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Situation des Kreises Klingenthal

21. Januar 1961
Einzel-Information Nr. 35/61 über einige Probleme zur Einschätzung der politisch-ökonomischen Situation im Kreis Klingenthal/Bezirk Karl-Marx-Stadt

Eine Reihe guter Erfolge in den Industriebetrieben und in der Landwirtschaft des Kreises Klingenthal können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es trotz teilweise großer Anstrengungen der Funktionäre der Partei und des Staatsapparates noch eine Reihe Hemmnisse und Schwächen besonders in der Führungs- und Leitungstätigkeit insgesamt gibt.

Das zeigt sich in erster Linie in einer Vernachlässigung der massenpolitischen Arbeit, in der ungenügenden politischen Einflussnahme auf die Bevölkerung und ihre Einbeziehung in die Lenkung und Leitung des Staates überhaupt.

So werden den Werktätigen z. B. in ungenügendem Maße die Grundfragen der Politik von Partei und Regierung erläutert. Das betrifft sowohl die leitenden Funktionäre der Partei- und Massenorganisationen auf Kreisebene, des Staatsapparates und der Betriebsleitungen, die nur selten vor den Werktätigen zur Klärung grundsätzlicher Fragen auftreten, als auch die Tätigkeit der örtlichen und betrieblichen Funktionäre bzw. Organisationen. Die Auswirkungen dieser ungenügenden politischen Leitungstätigkeit zeigen sich auch dahingehend, dass von diesen Organen sehr stark Fragen des Wintersports und mit der Bedeutung des Kreises als Erholungszentrum zusammenhängende Probleme diskutiert werden. Dies widerspiegelt sich auch in den ungenügenden Stellungnahmen der Bevölkerung zu politischen Grundfragen.

Mitte des Jahres 1960, als es im wichtigsten Betrieb des Kreises, im Klingenthaler Harmonikawerk, große Schwierigkeiten in der Planerfüllung gab, versuchten weder leitende Funktionäre der Kreisleitung noch des FDGB diese Situation durch gemeinsame Aussprachen mit der Belegschaft zu verändern. Auch in der Folgezeit, als es in einigen anderen volkseigenen und halbstaatlichen Betrieben zu Schwierigkeiten in der Planerfüllung kam, nahm man diese nicht zum Anlass, einen direkten Kontakt zu den Werktätigen dieser Betriebe herzustellen, um die Schwierigkeiten gemeinsam zu überwinden bzw. die vorhandenen Ursachen aufzudecken und die Werktätigen zu mobilisieren.

Stattdessen reagierte der 1. Sekretär der Kreisleitung in formaler Weise mit einem Artikel in der »Freien Presse« und stellte dort »den Werkleitungen, Betriebsgewerkschaftsleitungen, Arbeitern und Komplementären« lediglich die Frage, warum sie den Plan nicht erfüllen, ohne entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen oder konkrete Aufgaben zu stellen. (Er wurde deshalb bereits von der Bezirksleitung der Partei kritisiert.)

Für die Leitungstätigkeit im VEB Klingenthaler Harmonikawerk selbst ist typisch, dass in erster Linie versucht wird, durch Besprechungen und Sitzungen die Aufgaben zu lösen, wodurch die leitenden Funktionäre, wie Werkleiter, BGL-Vorsitzender, Arbeitsdirektor, Kaderleiter und auch der 1. Sekretär der Grundorganisation zu wenig mit den sozialistischen Brigaden und Arbeitern direkt am Arbeitsplatz sprechen. So hat sich der Werkleiter im gesamten Jahr 1960 nur zweimal im Werk III sehen lassen, und selbst da sprach er nur wenig mit Arbeitern. Die führende Rolle der Parteiorganisation ist im Betrieb nicht verwirklicht. So entscheidende Probleme wie Erarbeitung der TOM–Pläne erfolgen praktisch ohne Einbeziehung der Grundorganisation und aller Werktätigen. Prämienvorschläge für Werkleiter und BGL-Vorsitzende werden nicht in der Parteileitung besprochen und bezeichnend ist, dass der 1. Sekretär der BPO, der mehrere Jahre 2. Sekretär der SED-Kreisleitung Klingenthal bis Anfang 1960 war, bereits zur nächsten Leitungswahl nicht mehr kandidieren will.

Zur Auswertung der programmatischen Erklärung des Staatsrates, der Beratung der kommunistischen und Arbeiterparteien und des Entwurfs des Arbeitsgesetzbuches wurden von der hauptamtlichen BGL-Vorsitzenden eine Anleitungs-Versammlung durchgeführt, in der in wenigen Minuten lediglich der organisatorische Ablauf erläutert wurde. Zu den grundlegenden Fragen wurde außer der Erklärung, »Ihr habt die Ausführungen alle gelesen und wisst, worum es geht. Wendet Euch bei Fragen an die Referenten«, nichts gesagt. Die Auswirkungen zeigten sich in formaler Durchführung der bisher erst zehn Versammlungen im gesamten Betrieb. Z. B. wurden von den Referenten meist nur die Paragraphen des Entwurfes des Arbeitsgesetzbuches vorgelesen, ohne auf politische und ökonomische Probleme einzugehen. So kam es in den Diskussionen zu Forderungen nach drei Wochen Urlaub und nach 5-Tage-Woche (besonders bei Frauen). Ähnlich war es auch in den anderen Betrieben, wo die überwiegende Mehrzahl nur über soziale Belange diskutierte. Im VEB Injecta und VEB Schnittwerkzeuge wurde erklärt, dass jetzt auch noch das »Streikrecht« genommen wurde.

Auch auf anderen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens gibt es z. T. bei verantwortlichen Funktionären negative Erscheinungen, die durch mangelnde Klarheit über die Politik der Partei hervorgerufen werden. Der Sekretär beim Rat der Stadt forderte im Kreistag, dass die Lehrer in ihren Schulferien Viehzählungen durchführen sollen. Er brachte dabei zum Ausdruck, dass er nicht alle Lehrer zur pädagogischen Intelligenz rechne und erhielt für sein Auftreten den Beifall der Hälfte aller Abgeordneten. (Der Vorschlag, Lehrer für die Viehzählung einzusetzen, wurde bereits vorher von der zuständigen Fachabteilung und vom Kreisschulrat abgelehnt.)

Bedingt durch die soziale Struktur Klingenthals gibt es dort verhältnismäßig starke kleinbürgerliche Parteien, die aber in der Regel eine gute Mitarbeit im Block leisten, z. B. während der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft. Die LDPD war besonders bemüht, die Kreise des Mittelstandes für die genossenschaftliche Arbeit in PGH zu gewinnen. Die hauptamtlichen Funktionäre und Mitglieder in leitenden Stellungen versuchen aktiv, die Masse der Mitglieder von der Richtigkeit der Politik in der DDR zu überzeugen, was aber nicht die notwendigen Erfolge zeigt. Schwierigkeiten gibt es dabei besonders in den ländlichen Ortsgruppen und in der LDPD stärker als in den übrigen Parteien, wo eine Reihe Mitglieder mit dem Aufbau des Sozialismus in der DDR nicht einverstanden ist und deshalb keinerlei Versammlungen oder Veranstaltungen ihrer Partei besucht. Eine Mitarbeit in der Nationalen Front wird mit dem Argument abgelehnt, dass es die Selbstständigkeit der LDPD verletzen würde (besonders stark im Gebiet Markneukirchen und Erlbach).

Die mangelhafte Überzeugungs- und Aufklärungstätigkeit hat auch unter der Jugend ernste Auswirkungen, und der FDJ gelang es trotz vieler Anstrengungen bisher auch nicht, die Jugendlichen an die FDJ-Arbeit heranzuführen. Viele Jugendliche sind vom Westfernsehen und von westlichen Rundfunkstationen, besonders Radio Luxemburg, beeinflusst. Versammlungen, wo über politische oder gesellschaftliche Probleme gesprochen wird, werden von ihnen nur sehr schlecht besucht bzw. bringen sie offen zum Ausdruck, dass sie sich der westlichen Beeinflussung nicht zu entziehen gedenken. Z. B. fand im VEB Präwema/Markneukirchen eine FDJ-Versammlung statt, wo u. a. auch über den schädlichen Einfluss speziell des Senders Luxemburg Ausführungen gemacht wurden. Dabei versuchten die Jugendlichen, den Redner durch laute Zwischenrufe zu stören. U. a. brachten sie zum Ausdruck, dass man mit Musik keine Politik machen könne und dass sie die Westsender weiterhin hören werden. Diese westliche Beeinflussung zeigt sich auch in Republikfluchten Jugendlicher. Allein in Markneukirchen verließen 1960 zehn Jugendliche, darunter die FDJ-Sekretärin der Sparkasse, die Republik. Im Lehrlingsinternat der Klingenthaler Harmonikawerke fasste die Parteileitung wegen Republikfluchten Jugendlicher und wegen Ablehnungen eines Beitritts zur NVA den Beschluss, die gesellschaftliche Arbeit unter den Jugendlichen zu verbessern. Der Werkleiter und der 1. Sekretär der GO wurden dafür persönlich verantwortlich gemacht. Beide Funktionäre haben jedoch bisher nichts unternommen, um diesen Beschluss zu realisieren. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass an diese Fragen formal herangegangen und eine wirkliche Unterstützung der FDJ nicht gegeben wird. Die Tätigkeit der Nationalen Front ist fast im gesamten Kreisgebiet mangelhaft, trotzdem von der Kreisleitung der SED ständig versucht wird, sie zu aktivieren. Bereits der Kreissekretär der Nationalen Front führt seine Arbeit schematisch durch und verzettelt sich, sodass der notwendige Einfluss auf den zahlenmäßig starken Mittelstand in keiner Weise gewährleistet ist. Am ungenügendsten ist dabei die Aktivierung der Haus- und Hofgemeinschaften.

Zusammenfassend muss eingeschätzt werden, dass besonders die politisch-ideologische Überzeugungsarbeit im Kreis Klingenthal noch schwach entwickelt ist, was seine Auswirkungen in allen Bevölkerungsschichten zeigt und wofür typisch ist, dass ein großer Teil sich nicht mit politischen Fragen beschäftigen will. Selbst unter den Kreisen von SED-Mitgliedern treten zahlreiche Unklarheiten auf und es soll hier nur auf einige Erscheinungen während des Umtausches der Parteidokumente eingegangen werden. Im VEB Frankenberger Zigarrenfabrik in Schöneck verließen vier Genossen demonstrativ die Versammlung, als bekannt wurde, dass ihnen das Dokument in einer Aussprache überreicht werden sollte. Anschließend erklärten sie ihren Austritt, weil sie »gesundheitlich« nicht mehr in der Lage seien, die Aufgaben der Partei zu erfüllen.

Der private Rechtsbeistand [Name 1] (SED) erklärte, dass die Funktionäre der Kreisleitung der SED ihr Parteiabzeichen tragen können, weil sie ja dafür bezahlt werden, er jedenfalls wird keines tragen.

In der WPO Wohlhausen brachte ein Verkaufsstellenleiter in der Versammlung zum Ausdruck, dass er nicht an die Lösung der ökonomischen Hauptaufgabe glaube, weil es im Handel oftmals noch Schwierigkeiten gibt. Selbst sowjetische Bürger kauften lieber Waren aus Westdeutschland als aus der DDR.

Zu einigen Fragen der Industrie

Der Kreis Klingenthal ist ein ausgesprochener Industriekreis, in dem sich 70 % der gesamten Musikinstrumentenindustrie der DDR befindet. 35,2 % der gesamten Bruttoproduktion wird exportiert.

Im Einzelnen existieren in Klingenthal

  • 20 VEB,

  • 55 Betriebe mit staatlicher Beteiligung,

  • 99 kapitalistische Betriebe,

  • 1122 private Handwerksbetriebe,

was gleichzeitig charakteristisch für die gesamte Struktur der Industrie ist.

Insgesamt wurde der Produktionsplan 1959 mit 100,47 % erfüllt und 1960 wurden 99,9 % erreicht, während die Exportpläne 1959 (110,2 %) und 1960 (103,5 %) jeweils übererfüllt wurden.

Der Stand der Normerfüllung in den volkseigenen Betrieben beweist jedoch, dass noch große Reserven zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität vorhanden sind. So werden in vielen Berieben seit Jahren die Normen beträchtlich überboten, was sich im Jahre 1960 noch stärker als bisher fortsetzt. Z. B. stieg die Normerfüllung von 1958 bis 1960 im

  • VEB Klingenthaler Harmonikawerke von 158,6 auf 162,6 %,

  • VEB Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik von 147 auf 172,6 %,

  • VEB Pressenwerk von 173 auf 187,3 %,

  • VEB Musima von 158,8 auf 163,6 %,

  • VEB Schnittwerkzeuge von 175 auf 186 %,

  • VEB Injecta von 172,6 auf 195,8 %.

Bezeichnend für diese Situation ist ferner, dass zur Schaffung technisch begründeter Arbeitsnormen administriert wird, statt die Brigaden zu überzeugen.

Von der Werkleitung der Klingenthaler Harmonikawerke (Neubau) wurde angewiesen, 30 000 DM durch Normerhöhung einzusparen. Daraufhin forderte der TAN-Leiter in der Gehäuseabteilung und Raspelei, dass sie 3 000 DM einzusparen hätten, obwohl keinerlei technische und arbeitsorganisatorische Veränderungen vorgenommen wurden.

Zu einer Kollegin äußerte er: »Du könntest auch 5 % heruntergehen.« Als sie daraufhin antwortete: »Wenn Du meinst« wurde die Norm um 5 % gesenkt, ohne wirklich exakte Angaben über reale Normen erarbeitet zu haben.

Der Normensachbearbeiter [Name 2] schlug für sein Aufgabengebiet (Montage) vor, bei jedem Stück einfach die Pfennige zu streichen, damit würde das Soll auch erbracht. Dieser Vorschlag wurde auch akzeptiert.

Eine weitere Reserve zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität liegt in der Möglichkeit, die sehr hohe Anzahl von Ausfallstunden zu senken, die jährlich über eine Million Stunden ausmachen. Die meisten Ausfallstunden werden durch einen sehr hohen Krankenstand verursacht (42 % aller Stillstandszeiten). Allein im VEB Klingenthaler Harmonikawerk wurden wegen des hohen Krankenstandes 1960 für 201 000 DM weniger Produkte erzeugt.

Diese wenigen Beispiele zeigen auch auf dem Gebiet der Industrieproduktion die Mängel in der Leitungs- und Führungstätigkeit sowie in der politisch-ideologischen Überzeugungsarbeit. Die Hauptfrage der Musikinstrumenten-Industrie, die Durchführung der sozialistischen Rekonstruktion, die Standardisierung, Typisierung und Mechanisierung wird nicht im notwendigen Maße beachtet. Obwohl der Genosse Otto Grotewohl mehrmals die Werkleiter und Funktionäre in Klingenthal auf diese Fragen orientierte, wird zum großen Teil noch nach wie vor handwerklich produziert. Die TOM-Pläne für das Jahr 1960 wurden nur zum Teil realisiert und nicht beharrlich um die Einführung der neuen Technik gekämpft. Im Gegenteil wird oft durch administrative und bürokratische Leitungsmethoden die Initiative der Werktätigen gehemmt, Verbesserungsvorschläge schleppend bearbeitet und der Initiative von sozialistischen Brigaden zur Unabhängigmachung vom kapitalistischen Ausland nicht die notwendige Beachtung geschenkt.

Die Klingenthaler Harmonikawerke erhielten 1960 ein den neuesten Erkenntnissen entsprechendes Produktionsgebäude, das volle Gewähr für die Einrichtung von Fließbändern und sonstigen technischen Verbesserungen zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität bietet. Die Fertigung von Gehäuseleisten z. B. erfolgt dort so, dass im Erdgeschoss die Riegel gehobelt, in der 1. Etage die Leisten geschnitten, dann die Leisten wieder im Erdgeschoss gehobelt und wieder zur 1. Etage transportiert werden, wo sie in Kleinteile zugeschnitten und weiter transportiert werden. In der Bälgeabteilung ließe sich ohne größere Investitionen eine Taktstraße einrichten. Es fehlt lediglich eine Leimmaschine im Werte von 500 DM. Dieser Vorschlag wurde von einer Brigade bereits 1958 an das Büro für Erfindungswesen eingereicht. Eine ähnliche Leimmaschine steht auch in Markneukirchen, die seit einem Jahr vom technischen Leiter und vom Bereichsleiter begutachtet werden sollte. Unternommen wurde jedoch nichts. Zum Bekleben der Bälge werden Satinstreifen in Handarbeit gerissen, obwohl eine Maschine zum Schneiden vorhanden ist. Es fehlt lediglich an 20 kleinen Messern, die seit zwei Jahren in Leipzig bestellt sind.

Im TOM-Plan war für das Jahr 1960 vorgesehen, eine Dämpfanlage für Celluloid in Betrieb zu nehmen, durch die Importe aus Frankreich, Schweiz und Westdeutschland vermieden werden könnten. Dieser Anlage fehlen nur noch Schränke, die aber im Werk selbst hergestellt werden könnten, was jedoch bis jetzt noch nicht geschah.

Diese Zustände, vor allem im Klingenthaler Harmonikawerk, führen zu Unzufriedenheit über die ungenügende Beachtung der Vorschläge und Meinungen der Arbeiter, was sie auch in zahlreichen Diskussionen zum Ausdruck bringen.

Zu einigen Fragen der Landwirtschaft

Im Kreis Klingenthal arbeitet die Landwirtschaft vollgenossenschaftlich. Es bestehen 24 LPG mit insgesamt 893 Mitgliedern, davon 19 LPG Typ I mit 813 Mitgliedern und 5 LPG Typ III mit 80 Mitgliedern.1 Dadurch, dass die Partei und der Staatsapparat, nachdem der Kreis vollgenossenschaftlich wurde, in der Aktivität nicht nachließen, sondern alle Anstrengungen darauf richtete, die LPG durch die Annahme innerer Betriebsordnungen, durch die Organisierung der genossenschaftlichen Produktion und durch den Abschluss der Flächenzusammenlegung zu festigen, konnten wesentliche Erfolge bei der Umgestaltung und bei der Erfüllung der Marktproduktion erreicht werden. So bleiben z. B. Austrittserklärungen bisher vereinzelt und vollzog sich die Flächenzusammenlegung ohne besondere Schwierigkeiten. Außerdem wurde erreicht, dass von den fünf bestehenden LPG des Typ III vier rentabel arbeiten und die Arbeitseinheit mit 7,00 bis 11,00 DM vergüten können. Nur die LPG Typ III »Morgenröte« in Klingenthal benötigte 1960 noch einen Überbrückungskredit von 7 200 DM.

In der Marktproduktion wurden bei pflanzlichen Produkten alle Planziele und bei tierischen Produkten, mit Ausnahme der Position Schwein, sogar alle erhöhten Verpflichtungen nicht nur erreicht, sondern noch überboten. Z. B. weist bei tierischen Produkten die Planerfüllung 1960 folgenden Stand auf:

[Produkt]

Plan

Verpflichtg.

Erfüllg.

% erfüllt zum Plan

% erfüllt zur Verpfl.

Rind

410 t

420 t

469 t

115,5 %

111,6 %

Schwein

250 t

201,7 t

80,7 %

Geflügel

11 t

18,3 t

19,5 t

117,3 %

106,6 %

Milch

4 600 t

5 000 t

5 092,5 t

110,7 %

101,9 %

Eier

1 330 000 St.

1 656 000 St.

1 761 000 St.

132,4 %

106,3 %

Die Ursachen der Nichterfüllung der Schweinefleischproduktion sind in erster Linie die unzureichende und vielfach zu späte Belieferung der Genossenschaften mit Ferkeln durch die VEAB sowie die Nichteinhaltung des günstigsten Zeitpunktes für die Sauenbedeckung.

Rückstände in der Position Schwein hat der Kreis Klingenthal außerdem in der Erfüllung seiner Ausfuhrverpflichtungen bei Zucht- und Nutzvieh, was nach vorliegenden Berichten dadurch bedingt sein soll, dass die Läuferlieferbetriebe 1960 noch nicht den entsprechenden Bestand an Zuchtsauen hatten und deshalb ihre Planauflage nicht erfüllen konnten.

Eine gute Entwicklung zu den Planzielen für 1961 bis 1965 weisen die Tierbestände des Kreises am 31.12.1960 auf. Danach dürften die 1961 vorgesehenen Ziele ohne größere Schwierigkeiten erreicht werden. Erhebliche Anstrengungen müssen dagegen nach vorliegenden Hinweisen noch zur Erhöhung des Leistungsstandes und der Lebensdauer bei Kühen unternommen werden. Gegenwärtig beträgt die Jahresdurchschnittsleistung bei Milch 2 800 kg pro Kuh, während die Höchstleistung bei 5 000 kg pro Kuh liegt. Das Durchschnittsalter bei Kühen beträgt sieben Jahre, d. h., die Kühe erreichen gerade das Alter, in dem sich die Aufzuchtkosten zu rentieren beginnen.

Die Partei- und gesellschaftlichen Organisationen des Kreises nehmen nur ungenügend auf die weitere Entwicklung der LPG Einfluss. Die Parteiorganisationen in den LPG selbst arbeiten nur schwach an der Leitung der LPG mit und sind noch nicht der Motor der Entwicklung in den LPG. Die Partei müsste deshalb 1961 aktiver auf die Entwicklung in den LPG durch die Organisierung von Erfahrungsaustauschen zwischen den LPG Einfluss nehmen und gemeinsam mit dem Staatsapparat stärker an der Basis arbeiten, um vor allem die Leitungstätigkeit in den LPG zu verbessern und zu erreichen, dass in allen LPG kontinuierlich Vorstandssitzungen durchgeführt werden.

So könnte auch der gegenwärtige Zustand überwunden werden, dass in der Mehrzahl der LPG wohl eine gute Zusammenarbeit während der Arbeitszeit, aber kein Verstehen im persönlichen Leben der Mitglieder außerhalb der Arbeitszeit vorhanden ist.

Mielke [Unterschrift]

  1. Zum nächsten Dokument Vorfall am Grenzkontrollpunkt Glienicke-Nordbahn
    24. Januar 1961
    [Einzel-Information] Nr. 38/61 über herzloses Verhalten von Angehörigen der Deutschen Grenzpolizei am Kontrollpunkt Glienicke-Nordbahn (Ring um Berlin)
  2. Zum vorherigen Dokument Streiks in der DDR 1960
    18. Januar 1961
    Bericht Nr. 27/61 über Arbeitsniederlegungen in der DDR im Jahre 1960