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Konflikt von US-Militärkonvois und sowjetischen Kontrollkräften (1)

5. November 1963
Einzelinformation Nr. 669/63 über Verweigerung der ordnungsgemäßen Kontrolle durch eine amerikanische Militärkolonne am KPP Marienborn

Am 4.11.1963 fuhr um 9.15 Uhr am KPP Marienborn eine aus Westdeutschland kommende US-Militärkolonne ein.

Sie besteht aus

  • zwei Jeeps (einer davon Militärpolizei),

  • vier großen Lkw mit Hänger,

  • vier kleinen Lkw ohne Hänger,

  • einem Sanitätskraftwagen,

  • einem Kranwagen,

die mit einem Offizier und 40 Mann besetzt sind.

Dieser Konvoi verweigerte gegenüber den Kontrollkräften der Sowjetarmee das Absteigen.

Um 11.55 Uhr traf der amerikanische Militärkommandant von Helmstedt – Major Anderson1 – am KPP ein. Seine halbstündige Verhandlung mit den zwei verantwortlichen sowjetischen Offizieren verlief ergebnislos, da er erklärte, von seiner vorgesetzten Dienststelle2 in Westberlin Weisung erhalten zu haben, dass die Soldaten nicht zur Kontrolle absteigen sollen.

Vor dieser Verhandlung kreiste ein Hubschrauber der US-Armee ca. 15 Minuten über den KPP.

Nachmittags fuhr Anderson nach Helmstedt zurück.

Gegen 16.00 Uhr wurden am West-KPP zwei Fernsehkameras stationiert, kurz nach 17.00 Uhr jedoch wieder abgebaut.

Zur gleichen Zeit stellten US-Besatzer am West-KPP – unmittelbar neben ihrem Dienstgebäude – zwei Funkgeräte auf.

Kurz vor 20.00 Uhr erhielt die Militärkolonne aus Westdeutschland warme Verpflegung. Gegen 20.50 Uhr wurden längs der Autobahn neun Zweimannzelte aufgeschlagen und von einem Teil der Soldaten bezogen.

Da den Grenzsicherungskräften der DDR kurz vor 24.00 Uhr durch den sowjetischen Kontrolloffizier mitgeteilt wurde, dass der Konvoi den KPP ohne Kontrolle in Richtung Westberlin verlassen wolle, wurden die Sicherungseinheit der NVA und die Linienkompanie in Alarmbereitschaft gesetzt. Um diese Zeit waren auch drei sowjetische SPW am KPP eingetroffen.

Gegen 24.00 Uhr setzte sich der Konvoi unter Führung Major Andersons in Richtung der zwei Schlagbäume in Bewegung, die inzwischen auf Bitten der sowjetischen Genossen geschlossen worden waren. Durch die Stationierung der SPW auf der rechten Fahrbahnhälfte wurde der US-Konvoi jedoch aufgehalten. Anderson begab sich daraufhin zu Fuß zum westlichen KPP zurück. Um 6.10 Uhr kehrte er noch einmal für 20 Minuten zum Konvoi zurück, ohne jedoch mit den sowjetischen Kontrollkräften Verbindung aufzunehmen. Um 6.30 Uhr war die Lage noch unverändert, alle Soldaten des Konvois befanden sich auf ihren Fahrzeugen, Verhandlungen mit den sowjetischen Kontrollkräften wurden bis zu diesem Zeitpunkt nicht geführt.

Die Schließung beider Schlagbäume in Richtung DDR dauerte nur ca. fünf Minuten und hatte keinen Einfluss auf die Abfertigung des zivilen Verkehrs. Die Abfertigung im Kontrollgebäude lief ununterbrochen weiter.

Aufgrund der Blockade der Strecke Westdeutschland – DDR im Bereich des Kontrollterritoriums durch die US-Besatzer wird der gesamte Verkehr in beiden Richtungen über die Ausfahrtseite der Autobahn in Richtung Westdeutschland abgewickelt. (Es besteht dadurch die Möglichkeit, dass es in Spitzenzeiten zu längeren Abfertigungszeiten kommt.) Vor Mitternacht war es bereits zu ca. eineinhalbstündigen Wartezeiten für Lkw in Richtung Westdeutschland gekommen, die jedoch infolge des nachlassenden Verkehrs im Verlaufe der Nacht auf ca. 15 Minuten herabgesetzt wurden. Bei Pkw gab es keine Standzeiten.

Durch Lkw-Fahrer wurde inzwischen bekannt, dass auf dem US-Militärparkplatz zwischen Helmstedt und dem West-KPP ein weiterer, aus 15 Fahrzeugen bestehender US-Konvoi seit dem Nachmittag des 4.11. steht.

Es kann eingeschätzt werden, dass die erneute Provokation durch US-Militärangehörige vom größten Teil der westdeutschen Lkw-Fahrer abgelehnt wird.3 Der Grund für ihre ablehnende Haltung ist in den entstandenen Wartezeiten bei der Abfertigung zu suchen.

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    5. November 1963
    Einzelinformation Nr. 672/63 über die Landung eines westdeutschen Sportflugzeuges im Raum Stendal
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    4. November 1963
    Einzelinformation Nr. 671/63 über eine Handreichung der Katholischen Kirche zur Frage des Friedens