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Tätliche Auseinandersetzung zwischen Schiffbauern und Grenzsoldaten

14. November 1964
Einzelinformation Nr. 1019/64 über eine tätliche Auseinandersetzung unter Beteiligung von Angehörigen der NVA/Grenze in Boizenburg, [Kreis] Hagenow, [Bezirk] Schwerin, am 11. November 1964

Am 11.11.1964, gegen 19.00 Uhr, suchten der Kompaniechef der NVA-Grenzkompanie Vierkrug Oberleutnant [Name 1] und weitere sechs Kompanieangehörige die HO-Gaststätte »Stadtcafé« in Boizenburg auf. Bereits gegen 23.00 Uhr begab sich der [Name 2, Vorname], Schiffbauer auf der Elbe-Werft Boizenburg (ehemaliger Angehöriger der NVA/Grenze), an den Tisch der NVA-Angehörigen, wo er den ihm bekannten Oberleutnant [Name 1] mit Redensarten belästigte. Durch das schlichtende Verhalten des Oberleutnants [Name 1] und das Einschreiten von anwesenden Arbeitskollegen des [Name 2] verließ dieser den Tisch der NVA-Angehörigen, sodass zunächst weitere Auseinandersetzungen in der Gaststätte unterbunden wurden. Nach Gaststättenschluss um 23.30 Uhr verließ der an der Auseinandersetzung beteiligte Personenkreis – fast alle im angetrunkenen Zustand – das Lokal.

Unmittelbar vor der Gaststätte kam es dann zwischen dem Gefreiten [Name 3] und dem [Name 2] offensichtlich wegen einer im Lokal anwesenden weiblichen Person erneut zu einer Auseinandersetzung, die in Tätlichkeiten ausartete, an denen sich weitere zwei NVA-Angehörige und fünf Zivilpersonen beteiligten. Nach ca. zehn Minuten erschien die von Zivilpersonen herbeigerufene VP-Streife Oberwachtmeister [Name 4] mit einem Diensthund. Der VP-Oberwachtmeister forderte die Beteiligten auf, den Streit zu beenden und nach Hause zu gehen. Dieser Aufforderung kamen sie jedoch nicht nach und der Gefreite [Name 5] brachte gegenüber Oberwachtmeister [Name 4] zum Ausdruck, »dass er sich nicht mit einmischen brauche, da dies ihre Angelegenheit sei«. Gleichzeitig näherte er sich dem VP-Angehörigen, woraufhin [Name 5] von dem Diensthund angefallen und am linken Unterarm erfasst wurde. Dies nahmen die anderen Kompanieangehörigen zum Anlass mit einzugreifen, wodurch es zu einer regelrechten Schlägerei zwischen den Armeeangehörigen und dem VP-Oberwachtmeister kam. Dabei wurde der VP-Oberwachtmeister [Name 4] von dem Soldaten [Name 6] niedergeschlagen und der Gefreite [Name 5] von dem Diensthund befreit. Anschließend beteiligten sich noch ca. zehn bis zwölf anwesende Zivilpersonen an den Tätlichkeiten, die den VP-Oberwachtmeister z. T. unterstützten.

Der Kompaniechef beteiligte sich nicht an der Schlägerei, es gelang ihm jedoch auch nicht, die Armeeangehörigen und Zivilisten von der Schlägerei abzuhalten. Erst durch das Eingreifen eines weiteren hinzugekommenen VP-Angehörigen, der den VP-Oberwachtmeister unterstützte und mittels Schlagstock gegen die NVA-Angehörigen vorging, wurde die Schlägerei beendet. Mithilfe von drei Zivilpersonen wurden die NVA-Angehörigen [Name 3], [Name 5] und [Name 6] dem VP-Revier in Boizenburg und anschließend dem Kompanieobjekt Vierkrug zugeführt. (Gegen die Hauptschuldigen wurden Disziplinarmaßnahmen eingeleitet.)

Da die Auseinandersetzung unmittelbar auf dem Vorplatz des »Stadtcafés« an der Fernverkehrsstraße 51 erfolgte, kam es auf der Straße für ca. 20 Minuten zu einer Verkehrsstauung von je drei bis vier Westfahrzeugen in beiden Richtungen, wobei die Fahrzeuginsassen die Vorgänge auf der Straße beobachteten.

Die bisherigen Untersuchungen ergaben keine feindlichen Motive. Die Ursachen der Auseinandersetzungen waren persönliche Differenzen.

  1. Zum nächsten Dokument Bahnbetriebsunfall bei Löbau
    17. November 1964
    Einzelinformation Nr. 1024/64 über einen Bahnbetriebsunfall auf der Strecke Niedercunnersdorf – Löbau – Reichenbach am 16. November 1964
  2. Zum vorherigen Dokument Selbstmordversuch des kommissarischen Produktionsdirektors des EKO
    14. November 1964
    Bericht Nr. 1017/64 über den Selbstmordversuch des kommissarischen Produktionsdirektors [Name 1] vom EKO Eisenhüttenstadt am 4. November 1964