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Tagesbericht

31. Oktober 1953
Informationsdienst Nr. 2008 zur Beurteilung der Situation

Die Lage in Industrie, Verkehr, Handel und Landwirtschaft

a) Industrie und Verkehr

Die Preissenkung1 steht auch heute wieder im Mittelpunkt der Diskussion und wird zum Anlass weiterer Produktionsverpflichtungen und freiwilliger Normerhöhungen von den Arbeitern der Industrie- und Verkehrsbetriebe genommen. Diskussionen werden in der Form geführt, dass es notwendig wäre, die Preise für Lebensmittel des täglichen Bedarfs, wie Butter u. Ä., ebenfalls zu senken. Diese sowie direkte negative Diskussionen zur Preissenkung treten jedoch im Verhältnis der großen Zahl der Zustimmungen nur wenig auf. Einige Beispiele:

Eine Brigade des Sachsenwerkes Niedersedlitz/Dresden erhöhte ihre Norm um 5 %. Im VEB Feintuch Finsterwalde/Cottbus verpflichteten sich der Werksleiter in seiner Freizeit 200 000 Schuss, eine Lehrlingsbrigade des 3. Lehrjahres 200 000 Schuss, der BGL-Vorsitzende und eine Kollegin jeweils 250 000 Schuss zusätzlich zu weben. Ein ähnliches Beispiel wird aus dem VEB Gummibandweberei Pulsnitz/Dresden bekannt, wo sich jeder Kollege verpflichtete, täglich 10 cm Gummiband zusätzlich herzustellen. Dadurch werden im 4. Quartal insgesamt 3 500 Paar Hosenträger zusätzlich2 produziert. In einer Abteilung des EAW »J. W. Stalin« wird durch Veränderung des Arbeitsablaufes ein Betrag von 20 000 DM eingespart, ohne dass die Normen dabei erhöht werden.

Ein Arbeiter des VEB »7. Oktober« Berlin sagt zur Höhe der Preise der täglichen Bedarfsgüter: »Es war acht Jahre nach dem Krieg höchste Zeit, dass die Preise gesenkt werden. Die Artikel, die am allernotwendigsten gebraucht werden, sind immer noch zu teuer. Die Butter wurde überhaupt nicht billiger. Die Milch wurde zwar um einige Pfennige herabgesetzt, aber immer noch zu wenig.«

Ein Arbeiter, Mitglied der SED, aus dem VEB EKM Motorenwerk Cunewalde, Kreis Löbau/Dresden: »Ich begrüße die Preissenkung ganz besonders, bin aber in der Frage der Trikotagen nicht einverstanden, weil diese seit 1952 um 100 % angestiegen sind. 1952 kam eine Unterhose 9,00 DM, 1953 dagegen 18,00 DM. Hier hat man die Arbeiter ganz schön überfahren.«

Eine der negativen Äußerungen zur Preissenkung ist die eines Arbeiters aus Krackow, Kreis Pasewalk/Neubrandenburg: »Für mich ist das keine Preissenkung, ich habe mir schon vor drei Jahren ein Fahrrad in der HO gekauft, das auch bloß 285 DM kostete.«

Eine Näherin im VEB Bekleidungswerk Bürgel, Kreis Eisenberg/Gera: »Heute werden die Warenpreise gesenkt und morgen steigen die wieder an.«

Als weiterer Anlass zur Steigerung der Produktion und Übernahme von Selbstverpflichtungen wird bisher in einzelnen Betrieben einmal der Monat der DSF und die Vorbereitung des IV. Parteitages der SED3 genommen. Im VEB Industriewerk Rauenstein, Kreis Sonneberg/Suhl, wurden anlässlich des Monats der DSF von zehn Kollegen die Normen von 2–25 % freiwillig erhöht. Zur Vorbereitung des IV. Parteitages wurde ein Wettbewerb abgeschlossen, dem sich bis jetzt 88 % der Angehörigen des Wismut-Objektes Oberschlema anschlossen. Dabei ist das ingenieurtechnische Personal 100%ig durch Selbstverpflichtungen am Wettbewerb beteiligt. Ein Genosse des gleichen Objektes verpflichtete sich mit seiner Brigade den Anteil der Brigade am Fünfjahrplan bis 15.11.1953 zu erfüllen.

Durch mangelnde Waggongestellung ist die weitere Produktion im VEB Möbelfabrik Wittstock/Potsdam gefährdet. Da nicht genügend Lagerungsmöglichkeiten vorhanden sind, müssen die bereits fertiggestellten 350 kompletten Kücheneinrichtungen im Betrieb selbst untergestellt werden. Bei einer Anfrage der Betriebsleitung an die RBD Schwerin, warum dem Betrieb zum Abtransport dieser Möbel keine Waggons zur Verfügung gestellt werden, erhielten sie den Bescheid, dass sämtliche Waggons für Kartoffel- und Rübentransporte benötigt werden.

b) Handel und Versorgung

Schwierigkeiten in der Belieferung mit Einkellerungskartoffeln, die sich teilweise negativ auf die Stimmung der Bevölkerung auswirken, werden aus den Bezirken Suhl, Halle, Gera, Neubrandenburg und Magdeburg berichtet. Schwierigkeiten in der Versorgung mit Weißkohl werden aus Halle berichtet. Von einem abgeschlossenen Vertrag über 220 t wurden nur 9 t geliefert.

Der Kreis Fürstenwalde/Frankfurt war mit 480 t Saatkartoffeln eingeplant. Obwohl die Menge bereits geliefert wurde, treffen täglich Waggons mit Saatkartoffeln in Fürstenwalde ein, die nun auf dem Bahnhof lagern. Rücksprache mit den Verwaltungsstellen beim Rat des Bezirkes ergab keine Klärung, eine Verwaltungsstelle schiebt die Doppellieferung auf die andere, wertvolles Saatgut aber trifft weiterhin täglich in Fürstenwalde ein.

Im Bezirk Cottbus wurden Saatkartoffen angeliefert, die von den Bauern aber nicht abgenommen werden, da sie den bestellten Sorten nicht entsprechen und für die dortigen Verhältnisse unbrauchbar sind. Eine Menge von 300 t Saatkartoffeln sollen nun an die VEAB ausgeliefert werden, was aber als unrentabel bezeichnet wird. Als Speisekartoffeln sind diese nicht zu verwenden, als Futterkartoffeln zu teuer und außerdem sind es Saatkartoffeln, die in anderen Bezirken benötigt werden.

c) Landwirtschaft

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die durchgeführte Preissenkung. In den überwiegend positiven Meinungsäußerungen wird Vertrauen zur Regierung zum Ausdruck gebracht und teilweise durch Selbstverpflichtungen bekräftigt. Neben Diskussionen über Stromabschaltungen, die sich besonders in der Landwirtschaft auswirken, und Waggonmangel beim Abtransport von Zuckerrüben treten vereinzelt negative Äußerungen feindlicher Elemente in Erscheinung. Zwei Traktoristen der MTS Polenz/Dresden verpflichteten sich, ihren Jahresplan um 250 Einheitshektar zu erhöhen. Die Bauern von vier Gemeinden des Kreises Ueckermünde/Neubrandenburg verpflichten sich, elf Schweine und drei Rinder dem freien Aufkauf zur Verfügung zu stellen.

Ein Neubauer aus Markersdorf4/Gera: »Ich begrüße die Schritte der Regierung, die sie in letzter Zeit unternommen hat, um das Leben unserer Werktätigen zu verbessern und das zu halten, was vom neuen Kurs versprochen wurde.«

Ein Genossenschaftsbauer aus Neuhof/Suhl: »Für mich ist es in der Genossenschaft schon wesentlich leichter geworden und unsere Einkünfte haben sich erhöht gegenüber den vergangenen Jahren. Durch die Preissenkung sehen wir, dass die Regierung sich alle Mühe gibt, den Menschen das Leben immer leichter zu gestalten.«

Im Kreis Quedlinburg/Halle ist die Zuckerrübenernte zu 99 % abgeschlossen. Es fehlen aber die Waggons zum Abtransport. Von den Bauern wird dazu geäußert: »Erst heißt es immer schnell abliefern und dann kann man stundenlang auf dem Bahnhof auf die Waggons warten.«

Ein Mittelbauer aus Mildenau/Karl-Marx-Stadt: »In den Städten werden keine Stromabschaltungen vorgenommen, weil die Arbeiter meutern. Warum lassen wir uns alles gefallen.«

Ein werktätiger Bauer aus Schlagsdorf5/Cottbus: »Es liegt etwas in der Luft, sonst würde die Regierung keine Preissenkung machen. Es nützt denen da oben nichts, sie können machen was sie wollen, auch die Preissenkung hält den Umsturz nicht auf.«

Aus Dresden wird mitgeteilt, dass einige LPG im Bezirk, vorwiegend im Kreis Meißen, sehr hoch verschuldet sind. 15 der größten LPG des Kreises Meißen haben insgesamt 1,2 Mio. DM Schulden. Umgerechnet pro ha im Durchschnitt 500 DM bei einer LPG sogar 600 DM.

Aus der LPG Berga/Gera, die noch aus vier Betrieben bestand, haben sich zwei weitere Betriebe ausgeschlossen. Die LPG in Galan6/Gera und Untergeißendorf7/Gera haben den Beschluss gefasst, sich nach der Ernte aufzulösen.

Beim Rat des Kreises Neuruppin/Potsdam wurden 250 Anträge auf Sollherabsetzung abgegeben. Demgegenüber ist festzustellen, dass sich die Ablieferung auf freie Spitzen erheblich gesteigert hat. In einer öffentlichen Gemeindevertretersitzung in Lüchfeld8/Potsdam brachten die dort anwesenden 20 Bauern zum Ausdruck, nicht abzuliefern, wenn nicht das Soll um 30 % gesenkt wird. Bemerkenswert ist, dass Mittel- und Kleinbauern wortführend waren, die Großbauern sich dagegen im Hintergrund hielten.

Stimmung der übrigen Bevölkerung

Auch in der übrigen Bevölkerung hält eine positive Stimmung weiterhin an. Allgemein wird zum Ausdruck gebracht, dass die Regierung bemüht sei, den neuen Kurs zu verwirklichen und den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen. Vereinzelt treten Diskussionen auf, dass die Preise für die wichtigsten Nahrungsmittel wie Butter, Mehl, Zucker und dgl. ebenfalls gesenkt werden müssten sowie negative Äußerungen, wie bereits an den Vortagen berichtet.

Eine Krankenschwester aus Grimmen/Rostock, CDU: »Das ist der beste Beweis, welche Staatsform das Leben seiner Bürger verbessern will. Im Westen stellt man Atomgeschütze über den geregelten Lebensunterhalt.«

Eine Reinemachefrau aus Suhl: »Ich bin begeistert von der Preisherabsetzung und Steuerermäßigung. Jetzt kann ich mir wesentlich mehr kaufen als vorher.«

Eine Hausfrau aus Karl-Marx-Stadt: »Die Preissenkung ist für uns ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk der Regierung. Ich bin bloß gespannt, was die Nörgler wieder zu meckern haben.«

Eine Rentnerin aus Leipzig: »Ich und mein Mann sind hoch erfreut über die plötzliche Preissenkung. Obwohl wir Rentner sind, habe ich gleich für meinen Mann Unterwäsche gekauft, was wir uns vor der Preissenkung nicht hätten leisten können.«

Ein Angestellter aus Gera: »Die Preissenkung ist ja gut und schön, aber warum keine Senkung der Butterpreise und Hauptnahrungsmittel.«

Eine Hausfrau aus Schellenberg/Karl-Marx-Stadt: »Das ist ja zum Lachen, erst haben sie die Preise für Textilien hochgeschraubt und jetzt nennen sie das Preissenkung.«

Ein Arbeiter [aus] Penig/Karl-Marx-Stadt: »Erst wurde uns versprochen, dass kein Strom mehr abgeschaltet wird. Wir müssen erst wieder Krach machen, dann werden die in Berlin hören, dass wir noch da sind und wir werden wieder Strom haben.«

Organisierte Feindtätigkeit

Verstärkte Verbreitung von Flugblättern aus dem Bezirk Potsdam, vereinzelt aus den Bezirken Neubrandenburg, Dresden, Rostock, Halle und Berlin. In der Mehrzahl Flugblätter der NTS,9 KgU10 und SPD.11 Zum Inhalt eines Flugblattes der SPD: »Bestochene Verräter als Kronzeugen der SED. Was Buchwitz12 verschweigt – einst Westemigrant, heute Sowjetagent«. Aus dem Bezirk Gera wird gemeldet, dass dort verschiedentlich Flugblätter und Hetzbroschüren durch die Post versandt werden.

Am 29.10.1953, gegen 23.30 Uhr, wurde ein Pionierleiter des Kreises Gardelegen/Magdeburg nach dem Besuch einer FDJ-Veranstaltung auf dem Heimweg von drei unbekannten Tätern überfallen und niedergeschlagen.

Aus einer Meldung der Westberliner Zeitung »Telegraf« vom 30.10.1953 geht hervor, dass der Westberliner Sender RIAS aufgrund angeblicher Störungen durch »Sowjetzonensender« zwei Programme und zwar RIAS 1 und 2 schafft. Die Nachrichten und politischen Sendungen werden in den Abendstunden verändert. Die Sendezeit wird auf 24 Stunden erweitert.13

Vermutlich organisierte Feindtätigkeit

Im VEB Kleidermacher Görlitz/Dresden wurden 5 000 Mäntel hergestellt, die in der Verarbeitung so schlecht sind, dass die von den Verkaufsstellen nicht abgenommen werden. Der Schaden beträgt 300 000 DM.

Einschätzung der Situation

Die im Mittelpunkt stehende von der großen Mehrzahl in Stadt und Land positiv geführte Diskussion über die Preissenkung zeigt, dass sich das Vertrauen zur Politik von Partei und Regierung gefestigt hat. Durch weitere Verpflichtungen und Wettbewerbe zur Erhöhung der Produktion unterstützen die Belegschaften in vielen Betrieben den neuen Kurs. Die Verbesserung des Vertrauens zur Regierung zeigt sich auch auf dem Lande, teilweise in Selbstverpflichtungen. Die negativen Meinungen zur Preissenkung sind verhältnismäßig gering. Die teilweise Unzufriedenheit der Bevölkerung besteht vorwiegend wegen der ungenügenden Belieferung mit Einkellerungskartoffeln.

Anlage vom 30.10.1953 zum Informationsdienst Nr. 2008

Stimmen der Bevölkerung über die Preissenkung

Die Preissenkung steht weiterhin im Mittelpunkt aller Diskussionen. Von der Mehrzahl der gesamten Bevölkerung wird sie freudig begrüßt. Besonders unter der Arbeiterklasse zeigt sich darüber große Freude und das Vertrauen zu unserer Regierung und zum neuen Kurs wurde bedeutend gefestigt. Dies kommt durch zahlreiche Produktionsverpflichtungen zum Ausdruck, mit denen die Arbeiter der Regierung danken und gleichzeitig die Grundlage für weitere Preissenkungen schaffen wollen.

Große Teile der Bevölkerung freuen sich vor allem darüber, dass die Regierung ihr Versprechen über die Verbesserung der Lebenslage schnell eingelöst hat und dass sich damit die Richtigkeit des neuen Kurses beweist. Weitere Stimmen besagen, dass dieser Schritt die Lebenslage der Bevölkerung verbessert, dass damit den Feinden der DDR ein Schlag versetzt wurde, indem ihre Theorie vom Bankrott der DDR zerschlagen wurde.

Ein kleiner Teil der Bevölkerung befürchtet, dass nicht genügend Waren vorhanden sind, um den Bedarf zu decken und man evtl. wieder vor leeren Geschäften steht. Andere wiederum finden die Preissenkung für gut, bemängeln jedoch, dass man nicht die wichtigsten täglichen Nahrungsmittel wie Butter, Zucker, Mehl und andere gesenkt hat. Wie aus den bekannt gewordenen Stimmen von Bauern zu ersehen ist, äußert sich nur ein Teil der Bauern positiv, während sich die Mehrzahl abwartend dazu verhält. Dazu einige Beispiele:

Der Grubenbetrieb des VEB Kaliwerk »Ernst Thälmann« Suhl verpflichtet sich anlässlich der Preissenkung, 20 000 t Rohsalz und 10 000 t Steinsalz über den Plan zu fördern. Die Brigade Görke Wismut AG, Schacht Johanngeorgenstadt, verpflichtete sich, eine Sonderschicht mit 200 % zu fahren. In der Wismut AG haben sich mehrere Brigaden noch zu Sonderschichten verpflichtet. Die Kollegen der Elektrowerkstatt im Karl-Marx-Werk Magdeburg verpflichteten sich, die ihnen anvertrauten Maschinen und elektrischen Anlagen der Stahlgießerei zu jeder Zeit in betriebsbereitem Zustand zu erhalten. Eine Brigadeleiterin aus dem VEB Mechanische Weberei Zittau verpflichtete sich, 30 qm Stoff über den Plan zu weben. Eine Kollegin aus dem RAW Berlin-Schöneweide erhöhte aus Anlass der Preissenkung ihre Norm um 10 %. Ein Bauer aus Krenzow/Neubrandenburg verpflichtete sich, bis Ende November zwei Schweine auf freie Spitzen zu liefern.

Ein Arbeiter (parteilos), Hydrierwerk Zeitz/Halle: »Ich hätte nicht erwartet, dass die Regierung so schnell den neuen Kurs verwirklicht. Erst die Lohnerhöhung, dann die Steuersenkung und jetzt die Preissenkung, da kann ich nur meine volle Zustimmung geben.«

Weberin VEB Mechanische Weberei Ostritz/Dresden: »Man sieht nun, dass es besser wird. Ich hatte zuerst nicht viel von den Reden der Funktionäre gehalten, aber jetzt bin ich restlos überzeugt.«

Bauarbeiter aus Berlin: »Jetzt kann man doch sehen, dass es die Regierung mit dem neuen Kurs ernst meint. Besonders gut ist es, dass die Zigaretten jetzt acht Pfennig kosten und auch das Bier ist billiger.«

Kraftfahrer des Deutschen Kraftverkehr Berlin: »Jetzt kann man schon eine Menge Geld im Monat sparen und sich etwas anderes kaufen. Das macht einem Spaß und Freude, damit wird der Lebensstandard der Bevölkerung um ein Beträchtliches verbessert.«

Arbeiter des VEB Textima Saalfeld/Gera: »Diese Preissenkung ist wieder ein Schlag für Bonn. Ich möchte wissen, was die für Augen machen, denn sie haben diese Preissenkung nicht für möglich gehalten.«

Arbeiter aus dem VEB Büromaschinen Mechanik Berlin: »Ich freue mich sehr über die Preissenkung, aber hoffentlich ist genügend Ware vorhanden. Es hat schon einige Preissenkungen gegeben, wo es danach nichts zu kaufen gab.«

Werktätiger Bauer aus Medow/Neubrandenburg: »Ich freue mich, dass unsere Partei und Regierung diesen großen Schritt getan hat um die Lebenslage unserer werktätigen Menschen bedeutend zu verbessern.«

Werktätiger Bauer aus Niedergrunstedt/Erfurt: »Hier erkennt man doch ganz klar, dass unsere Regierung ständig die Lebenslage der Arbeiter und Bauern vorantreibt. Die Richtigkeit des neuen Kurses ist damit bewiesen.«

Technologe Kreisverwaltung Neubrandenburg: »Ich begrüße die Maßnahmen der Regierung, aber gibt man uns auch die Gewähr, dass genügend Ware zur Verfügung gestellt wird.«

Schneidermeister aus Leuna/Halle: »Ich war kürzlich in Westdeutschland und dort hat man mir gesagt, dass es nicht möglich sein wird in der Ostzone einen höheren Lebensstandard zu erhalten. Umso mehr war ich überrascht, als plötzlich eine so große Preissenkung durchgeführt wurde.«

Rentner aus Gadebusch/Schwerin: »Auch für uns Rentner ist dies eine große Erleichterung und wir können uns doch jetzt ein Stück Zeug mehr kaufen.«

Negative Äußerungen besagen, dass diese Preissenkung zu gering sei und man sich trotzdem nicht viel mehr kaufen könne, während man im Westen doch angeblich billiger lebt. Weiterhin wird noch erklärt, dass man erst abwarten müsse, »ob man die Preise nicht in Kürze wieder erhöht, wie es schon einmal der Fall war«. Einige Stimmen sagen, man spreche hier von einer »großzügigen Preissenkung«, viele Waren seien vor Kurzem im Preis erhöht worden und jetzt würde nur das ursprüngliche Preisniveau wieder hergestellt werden.

Feindliche Elemente versuchen, die Preissenkung als ein »Propagandamittel der SED« hinzustellen, die dadurch »nur ihre Stellung zu halten versucht«. Andere wiederum erklärten, dass die Regierung durch das Volk zu einer Preissenkung gezwungen worden wäre. In Strasburg/Neubrandenburg kursiert das Gerücht, dass nach dieser Preissenkung bald eine Währungsreform durchgeführt werde.

Arbeiterin aus dem VEB Büromaschinen Mechanik Berlin: »Die Preissenkung ist zwar gut, aber man weiß nicht, ob die Preise wieder erhöht werden, wie es schon mal bei Marmelade und Kunsthonig der Fall war.«

Zeitungsträgerin aus Pößneck: »Na, was ist denn das schon, die sollen die Preise senken, die für Arbeiter wichtig sind, Fleisch, Wurst.«

Neubäuerin aus Arensdorf14/Halle: »Obwohl die Preissenkung zu begrüßen ist, steht die Preissenkung in keinem Verhältnis zu den Preisen bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Ich habe keinen Nutzen davon.«

Geschäftsführer der Fa. Tetzlaff & Wenzel Stralsund/Rostock: »Jetzt können sie nichts mehr los werden, darum haben sie die Preise gesenkt. Hätten sie die Ware verkaufen können, wäre sie auch nicht billiger geworden.«

Schneidermeister aus Anklam/Neubrandenburg: »Ich begrüße zwar die Preissenkung, aber die Stoffe kosteten im Frühjahr auch schon mal so viel, wie sie jetzt wieder kosten, und da spricht man von einer Preissenkung. Ich zweifle noch, warten wir erst mal ab.«

Tabakwarenhändler aus Calbe:15 »Man hat ja nur einige Waren herabgesetzt, die anderen lässt man, um die Besatzungskosten zu begleichen.«

Hausfrau aus Ludwigslust/Schwerin: »Das ist doch nur alles Propaganda, wenn im nächsten Jahr die Lebensmittelkarten wegfallen, bekommen wir gar nichts mehr zu essen.«

Westdeutsche Besucher erklären, dass sie vollkommen überrascht seien von dem Lebensstandard in der DDR und erst jetzt die Unterschiede zwischen der DDR und Westdeutschland erkennen.

Arbeiter aus Berlin-Staaken (Westsektor): »Ich bin vollkommen erstaunt über den Lebensstandard in der DDR. Was man hier auf Marken kaufen kann, können wir uns drüben nicht einmal frei kaufen, weil die Preise zu hoch sind, und dazu noch die Preissenkung der HO auf allen Gebieten.«

Besucher aus Westdeutschland zzt. Unterweißbach/Suhl: »Ich habe Gelegenheit gehabt, das Leben in der DDR gründlich zu studieren. Jetzt sehe ich, wo man wirklich besser lebt, drüben steigen die Preise für die wichtigsten Lebensmittel ständig und hier in der DDR werden die Preise gesenkt und das Leben verbessert sich.«

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