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Ausgliederung von Maschinen aus dem VEB Kettenfabrik Barchfeld

3. August 1956
Information Nr. 119/56 – Betrifft: Ausgliederung von Maschinen

Im VEB Kettenfabrik Barchfeld, [Kreis] Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, Werk III, gibt es unter den Arbeitern der Automatendreherei bezüglich der Ausgliederung von drei Automaten für Generalreparatur und Austausch negative Stimmen, die dieses verhindern wollen. Die Beschäftigten befürchten eine Schmälerung ihres Verdienstes. Dabei wurden von den Arbeitern folgende Aussprüche laut: »Wer sich wagt, diese Maschinen herauszuholen, der wird aufgehangen bzw. der soll sich die Bretter für den Sarg gleich mitbringen.« Daraufhin haben die Werkleitung und der BPO-Sekretär darüber beraten und zum Ausdruck gebracht, dass dies nicht so ernst zu nehmen und es keinen Anlass zu Befürchtungen sei. Sie stellten die Argumente der Kollegen als belanglos hin.

Vom Werkleiter wurde die Anweisung gegeben, dass am 19.7.1956 diese Automaten vom elektrischen Anschluss befreit und auf den Hof zum Abtransport bereitgestellt werden sollen. Der Elektriker, der die Automaten abschließen sollte, wurde an der Erfüllung seiner Aufgaben gehindert und von vielen werktätigen Frauen umstellt. Sie brachten ihm gegenüber zum Ausdruck, dass sie es nicht zulassen werden, dass er sich an den Maschinen vergreift, sonst würde etwas passieren. Der Elektriker wurde dabei tätlich von seiner Arbeit abgehalten.

Am 20.7.1956 gingen die verantwortlichen Funktionäre des Betriebes in den Saal der Automatendreherei. Als der Meister dem Werkleiter die Automaten zeigte, welche abgeschlossen werden sollten, und die Aufforderung gab, alle Automaten abzustellen, entstand unter Wortführung des ehemaligen BGL-Vorsitzenden und jetzigen AGL-Vorsitzenden, Kollegen Schneider, ein Auflauf. Die Funktionäre wurden von allen Automatendrehern sowie von den Arbeitern aus dem Nebensaal umringt. Die verantwortlichen Funktionäre des VEB Kettenfabrik, die noch einmal die Maßnahmen erläutern wollten, wurden durch den AGL-Vorsitzenden Schneider an einer geordneten Diskussion gehindert. Im Gegenteil, sie wurden von den Werktätigen beschimpft und provoziert. Aufgrund des geschlossenen Auftretens der Beschäftigten ist auf eine organisierte Tätigkeit zu schließen.

Zusammenfassend wäre noch zu sagen, dass diese zwei Automaten, welche unbedingt generalüberholt werden sollen, zur Überholung kommen, damit die Mittel in Höhe von 15 000 DM nicht verfallen. Ferner ist noch zu beachten, dass der Tausch der Drehautomaten unbedingt durchgeführt werden muss, da sonst der Regierungsauftrag – konische Schmiernippel – nicht realisiert werden kann. Aufgrund der vorhandenen Situation im Betrieb erfolgte noch keine Ausgliederung bzw. kein Tausch der Maschinen.

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    3. August 1956
    Information Nr. 123/56 – Betrifft: Arbeitsniederlegung
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    2. August 1956
    Information Nr. 118/56 – Betrifft: Arbeitsniederlegung