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Zweiwochenbericht

21. Januar 1956
Informationsdienst Nr. 2 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Politische Probleme

Zu politischen Problemen wurden in der Berichtszeit besonders Diskussionen über die Wahlen in Frankreich1 und den Geburtstag des Genossen Wilhelm Pieck2 bekannt.

1.) Die Wahlen in Frankreich

In allen Betrieben der DDR löste das Ergebnis der Wahlen in Frankreich unter den Beschäftigten rege Diskussionen aus. Seinen Ausdruck fand das besonders dadurch, dass sich selbst diejenigen Arbeiter daran beteiligten, die sich sonst jeglichen Diskussionen über politische Probleme fernhielten. Durch den Erfolg der KPF, der von einem großen Teil in dieser Höhe nicht erwartet wurde, ist das Interesse für politische Fragen allgemein größer und das Vertrauen in die Politik der Kommunistischen Parteien und der SU gestärkt worden.

Die Mehrzahl der Diskussionen ist ausschließlich positiv und beinhaltet im Wesentlichen:

  • »Der Sieg der KPF wird große Auswirkungen auf die weitere politische Lage und Entwicklung in Europa haben.«

  • »Durch die starke französische Arbeiterklasse und KPF fängt es in der NATO an zu bröckeln.«

  • »Am Sieg der KPF ist das Wachsen der friedliebenden Kräfte der Welt und die fortschreitende Schwächung der NATO-Politik zu erkennen.«

  • »Die westdeutschen Arbeiter sollten sich daran ein Beispiel nehmen und dazu übergehen, die Imperialisten und Militaristen im Interesse der Einheit zu verjagen.«

Die Mehrzahl der Arbeiter verbindet mit den Diskussionen die Hoffnung, dass sich der Sieg der KPF auf Westdeutschland auswirken wird. Negative Stimmungen wurden nur vereinzelt dazu bekannt. In diesen wird zum Ausdruck gebracht, dass das Wahlergebnis nichts »ändert«, und das französische Volk als »faul« bezeichnet.

2.) Zum Geburtstag Wilhelm Piecks

Neben weiteren Produktionsverpflichtungen wurden in der Berichtszeit auch politische Diskussionen zum Geburtstag Wilhelm Piecks bekannt. Diese Diskussionen aus einer Reihe von Betrieben sind übereinstimmend positiv und bringen zum Ausdruck, dass die Arbeiter beeindruckt sind von der Ehrung unseres Präsidenten durch die ausländischen Delegationen und die Bevölkerung der DDR und Westdeutschlands. Im Wesentlichen beinhalten diese Argumente:

  • »Wir haben aus der Ehrung erkannt, dass Wilhelm Pieck sein ganzes Leben nur dem Kampf der Arbeiterklasse widmete.«

  • »Wilhelm Pieck wird die Spenden nutzbringend anwenden und Sportlern sowie der Jugend zur Verfügung stellen.«

  • »Die Anwesenheit der 25 ausländischen Persönlichkeiten ist ein Zeichen der Achtung der Welt für Wilhelm Pieck und ein Ausdruck der Anerkennung der DDR

Allgemein ist aus den Diskussionen noch zu erkennen, dass die Arbeiter im Glauben an den Bestand der DDR gestärkt wurden.

Ökonomische Fragen

Zu ökonomischen Fragen wurden negative Diskussionen und Verärgerungen unter den Beschäftigten der Industrie, im Zusammenhang mit dem Anlauf des 2. Fünfjahrplanes,3 bekannt. Anlass zu diesen Diskussionen in einer Reihe Betriebe sind besonders Auftragsmangel und fehlende Planunterlagen, Materialschwierigkeiten sowie laufende Planänderungen.

1.) Auftragsmangel und fehlende Planunterlagen

In einer ganzen Anzahl von Betrieben kam es beim Anlauf des 2. Fünfjahrplanes infolge fehlender Aufträge und Planunterlagen zum Stillstand in der Produktion verschiedener Werksabteilungen. Die Betriebe waren dadurch gezwungen, den Arbeitern Wartezeiten zu schreiben bzw. Umbesetzungen in andere Arbeiten vorzunehmen, wobei die Arbeiter weniger verdienen. Vereinzelt mussten Betriebe auch Entlassungen von Arbeitskräften vornehmen. Diese Tatsachen führten dann zu negativen Diskussionen unter den Arbeitern, in denen diese zum Ausdruck bringen, dass die höheren Stellen nichts aus dem ersten Fünfjahrplan4 gelernt haben und dass sie, besonders Facharbeiter, den Betrieb verlassen wollen, da sie sich weniger Verdienst nicht leisten könnten. Auftragsmangel und fehlende Planungsunterlagen wurden bekannt in folgenden Betrieben der Bezirke:

  • Dresden: VEB Archimedes Dresden;5 Sächsische Kunstseidenwerke Pirna,6 Abteilung Kupferschmiede; Carl Zeiss Dresden,7 Abteilung Optikerfertigung; Koffer und Lederwaren Bischofswerda; Stahlwerk Niesky; Gummiband- und Gurtweberei Pulsnitz;

  • Karl-Marx-Stadt: VEB Falgard Falkenstein;8 Press- und Schmiedewerk »Einheit« Brand-Erbisdorf; Kraftfahrzeug-Werk »Ernst Grube« Werdau; Bekleidungswerk Lößnitz; Bandweberei Crottendorf;9

  • Halle: VEB Metallwerk Harzgerode; Waggonbau Dessau; Union Quedlinburg;

  • Erfurt: VEB Travertinwerke Langensalza;

  • Leipzig: VEB PWS Schmölln; MEGU Leipzig;

  • Magdeburg: VEB Konsum-Bekleidungswerk Magdeburg; Elektromotorenwerke Wernigerode; Karl-Marx-Werk Magdeburg;10

  • Potsdam: VEB Wohnraumleuchten Luckenwalde; Möbelbeschläge Luckenwalde; VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« Wildau.

  • Frankfurt/O.: Bau-Union Frankfurt; VEB Plasta Erkner;11 Teerwerk Erkner.

2.) Materialschwierigkeiten

Ähnlich wie zum Auftragsmangel sind die Diskussionen über aufgetretene Materialschwierigkeiten in den Betrieben. Dadurch, dass es infolge fehlenden Materials in einigen Betrieben Maschinenstillstand und Wartezeiten gab, kam es zur Verärgerung und negativen Diskussionen unter den betroffenen Arbeitern, Angestellten und der Intelligenz. In diesen Diskussionen wurde zum Ausdruck gebracht, dass sie ihre Norm nicht erfüllen und somit weniger verdienen würden. Alle Wettbewerbe hätten keinen Zweck, da die Voraussetzungen dazu sowieso nie gegeben wären. Hinzu kommen noch die Diskussionen darüber, dass die Betriebe nicht in der Lage sind, Absatzverträge abzuschließen und die eingegangenen Exportaufträge zu verwirklichen. In diesem Zusammenhang äußerten bereits in einigen Betrieben Ingenieure, dass sie die Betriebe verlassen wollen.

Materialschwierigkeiten wurden aus folgenden VE-Betrieben bekannt:

  • Feinstrumpfwerk Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – 500 kg Monofilmmaterial;

  • Hüttenwerk Halsbrücke, [Kreis] Freiberg – an [sic!] Kupfererz;

  • Patentpapierfabrik Penig, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – 500 t holzfreies Papier;

  • Automobilwerk Zwickau – Karosserien;

  • Sternradio Rochlitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Kondensatoren;

  • Blechwerk Olbernhau,12 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Platinen vom Walzwerk Hennigsdorf;13

  • Lowa Lößnitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Martin-Stahl;

  • »Ferdinand Kuhnert« Schmiedeberg,14 [Bezirk] Dresden – eine Kernsandmaschine und Normteile;

  • Waggonbau Bautzen – Achshalter und Stahlblech;

  • IKA-Sebnitz, [Bezirk] Dresden – Glühlampen, Schalter und Steckdosen;

  • Kraftwerk [Mitte] Dresden – Klarkohle;

  • Strickwaren Apolda, [Bezirk] Erfurt – Kammgarn;

  • Seidenweberei Mühltroff, [Bezirk] Gera – Rohstoffe;

  • Maxhütte Unterwellenborn,15 [Bezirk] Gera – Rohstoffe;

  • Kaliwerk Merkers, [Bezirk] Suhl – eine Glaubersalztrommel;

  • Abus Kranbau Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/O. – Getriebe für die Krananlagen;

  • Hüttenzementwerk EKS Stalinstadt – Klinken;

  • Chemiewerk Lauta, [Bezirk] Cottbus – 160 t Tonerde;

  • Nähmaschinenwerk Wittenberge, [Bezirk] Schwerin;

  • Ölwerk Wittenberge16 – 1,8 t Raffinade;

  • Elektrokohle Berlin17 – Ceritflourid;18

  • TRO »Karl Liebknecht« Berlin – Trafobleche und Gusszylinder;

  • Kabelwerk Köpenick und Oberschöneweide19 – verzinkte Eisendrähte.

3. Planänderungen

Ebenso wie zu den bisher aufgezeigten Fragen führen auch die ständigen Planänderungen durch die Ministerien bereits jetzt bei Anlauf des 2. Fünfjahrplanes zu negativen Diskussionen in Betrieben, denen dadurch Schwierigkeiten entstehen.

Folgendes wurde bekannt:

  • Ablehnen von Entwürfen bestimmter Objekte;

  • Änderungen der Monatsliefertermine von Material auf Quartalsliefertermine;

  • Produktionsverlagerung, obwohl keine technischen Voraussetzungen vorhanden sind.

In den Diskussionen der Arbeiter und Angehörigen der Intelligenz kommt zum Ausdruck, dass sie versuchen wollen, andere Arbeit zu bekommen, da sie unter solchen Voraussetzungen nicht mehr arbeiten wollen.

Diese Schwierigkeiten und Diskussionen traten in folgenden VE-Betrieben auf:

  • Baumwollspinnerei Zschopautal, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt;

  • Nema Netzschkau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt;

  • Patentpapierfabrik Penig, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt;

  • Entwurfsbüro für Hochbau Meiningen, [Bezirk] Suhl;

  • Schiffswerft Roßlau, [Bezirk] Halle;

  • Carl Zeiss, [Bezirk] Dresden.20

Vereinzelt versuchen feindliche Elemente, die schlechte Stimmung unter den Arbeitern zu vorgenannten Fragen zur Hetze auszunutzen. Von diesen Elementen wird die Diskussion hineingetragen, »der erste Fünfjahrplan ist erfüllt, die Regierung soll ihr Versprechen vom Wohlstand einlösen«.

Außer diesen Diskussionen zu ökonomischen Fragen wurden in der Berichtszeit wieder Diskussionen zur Prämienverteilung im verstärkten Maße bekannt. Inhaltsmäßig bringen die Arbeiter dazu die bereits bekannten Argumente zum Ausdruck, wie:

  • »Die Prämien schaffen nur Verärgerung der Arbeiter gegen die Regierung.«

  • »Die Prämien erhalten die, die sowieso schon hohe Gehälter haben.«

  • »Wir schaffen die Produktion und die Angestellten erhalten die Prämien.«

Bekannt wurden solche und ähnliche Diskussionen aus folgenden VE-Betrieben: EMW Eisenach, [Kreis] Erfurt; Ernst-Thälmann-Werk Suhl; Pumpenfabrik Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg; Knäckebrotwerke Burg, [Bezirk] Magdeburg; Blechformwerk21 Bernsbach, [Kreis] Aue; Feinstrumpfwerk Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt; Volltuch Luckenwalde, [Bezirk] Potsdam; Eisenhüttenkombinat Stalinstadt – Elektroabteilung; Spinnerei und Weberei Löbau; Walzengießerei Coswig, [Bezirk] Dresden – sowie in folgenden Betrieben der Wismut: Schacht 31, 18 und 1 Johanngeorgenstadt; Objekt 101 Zeche B Zwickau; Fabrik 96 Freital, [Bezirk] Dresden, und im Umspannwerk Gittersee [Stadtteil von] Dresden.

Feindpropaganda in der Industrie

RIAS hetzt in einer Sendung gegen die Forderung nach Mechanisierung und Automatisierung des 25. Plenums,22 dass die »Bereitschaft der Belegschaften zur Mitarbeit« bei der Verwirklichung »schwächer geworden« ist, da »die Prämien für die Einreichung von Verbesserungsvorschlägen nicht in voller Höhe« ausgezahlt würden und niemand sagen könnte, »wann die Restbeträge ausgezahlt werden.« In einer Sendung am 5.1.1956 nimmt RIAS zum vergangenen 1. und zum Anlauf des 2. Fünfjahrplanes Stellung.23 Diese Tatsachen nimmt RIAS zum Anlass, gegen die Regierung zu hetzen, indem er ausführt, dass die Regierung die Abschaffung der Rationierung und vorgesehene Senkung der Preise nicht für angebracht gehalten hat. Damit hätte »die Regierung gegen ihr eigenes Gesetz verstoßen und sich im Sinne ihrer eigenen Interpretation straffällig« gemacht. Weiterhin hetzt RIAS, dass auch mit dem 2. Fünfjahrplan »eine Steigerung des Lebensstandards« auf sich warten lassen würde, da dies durch »die Verknüpfung mit den Plänen anderer Länder« nicht möglich sei, da »vor allem die Wünsche der SU und Rotchinas berücksichtigt« würden.

Produktionsstörungen in der Zeit vom 8.1.1956 bis 19.1.1956

Braunkohlenindustrie

In der Braunkohlenindustrie wurden Produktionsstörungen infolge schlechter Gleisanlagen und Materialverschleiß aus den Braunkohlenbetrieben der Kreise Borna und Altenburg bekannt. Der Produktionsausfall beträgt 34 272 cbm Abraum, 5 400 t Rohkohle, 120 t Brikett.

In anderen Industriezweigen

In der Steinkohlenindustrie wurden Produktionsstörungen durch Fahrlässigkeit und Maschinenschaden bekannt aus den Steinkohlenwerken Freital, [Bezirk] Dresden, Deutschland-Werk24 Schacht 1 und Karl-Liebknecht-Werk, Oelsnitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt.

In der Stahl erzeugenden Industrie wurden Produktionsstörungen infolge Ofenbruchs, Verpuffung und Verlängerung der Schmelzdauer durch Hinausschieben der Generalüberholung aus den Werken »8. Mai 45« Freital,25 [Bezirk] Dresden, Gröditz, [Bezirk] Dresden, und Brandenburg bekannt. Im Waggonbau wurden Produktionsstörungen durch Festfahren von Maschinen im Werk Bautzen bekannt.

In der Öl- und Fetterzeugung traten Produktionsstörungen durch ungenügende Absatzmöglichkeiten und Defekte an Aggregaten in den Betrieben Riesa und Brückfeld, [Stadtteil von] Magdeburg, auf. Durch Defekt an einem Milchplattenerhitzer entstand der Genossenschaftsmolkerei Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, Produktionsausfall in der Käseerzeugung. In der Wismut trat eine Produktionsstörung infolge Durchschießens eines Kabels im Kombinat 241 Gesenk 112/l Auerbach auf.

Brände brachen aus am 13.1.1956 im VEB Stoffdruckerei Großenhain, [Bezirk] Dresden, im Farb- und Chemikalienlager (Gesamtschaden 2 000 DM) [und] am 12.1.1956 auf dem Bahnhof Kubschütz,26 [Bezirk] Dresden. (Infolge Funkenflugs verbrannten 60 dz Rapsstroh und 4,5 t Heu in den abgestellten Waggons.)

Versorgung der Bevölkerung

Zur Lage in der Versorgung wird aus allen Bezirken weiterhin ein gutes Warenangebot an Lebensmitteln und Industriewaren gemeldet. Lediglich im Bezirk Neubrandenburg macht sich in den letzten Tagen ein Mangel an Frischfleisch bemerkbar, da das Aufkommen an Lebendvieh im Monat Januar erheblich zurückgegangen ist. Weiterhin ist in der Zwiebelversorgung immer noch keine Verbesserung eingetreten. Dies berichten die Bezirke Cottbus, Karl-Marx-Stadt, Suhl, Halle und Frankfurt/O.

Durch das starke Anliefern von Apfelsinen und Zitronen im Kreisgebiet Großenhain und Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, machen sich bei diesen Waren erhebliche Verderbserscheinungen bemerkbar. Der Grund ist verspätete Lieferung und ein schlechter Absatz. So lagern z. B. in Großenhain 18 t Apfelsinen und 8 t Zitronen. Nach Mitteilung des Rates des Kreises sind bereits wieder neue Waggons mit Apfelsinen unterwegs. Die gleichen Erscheinungen werden auch aus dem Bezirk Halle gemeldet.

Weiterhin bestehen Schwierigkeiten beim Absatz vom Geflügel. So lagern z. B. im Kühlhaus Leipzig ca. 100 t Importgeflügel und 17 t Inlandsgeflügel sowie im Kühlhaus Magdeburg 119 t, das bisher nicht abgesetzt werden konnte. Es besteht die Gefahr, dass, wie bereits im Jahre 1955, das Geflügel nach einer Abwertung billig abgegeben oder sogar der Freibank zur Verfügung gestellt werden muss.

Die Lage in der Landwirtschaft

Zu ökonomischen Fragen werden hauptsächlich Diskussionen über folgende Probleme geführt:

  • 1.

    Neuveranlagung der Wollablieferung

  • 2.

    Jahresendauszahlung und Auszahlung von Arbeitseinheiten in den LPG

1.) Neuveranlagung der Wollablieferung

In allen Schichten der Landbevölkerung wird vorwiegend über die Neufestsetzung des Solls für Wolle diskutiert, wobei übereinstimmend zum Ausdruck kommt, dass das festgesetzte Soll nicht zu erfüllen sei, da eine ca. 50%ige Erhöhung gegenüber 1955 zu verzeichnen ist. Besonders stark tritt dabei Unzufriedenheit auf, weil bei Nichterfüllung des Solls Austauschprodukte geliefert werden müssen.

Folgende Argumente wurden bekannt:

  • »Der Regierung ist bekannt, dass das Soll an Wolle zu hoch ist, sonst hätten sie nicht gleich Austauschprodukte vorgeschlagen.«

  • »Wenn das Soll für Wolle nicht geändert wird, werden wir unseren Hof verlassen.«

  • »Durch solche Maßnahmen wird das Rad der Entwicklung in der DDR nicht vorwärts, sondern rückwärts gedreht.«

Diese Unzufriedenheit wird noch geschürt durch den RIAS. Dieser nimmt hauptsächlich Stellung gegen das Ablieferungssoll und die Austauschprodukte. Dazu erklärt RIAS, dass diese eine regelrechte Sollerhöhung in allen tierischen Produkten sei, da der größte Teil der Bauern das Wollsoll nicht erfüllen kann und dies dementsprechend eine finanzielle Einbuße für die Bauern sei.

2.) Jahresendauszahlung und Auszahlung von Arbeitseinheiten in den LPG

Unter einem großen Teil von LPG-Mitgliedern ist zzt. größte Missstimmung zu verzeichnen, da der größte Teil der LPG den Finanz- sowie Produktionsplan nicht erfüllte, die Jahresendauszahlung nicht durchgeführt werden konnte und eine Herabsetzung der Arbeitseinheiten sich notwendig machte. Verschiedentlich wird dazu die Meinung vertreten,

  • »Es ist unmöglich, bei einem derartigen Verdienst noch in der LPG zu bleiben.«

  • »Wenn wir die 30 % Restzahlung, welche von den Arbeitseinheiten einbehalten wurde, nicht ausgezahlt bekommen, treten wir aus der LPG aus.«

  • »Wenn wir nicht die Prozente von den Arbeitseinheiten ausgezahlt bekommen und die Arbeitseinheiten herabgesetzt werden, legen wir die Arbeit nieder.«

So nahmen in der LPG »Frohe Zukunft« in Staffelde, [Kreis] Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, von 38 Mitgliedern am 17.1.1956 früh 14 Frauen und elf Männer die Arbeit nicht auf, da sie mit der Herabsetzung der Arbeitseinheiten nicht einverstanden waren. Gegen 10.00 Uhr wurde wieder gearbeitet. Ähnliche Erscheinungen gab es auch in den LPG Flatow und Großziethen, [Kreis] Oranienburg.

Am 18.1.1956, gegen 7.30 Uhr, legten in der LPG Löwenberg, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, wegen der Nichtauszahlung der 20 % für die geleisteten Arbeitseinheiten alle Mitglieder die Arbeit nieder und wollen die Arbeit nicht eher aufnehmen, bis sie ihr zustehendes Geld erhalten haben. Lediglich zwölf Personen arbeiten, die das Vieh versorgen.

Am 13.1.1956 hatten in den LPG Bebertal,27 Rottmersleben, Groß Santersleben und Satuelle,28 Kreis Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, bis auf einige Ausnahmen alle Genossenschaftsbauern wegen der nicht vollen Auszahlung der Arbeitseinheiten die Arbeit niedergelegt. Nach Klärung der Angelegenheit wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Die gleiche Erscheinung ist auch in der LPG Binde, Kreis Kalbe (Milde), zu verzeichnen.

Anlage vom 20. Januar 1956 zum Informationsdienst Nr. 2

Übersicht über die bekannt gewordene Feindtätigkeit in der Zeit vom 6.1. bis 19.1.1956

Hetzschriftenverbreitung

  • SPD-Ostbüro:29 58 967

  • KgU:30 69 657

  • NTS:31 22 353

  • ZOPE:32 40 411

  • DGB: 2 524

  • FDP-Ostbüro: 1 352

  • Unbekannter Herkunft: 21 690

  • »Tarantel«:33 1 278

  • »Der Tag«:34 7 316

  • »Freie Junge Welt«:35 4 131

  • Selbstgefertigte Hetzschriften: 6

  • [Gesamt]: 229 685

Die oben genannten sechs selbstgefertigten Hetzschriften wurden in Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, gefunden.

In Gräfenhainichen, [Bezirk] Halle und Zepernick, [Kreis] Bernau, [Bezirk] Frankfurt/O., wurden vereinzelt Flugblätter ausgelegt. Die Hetzschriftenverbreitung hat sich in der letzten Berichtsperiode von einem Tagesdurchschnitt von ca. 26 400 auf 16 400 verringert. Neue Hetzschriften sind in dieser Berichtsperiode nicht aufgetaucht, sondern nur bereits bekannte Exemplare.

Antidemokratische Tätigkeit

Auch in dieser Berichtsperiode gibt es zahlreiche Fälle antidemokratischer Tätigkeit. Häufig werden Hetzlosungen, die sich gegen Genossen Wilhelm Pieck und gegen unsere Partei richten, angebracht. Solche Fälle waren in Vacha,36 [Kreis] Bad Salzungen, und Trusetal, [Bezirk] Suhl, Treben,37 [Kreis] Altenburg, und Leipzig, Gera, in Ebersbach, [Bezirk] Dresden, in Merseburg und Artern, [Bezirk] Halle, zu verzeichnen.

In Neukloster, [Kreis] Wismar, [Bezirk] Rostock, wurde auf dem Platz des Friedens die provokatorische Losung »Wir grüßen unseren geliebten Kanzler Adenauer«38 angebracht. Eine ähnliche Schmiererei wurde auf einem Glückwunschtelegramm unseres Präsidenten in Leipzig festgestellt. In der Nacht zum 18.1. und zum 19.1.1956 wurden in Karl-Marx-Stadt Hetzparolen an Häuserwände gegen die Schaffung einer Volksarmee angeschmiert.39

Bilder von unserem Präsidenten und Plakate, die auf eine Veranstaltung anlässlich des Geburtstages hindeuteten, wurden in Blankenfelde, [Kreis] Zossen, in Groß Glienicke, Potsdam-Babelsberg, in Rathenow, [Bezirk] Potsdam, in Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, und in Söllichau, [Bezirk] Halle, in Preschen, [Kreis] Lübben, [Bezirk] Cottbus, und Eisenberg, [Bezirk] Gera, beschädigt bzw. abgerissen. In Bautzen, [Bezirk] Dresden, wurde ein Plakat der »Jungen Pioniere« vernichtet. Im KMW Potsdam-Babelsberg wurde die Wanderfahne von der Wand entfernt und zerrissen.40 Hakenkreuze wurden in Klingenthal, [Bezirk] Suhl, Leipzig, Niemegk,41 [Bezirk] Potsdam, Artern, [Bezirk] Halle, Glaubitz, [Bezirk] Dresden, Penig42 und Lößnitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, angeschmiert.

Boykotthetze und Morddrohungen

  • Ein LDP-Mitglied aus Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, äußerte: »Ich brauche 20 entschlossene Männer. Jeder eine Maschinenpistole und von der Regierung bleibt keiner mehr übrig.«

  • In der Gaststätte in Ketzür,43 [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, äußerte ein Zimmermann, dass der Bürgermeister der Gemeinde nicht mehr lange leben wird, wenn es einmal anders kommt. Auf ein Bild unseres Präsidenten hindeutend sagte er, »auch dieser würde nicht mehr lange leben«. (Täter inhaftiert)

  • An VP-Angehörige und andere Funktionäre wurden in Lobenstein, [Bezirk] Gera, 18 Drohbriefe gesandt.

Gegenüber der letzten Berichtszeit haben sich die Terrorfälle verringert.

  • Am 9.1.1956, gegen 1.00 Uhr, wurden zwei KVP-Angehörige aus Großenhain, [Bezirk] Dresden, nach Verlassen der Gaststätte »Lindengarten« von sieben Rowdys besinnungslos geschlagen. Der Überfall erfolgte organisiert. Die Täter benutzten Bierflaschen und Zaunlatten zur Niederknüppelung der VP-Angehörigen.

  • Am 4.1.1956 wurde der 2. Kreissekretär der SED in [Bad] Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/O., Genosse Günter überfallen und tätlich angegriffen (Täter wurde festgenommen).

  • Am 16.1.1956 wurde eine Streife der Grenzpolizei auf der Straße zwischen Pferdsdorf und Unterbreizbach, [Bezirk] Suhl, von ca. 15 Jugendlichen beschimpft und provoziert. Der Wortführer von den Jugendlichen bedrohte einen Genossen der Grenzpolizei mit einer Zaunlatte. Da er auf wiederholte Verwarnung nicht zurückging, machte der Grenzpolizist von der Schusswaffe Gebrauch und der Provokateur erhielt einen Oberschenkeldurchschuss. Der Provokateur ist bereits am 17.6.1953 negativ aufgefallen.

  • Eine Kinder-Eiskunstlaufgruppe der Sportvereinigung Berlin weilt zzt. im Kurhaus Jonsdorf,44 [Kreis] Zittau. Am 2.1.1956 wurden im Abendessen Glassplitter gefunden. Es wird vermutet, dass diese Glassplitter mit den Brötchen geliefert wurden. Am 3.1.1956 war das Mittagessen ungenießbar. Unter den Kindern sind auch die Kinder der Minister Bolz45 und Rau.46

Der Umfang der Gerüchteverbreitung hat sich gegenüber der letzten Berichtszeit nicht verändert.

  • In Zehdenick, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, wird das Gerücht verbreitet, dass im Februar oder März die Lebensmittelkarten abgeschafft werden.47

  • In einem privaten Bad in Dresden wird verbreitet, dass im März oder April 1956 ein Umsturz der Regierung käme, da die Regierung unter sich selbst nicht einig sei.

  • In der Gemeinde Mülverstedt, [Kreis] Langensalza, [Bezirk] Erfurt, wird erzählt, dass die Kampfgruppen48 demnächst vor den Häusern der Handwerker demonstrieren mit der Forderung, diese zu enteignen.

  • In Oberdorha, [Kreis] Langensalza,49 wird das Gerücht verbreitet, dass sämtliche Arbeiter, die zusätzlich einen Hektar Land bearbeiten, in Zukunft ihre Arbeit aufgeben müssten und einer LPG beitreten müssen.

  • In Apolda wird das Gerücht verbreitet, dass Genosse Molotow50 von seiner Funktion zurückgetreten sei.

Fingierte Anrufe

Am 6.1.1956, abends, erhielt der Operativ-Stab des VPKA Bernau zwei fingierte Anrufe, wo mitgeteilt wurde, dass in Schwanebeck ein Scheunenbrand ausgebrochen ist. Außer einem Löschzug aus Bernau waren noch vier Löschzüge aus Berlin dem fingierten Anruf gefolgt. Weiter wurde mitgeteilt, dass an der Tankstelle in Schwanebeck eine Schlägerei im Gange ist.

Am 8.1.1956 wurde am Ortsausgang Burkhardswalde,51 [Kreis] Pirna, eine Straßensperre angelegt. Weidedraht aus Perlon und Kupferdraht wurden in Höhe von 1,10 m über die Straße gespannt. Der technische Leiter der MTS Burkhardswalde fuhr mit dem Motorrad dagegen, er zerriss die Sperre, zog sich jedoch Wunden an der Mundpartie zu.

In der Nacht zum 14.1.1956 wurden einem Volkskammerabgeordneten zwei Reifen von seinem Wagen zerschnitten. Als Täter wurde ein KVP-Angehöriger aus Oranienburg ermittelt. Der Täter provozierte bereits in der Gaststätte den Volkskammerabgeordneten. (Täter inhaftiert)

In der Nacht zum 5.1.1956, um 2.30 Uhr, warf in das Objekt der Freunde,52 der Panzerkaserne Neubrandenburg, ein unbekannter Täter einen Sprengkörper in Nähe von 40 Metern auf den Posten zu. Der Sprengkörper detonierte und gab ein grelles Feuer. Personen wurden nicht verletzt. Obwohl der Posten mehrere Schüsse abgab, konnte sich der Täter entfernen. Zu bemerken ist noch, dass zur Zeit der Tat auf der Straße ein Auto stand, dessen Motor lief.

Im Bezirk Gera beeinflusst die katholische und evangelische Kirche durch Anschläge am Kirchenbrett und auch mündlich die Bevölkerung, sich nicht den Film »Rot und schwarz«53 anzusehen.

Feindtätigkeit in der Industrie

In der Berichtszeit wurden wiederum mehrere Diversionsakte in den Industriebetrieben bekannt.

  • Im VEB Vegro Kirschau,54 [Bezirk] Dresden, wurden in letzter Zeit häufig Nägel und Metallstücke in den Deckenbündeln gefunden, die die Walzen durchlaufen müssen. Dadurch wurden die Walzen und Decken beschädigt.

  • Im Kalk- und Zementwerk Rüdersdorf, [Bezirk] Frankfurt/O., wurden in den letzten Tagen laufend Fremdkörper wie Ketten und dergleichen in den Kippern gefunden.

  • In der Schiffswerft Oderberg, [Bezirk] Frankfurt/O., fiel am 9.1.1956 eine Langhobelmaschine aus, da eine Spule mit einem spitzen Gegenstand durchstochen worden war. Die Produktion der Werft ist dadurch gefährdet, da mit dieser Maschine die Hintersteven der Kutter gehobelt werden.

  • Im VEB Elektromotorenwerk Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg, wurde in vier Motoren zwischen der inneren und der mittleren Teilspule eine Zylinderkopfschraube eingeklemmt, die den Ausfall der Motoren zur Folge gehabt hätte.

  • Am 10.1.1956 wurden beim Neubau der Betriebspoliklinik der Mathias-Thesen-Werft Wismar zwei Abdampfventile durch unbekannte Täter aufgedreht. Durch das herausgeflossene Wasser wurden 15 Decken des Gebäudes durchnässt, was einen Neubau erforderlich macht.

  • Im Schacht 15 b Oberschlema der Wismut wurden von einem Lokfahrer die Batterien sauergefahren, wodurch ein Motor durchbrannte.

  • Am 9.1.1956 wurde in der Zuckerfabrik Ketzin, [Bezirk] Neubrandenburg, ein Waggon der Reichsbahn mit 790 kg Rübenschnitzel beladen. Bei Ankunft der Schnitzel am 12.1.1956 in der BHG Mittenwalde, [Kreis] Templin, wurde festgestellt, dass die Schnitzel stark mit Eisenspänen sowie Glas durchsetzt und nicht zu verwenden waren.

  • In der Nacht zum 19.1.1956 wurden im VEB MEGU Leipzig-Böhlitz-Ehrenburg in den Vergaser eines Kraftrades Stahlspäne geworfen. Bei drei weiteren Krädern wurden die Birnen der Beleuchtung entnommen. Die vier Kräder gehören der GST und befanden sich in verschlossener Garage.

Verstärkt wurden in der Berichtszeit wieder faschistische Schmierereien in den Betrieben bekannt. Besonders traten diese im Zusammenhang mit dem Geburtstag Wilhelm Piecks auf, indem Bilder von ihm beschmiert wurden. Außerdem richtete sich der Inhalt einzelner Schmierereien gegen die Regierung. Im Klubhaus »Glück Auf« in [Annaberg-]Buchholz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurden im Klosett Schmierereien gegen die Regierung und für einen neuen 17. Juni angebracht. Weitere Schmierereien wurden bekannt aus den Bezirken Dresden, Halle, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg und Frankfurt/O. Gegen die Schaffung einer Volksarmee wurden im VEB Schwermaschinenbau »Henry Pels«,55 Erfurt, und im VEB Reparaturwerk »Clara Zetkin«, Erfurt, Hetzlosungen angeschmiert.

In einigen Betrieben wurde in der Berichtszeit durch Beschäftigte Boykotthetze gegen führende Mitglieder der Regierung sowie gegen die bestehenden Lohngruppen und für einen neuen 17. Juni betrieben: Im VEB Katzhütte, [Kreis] Neuhaus, [Bezirk] Suhl, hetzte der Hauptbuchhalter in folgender Form: »Wenn die Lohngruppen 2 und 3 nicht abgeschafft werden, müsste endlich zum Streik übergegangen werden. Die Lohngruppe 1 wäre für die Weißen, die Lohngruppen 2 und 3 für die Schwarzen.«56 Er meinte damit, dass die Schwarzen ausgebeutet werden. Hetze für einen neuen »17. Juni« wurde bekannt in den Objekten 1 Johanngeorgenstadt sowie in den Arbeitsgebieten Ronneburg, [Bezirk] Gera, und Freital, [Bezirk] Dresden, der Wismut.

Gefälschte Schreiben mit den Absendern Deutscher Innen- und Außenhandel sowie Ministerium für Schwermaschinenbau wurden den Betrieben EWS Sörnewitz und Strohzellstoffwerk Coswig, [Bezirk] Dresden, zugesandt.

In der Berichtszeit wurden zwei Explosionen von Sprengkörpern bekannt. So explodierte im RAW Görlitz am 16.1.1956 ein Sprengkörper im Schmiedefeuer, der sich unter der Schmiedekohle befand. Der Schmied erlitt Verletzungen im Gesicht. Am 17.1.1956 explodierte bei einer Schrottverwertung in Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, ein Sprengsatz, der sich noch in einer Ölbombe befand. Beide Schweißer wurden schwer verletzt.

Gerüchte

  • In der Optischen Werkstatt Görlitz57 verbreitete ein Mechaniker das Gerücht, dass das MfS in der Silberfuchsfarm Görlitz-Biesnitz ein Lager für Verhaftete eingerichtet hätte.

  • Im VEB Kammergarnspinnerei Brandenburg kursiert das Gerücht, dass die DPA bis zu einem bestimmten Termin verlängert sein müssten. Nachzügler58 müssten für jeden weiteren Tag 1,00 DM bezahlen.

  • In der Siedlung des Stahl- und Walzwerkes Brandenburg wurde das Gerücht verbreitet, dass die Fernsehgebühren 34,00 DM im Monat betragen sollen.

  • Im Objekt 101 Zwickau der Wismut wurde das Gerücht verbreitet, dass die Arbeiter der B 559 keine Prozente mehr erhalten und die Prämien wegfallen.

  • In der Kraftfahrzeugreparaturwerkstatt Leinefelde, [Bezirk] Erfurt, wird das Gerücht verbreitet, dass die Preise im Friseurhandwerk und der Holzindustrie erhöht würden.

Feindtätigkeit in Handel und Versorgung

Im Kreis Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg, wurden Anfang Januar 1956 ein Betriebsleiter der Konsum-Bäckerei und ein Mühlenbesitzer sowie ein Großbauer festgenommen. Der Bäckermeister hatte seit 1954 laufend Mehl, welches zum Brotbacken bestimmt war, zentnerweise an verschiedene Personen als Viehfutter verkauft. Bis jetzt wurden ihm 140 Sack zu je 75 kg nachgewiesen, 110 Sack davon hat der Mühlenbesitzer erhalten, der damit das Ablieferungssoll einiger Bauern deckte. Den größten Anteil daran hatte der Großbauer.

Feindtätigkeit in der Landwirtschaft

  • Am 10.1.1956 wurde der Leiter und TAN60 des VEG Steinhöfel,61 [Bezirk] Frankfurt/O., von zwei Traktoristen geschlagen. In ihren Vernehmungen geben die Traktoristen an, dass sie durch feindliche Beeinflussung und durch laufende Besuche in Westberlin dagegen waren eine LPG zu gründen.

  • Durch die Verhaftung des Schweinemeisters der LPG Sundremda,62 [Kreis] Rudolstadt, [Bezirk] Gera, wurde bekannt, dass er durch seine feindliche Einstellung und westliche Beeinflussung die LPG schädigen wollte, indem er eine geringe Fütterung und ungünstige Tierhaltung vornahm. Der LPG wurde dadurch in der Zeit von Mai 1955 bis Januar 1956 ein Schaden von ca. 42 000 DM zugefügt, indem 20 Läufer und 38 Ferkel verendeten.

  • Am 9.1.1956 wurde in der MTS Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, eine Hetzlosung mit Bleistift festgestellt. Inhalt: »Nieder mit Pieck, lieber den Krieg«.

Brände in der Zeit vom 6.1.1956 bis 19.1.1956

  • Bezirk Potsdam: zwei Scheunenbrände, LPG und Kleinbauer;

  • Bezirk Dresden: ein Scheunenbrand, Großbauer;

  • Bezirk Neubrandenburg: ein Scheunenbrand, Mittelbauer; ein Wohnhausbrand, LPG;

  • Bezirk Erfurt: ein Scheunenbrand, staatliche Tierzuchtstation.

  1. Zum nächsten Dokument Stimmung zur Schaffung der NVA (3)
    21. Januar 1956
    Stellungnahme zur Nationalen Volksarmee (3. Bericht) [Information Nr. M15/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Stimmung zur Schaffung der NVA (2)
    20. Januar 1956
    Stellungnahme zur Nationalen Volksarmee (2. Bericht) [Information Nr. M14/56]