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Tagesbericht

31. Juli 1953
Information Nr. 1029

Stimmung der Bevölkerung

Aus den vorhandenen Diskussionsbeispielen der Bevölkerung ist zu ersehen, dass die Stimmung durch die Lohnerhöhung, besonders der Lohngruppen I–IV,1 und andere Vergünstigungen wesentlich gehoben wird.

So sagt z. B. der Arbeiter [Name 1], beschäftigt im SAG EHW Thale: »Die Angleichung der Löhne und der anderen Lohngruppen des Stahlwerkes Thale zu den anderen Stahlwerken der DDR ist endlich erfüllt worden. Ebenso wie ich sind auch die anderen Kollegen der Gießgrube sowie die Kollegen an den Siemens-Martin-Öfen und der Bedienungen an den Generatoren einer Meinung, nämlich der, dass ihre Arbeit wieder anerkannt worden ist und hoffentlich auch so bleibt. Auch dass die Sonntagszuschläge wieder gezahlt werden, hat unter den Kollegen breite Anerkennung gefunden.«

Oder der Arbeiter [Name 2] vom SAG Schumann Leipzig: »Ich freue mich darüber, dass die Lohngruppen I–IV erhöht wurden, denn dadurch haben die Arbeiter der niedrigen Lohngruppen auch einmal eine Verbesserung erfahren.«

Der Sachbearbeiter (TAN) im RFT Röhrenwerk Mühlhausen [Name 3] sagte: »Aufgrund der Lohnerhöhung herrscht eine gute Stimmung unter den Kollegen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass der augenblickliche Stand der Normen nicht bleiben kann, da dort zu verzeichnen ist, dass ungelernte Kollegen mit 600 DM nach Hause gehen und Sachbearbeiter zum Teil nur 350 DM erhalten.«

Trotz dieser positiven Stimmungen ist zu verzeichnen, dass ein wesentlicher Teil der Arbeiter mit den nach ihrer Ansicht zu hohen Gehältern der Intelligenz nicht einverstanden ist. So sagt z. B. der Arbeiter [Name 4], beschäftigt im Leuna-Werk »Walter Ulbricht«: »Hinweg mit den hohen Gehältern. Über 600 DM braucht keiner, denn der Arbeiter muss mit seinen vielen Kindern mit 250 bzw. 300 DM auskommen. Wenn der Kumpel es in drei Jahren noch nicht einmal zu einem Fahrrad bringt, braucht der andere nicht in einem Jahr eine Villa, ein Auto und was weiß ich noch mehr.«

Trotz wesentlicher Verbesserungen ist zu verzeichnen, dass ein Teil der Bevölkerung an der Verbesserung des Lebensstandards im Grunde gar nicht interessiert ist, sondern nach wie vor mit politischen Forderungen bzw. Diskussionen in der Öffentlichkeit in Erscheinung tritt.

So äußert sich der Bäckermeister [Name 5] in einer NDPD-Versammlung: »Die Regierung muss abtreten, freie Wirtschaft wollen wir. Es wird sich nicht eher beruhigen als bis die SED abzieht.« Oder der Arbeiter [Name 6], beschäftigt in der Grube Beuna: »Es bleibt nicht ruhig, es wird bloß nicht richtig gemacht. So etwas muss ganz anders angefasst werden. Es muss eine Streikleitung gewählt werden von Buna, Leuna und Geiseltal. Die Forderungen werden aufgestellt, und wenn diese nicht bis zu einem bestimmten Termin erfüllt sind, wird gestreikt. Dadurch wird die Regierung gezwungen, binnen 24 Stunden abzutreten, und der Russe muss auch raus.«

Der Arbeiter [Name 7] aus Jerichow: »Der 17.6.1953 war erst der Polterabend, die Hochzeit folgt noch. Die Stimmung der Arbeiter ist nicht rosig, wenn die Regierung nicht schnell und reibungslos die Maßnahmen durchführt, kann es passieren, dass es bald wieder los geht.« Oder der Ingenieur [Name 8] vom ELMO-Werk Wernigerode: »Die Ereignisse im Juni waren zwar eine Fehlgeburt, aber dieses schließt nicht aus, dass die nächste Geburt eine gute und normale werden kann.«

In gleicher Weise treten Personen gegen Aufklärende auf und versuchen Propaganda für das Abhören des RIAS zu machen. So äußert sich der Arbeiter [Name 9] aus Thale: »Ihr könnt mir nichts erzählen, ein Mann wie ich, der alle Sender hört, vom RIAS über NWDR bis Beromünster,2 kann von euch nicht länger dumm gemacht werden.«

Die Inhaberin des Lebensmittelgeschäftes [Name 10] in Weimar diskutiert mit ihren Kunden wie folgt: »Was das heutige Regime macht, ist doch alles Mist. Wir haben bei Hitler besser gelebt, der Russe schleppt alles raus. Da sollen unsere Arbeiter bestehen können. Jetzt haben die eingesehen, dass sie mit ihren russischen Methoden nicht weiter kommen und müssen kneifen. Die Gerechtigkeit wird siegen. Dabei haben die immer Angst, rechtzeitig Meldungen in Presse und Rundfunk zu veröffentlichen. Nun ich höre ständig das Radio und zwar RIAS, was dieser Sender bringt, ist die reine Wahrheit. Warten wir ab, die Freiheit kommt bald.«

Zum neuen Kurs unserer Partei und Regierung und dem 15. Plenum sagt die Arbeiterin [Name 11], beschäftigt im VEB Profen: »Man kann jetzt den Sozialismus durch die neuen Maßnahmen der Partei und Regierung, wie sie verkündet wurden, z. B. höherer Lebensstandard, die Erhöhung der niederen Lohngruppen und niedrigere Preise, eher verstehen als vorher, wo man Einsparungen an den Renten und Fürsorgeunterstützungen vorgenommen hat. Das war schwer zu begreifen, dass man damit den Sozialismus aufbauen sollte.«

Der Arbeiter [Name 12] aus Hauröden, Kreis Worbis, sagt: »Die Beschlüsse der Regierung sind soweit ganz gut bis auf die Lebensmittel, die es in der HO zu kaufen gibt, aber leider die Preise für uns untragbar sind. Wie gerne möchte ich mir ein Pfund Fleisch oder Wurst kaufen, aber ich kann es meiner Familie nicht bieten.«

Der Assistent der Hochschule für Architektur [Name 13] (Mitglied der NDPD) bringt zum Ausdruck: »Man muss es der SED lassen, sie geht ehrlich an die Behandlung ihrer Fehler und Aufgaben heran. Die Entschließung der ZK-Tagung ist ein mir sehr wichtig erscheinendes Dokument, da sie alle zurzeit wichtigen Fragen anreißt und klar beantwortet. Ich begrüße besonders die klare Aufzeigung der Maßnahmen zur Änderung der Pläne zugunsten der Leicht- und Nahrungsmittelindustrie, zur Verbesserung des Lebensniveaus.«

Demgegenüber gibt es auch andere Stimmen. So sagt z. B. der Preisprüfer der Abteilung Finanzen des Rates der Stadt Weimar, [Name 14] (Mitglied der SED): »Da haben die oben wieder einmal einen Mist verzapft. Die wissen anscheinend nicht mehr, was sie vor Langeweile anfangen sollen. Über die Behauptung, alte SPD-Funktionäre und -Mitglieder hätten maßgebend bei der Organisierung des Streiks mitgewirkt, habe ich gestaunt. Dass die Kommunisten überhaupt den Mut haben, in diesem Punkt die Wahrheit einzugestehen? Doch sie haben recht, wir alten Sozialisten von 1920 haben es schon lange satt, uns von den jungen Partei- und Staatsfunktionären belügen, betrügen und ausbeuten zu lassen. Wir haben die Nase voll.« ([Name 14] wurde fristlos entlassen.)

Zu den Rohstoff- und Lebensmittellieferungen aus der UdSSR sagt der Arbeiter [Name 15] aus Börgitz, Kreis Gardelegen: »Die Hilfe der SU von 232 Milliarden Rubel Lebensmittel3 sind ja nicht für die Arbeiter bestimmt, sondern nur für die Personen, welche ihre Lebensmittel in der HO kaufen können.«

Der Nationalpreisträger Köhler4 aus dem ELMO-Werk Wernigerode (Mitglied der CDU) äußerte sich wie folgt: »Die Hilfe der SU ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein und muss außerdem noch schwer bezahlt werden. Für unser sauer verdientes Geld bekommen wir ranzige Butter. Aus den USA jedoch würden wir hochwertige Lebensmittel bekommen, die man außerdem noch unentgeltlich zur Verfügung stellen wollte. Unserer Regierung sowohl auch Moskau ist es ja egal, ob und wie wir leben. Die Hauptsache ist, die haben ihre Profite und ihr gutes Auskommen, das Volk kann aber ruhig verrecken.«

Besonders stark wird in den Grenzgebieten darüber diskutiert, dass für die dortigen Bewohner keine Interzonenpässe ausgegeben werden. Dies führt zur Missstimmung der Bevölkerung in den Grenzkreisen.

So äußert sich der Maurer [Name 16], beschäftigt bei der Bau-Union Blankenburg: »In gewisser Hinsicht sind die Maßnahmen der Regierung zu begrüßen. Wenn sie es aber nicht verstehen innerhalb der Sperrzone Veränderungen zu treffen, werden sie ihr blaues Wunder noch erleben. Mit welchem Recht gibt man den Bewohnern der Sperrzone keine Interzonenpässe und Aufenthaltsgenehmigungen.«5

In einer Blocksitzung in Karnin wurde in der Diskussion über den neuen Kurs der Partei und Regierung von den Anwesenden der Blockparteien, 3 CDU, 2 NDPD und 3 DBD, Genosse Walter Ulbricht, als 1. Sekretär des ZK abgelehnt. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass Walter Ulbricht in den letzten Wochen und auch heute noch mit der verhassteste Mensch in der DDR ist. Es wurde angeführt, dass ein Großteil der Bauern zu der angeblichen Entlarvung (wie sie sich ausdrücken) gewisser Elemente, Dertinger,6 Fechner7 usw., sich so äußern, dass sie in dem Genossen Walter Ulbricht einen Provokateur sehen, der sich nicht traut, die wahren Hintergründe zu veröffentlichen.

Anlage vom 31.7.1953 zur Information Nr. 1029 (2. Expl.)

Information Nr. 1029a: Mängel und Schwierigkeiten in der Wirtschaft

1. Anlieferung verdorbener Lebensmittel aus den Volksdemokratien

Schon seit längerer Zeit kommen aus den Volksdemokratien Lebensmittel, besonders Fleisch, Gemüse und Obst, welche zu einem hohen Prozentsatz verdorben sind, in der DDR an. Die Ursachen liegen zum Teil darin, dass leichtverderbliche Waren in Waggons befördert werden, die nicht dazu geeignet sind. So erfolgt in den meisten Fällen die Verladung von Gemüse ohne Vereisung. Die Temperatur der ankommenden Wagen beträgt bis zu 50 und 60 C. Außerdem benötigen die Waggons eine Laufzeit von 8 bis 10 Tagen.

Laut Mitteilung des Direktors des VEH DIA Nahrung, Glöckner, erfolgt von den Außenhandelsorganen in den Volksdemokratien keine Abnahme der von der DDR importierten Lebensmittel. Seit längerer Zeit bemüht sich der VEH DIA Nahrung um die Entsendung von Experten, welche die Abnahme in den Volksdemokratien durchführen sollen. Die Anträge für die Ausstellung der erforderlichen Visen sollen sich im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten befinden. Direktor Glöckner macht den Vorschlag, die Mitarbeiter der Handelsmissionen in den Volksdemokratien, besonders in der heißen Jahreszeit, mit zur Abnahme heranzuziehen.

2. Missstände in den Betrieben

Im Vieh- und Schlachthof Berlin ist eine schlechte Stimmung unter der Belegschaft, die darauf zurückzuführen ist, dass hier Missstände bestehen, die zu dieser Stimmung Anlass geben. So teilte man mit, dass im Schlachthof und Umgebung ein starker Fäulnisgeruch vorhanden ist. Um zu sparen, wurden in der letzten Zeit die Gullys nicht mehr gereinigt, in denen Abwässer und Darmreste faulen. Die Schlächter und die dort beschäftigten Frauen sind ohne hygienischen Schutz und haben bereits Ausschlag an den Armen. Ihre berechtigten Forderungen auf Beseitigung der Abfälle aus den Gullys und Durchführung sanitärer Maßnahmen wurden abgelehnt. Dies ist besonders jetzt in der heißen Jahreszeit eine große Gefahr, da hierdurch Seuchenherde entstehen können.

Eine große Empörung unter der Belegschaft und der umwohnenden Bevölkerung hat der große Verderb von Fleisch in den Lagerräumen des Schlachthofes hervorgerufen. So verfaulten in der Wartenbergstraße kostbare Därme (importiert aus der ČSR). Das Gleiche war auch der Fall mit argentinischem Fleisch, welches tonnenweise verdarb. In der Zeit, als es kein Fett gab, ist ebenfalls Schmalz in großen Mengen umgekommen. In letzter Zeit pökelt man Kalbfleisch ein, trotzdem es sich nicht hält und dadurch sehr an Gewicht und Geschmack verliert. Auf diese Zustände hin erschien ein Mitarbeiter der Kommission für Staatliche Kontrolle, der sich aber nicht wieder sehen ließ. Gleichfalls könnten Tausende von Mark eingespart werden, wenn einige Angestellte nach Feierabend auf die noch gemeldeten Viehtransporte warten und sie abfertigen würden. Dadurch könnte die Viehbegleitmannschaft sofort zurückfahren und neues Vieh holen, so ist sie aber gezwungen, eine ganze Nacht in Berlin untätig zu verbringen. Dadurch verliert gleichfalls das Vieh an Gewicht. Dies wird von der Direktion so begründet, dass keine Überstunden gemacht werden dürfen.

Im Reifenwerk Fürstenwalde haben sich in letzter Zeit umfangreiche Reklamationen bei Autoreifen ergeben. Die Ursache liegt darin, dass das für die Reifen verwendete Gewebe verändert wurde. Die Änderung ist zum Zwecke der Materialeinsparung erfolgt.

3. Schwierigkeiten in der Erfassung der Frühkartoffeln

Der starke Frühkartoffelanfall in den letzten Tagen hat eine neue Schwierigkeit heraufbeschworen, da die Kartoffeln durch den vollkommen übersättigten Handel nicht mehr abgesetzt werden. Die Ursache liegt darin, dass die Frühkartoffeln nur eine beschränkte Lagerzeit von 10 bis 12 Tagen besitzen. Dadurch ist die Gefahr eines raschen Verderbs der vorhandenen Kartoffelmengen gegeben.8

Diese Situation entstand dadurch, dass die für Ende Juli von Erfassung und Aufkauf9 vorgesehenen 5 000 t Exportkartoffeln von dem DIA Nahrung nicht vertraglich mit den Abnahmeländern gebunden sind. Der Grund hierfür war eine Veranlassung des Ministers Wach10 an den DIA, erst dann mit dem Export der Frühkartoffeln zu beginnen, wenn sämtliche örtlichen Schwierigkeiten beseitigt sind. Erfassung und Aufkauf reagierte hierauf mit einer Anweisung an die einzelnen VEAB, dass abgelieferte Kartoffeln auf Lager zu nehmen sind. Da diese Anordnung aber auf den Widerstand der einzelnen Betriebe stoßen würde, ist mit einem Rückgang der Kartoffelerfassung zu rechnen.

Das Ministerium für Handel und Versorgung hat an den Großhandel die Aufforderung gerichtet, sich für fünf bis sieben Tage zu bevorraten. Dieser sträubt sich aber dagegen, da ein Preisumschlag von 19,80 DM auf 14,20 DM pro Doppelzentner erfolgt. Sie nehmen also nur soviel Kartoffeln ab, wie sie unbedingt bis zum 29.7.1953 benötigen.

Die DHZ Nahrung arbeitet dabei folgendermaßen: Sie hat 5 000 t Kartoffeln jetzt erhalten. Diese wurden von ihr entladen und in Säcke längs der Entladestraße gestapelt, um den äußeren Anschein zu erwecken, dass alle Lager verstopft sind und nichts mehr aufgenommen werden kann. In Wirklichkeit befand sich in den vier »überfüllten« Lagern nicht eine Kartoffel.11

4. Mängel in der Arbeitsweise von Funktionären der Wirtschaftsorgane

Die Konsumgenossenschaft Zeitz, Bezirk Halle, verarbeitet 75 t Fleisch, dafür sind jedoch keine Kühlanlagen für die Lagerung einer Monatsproduktion vorhanden. Der Bau einer Kühlanlage bzw. Ausbau wird vom Ministerium für Planung Berlin12 nicht genehmigt, obwohl die Konsumgenossenschaft selbst die erforderlichen Mittel (20 000 DM) stellt.

Am 4.7.1953 stellte der ehemalige Großhändler Biermann im Kreis Königs Wusterhausen13 beim Rat des Kreises den Antrag der Gewerbegenehmigung aufgrund der Regierungsverordnung betreffs Einschaltung des Privat- und Großhandels zur Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung. Die Gewerbegenehmigung ist ihm vom Rat des Kreises erteilt worden. Ferner wurde ihm von der Abteilung Handel und Versorgung,14 Herrn Seidelmann, und zwei Herren von der DHZ Mahlow bei einer Unterredung am 4.7.1953 versprochen, Einsicht nehmen zu lassen in die geschlossenen Verträge für das 3. Quartal 1953 sowie die Aufteilung vorzunehmen. Am 6.7.1953 wurde vom Großhändler Biermann nochmals Rücksprache mit Herrn Seidelmann, Abteilung Handel und Versorgung, genommen. Hier erklärte dieser, dass er es sich überlegt habe und ihm keine Einsicht in die Verträge gewähren kann, da er noch keine Anweisung vom Rat des Kreises hat.

Herr Seidelmann von [der] Abteilung Handel und Versorgung machte ihm den Vorschlag, mit freien Artikeln zu handeln, d. h. mit solchen Artikeln, mit denen überhaupt keine Handelstätigkeit erwünscht ist. Kontingente für Lebensmittel für den privaten Großhandel stehen noch nicht zur Verfügung und es bestehen auch noch keine Anweisungen, äußerte Seidelmann. Durch solche Maßnahmen von Verwaltungsfunktionären, würde die Eigeninitiative des privaten Großhandels gehemmt und der neue Kurs in der Politik unserer Regierung von diesen Personen nicht verstanden.

Dem Rat des Kreises Königs Wusterhausen haben sowjetische Truppeneinheiten gebrauchte Autoreifen zur weiteren Verwendung übergeben. Nach Truppenmaßstab liegt bei diesen Reifen ein 50%iger Verschleiß vor. Somit haben die Reifen nach allgemeinem Handelsmaßstab einen 75%igen Neuwert.15 Diese Reifen werden jedoch mit vollem HO-Preis als neue Waren verkauft. Diese unkonkrete Erfassung der Reifen begünstigt dunkle Geschäfte, denn diese gleichen Reifen bei gleicher Qualität kann man für enorm niedrigere Preise erhalten.

5. Schlechte Planung in der Produktverteilung

Im Kreis Königs Wusterhausen wird durch falsche Planung in der Belieferung der einzelnen Bezirke und Kreise mit Lebensmitteln ein erhöhter Verbrauch an Geldern verursacht. So wird z. B. von der Schlossmühle in Königs Wusterhausen, Bezirk Potsdam, Mehl für das Kreisgebiet Brandenburg gemahlen. Die Brandenburger Mühle hingegen mahlt Mehl für das Kreisgebiet Königs Wusterhausen. Der Kreuzverkehr dieses Produktes erfolgt per Bahn bzw. Lkw und verursacht unnütze Transportkosten.16

Die VEB Likörfabrik in Zernsdorf, Kreis Königs Wusterhausen, Bezirk Potsdam, produziert für Abnehmer in Thüringen. Die Schnapsfabrik Quedlinburg, Bezirk Halle, liefert ihre Waren dagegen an das Kreisgebiet Königs Wusterhausen.

Die Anlieferung von Fischen aus Warnemünde für Königs Wusterhausen, Bezirk Potsdam, erfolgt gegen 6.00 Uhr täglich in die Lagerräume. Bis 11.00 Uhr ist dann die DHZ mit der Verteilerplanung, Preisfestsetzung usw. beschäftigt, gegen 14.00 Uhr erreichen dann die Waren die Verkaufsstellen. In den meisten Fällen ist dann zu verzeichnen, dass um diese Zeit der Absatz der Ware infrage gestellt ist und sie somit dem Verderb ausgesetzt ist.17

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    1. August 1953
    Information Nr. 1030
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