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Selbstgefertigte Flugschrift in Neustrelitz

2. August 1956
Information Nr. 114/56 – Betrifft: Selbstgefertigte Hetzschrift

Am 31.7.1956 wurde durch einen Torfarbeiter in Neustrelitz, [Bezirk] Neubrandenburg, in der Bernhard-Göring-Straße auf dem Treppenaufgang des Radiogeschäftes Stratonowitsch1 eine selbstgefertigte Hetzschrift gefunden. Die Hetzschrift hat die Größe eines DIN-A4-Bogens, ist beiderseitig mit Rotstift (Druckschrift) beschriftet. Der Inhalt der Hetzschrift lautet:2

»Bevölkerung der DDR

Es ist höchste Zeit, die Lebensweise wird immer schwerer, alles der Bevölkerung wird krank, es dürfen auch seitens der Arbeiter keine Krankenmeldung vom Arzt gemacht werden. In Berlin ist alles schon am Platze. Sie warten nur auf unsere Stätte. Wir sind dieses Mal nicht alleine. Unsere Polizei wartet schon auch darauf, denn sie haben jetzt selber Waffen. Wir können rechnen, dass sie auf Kommunisten schießen sowie auf Russen. Die Hälfte kommt von Westen, dann sind wir frei von der Sklaverei. Aber wir müssen unsere Kinder retten vor dem Hungertod. Die oberen Bonzen werden sehen, was mit ihnen wird, mit ihren Kommissaren. Sie leben keine Stunde mehr. Unsere Lebensweise ist nur noch künstlich. Meldet Euch noch mehr zur Kasernierten,3 damit wir noch mehr Waffen in die Hände haben. Denn jedes Gewehr bringt zehn Tote der Kommunisten. Schaut den Westen an, wie die leben. Alles gute Ware und billig, nicht wie bei uns in der DDR. Macht alle mit, es soll der 7. August früh 6.00 Uhr, sein. Schlagt die HO ein, dann haben die Lebensmittelkarten ein Ende.«4

Der Täter dieses Hetzschreibens ist bisher noch unbekannt. Maßnahmen wurden eingeleitet.

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    2. August 1956
    Information Nr. 115/56 – Betrifft: Abwandern von Arbeitskräften aus privaten Baubetrieben nach Westberlin
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    1. August 1956
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