik treten wollen. Am 15.7.1953, um 8.30 Uhr, nach dem Frühstück, machten sich verschiedene Diskussionsgruppen bemerkbar, die ihre Arbeit nicht aufnahmen. Die Betriebe C 44, G 32 und I 75 nahmen die Arbeit nicht auf, stellten die Forderungen: Freilassung aller politischen Häftlinge, Ablösung der BGL und AGL, Neuwahl und Bezahlung der Streiktage vom 17. und 18.6.1953. An den betreffenden Werkhallen wurden Losungen angebracht mit der Aufschrift: »Wir streiken!« Insgesamt streikten zehn Werkstätten mit einer Belegschaftsstärke von ca. 3 000. Gegen 12.30 Uhr erschienen in der Karbidfabrik 40 Personen aus der Werkstatt G 32 und forderten die dort tätigen Ofenarbeiter auf, ihre Arbeit einzustellen. Ca. 20 Minuten später wurden sämtliche acht Karbidöfen abgestellt, sodass verschiedene an die Karbidproduktion angeschlossene Betriebe die Arbeit niederlegen mussten, sich an dem Streik aber nicht beteiligten. Um größere Schäden zu verhindern, gelang es unter Schwierigkeiten den Verantwortlichen, die Arbeiter zu veranlassen, dass die Öfen entleert wurden, was 15.05 Uhr beendet war. Da dieser Streik im Werk Buna größere Ausmaße als am 17.6. erreichte, wurde seitens der Einsatzabteilung beschlossen, [die] KVP einzusetzen.

Durch die Besetzung der Betriebe und Karbidöfen wurde die neueintreffende Schicht von der alten Schicht isoliert, was jedoch nur zum Teil gelang. Die Arbeiter der neuen Schicht weigerten sich, ihre Arbeit aufzunehmen. Nach durchgeführter Versammlung, wo Genossen aus anderen Betrieben zu ihnen sprachen, nahm die neue Schicht ihre Arbeit auf. Die Karbidöfen wurden wieder hochgefahren, sodass ab 22.00 Uhr wieder voll gearbeitet werden konnte. Am 16.7.1953 versuchte die neue Schicht die Öfen abermals zurückzufahren, was jedoch durch Einsatz unserer Genossen in Verbindung mit der Partei verhindert werden konnte. Beim Eintreffen der Tagesschicht nahmen folgende Betriebe ihre Arbeit nicht auf: I 75, B 18, F 62, C 19, E 61 und G 32 sowie verschiedene kleinere Betriebe. In G 32 wurde die Arbeit nicht aufgenommen, da angeblich drei Kollegen festgenommen waren. Die Produktion arbeitete ohne Ausfall. Die inzwischen verteilten Flugblätter über die neuen Maßnahmen der Regierung, Erhöhung der Lohnsätze I–IV,8 lösten rege Diskussionen aus. Es gab viele Stimmen, die zweifelten und trotzdem die Arbeit nicht aufnahmen. Um 10.30 Uhr wurde bekannt gegeben, dass Minister Selbmann9 sprechen wird und entsprechende Delegationen zu entsenden sind. An der Versammlung um 11.30 nahmen ca. 500 Personen teil. Der Minister sprach über die augenblickliche Lage und forderte die Arbeiter auf, an die Arbeit zu gehen. Seine Rede fand am Anfang großen Anklang und wurde mehrmals durch Beifall unterbrochen. Nach Einsetzen der Diskussion wurde vonseiten der Partei ein Diskussionsredner als Provokateur hingestellt. Dadurch schwenkte die Versammlung um und nahm Stellung gegen die Versammlungsleitung. Aufgrund der jetzt aufgetretenen Diskussionsredner, die provokatorische Reden führten, wurde die Diskussion abgebrochen und Minister Selbmann das Schlusswort erteilt, wobei 80 % der Anwesenden den Saal verließen. Im Bau C 44 versammelten sich mehrere Betriebe und forderten den Minister auf, die Diskussion weiterzuführen, was dieser ablehnte. Der Genosse Rinkel ging darauf zu den Arbeitern, wurde jedoch stark provoziert, sodass er die Versammlung schloss. Am Freitag, dem 17.7.1953, nach der Frühstückspause wurde im Betrieb I 75 die Arbeit nicht aufgenommen. Durch KVP und Betriebsschutz wurden die Arbeiter aufgefordert, falls sie nicht arbeiten, das Werk zu verlassen. Daraufhin wurde gearbeitet. Als nächster Betrieb streikte C 44, der nach ca. einer Stunde die Arbeit wieder aufnahm. Am 18.7.1953 bis zum heutigen Tage wird voll gearbeitet. Die Forderungen der Arbeiter bestehen nach wie vor, sodass die Gefahr als noch nicht beseitigt angesehen werden muss.

Während der Frühstückspause am 21.7.1953 wurde im Bau C 34 nach wie vor über die Freilassung des Provokateurs Seeger10 diskutiert. Man will sich nicht mehr mit allgemeinen Redewendungen abspeisen lassen und ist bereit, wieder zu streiken. In B 89 (Kesselschmiede) ist man der Meinung, dass der Tag X11 schneller kommen kann, als man sich denken wird.

Der Arbeiter [Name 1] erklärte, dass in jeder Schicht drei gefüllte Flaschen mit Karbid stehen, da kommt Wasser rein und wird geschmissen.

Aus dem Bau C 32 wird bekannt, dass das Übel im Werk von einem Teil der Intelligenz herbeigeführt wird, die großen Einfluss haben.

[Name 2] vom Bau E 61 hat sich geäußert, dass die Belegschaft von Buna am 25.7.1953 wieder in den Streik treten wird. (Überprüfung ist eingeleitet)

Im Allgemeinen ist die Stimmung im Buna-Werk abwartend. Konkrete Anzeichen von Streik lagen am 21.7.1953 nur im Falle Seeger vor. Mann kann sagen, dass die Forderungen der Arbeiter nach wie vor erhoben werden, wenn es auch im Moment nicht deutlich zum Ausdruck kommt.

Anlage 1 vom 23. Juli 1953 zur Information Nr. 1021 (1. Expl.)

Information Nr. 1021a: [Forderungen der Arbeiter in den Buna-Werken: 4 Dokumente]

[Dokument 1]

Die Belegschaft der Anwendungstechnischen Abteilung12 hat durch ihre Gruppenorganisatoren der AGL folgende Forderungen übermittelt zur Weiterleitung an die Werksleitung und BGL

  • 1.

    Sofortige Freilassung aller politischen Inhaftierten, insbesondere der bei den Unruhen am 17. Juni 1953 festgenommenen Kollegen. Überprüfung bereits erlassener Urteile und objektive Beurteilung der Vergehen. Bildung einer Werkskommission für Sofortmaßnahmen bei Verhaftung von Belegschaftsmitgliedern.

  • 2.

    Freie und geheime, demokratische Wahlen in ganz Deutschland. Nach Bildung der hieraus hervorgegangenen Regierung Abzug aller Besatzungstruppen.

  • 3.

    Die Presse- und Redefreiheit in ganz Deutschland muss garantiert werden, es darf niemand wegen seiner politischen Überzeugung verhaftet werden. Durchführung aller Versammlungen mit Staatsfunktionären als öffentliche Versammlungen.

  • 4.

    Verbot aller militärsport-ähnlichen Organisationen.13 Die deutsche Jugend soll friedlich am Aufbau mitarbeiten und nicht durch Kriegsspiele die Kluft zwischen Ost und West noch vertiefen.

  • 5.

    Der FDGB muss, wenn das Vertrauen der Werktätigen zum FDGB wieder hergestellt werden soll, eine Trennung von Partei und Gewerkschaft vornehmen. Der Artikel 5a der Satzung14 des FDGB15 ist zu streichen. Ein Gewerkschaftsfunktionär kann nicht zugleich Parteifunktionär sein.

  • 6.

    Abschaffung der Kasernierten Volkspolizei.

  • 7.

    Sofortige Aufhebung des Ausnahmezustandes.

  • 8.

    Bezahlung des 17. Juni aus Staatsmitteln oder durch den FDGB,16 da das Monatssoll des Werkes übererfüllt wurde.

  • 9.

    Verbesserung der Lebenslage durch eine Preissenkung. An erster Stelle sind die HO-Preise auf eine vernünftige Basis zu bringen. Ferner Einstellung des Verkaufs von Fleisch- und Fettwaren zu HO-Preisen, dafür Erhöhung der Kartenrationen zu Normalpreisen. Desgleichen sind die Erzeugnisse Vollmilch, Eier und Käse zu Normalpreisen auf Karten auszugeben.

  • 10.

    Es wird gefordert, schnellstens eine Steuerreform durchzuführen. Besonders soll die Lohnsteuer auf ein erträgliches Maß, desgleichen die SVK-Abzüge17 von 10 auf 5 %, gesenkt werden.

  • 11.

    Herabsetzung der FDGB-Beiträge.

  • 12.

    Ablegung der Waffen der Polizei im Werk während des Tordienstes.

  • 13.

    Wiedereinführung der Prämienverschickung nach Ilsenburg18 auf Werkskosten. Besonders zu berücksichtigen sind hierbei die Kollegen aus gesundheitsgefährdeten Betrieben (Rußwalzer usw.).

  • 14.

    Die früher übliche Weihnachtsprämie muss für jedes Belegschaftsmitglied von der Werksleitung und BGL garantiert werden. Die Verteilung ist nach den Richtlinien, die bis 1950 gültig waren, vorzunehmen.

  • 15.

    Der Heimaturlaub muss bis zur endgültigen Klärung der Wohnungsfrage gewährt und bezahlt werden.

  • 16.

    Einheitliche Fahrpreise auf den Straßenbahnen der DDR sind sofort einzuführen.

  • 17.

    Abschaffung der Lohngruppe I. Bis zum 1.8.1953 Aufbesserung der Lohngruppe I bis IV.

  • 18.

    Abschaffung der Lebensmittelzusatzkarten D und E. Um einen ausreichenden Lebensstandard zu gewährleisten, müssen alle arbeitenden Menschen mindestens die Lebensmittelkartengruppe C erhalten.

  • 19.

    Herausnahme der Frauen aus gesundheitsgefährdeten Betrieben sowie Hoch- und Tiefbau, Straßen- und Bahnbau.

  • 20.

    Herabsetzung des Mindestalters für Altersrente: Bei Frauen auf 55, bei Männern auf 60 Jahre.

  • 21.

    Badezeiten für den gesamten Betrieb von C 19. Dieser Betrieb muss als Schmutzbetrieb anerkannt werden.

  • 22.

    Erhöhung der Erschwerniszulage der Kalanderfahrer und Pressefahrer auf 12 Pfennig pro Stunde.

  • 23.

    Das Prämienleistungslohnsystem muss mit steigender Arbeitsproduktivität erhöht werden und nicht wie in letzter Zeit gesenkt werden.

  • 24.

    Gleichzeitig fordern wir für unsere kaufmännischen Kollegen die Schaffung eines Prämiensystems bzw. die Angleichung an die Produktions- bzw. DDR-Prämie.19

  • 25.

    Erhöhung des Grundurlaubs für die chemische Industrie auf 18 Arbeitstage.

  • 26.

    Neuwahl sämtlicher Gewerkschaftsfunktionäre bis hinauf zum Bundesvorstand unter Berücksichtigung des Punktes 5 unserer Forderungen. Ein entsprechender Misstrauensantrag gegen unsere zzt. bestehende BGL ist bereits mit konkreten Unterlagen an die Instrukteurbrigade des FDGB und der BGL abgeschickt.

  • 27.

    Regulierung der Gehälter der kaufmännischen Angestellten um ein Wesentliches.

  • 28.

    Bessere Medikamente für die Kranken und Gewährleistung kostenloser Anfertigung orthopädischer Schuhe für Beinamputierte.

  • 29.

    Wahrheitsgemäße Berichterstattung des »Aufwärts«.20 Begründung: Von der Versammlung mit Oelßner wurden nur die der Partei zusagenden Kritiken groß beleuchtet, während die zahlreichen Beanstandungen, Wünsche und Forderungen der meisten Diskussionsredner unberücksichtigt blieben. Über die Ablehnung der Resolution wurde kein Wort berichtet.

  • 30.

    Die BGL wird aufgefordert, im »Aufwärts« zu veröffentlichen, von welchen Betrieben bereits Misstrauensanträge gestellt wurden.

Die Belegschaft der ATA fordert bis zum 20.7.1953 eine Stellungnahme im »Aufwärts« zu den von uns geforderten 30 Punkten. Andernfalls der normale Arbeitsablauf durch die vorhandene Unzufriedenheit gestört werden kann. Bis zur restlosen Klärung zahlt die ATA keine Gewerkschaftsbeiträge.

Oben angeführte Punkte wurden in den Gewerkschaftsgruppen gestellt und diskutiert. Die Forderungen wurden von der überwiegenden Mehrheit gegen einige Gegenstimmen und Stimmenthaltungen angenommen.

[Dokument 2]

Schkopau, den 9.7.1953

An die Werksleitung C 37

Die Belegschaft der Wasserversorgung fordert die Überprüfung und Realisierung nachstehender Betriebe

  • 1.

    Freilassung aller anlässlich des 17. Juni 1953 verhafteten Buna-Belegschaftsmitglieder.

  • 2.

    Zahlung [eines] 50%igen Sonntagszuschlages.

  • 3.

    Erhöhung der Nachtschichtzulage auf 15 %.

  • 4.

    Gewährung des Treueurlaubs nach den früheren Richtlinien.

  • 5.

    Zahlung der Weihnachtsgratifikationen nach den Richtsätzen.

  • 6.

    Wiedereinführung der bezahlten Frühstückspause für Tagschicht.

  • 7.

    Fahrpreisermäßigung für Urlaubsreisen, die nicht durch den FDGB fahren.

  • 8.

    Gewährung der Kinderzulage wie früher unter Beibehaltung der Ermäßigung der SVK-Beiträge, Teuerungszuschlag.

  • 9.

    Aufbesserung der Lohngruppen 1–4.

  • 10.

    Verkürzung der Tragezeit für Arbeitsanzüge auf ein Jahr.

  • 11.

    Bezahlung der Stechzeit von zehn Minuten (wie vor der Änderung).

  • 12.

    Bezahlung von Schmutzzulagen für alle Kollegen des Störungsdienstes und Zahlung der Erschwerniszulage für die Kollegen des Trinkwasserwerkes.

  • 13.

    Erhöhung der Wärme- und Hitzezuschläge für die Rückkühlwerke.

  • 14.

    Verbilligung des Werksessens und freier Verkauf der Zusatzmarken.

  • 15.

    Sofortige Rückerstattung des verausgabten Fahrgeldes.

  • 16.

    Kein Sonderessen für die Intelligenz.

  • 17.

    Sofortige Beseitigung der um das Werk gestellten Wachtürme.

  • 18.

    Regelung des Mietpreises für Lagerbewohner, mehr Einerbetten.

  • 19.

    Anpassung der Prämienzahlung an die Produktionsprämie für kaufmännische und technische Angestellte. Termin 2. Viertel 1953.

  • 20.

    Erhöhung des Grundurlaubes für die chemische Industrie.

In allen anderen Punkten schließen wir uns den anderen Betrieben an.

Die Belegschaft der Wasserversorgung | gez. Lowsky

[Dokument 3]

Schkopau, 1. Juli 1953

Protokoll über Versammlung der AGL-Mitglieder einschl. Gruppenfunktionäre der AGL Natronlauge am 30.6.1953 im Kulturraum H 56

[Verteiler:] BGL, Dr. Kehlen | Dr. Eckardt, Dr. Haufe | Meister Flächsenhaar | Zirkelleiter | 13 AGL-Mitglieder | 13 Gruppenfunktionäre | 7 Mal Aushang

Anwesend: 23 Kollegen | Beginn: 10.00 Uhr | Ende: 11.45 Uhr

Kollege Höckel eröffnete die Versammlung und erteilte dem AGL-Vorsitzenden der AGL Aldehyd-Betriebe, Kollegen Stoye, das Wort. Kollege Stoye hatte in der heutigen BGL-Sitzung den Auftrag bekommen, ein Sofortprogramm der AGL Natronlauge aufzustellen. Es soll[en] eine AGL-Sitzung und Belegschaftsversammlung einberufen und die Termine bekannt gegeben werden.

Er gab kurz einige wichtige Punkte bekannt. Seitens der Gewerkschaft wurde versprochen, die Arbeit von oben nach unten zu verbessern. Wohnungszuteilungen werden in Zukunft im »Aufwärts« bekannt gegeben. Neubildung der Feriendienstkommission. Neuwahl einer Einstufungskommission. Das Lohnlimit wird auf die Betriebe aufgeteilt. (Dadurch erfolgen die Lohneinstufungen nicht mehr über die AfA,21 sondern durch die Betriebe.) Überprüfung der Produktionsprämie.

Bis 15.7. müssen die Belegschaftsversammlungen durchgeführt sein, und zwar sollen daran die Werksleitung, Betriebsleitung, BGL und Partei beteiligt sein. Es sollen sämtliche zu klärenden Fragen seitens der Kollegen gestellt werden und die Werksleitung erteilt Antwort.

Kollege [Name 1] schlug den anwesenden Kollegen vor, zunächst für die gesamte AGL allgemeine Punkte aufzustellen und daran anschließend jeweils die betrieblichen.

Allgemeine Forderungen

  • 1.

    Eine Verbesserung der Gewerkschaftsarbeit im Sinne der Belegschaft ist die erste Forderung der Kollegen. Die Belegschaft der AGL Natronlauge sieht es als notwendig an, dass zur Wiederherstellung des Vertrauens in die Gewerkschaft folgende sofortige Maßnahmen getroffen werden: Neuwahl der BGL, Einsetzung einer kommissarischen Leitung bis zur Neukonstituierung der BGL, dabei muss der Wille der gesamten Belegschaft des Werkes zum Ausdruck kommen. Die Arbeit des FDGB in der Vergangenheit ist kritisch von dieser kommissarischen Leitung zu überprüfen und darauf [sind] die richtunggebenden neuen Arbeitsmethoden zu entwickeln.

  • 2.

    Funktionäre, die ihre Funktion verlassen, müssen im Werk ihren alten Arbeitsplatz wieder einnehmen. Eine Beschäftigung an anderer Stelle ist im Werk nicht zu gestatten.

  • 3.

    Funktionäre sollen nach ihrer früheren Tätigkeit entlohnt werden. Evtl. Aufwendungen und Mehrarbeitszeit sollen ihnen bezahlt werden.

  • 4.

    Eine Möglichkeit zur Ablösung von Funktionären muss jederzeit gegeben sein, wenn die Belegschaft dies verlangt.

  • 5.

    Der »Aufwärts« soll eine Betriebszeitung werden, da politische Artikel in den Tageszeitungen ausführlicher und in genügendem Umfang erscheinen.

  • 6.

    Der FDGB-Beitrag muss gekürzt werden.

  • 7.

    Die Sterbegeldordnung des FDGB ist im Punkt 1 abzuändern. Es muss heißen: Beim Tode eines Mitgliedes, das im FDGB eine einjährige Mitgliedschaft zurückgelegt hat, ist den Hinterbliebenen entsprechend der entrichteten Beitragszahlungen ein Sterbegeld zu bezahlen.22

  • 8.

    Neuregelung des Lohnes.

  • 9.

    Herabsetzung der HO- und Konsumpreise für die Güter des täglichen Bedarfs.

  • 10.

    Bezahlung der Sonntagszuschläge in der Form, wie sie vor der Erstellung der Kollektivverträge erfolgte, desgleichen der Nachtschichtzulagen.

  • 11.

    Zahlung einer Jahresabschlussprämie.

  • 12.

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, ohne Rücksicht auf Stellenplan.

  • 13.

    Bezahlung der Schichtübergabezeit wie früher.

  • 14.

    Bei Arbeitsplatzwechsel infolge einer Berufserkrankung darf keine Lohnrückstufung erfolgen.

  • 15.

    Herabsetzung der Tragezeit der Arbeitskleidung auf zwölf Monate, da sie zu diesem Zeitpunkt meistens verbraucht ist.

Außer diesen Forderungen, die von allen Kollegen der AGL Natronlauge vertreten werden, sind im Folgenden besondere Forderungen der Gewerkschaftsgruppen gestellt worden.

Es kam in der Diskussion besonders deutlich zum Ausdruck, dass es sich hierbei nicht um Bitten oder Wünsche, sondern um »Forderungen der Belegschaft« handelt.

Elektrolyse H 56

  • 1.

    Elektrifizierung der Kräne.

  • 2.

    Auszahlung der Produktionsprämien in voller Höhe am Monatsende.

  • 3.

    Bis zur Regelung der monatlichen Produktionsprämie pünktliche Zahlung der Quartalsprämie.

  • 4.

    Errichtung eines persönlichen Kontos für Quecksilber. Feststellung, mit23 wie viel Prozent das Quecksilber in der Produktionsprämie enthalten ist.

  • 5.

    Gewährung von einem Tag Urlaub aus dem zustehenden Jahresurlaub in dringenden Fällen.

  • 6.

    Unterwäsche für Frauen im Betrieb.

  • 7.

    Neuregelung der Schmutzzulage in der Kohlewerkstatt.

  • 8.

    Lieferung von besserer Seife.

  • 9.

    Verstärkung der Schichtbelegschaft.

  • 10.

    Gewährung von 24 Tagen Jahresurlaub für die Montage (wie in Bitterfeld).

  • 11.

    Zahlung der Lästigkeits- und Erschwerniszulage für die Kellerleute in gleicher Höhe wie für die Montage.

  • 12.

    Ausgabe von einem halben Liter Vollmilch anstelle der bisherigen Magermilch.

  • 13.

    Erweiterung des Südbades in beschleunigtem Tempo.

  • 14.

    Lästigkeitszulage für Montage und die Schicht in Höhe von DM 0,40.

  • 15.

    Für alle in H 56 beschäftigten und mit Quecksilber in Berührung kommenden Leute die A-Karte.

  • 16.

    Errichtung von ein bis zwei Wannenbädern für Amputierte und Klosettanlage.

  • 17.

    Austausch der Igelit-Stiefel gegen stromsichere Gummistiefel.

Chlorverdichtung H 48

  • 1.

    Neueinstufung der Löhne.

  • 2.

    Bezahlung der Lästigkeitszulage mit Platzzulage wie früher.

Aluminiumchloridfabrik H 67

  • 1.

    Verbesserung des Bades, der Aufenthalts- und Umkleideräume.

Büro H 56

  • 1.

    Die Gehälter der kaufmännischen Angestellten sind im Vergleich zu den gestiegenen Lebenshaltungskosten nur ungenügend korrigiert worden. So wirken sich diese Verteuerungen besonders empfindlich aus. Lebensmittelkarte E und die Kosten für die Arbeitskleidung, wozu vom Werk lediglich ein Arbeitskittel beigesteuert wird, tragen das ihre dazu bei. Forderungen: Die im Kollektivvertrag versprochene Gehaltsneuregelung ist, wie bei den technischen Angestellten, ebenfalls durchzuführen.

  • 2.

    Nach Wegfall der Direktionsfondsprämie ist die alte Forderung nach Angliederung an das Prämiensystem unserer Produktionsbetriebe für die kfm. Verwaltung der A-Abteilung zu realisieren.

  • 3.

    Wegfall der für einen chemischen Großbetrieb unwürdigen Lebensmittelkarte E. Diese Forderung besteht24 in Anbetracht der Lage des Büros der A-Abteilung im Bau H 56 besonders dringend.

  • 4.

    Jahresurlaub von zwölf Tagen für die kaufmännischen Angestellten wird als ungerecht und deshalb untragbar empfunden.

  • 5.

    Analysen der Raumluft in den Büroräumen H 56 haben Quecksilbergehalt ergeben. Milchzuteilungen wie in der Chlorfabrik, in deren Mitte das Büro liegt, sind deshalb erforderlich.

  • 6.

    Errichtung einer zusätzlichen Klosettanlage für Frauen in H 56, wo eine einzige Anlage von Labor und Büro gemeinsam benutzt werden muss (55 Frauen in Tagschicht).

Betriebslaboratorien H 56

  • 1.

    Ausgabe von Frischmilch an jene Belegschaftsmitglieder, die infolge ihrer besonderen Arbeit bereits vor zwei Jahren Milch erhielten.

  • 2.

    Für die Angestellten Weiterzahlung des Gehaltes im Krankheitsfalle bis sechs Wochen.

  • 3.

    Generelle Gehaltsregulierung der technischen Angestellten der Laboratorien. Im Betriebskollektivvertrag 1952 sind wir mit einer Neuregelung vertröstet worden, jedoch ist dazu bis heute nichts erfolgt.

gez. i. V. Walther | AGL Natronlauge25

[Dokument 4]

Schkopau, den 9.7.1953

Chemische Werke Buna | Elektrowerkstätten | C 44, G 63, WeWo II,

über die AGL | der Elektrobetriebe | an die | BGL | der Chemischen Werke Buna | zur Weiterleitung an die zuständigen Instanzen

Am 8. Juli 1953 fand im Speiseraum D 919 eine Versammlung der Werkstätten G 63, C 44 und WeWo II statt. Anwesend waren 179 Kolleginnen und Kollegen. Die Versammlung wurde geleitet vom Kollegen Sasse, C 44, unter Anwesenheit des Kollegen Demann (BGL) und Kollegen Gauglitz, AGL.

In freier Aussprache und reger Diskussion wurden die Fehler und Schwächen der Gewerkschaftsleitung sowie der Regierungsstellen aufgezeigt und folgende 28 Forderungen gestellt.

Die Versammlung wählte als Ausschuss eine Kommission von sechs Kollegen, die die Ausarbeitung und Weiterleitung der Versammlungsbeschlüsse bewerkstelligt: [Name 1], G 63; [Name 2], G 63; [Name 3, Vorname], G 63; [Name 4], C 44; [Name 5], C 44; [Name 6], C 44.

In der Anlage wird die Abschrift einer Resolution an den Hohen Kommissar der SU, Semjonow, beigefügt, die in der Versammlung beschlossen wurde. Ferner eine Erklärung des Betriebes A 59.

Die aufgestellten Forderungen sind Folgende:

  • 1.

    Beschleunigte Maßnahmen, die zur Beseitigung der Zonengrenzen und der Gegensätze zwischen Ost und West und damit zur Einheit Deutschlands führen. Freie, geheime gesamtdeutsche Wahlen unter Zulassung sämtlicher demokratischen Parteien. Nach Abschluss eines Friedensvertrages Abzug aller Besatzungstruppen.

  • 2)

    Sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten. Nichtfreilassung und weitere Verhaftungen aus ungerechtfertigten politischen Gründen werden mit Streik beantwortet.

  • 3)

    Umgehende Benachrichtigung (innerhalb 24 Stunden) der Angehörigen von Verhafteten, aus welchem Grunde die Inhaftierung erfolgte und wo der Häftling sich befindet.

  • 4)

    Zulassung von Kommissionen, die sich ohne vorherige Anmeldung zu jeder Zeit über die Zustände in den Gefängnissen informieren können.

  • 5)

    Wegfall der Schweigepflicht für entlassene Inhaftierte über Geschehnisse und Behandlung während der Haft (Überbleibsel aus der Nazizeit).

  • 6)

    Reduzierung der Kasernierten Volkspolizei auf ein Mindestmaß, da wir zzt. noch eine Besatzungsmacht haben, junge gesunde Kräfte zum Wiederaufbau dringend benötigt werden und darüber hinaus erhebliche Mittel unseres Staatshaushaltes für andere Zwecke frei werden.

  • 7)

    Umorganisierung der Gewerkschaft in eine Kampforganisation aller Werktätigen. Loslösung der Gewerkschaft von einseitiger Parteipolitik.

  • 8)

    Bekanntgabe und Überprüfung der Gehälter der Gewerkschaftsfunktionäre.

  • 9)

    Sofortige Neuwahl von BGL und AGL, weil diese aufgrund der Misstrauensanträge und ihrer schlechten Arbeit nicht mehr das Vertrauen der Belegschaft besitzen. Keine Bezahlung der Gewerkschaftsbeiträge bis zur Erfüllung dieser Forderung.

  • 10)

    Umstellung des »Aufwärts« in eine Werkzeitung unter Wahrung aller Arbeiterinteressen, jedoch ohne einseitige politische Parteitendenzen.

  • 11)

    Bezahlung des Lohnausfalles, der infolge der Demonstration am 17. Juni 1953 und der folgenden Tage entstanden ist, da laut Gesetz den Werktätigen das Recht zu Demonstrationen und Willensäußerungen gewährleistet ist.

  • 12)

    Maßnahmen und Beweise der Regierung, dass die Politik vom 9. Juni 195326 eine stetige Aufwärtsentwicklung für den Lebensstandard des werktätigen Menschen bringt. Die zehn Punkte der Regierung erkennen wir nur an als Ausgangspunkt.

  • 13)

    Aufbesserung der Lohngruppen 1–4. Regulierung der Gehälter der kaufmännischen und technischen Angestellten.

  • 14)

    Zahlung einer Jahresabschlussprämie für jedes Belegschaftsmitglied entsprechend dem wirtschaftlichen Gewinn des Werkes.

  • 15)

    Regulierung des Treueurlaubs für Arbeiter und Angestellte auf den Stand von 1949, d. h. Erhöhung des Treueurlaubs um 100 %.

  • 16)

    Nachzahlung der ohne Begründung in Wegfall gekommenen Quartalsprämie für Zeitlöhner ab IV. Quartal 1952 aus dem Direktorenfonds27 und pünktliche Auszahlung in Zukunft.

  • 17)

    Haushaltstage28 für alle weiblichen Belegschaftsmitglieder mit eigenem Haushalt. Bei entschuldigtem Fehlen darf eine Sperrung des Haushaltstages im nächsten Monat keinesfalls erfolgen, weil der Fehltag nicht bezahlt wird und durch Sperrung des Haushaltstages im darauffolgenden Monat eine ungerechtfertigte Bestrafung des betreffenden Belegschaftsmitgliedes vorliegen würde. Nur bei nachgewiesener Arbeitsbummelei wäre eine Bestrafung am Platze.

  • 18)

    Fahrpreisermäßigung für alle Urlauber, auch wenn sie für ihren Erholungs- und Jahresurlaub keinen FDGB-Ferienplatz in Anspruch nehmen.

  • 19)

    Wegfall der Lebensmittelzusatzkarten D und E, dafür Eingruppierung in eine höhere Stufe.

  • 20)

    Herabsetzung der Tragezeit für Arbeitskleidung von 18 auf zwölf Monate.

  • 21)

    Weibliche Personen dürfen keine Transportarbeiten verrichten, da nach dem Gesetz zum Schutze der werktätigen Frau diese nicht über 15 kg tragen dürfen.29

  • 22)

    Schnellste Lösung des Wohnungsproblems durch Bereitstellung entsprechender Geldmittel für den Wohnungsneubau und -ausbau.

  • 23)

    Gesunde Wohnverhältnisse im Gemeinschaftslager Korbethaer Straße30 und Überprüfung der zu zahlenden Mieten.

  • 24)

    Die SVK muss ihre Einschränkungen, die sie den Ärzten in der Verschreibung von Arzneimitteln auferlegt hat, aufheben. Der Arzt muss nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden können, welche Arzneimittel die Patienten am besten und schnellsten gesunden lassen. Die SVK darf ihren Mitgliedern keine vom Arzt verschriebenen Arzneimittel in Anrechnung bringen. Den Ärzten ist die Möglichkeit zu geben, wieder Rezepte für Medikamente auszuschreiben, die in der DDR nicht erhältlich sind, aber von dem betreffenden Patienten aus dem Westen bezogen werden können.

  • 25)

    Sofortige Herabsetzung der HO-Preise auf den Stand nach der 12. Preissenkung.31 Maßnahmen zur Verhinderung nachträglicher Preissteigerungen und Vorbereitung weiterer laufender Preissenkungen auf ein für die breite Masse erträgliches Maß.

  • 26)

    Beschleunigte Maßnahmen zum Bau einer schon für 1953 geplanten neuen Saalebrücke.

  • 27)

    Wegfall der Verzollung von Geschenksendungen aus Westdeutschland und aus dem Ausland.

  • 28)

    Bei zukünftigen Aussprachen mit führenden Mitgliedern von Staat und Regierung sollen Teilnehmerkarten nicht mehr personell, sondern betrieblich verteilt werden, sodass die Belegschaft die Möglichkeit hat, selbst ihre Vertreter zu wählen.

Die Belegschaft der Elektrowerkstätten, C 44, G 63, WeWo II, der Chemischen Werke Buna Schkopau

Anlage 2 vom 23.7.1953 zur Information Nr. 1021 (1. Expl.)

Information Nr. 1021b: [Austritte von Mitgliedern der Partei in den Buna-Werken]

Genossen, die im Buna-Werk nach dem 17.6.1953 aus der Partei ausgetreten sind:

  • 1.

    [Name 1, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 24, Beitrag bis Juni 1953, Begründung: ohne Begründung.

  • 2.

    [Name 2, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 24, Beitrag bezahlt bis März 1953, Begründung mündlich: Er hat mit der Partei nichts mehr abzumachen.

  • 3.

    [Name 3, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (KPD), Grundorganisation 24, Beitrag bis August 1952, Begründung: ohne Begründung.

  • 4.

    [Name 4, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1929 (SPD), Grundorganisation 22, Beitrag bis Juni 1953, Begründung: ohne Begründung.

  • 5.

    [Name 5, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 20, Beitrag bis Mai 1953, Begründung: ohne Begründung.

  • 6.

    [Name 6, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 22, Begründung: ohne.

  • 7.

    [Name 7, Vorname], Meister, Mitglied seit 1929 (SPD), Grundorganisation 23, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung: Arzneimittel für kranke Frau zu kaufen, keine Gelder für den Parteibeitrag über.

  • 8.

    [Name 8, Vorname], TAN-Bearbeiter, Mitglied seit 1952, Grundorganisation 6, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung mündlich: Kommt nicht mehr infrage.

  • 9.

    [Name 9, Vorname], Mitglied seit 1924 (SPD), Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: Er kann der Politik der Partei nicht mehr folgen.

  • 10.

    [Name 10, Vorname], Kontrolleur, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Die wechselvolle Politik der letzten zwei Jahre hat mich zu diesem Entschluss gebracht.

  • 11.

    [Name 11, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1949 Kandidat, Grundorganisation 22, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 12.

    [Name 12, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1947, Grundorganisation 14, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung: Die jüngsten Ereignisse zwingen ihn, sich von der Partei zu trennen.

  • 13.

    [Name 13, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung: Ohne Begründung, nur Austritt schriftlich erklärt.

  • 14.

    [Name 14, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 (KPD), Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: In meiner aktiven politischen Mitarbeit hat es sich immer wieder gezeigt, dass man nur die Linie der Partei zu vertreten hat und nicht die eigene Meinung äußern darf. Dass es ein großer Fehler war, hat mir der 17.6.1953 gezeigt. Ich lehne es ab mit verantwortlich zu sein für Fehler, die nicht meine eigenen sind. Deshalb erkläre ich meinen freiwilligen Austritt.

  • 15.

    [Name 15, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Januar 1952, Begründung: ohne.

  • 16.

    [Name 16, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bis Dezember 1952 bezahlt, Begründung: Kein Interesse an Parteiarbeit.

  • 17.

    [Name 17, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1927, Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: Keine Bindung mehr zur Partei.

  • 18.

    [Name 18, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (KPD), Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Grundorganisation 18a, Begründung: ohne.

  • 19.

    [Name 19, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 32, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: Die seitens des ZK selbstkritisch erkannten Fehler der Partei haben mich als Intellektuellen in derartige schwere seelische Konflikte gebracht, dass ich mich unwiderruflich entschlossen habe, in Zukunft nicht mehr politisch organisiert zu sein.

  • 20.

    [Name 20, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 (KPD), Grundorganisation 18, Beitrag bis Juli 1953 bezahlt, Begründung: Fühlt sich nicht mehr parteiverbunden.

  • 21.

    [Name 21], Arbeiter, Mitglied seit 1926 (KPD), Grundorganisation 10, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Austritt aus gesundheitlichen Gründen erklärt.

  • 22.

    [Name 22, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1951, Grundorganisation 20, Begründung: mündlich erklärt.

  • 23.

    [Name 23, Vorname], Angestellte, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 20, Beiträge bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Erklärt ihren Austritt ohne Begründung.

  • 24.

    [Name 24, Vorname], Angestellte, Mitglied seit 1952, Grundorganisation 20, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Austritt erklärt ohne Begründung.

  • 25.

    [Name 25, Vorname], Angestellter Ingenieur, Mitglied seit 1947 Grundorganisation 20, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Ich habe mich bemüht, den durch das ZK der Partei empfohlenen Kurswechsel politischer Richtlinien sowie die zugegebenen erheblichen Fehler maßgebender Funktionäre mit meiner bisherigen klaren Einstellung zur Partei in Übereinstimmung zu bringen. Dieser von mir so plötzlich geforderte neue ideologische Kurswechsel ist mir zzt. nicht gelungen, worin ich den Grund meines Austrittes sehe. Ich bitte um Würdigung meiner offenen ausgesprochenen Begründung.

  • 26.

    [Name 26, Vorname], Meister, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 23, Beitrag bis Juni bezahlt, Begründung: ohne.

  • 27.

    [Name 27, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1948, Grundorganisation 6, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 28.

    [Name 28, Vorname], Meister, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 29.

    [Name 29, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Januar 1953, Begründung: Kein Interesse mehr an der Parteipolitik, Aussprache zwecklos.

  • 30.

    [Name 30, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1919 (USPD), Grundorganisation 20, Beitrag bis Juni 1953, Begründung: ohne Begründung.

  • 31.

    [Name 31, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1951, Grundorganisation 12, Beitrag bezahlt bis März 1953, Begründung: Ist nicht gewillt, die Fehler, die das ZK gemacht hat, wegzuschaffen. Sollte der Austritt nicht bestätigt werden, so bitte ich um Ausschluss.

  • 32.

    [Name 32, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1948, Grundorganisation 12, Beitrag bis April 1953, Begründung: Aufgrund der letzten Ereignisse kann er die Interessen der Partei nicht mehr vertreten.

  • 33.

    [Name 33, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 12, Beitrag bis 1953, Begründung: Keine Austrittserklärung.

  • 34.

    [Name 34, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 18a, Beitrag bis Juli 1953 bezahlt, Begründung: Keine Parteiverbundenheit.

  • 35.

    [Name 35, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1924 (KPD), Grundorganisation 19a, Beitrag bezahlt bis Juli 1953, Begründung: Ereignisse der letzten Zeit.

  • 36.

    [Name 36, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: Keine innere Verbindung mehr zur Partei.

  • 37.

    [Name 37, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 9, Beitrag bis Sept. 1952 bezahlt, Begründung: keine.

  • 38.

    [Name 38, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1931 (KPD), Grundorganisation 13, Beitrag bis April 1953 bezahlt, Begründung: keine. Aussprache mit Genosse Geist erfolglos.

  • 39.

    [Name 39, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945, Grundorganisation 23, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne Austrittserklärung.

  • 40.

    [Name 40, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 SPD, Grundorganisation 20a, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne Grund.

  • 41.

    [Name 41, Vorname], Angestellte, Mitglied seit 1948, Grundorganisation 10, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne Grund.

  • 42.

    [Name 42, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (SPD), Beitrag bis April 1953 bezahlt, Begründung: ohne Grund.

  • 43.

    [Name 43, Vorname], Angestallter, Mitglied seit 1945 (KPD), Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne Grund.

  • 44.

    [Name 44, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945, Grundorganisation 14, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne Grund.

  • 45.

    [Name 45, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945, Grundorganisation 9, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Die wechselhafte und teilweise widerspruchsvolle Haltung der Partei veranlasst mich zu meinen Austritt, da ich nicht in der Lage bin, mich jeder ideologischen Schwankung anzupassen.

  • 46.

    [Name 46, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1947, Grundorganisation 9, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: Die letzten Ereignisse haben mein Vertrauen zur Parteileitung erschüttert, deshalb Austritt.

  • 47.

    [Name 47, Vorname], Kandidat, Angestellter, seit 1950, Grundorganisation 9, Beitrag bis April 1953 bezahlt, Begründung: Stellt Antrag auf Streichung aus der Kandidatenliste.

  • 48.

    [Name 48, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 25, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt Begründung: Kann keinen Betrag mehr bezahlen.

  • 49.

    [Name 49, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (KPD), Grundorganisation 19a, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: parteimüde.

  • 50.

    [Name 50, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1948, Grundorganisation 14, Beitrag bis 1953, Begründung: ohne.

  • 51.

    [Name 51, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 22, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 52.

    [Name 52, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 (SPD), Beitrag bezahlt bis Mai 1953, Begründung: ohne.

  • 53.

    [Name 53, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 22, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 54.

    [Name 54, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1951, Grundorganisation 22, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 55.

    [Name 55, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 22, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 56.

    [Name 56, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 22, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 57.

    [Name 57, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 22, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 58.

    [Name 58, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1945 (SPD), Grundorganisation 22, Beitrag bis Mai 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 59.

    [Name 59, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 20, Beitrag bezahlt bis Mai 1953, Begründung: ohne.

  • 60.

    [Name 60, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1949, Grundorganisation 16, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: ohne.

  • 61.

    [Name 60, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1947, Grundorganisation 16, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: letzte Ereignisse.

  • 62.

    [Name 62, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1945, Grundorganisation 16, Beitrag bezahlt bis Mai 1953, Begründung: aus gesundheitlichen Gründen.

  • 63.

    [Name 63, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1947, Grundorganisation 16, Beitrag bis Mai 1953, Begründung: Gesundheitliche und familiäre Gründe.

  • 64.

    [Name 64, Vorname], Arbeiter, Kandidat seit 1949, Grundorganisation 16, Beitrag bis April 1952, Begründung: kein politisches Interesse.

  • 65.

    [Name 65, Vorname], Angestellter, Mitglied seit 1946, Grundorganisation 14, Beitrag bezahlt bis März 1953, Begründung: Ist mit den Beschlüssen der Partei nicht mehr einverstanden.

  • 66.

    [Name 66, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1951, Grundorganisation 25, Beitrag bez. bis Juni 1953, Begründung: Hat kein Vertrauen mehr.

  • 67.

    [Name 67, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1948, Grundorganisation 33, Beitrag bis Juni 1953 bezahlt, Begründung: ohne.

  • 68.

    [Name 68, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1952, Grundorganisation 19a, Beitrag bezahlt bis Januar 1953, Begründung: ohne.

  • 69.

    [Name 69, Vorname], Arbeiter, Mitglied seit 1918, Grundorganisation 10, Beitrag bez. bis Mai 1953, Begründung: ohne.

  • 70.

    [Name 70, Vorname], Arbeiter, Kandidat seit 1952, Grundorganisation 13a, Beitrag bezahlt bis Juni 1953, Begründung: krankheitshalber.

Anlage 3 vom 23.7.1953 zur Information Nr. 1021 (1.Expl.)

Information Nr. 1021c: Das Verhalten der Partei und des FDGB vom 15. bis 18.7.1953 in den Buna-Werken

Am 15.7.1953, um 14.00 Uhr, wurde von der Kreisleitung der SED ein Kampfstab gebildet. Dazu gehörten: der 2. Sekretär vom Bezirk Halle – Genosse Cherk,32 zwei Instrukteure vom ZK, der 1. Kreissekretär, Genosse Rinkel,33 ein Vertreter der KVP, ein Vertreter des Betriebsschutzes und ein Vertreter des Ministeriums für Staatssicherheit.

Um 14.00 Uhr waren noch keinerlei wirksame Maßnahmen getroffen, um den Streik zu verhindern. Auf den Vorschlag, bewusste Genossen zusammenstellen und mit diesen die Arbeit in der Karbidproduktion aufzunehmen, ging man nicht ein. Genosse Rinkel veranlasste die Ausgabe von Kleinkalibergewehren an die Genossen der Kreisleitung. Nach dem aufgezeigt wurde, dass dies falsch sei, weil 1. genügend Kräfte (KVP) vorhanden sind, 2. noch keine Tätlichkeiten begangen wurden, sah man davon ab. Auf den Vorschlag, sofort Instrukteure in die streikenden Betriebe zu entsenden, wurde von dem 2. Sekretär der Bezirksleitung Halle und Genossen Rinkel geantwortet, dass 100 Instrukteure aus anderen Betrieben unterwegs sind. Nach zweistündigem Warten wurden die vorhandenen 100 Instrukteure endlich eingesetzt. Diese wurden nicht in die einzelnen Betriebe reingelassen und diskutierten mit den Arbeitern durch die Fenster. Ein geplanter Aufruf mittels Lautsprecherwagen wurde durch die Partei vorbereitet. Zu diesem Aufruf (3–434 Schreibmaschinenseiten) benötigte man zwei Stunden. Als derselbe auf Tonband aufgenommen war, wurde festgestellt, dass der Funkwagen nicht in Ordnung war bzw. sich niemand damit zurechtfand. Um 16.00 Uhr rief Gardeoberst Rodionow35 von der SKK Halle zu einer Besprechung bei der Generaldirektion auf. Die Streikenden entsandten Delegationen. Nach Anhören der Delegation wurde erklärt, dass es sich um faschistische Forderungen handelt und dass, wer bis 17.00 Uhr die Arbeit nicht aufnimmt, das Werk verlassen soll und als gekündigt gilt. Wirksame Maßnahmen zur Aufklärung der Arbeiter aufgrund dieser Besprechung wurden vonseiten der Partei nicht unternommen. Bei schnellerem Einsatz wäre die Aufnahme des Streiks am 16.7.1953 in der Form nicht zu verzeichnen gewesen. Die Anordnung der sowjetischen Generaldirektion hat man ebenfalls nicht konsequent durchgeführt. Am 18.6.1953 wurden in den Betrieben Delegierte gewählt und in einer Kommission zusammengefasst, die die Forderungen der Arbeiter zu überprüfen hatte. Ohne Rücksprache zu nehmen, löste Genosse Rinkel diese auf, was zu Unruhen im Werk führte. Gardeoberst Rodionow veranlasste am 15.7.1953 die sofortige Wiederaufnahme der Tätigkeit der Kommission.

Die Werksleitung hat sich bei den Ereignissen am 15.7.1953 völlig negativ verhalten. So äußerte sich der Werksleiter Dr. Moll36 auf die Forderung, dafür Sorge zu tragen, dass die Produktion wieder angefahren wird, zynisch, dass die Intelligenz am 17.6.1953 diejenigen waren, welche einen störungsfreien Produktionsablauf gewährleistet haben. Obwohl sich ihre Partei und FDGB sonst die führende Rolle anmaßt, war am 17.6.1953 nichts davon zu spüren. Für die Ereignisse am 15.7.1953 trägt [sic!] die Partei und der FDGB die volle Verantwortung. Ich lehne es mit meinen Herren ab, irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen. Nach den Anweisungen des Dr. Moll verhielt sich die gesamte Intelligenz zu den Ereignissen vollkommen passiv. In den Buna-Werken besteht eine Verfügung, wonach in den Betrieben keine Versammlungen während der Arbeitszeit durchgeführt werden dürfen. Auch am 15.7.1953, obwohl schon alles streikte, bestand Dr. Moll auf dieser Anweisung, wodurch es den Instrukteuren der Partei nicht gelang, an die Massen heranzukommen.

Ein besonderer Freund des Dr. Moll ist Dr. Beyer,37 welcher bis 1952 als LDP-Mann Personalleiter war. Beyer selbst schrie am 17.6.1953: »Schlagt sie tot, die roten Hunde«, und forderte auf, das Emblem der SED zu entfernen. Moll hat weiter beste Verbindungen zu dem im Werk Leuna beschäftigten Dr. Zepf.38

Es kann gesagt werden, dass die Intelligenz des Werkes Buna überwiegend die Losungen der Arbeiter unterstützte. Ohne Zweifel besteht Verbindung der Intelligenz zum IG-Farben-Konzern. Bezeichnend ist es, dass unter Leitung des Dr. Hilburg und Dr. Schröder eine Delegation zusammengestellt wurde, die die Freilassung des Provokateurs Seeger39 erzwingen sollte. Aus dem Konstruktionsbüro G 912 tritt ein Ingenieur [Name] durch hetzerische Äußerungen und Forderungen besonders negativ in Erscheinung.

Anlage 4 vom 23.7.1953 zur Information Nr. 1021 (1. Expl.)

Information Nr. 1021d: Eingreifen der Organe des Ministeriums für Staatssicherheit bei den Vorkommnissen vom 15. bis 18.7.1953 in den Buna-Werken

Die Schwächen des MfS im Werk Buna bestanden darin, dass man nach den Ereignissen vom 17.6.1953 glaubte, dass alles wieder seinen gewohnten Gang geht und nicht sah, dass der Klassengegner zu neuen Schlägen ausholte. Die Verbindung mit den Massenorganisationen war schlecht. Das Netz von GI40 und GM41 erwies sich als völlig unzureichend, wie es sich zeigte, wurde nicht den politischen und sozialen Schwerpunkten entsprechend die Agentur angeworben. Hinzu kommt [sic!] der laufende Wechsel der Mitarbeiter und die ungenügende Besetzung. Die vorhandene Agentur von 53 GIs bietet für die organisierte Abwehrarbeit keinerlei Gewähr, da bei den Ereignissen am 17.6.1953 sämtliches Material durch Provokateure in der Dienststelle Merseburg gestohlen bzw. vernichtet wurde. Obwohl die Mitarbeiter besonders auf die Intelligenz hingewiesen wurden, die noch Verbindung zum IG-Farben-Konzern aufrechterhält, gelang es nicht, in diese Kreise einzudringen.

Am 14.7.1953 erhielt die Dienststelle des MfS Merseburg gegen 20.00 Uhr durch einen GI die Mitteilung, dass die Arbeiter aus den Bauten F 62 und G 63 in den Streik treten wollen, da angeblich zwei Arbeiter zu je vier Jahren Zuchthaus verurteilt wurden. Weiterhin weil die Streiktage, d. h. der 17. und 18.6.1953, nicht bezahlt wurden. Die Dienststelle des MfS hatte nach dem 17.6.1953 bereits Mitteilung über geplante Streiks erhalten, die jedoch nicht eingetreten sind.

Da die Dienststelle des MfS die bei der Partei und BGL vorhandenen Resolutionen nur zum Teil kannte, wurde auch die Mitteilung des GI in ihrer Bedeutung unterschätzt. Am 14.7.1953, gegen 22.00 Uhr, wurden lediglich die Partei und der Betriebsschutz des Buna-Werkes verständigt und das Werk mit einem Mitarbeiter besetzt. Am 15.7.1953, 9.30 Uhr, wurde der Bezirksverwaltung Halle bekannt, dass in dem Buna-Werk in verschiedenen Betrieben die Arbeit niedergelegt wurde. Im Werk befanden sich zwei Sachbearbeiter der Dienststelle [des] MfS Merseburg. Die Bezirksverwaltung des MfS entsandte sofort zur Verstärkung vier Genossen. Als erste Maßnahme wurde die Entfernung der vor den Betrieben stehenden Schilder mit der Aufschrift »Hier wird gestreikt!« eingeleitet. Diese Maßnahmen, welche im Zusammenhang mit der VP durchgeführt wurden, scheiterten an der Hartnäckigkeit der Streikenden, indem sie laufend neue Schilder anbrachten. Ein Mitarbeiter des MfS wurde als Schlosser verkleidet unter die Streikenden geschickt, um die Rädelsführer sowie die Stimmung zu erkunden. Es zeigte sich, dass diese Maßnahme gut war, da es uns gelang, Rädelsführer zu stellen und geplante Aktionen zu erkennen. Nach weiterer Hinzuziehung von Kräften wurde die Telefonzentrale in Verbindung mit der Abteilung K besetzt, um Gespräche nach außerhalb zu unterbinden. Gleichfalls wurde die direkte Gasleitung nach Leuna besetzt. Ein weiterer Genosse wurde zur Einsatzleitung der Kreisleitung der SED abgeordnet. Die Sachbearbeiter des Betriebes erhielten Anweisung, mit ihren Informatoren Verbindung aufzunehmen und laufend Treffs durchzuführen. Andere Genossen wurden beauftragt, Stimmungen in den Betrieben festzustellen.

Am Abend des 15.7.1953 wurde das gesamte Material über Rädelsführer und Provokateure zusammengefasst und die Festnahmen durchgesprochen. Ab 23.00 Uhr erfolgten Festnahmen und Hausdurchsuchungen der bekannten Personen. Gegen 23.00 Uhr wurden von der Partei drei Listen überreicht mit dem Bemerken, die Personen festzunehmen. Nach Überprüfung und Rücksprache wurde festgestellt, dass nur geringfügiges Material vorhanden war. Die Festnahmen wurden abgelehnt. Gegen 24.00 Uhr überbrachte Minister Selbmann eine Liste mit 16 Personen, die festzunehmen sind, da es sich um Provokateure handelt und ausreichend Material vorliegt. Zwölf von diesen 16 wurden festgenommen. Die Vernehmungen ergaben keine konkrete Belastung. In einer Rücksprache durch Genossen Oberst Weikert42 mit Genossen Selbmann, warum er diese Personen festnehmen ließ, erklärte dieser, dass dies Vorsichtsmaßnahmen gewesen seien. Da es sich bei diesen Personen um Arbeiter aus verschiedenen Betrieben handelte, wurden diese verpflichtet und entlassen. Es hat sich gezeigt, dass diese Personen bis zum heutigen Tage ihre Treffs einhielten und wertvolle Hinweise gaben.

Aufgrund der Tatsache, dass zu wenig GIs im Betrieb vorhanden waren, wurde beschlossen, Arbeiter und Meister aus den streikenden Betrieben in ihren Wohnungen offiziell anzusprechen. Die Freunde lehnten dies als nicht richtig ab. Nach einer Besprechung mit Genossen Generalmajor Last43 wurde diese Methode für richtig befunden und nach eingehender Aussprache und Festlegung von Verhaltungsmaßnahmen am 18.7.1953 erstmalig durchgeführt. Hierbei zeigt sich, dass die angesprochenen Personen gut berichteten, wichtige Hinweise zur Aufklärung der Rädelsführer und Provokateure gaben und gleichzeitig das Vertrauen der Werktätigen zu den Staatsorganen gefestigt wurde.

Von allen streikenden Betrieben wurden Objektmappen zunächst provisorisch angelegt. Über angefallene Provokateure und Rädelsführer wurden Karteikarten ausgeschrieben. Bei der Aktion vom 15. bis 18.7.1953 wurden insgesamt 18 Personen verhaftet, sieben davon erhielten Haftbefehl und werden den Gerichten übergeben, elf Personen wurden nach [der] Verpflichtung wieder entlassen.

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    24. Juli 1953
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