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Vorbereitung einer kirchenhistorischen Publikation über die EKU

21. Mai 1981
Information Nr. 245/81 über die geplante Ausarbeitung einer kirchenhistorischen Publikation zur Geschichte der Evangelischen Kirche der Union

Nach dem MfS intern vorliegenden Hinweisen soll auf Initiative des Präsidenten der Kirchenkanzlei der Evangelischen Kirche der Union (EKU)1 – Bereich DDR – und Kirchenhistorikers, Dr. Joachim Rogge,2 von Vertretern der evangelischen Kirchen in der DDR, der BRD und der VR Polen eine gemeinsame Publikation über die Geschichte der EKU gefertigt werden.

In dieser Publikation soll u. a. enthalten sein, dass die EKU das Ergebnis der historischen Entwicklung der im Jahre 1817 auf Initiative von Friedrich Wilhelm III.3 gebildeten brandenburgisch-preußischen Staatskirche »Kirche der Altpreußischen Union« ist.

Das Territorium der »Kirche der Altpreußischen Union« (APU) war bis auf die Gebiete Schleswig, Holstein und Hannover mit den staatlichen Grenzen des bis 1945 existierenden Preußens identisch.

Das Territorium der APU setze sich demzufolge aus Gebieten der heutigen DDR, BRD, Berlin (West) und der VR Polen zusammen.

Im Jahre 1945 wäre zwar die APU zerfallen, die historischen und theologischen Gemeinsamkeiten hätten jedoch in der unmittelbaren Folgezeit zu einem föderativen Zusammenschluss der auf dem Gebiet der heutigen DDR, BRD und Berlin (West) befindlichen »altpreußischen Kirchen« in der EKU geführt, aus der – den staatlichen und politischen Gegebenheiten entsprechend – 1968 jeweils selbstständige Organisationsformen (EKU – Bereich DDR –, EKU – Bereich BRD/Berlin (West) – hervorgingen.)

Der Präsident der Kirchenkanzlei der EKU – Bereich DDR –, Dr. Joachim Rogge, Berlin, gewann für die Ausarbeitung der kirchenhistorischen Publikation Theologen und Kirchenhistoriker aus der DDR, der BRD und der VR Polen.

U. a. gehören dem Arbeitskreis folgende Personen an:

Aus der BRD:

  • Goeters, Johann Friedrich Gerhard4 (55) – Prof. für Kirchengeschichte

  • Ruhbach, Gerhard5 (48) Prof. für Kirchengeschichte

  • Kahle, Wilhelm (66) – Prof. für Kirchengeschichte

  • Neuser, Wilhelm6 (54) – Prof. für Kirchengeschichte

  • Dr. theol. Besier, Gerhard7 – Diplom-Psychologe.

Aus der Volksrepublik Polen:

  • Gryniakow, Jurek8 (ca. 60) – Dozent für prakt. Theologie an der Evangelischen Akademie Warschau, Anhänger der polnischen Gewerkschaft »Solidarność«

  • Karski, Karol9 – Pfarrer der evangelischen Kirche »Augsburger Konfession« und Vertreter des polnischen »Ökumenischen Rates« in der VR Polen.

Aus der DDR:

  • Konsistorialrat Berger, Christfried10 (43)

  • Pfarrer Nixdorf, Wolfgang11 (45) – Pressereferent der Evangelischen Landeskirche Greifswald.

Der Arbeitskreis stützt sich im gegenwärtigen Vorbereitungsstadium auf ein Manuskript von Pfarrer Nixdorf zur Geschichte der EKU.

Eine der Aufgaben, die sich der Arbeitskreis gestellt hat, besteht darin, die in Bibliotheken und kirchlichen Archiven in der DDR, BRD und der VR Polen vorhandenen Materialien zur Geschichte der EKU für die Publikation zugänglich zu machen. So bestehen Kontakte der Kirchenkanzlei der EKU – Bereich DDR – zum polnischen Pfarrer Karski, Warschau, der zu den im Warschauer Archiv befindlichen historischen Dokumenten der EKU-Geschichte konsultiert werden soll.

Weiter wurde bekannt, dass auch Prof. Ruhbach/BRD bereits entsprechende Kontakte zur Bibliothek des Johann Gottfried-Herder-Instituts12 mit Gesamtkatalog des wissenschaftlichen Schrifttums für Ostmitteleuropa (3550 Marburg, Emil-von-Behring-Weg 5) aufgenommen hat.

Weiter wurde intern bekannt, dass der für den Inhalt der »Geschichte der EKU« verantwortliche Präsident der Kirchenkanzlei der EKU – Bereich DDR –, Dr. Rogge, in einem Gespräch äußerte, dass er dafür garantiere, dass in diesem Buch »keine Tendenzen vorhanden sein werden, die sich negativ auf die Beziehungen zwischen der DDR und der VR Polen auswirken könnten«. Des Weiteren brachte Dr. Rogge zum Ausdruck, dass die APU nichts mit Revanchismus zu tun hätte, das Buch lediglich einen geschichtlichen Abriss vermitteln und keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der VR Polen darstellen soll.13

Die Information ist wegen Quellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

  1. Zum nächsten Dokument Statistik erwartete Westbesucher – Ostberlin (Pfingsten 1981)
    21. Mai 1981
    Information Nr. 247/81 über die zu erwartenden Einreisen von Personen mit ständigem Wohnsitz in nichtsozialistischen Staaten und Westberlin über die Grenzübergangsstellen der Hauptstadt der DDR, Berlin, im Zeitraum Pfingsten 1981
  2. Zum vorherigen Dokument Statistik Einnahmen Mindestumtausch (11.5.–17.5.1981)
    20. Mai 1981
    Information Nr. 246/81 über die Entwicklung der Einnahmen aus der Durchführung des verbindlichen Mindestumtausches für die Zeit vom 11. Mai 1981 bis 17. Mai 1981