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Arbeitshaftlager Mildenberg

4. Juni 1956
Betrifft: Arbeitshaftlager Mildenberg, Kreis Gransee (Potsdam) [Information Nr. M117/56]

Die Strafgefangenen des Arbeitshaftlagers Mildenberg arbeiten im Ziegelkombinat Zehdenick – Produktionsabteilung 7. Die Stimmung und Arbeitsmoral der Strafgefangenen ist zzt. schlecht. Z. B. legte am 23.5.1956 der Strafgefangene [Name] die Arbeit nieder und forderte auch andere Strafgefangene mit dem Bemerken dazu auf, dass er keine Lust mehr zum Arbeiten habe, denn er würde sowieso bald entlassen. (Dieser Strafgefangene wurde abgesondert.) Auch andere Strafgefangene haben die gleiche Einstellung und sind nicht daran interessiert, ob sie ihre Norm erfüllen oder nicht. Die Strafgefangenen an den Ziegelpressen arbeiten mit Unlust und äußern, dass sie die Norm sowieso nicht erfüllen können. (Die Norm wird zu ca. 80 % erfüllt.) Durch schlechte Arbeit der Leitung des Ziegelkombinats wurde die Norm des Jahres 1955 (6 000–6 500) Steine einfach für 1956 übernommen, obwohl die Pressen nur 5 000 Steine schaffen.

Als Mitarbeiter des MfS die Produktionsabteilung 7 aufsuchten, um sich von den Missständen zu überzeugen, befanden sich der Betriebsleiter der Produktionsleitung 7, der technische Leiter und der Lohnbuchhalter angetrunken in der Kantine, wobei der Betriebsleiter äußerte: »Was wollt ihr denn schon wieder hier, macht nicht immer solchen großen Wind, im Betrieb ist alles in Ordnung.« Bei der Besichtigung des Betriebes wurde Folgendes festgestellt: In letzter Zeit sind laufend Störungen an den Pressen zu verzeichnen, an allen drei Pressen zwei bis drei Störungen täglich. Ursache: Fremdkörper im zu verarbeitenden Ton. Besonders nach den Pfingstfeiertagen haben sich die Störungen verstärkt. Bei der guten Arbeitsmoral in der Vergangenheit sind die Störungen nicht so oft aufgetreten.

Am 24.5.1956 brannte das Gleitlager des (Doppelwellenbinders)1 Doppelwellenmischers an der Streichmaschine aus. Im Gleitlager befand sich Sand und zum anderen war der Ölstand des Lagers schlecht kontrolliert. Für die Abschmierung ist der Presseführer verantwortlich, welcher aber einen Strafgefangenen mit dieser Arbeit betraute. Es wird angenommen, dass dieser Strafgefangene die Abschmierung entweder nicht durchführte oder Fremdkörper hineinwarf. Zum anderen wurde festgestellt, dass in der letzten Zeit laufend Sicherungen entzweigingen, die Ursachen aber nie festgestellt werden konnten.

  1. Zum nächsten Dokument Schwierigkeiten im Gesundheitswesen im Kreis Königs Wusterhausen
    4. Juni 1956
    Betrifft: Schwierigkeiten im Gesundheitswesen Kreis Königs Wusterhausen, Bezirk Potsdam [Information Nr. M118/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Stimmung und besondere Vorkommnisse unter Studenten und Oberschülern
    1. Juni 1956
    Stimmung und besondere Vorkommnisse unter den Studenten und Oberschülern (4. Bericht) [Information Nr. M116/56]