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Vorkommnis mit einem sowjetischen Sergeanten in Leisnig

30. Dezember 1965
Einzelinformation Nr. 1165/65 über ein besonderes Vorkommnis mit einem Angehörigen der Sowjetarmee in Leisnig, [Kreis] Döbeln, [Bezirk] Leipzig, am 28. Dezember 1965

Am 28.12.1965, gegen 16.30 Uhr, befand sich ein Angehöriger der Sowjetarmee (Sergeant) auf dem Rückweg vom Übungsgelände zur Garnison in Leisnig. Auf der Straße in Leisnig, Ortsteil Meinitz, traf dieser Angehörige der Sowjetarmee, der sich allein in Richtung Leisnig bewegte, auf zwei spielende Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren, auf die er ohne erkennbaren Grund mit dem Seitengewehr seiner MPi einstach.

Eine hinzukommende Lehrerin sowie der Parteisekretär der Gemeinde Seifersdorf, [Kreis] Döbeln, und ein weiterer Bürger aus Leisnig, die den Kindern zu Hilfe kamen, wurden von dem sowjetischen Sergeanten ebenfalls angegriffen und mit dem Bajonett verletzt. Dem gleichfalls hinzukommenden ABV, Ultn. d. VP [Name 1], gelang es ebenfalls nicht, den sowjetischen Sergeanten von seinem Handeln abzubringen. Auch er wurde durch Bajonettstiche verletzt. Dabei stach der sowjetische Militärangehörige mit dem Seitengewehr wahllos auf die vorgenannten Bürger ein. Gegen 17.00 Uhr traf der herbeigerufene VP-Hwmstr. [Name 2] vom VP-Gruppenposten Leisnig am Vorkommnisort ein. Dieser versuchte durch mehrmaliges Anrufen und die Abgabe eines Warnschusses den sowjetischen Militärangehörigen an weiteren derartigen Handlungen zu hindern. Daraufhin wurde auch der VP-Hwmstr. [Name 2] angegriffen und mit dem Seitengewehr bedroht.

Hwmstr. [Name 2] entsicherte daraufhin offen erkennbar seine Pistole, um den sowjetischen Sergeanten von weiteren Handlungen abzuhalten. Dieser ließ sich jedoch dadurch nicht beeindrucken, sondern ging weiter gegen den Hwmstr. [Name 2] vor. Beim Zurückweichen vor diesen Angriffshandlungen kam Hwmstr. [Name 2] ins Stolpern, wobei sich ein Schuss aus seiner Pistole löste, der den sowjetischen Sergeanten oberhalb der Schläfe in den Kopf traf. Der Angehörige der Sowjetarmee wurde in das Krankenhaus Leisnig eingewiesen, wo er am 30.12.1965, gegen 7.45 Uhr, an den Folgen der Verletzung verstarb.

Die durch Bajonettstiche verletzten Personen wurden ebenfalls in das Krankenhaus Leisnig gebracht und werden voraussichtlich am 31.12.1965 entlassen. Bei den Verletzungen handelt es sich fast ausschließlich um Stichwunden in den Rücken oder in die seitlichen Körperpartien. Die Verletzten wurden im Krankenhaus von verantwortlichen Offizieren der sowjetischen Garnison Leisnig besucht.

Die bisher vom MfS geführten Untersuchungen zur weiteren Aufklärung dieses Vorkommnisses ergaben Folgendes:

Feindliche Handlungen oder sonstige Auseinandersetzungen, die den sowjetischen Sergeanten zu einer solchen Handlungsweise veranlasst haben könnten, wurden nicht festgestellt. Laut Gutachten der Ärzte lag als Ursache eine krankhafte Veranlagung vor, die vermutlich im Zusammenhang mit einer erst vor kurzem ausgeheilten Diphtherie des Sergeanten stand. Nach Mitteilung der sowjetischen Vorgesetzten handelte es sich bei dem Sergeanten um einen der besten Soldaten der Einheit; es sollte in Kürze befördert werden. Vor einiger Zeit wurde er erst als bester Erntehelfer vom Vorsitzenden des Rates des Kreises Döbeln ausgezeichnet.

Die Untersuchungen werden durch die sowjetische Militärstaatsanwaltschaft Weimar geführt.

Wesentliche feindliche oder negative Diskussionen unter der Bevölkerung zum Vorkommnis sind bisher nicht bekannt geworden.

  1. Zum vorherigen Dokument Bedrohung eines hilfsbereiten Westberliners am Checkpoint Charlie
    30. Dezember 1965
    Einzelinformation Nr. 1162/65 über eine Provokation an der Grenzübergangsstelle Chausseestraße am 29. Dezember 1965