Zur Beurteilung der Situation
20. Februar 1954
Informationsdienst Nr. 2134 zur Beurteilung der Situation
Stimmung in der DDR
Nach vorliegenden Berichten hat sich in der Stimmung der Bevölkerung keine wesentliche Veränderung ergeben.
Feindtätigkeit
Vereinzelt wurden Flugblätter vom »Streik-Komitee der Arbeiter Mitteldeutschlands« in den Bezirken Neubrandenburg, Frankfurt/Oder, Magdeburg, Karl-Marx-Stadt und Erfurt gefunden. Der Inhalt fordert Funktionäre auf, gegen Regierung und neuen Kurs zu arbeiten.1 Einige Hetzschriften der KgU2 und der »Deutschen Widerstandsbewegung der Sowjetzone«3 wurden in Erfurt gefunden.
In der Nacht vom 18. zum 19.2.1954 wurde in Tabarz, [Bezirk] Erfurt, an eine Hauswand mit schwarzer Kreide die Losung: »Wir wollen wählen« angebracht.
In der Grundschule in Böhlen, [Bezirk] Leipzig, wurde an eine Wandtafel folgende Hetzlosung geschrieben: »Nieder mit Pieck,4 nieder mit der DDR.«
In der Nacht vom 18. zum 19.2.1954 wurde in Rettig, [Bezirk] Cottbus, eine Messtruppdrehwaage des VEB Geophysik der Staatlichen Geologischen Kommission, die sich auf einem Felde zwecks Bodenvermessung befand, umgestürzt.
Stimmung der Bevölkerung im demokratischen Sektor von Groß-Berlin
Über den Abschluss und die Ergebnisse der Außenministerkonferenz5 sind keine so starken Diskussionen zu verzeichnen, wie während der Konferenz. Große Teile der Bevölkerung Berlins bringen ihre Enttäuschung zum Ausdruck, dass die Konferenz keine Ergebnisse in der Deutschlandfrage erzielte. Ein Arbeiter aus Berlin-Lichtenberg: »Ja, nun haben uns die vier Großen verlassen und der Traum, dass wir wieder in die Menschlichkeit zurückkehren, ist wieder aus, es ist grauenhaft, aber niemand kann was dagegen tun.«
Eine Hausfrau aus Berlin-Müggelheim: »So viel hat man sich von der Konferenz versprochen und nichts ist herausgekommen.«
Ein Arbeiter aus dem VEB Siemens-Plania: »Das negative Ergebnis hat uns alle sehr erschüttert. Während des Krieges waren sich die vier einig, aber diese Einigkeit wird wohl so schnell nicht wieder kommen.«
Die fortschrittlichen Kräfte sprechen meist noch begeistert über die Demonstration des demokratischen Berlins.6 Ein Teil gibt sich mit den Ergebnissen der Konferenz nicht zufrieden und vertritt die Meinung, dass alles von uns abhängt, wie der Kampf zugunsten des deutschen Volkes entschieden wird. Ein Arbeiter aus dem Kabelwerk Oberspree: »Das negative Ergebnis für uns Deutsche auf dieser Konferenz ist sehr bedauerlich, aber wir werden im Kampf nicht nachlassen. Die Parole für morgen heißt nun: ›Der Friedensvertrag muss erkämpft werden‹, denn wer sehnt sich nicht nach Frieden.«
Unter einem Teil [von] Geschäftsleuten und Angestellten kommt die Meinung zum Ausdruck, dass [das] Ergebnis von vornherein festgestanden hat, weil die SU kein Interesse zum Nachgeben hatte. In geringem Umfang tritt diese Meinung auch unter den anderen Schichten der Bevölkerung auf. Ein Arbeiter aus Neudöbern, zzt. Berlin: »Die Konferenz scheiterte, weil Molotow7 nicht wollte. Ich habe mir von Anfang an nicht viel versprochen.« Ein Angestellter aus Berlin: »Dass die Vier sich nicht einig werden, war im Voraus zu sehen, ich habe das gleich gesagt. Molotow wirft den drüben immer den EVG-Vertrag8 vor, da konnte ja nichts mit der Einigkeit werden.«
Andere negative Stimmen, die jedoch in geringem Maße auftreten, aber stärker als in der Republik, stellen die Forderung nach »freien Wahlen«.9 Ein Angestellter aus Berlin: »Man muss sich sehr wundern, dass den freien Wahlen nicht zugestimmt wurde. Na, eines Tages wird das schon werden. Ein Volk von 70 Millionen lässt sich nicht auf alle Ewigkeit von Völkern, die bestimmt auf keiner höheren Kulturstufe stehen, bevormunden.«
Ein Angestellter vom Reichsbahnausbesserungswerk Berlin: »Es wird nichts weiter bleiben, als für die freien Wahlen noch zu warten. Unser Wunsch ist, freie Wahlen und dann eine gesamtdeutsche Regierung.«
Ein Angestellter aus Berlin N 4:10 »Die Westmächte haben sich wirklich alle Mühe gegeben, um uns wiederzuvereinigen. Molotow war aber stur wie ein Panzer, er stellte nur Forderungen und wollte nicht nachgeben. Pieck und Genossen haben ganz schön um ihre Macht gezittert.«
Stimmen aus Westberlin
Ein Teil der bekannt gewordenen Meinungen bringt die Hoffnung zum Ausdruck, dass diese Konferenz der Anfang zu Verhandlungen sei, die bald zu Erleichterungen11 im Verkehr und Handel zwischen Ost und West führen möge.12 Ebenfalls werden die sowjetischen Vorschläge begrüßt. Ein Arbeiter aus Westberlin: »Hoffentlich werden bald weitere Verhandlungen folgen, die uns wenigstens einige Erleichterungen bringen.«
Eine Angestellte aus Spandau: »Nur einer ist guten Willens zur Viererkonferenz gekommen, nämlich der sowjetische Außenminister Molotow. Seine Verhandlungsangebote beweisen die konsequente politische Linie der Sowjetregierung, um Deutschland auf friedlichen Wege zu vereinen und den Weltfrieden auf Jahrzehnte zu sichern.«13
Pessimistische Stimmen sehen keine Hoffnungen für eine Einigung in der Deutschlandfrage in nächster Zeit. Diese Menschen sehen keinen Ausweg aus dieser Lage. Eine Hausfrau aus Westberlin: »Die große Hoffnung, dass sich durch die Konferenz unsere Lage etwas ändern könnte, müssen wir leider begraben. Wann werden wir nur endlich wieder vereint.«
Ein Geschäftsmann aus Westberlin: »Das Geschäft ist nach wie vor schwer und oft unerfreulich. Nach der wenig ergebnisvollen Konferenz werden die wirtschaftlichen Verhältnisse noch problematischer werden. Es macht sich immer größere Mutlosigkeit bemerkbar.«
Eine Hausfrau aus Westberlin: »Nun geht die alte Leier weiter. Ein besiegtes Volk hat eben nur den Mund zu halten und darf nichts sagen. Uns bleibt nur das Hoffen.«
Negative und feindliche Stimmen, meist von feindlichen und verhetzten Elementen, bringen im Allgemeinen eine Hetze gegen die Sowjetunion und deren Vorschläge sowie eine Hetze gegen die DDR zum Ausdruck. Eine Hausfrau aus Westberlin: »Wieder ist nichts herausgekommen. Ich möchte wissen, wie das noch einmal endet. Jedenfalls ist es besser, dass die Westmächte kategorisch nein gesagt haben, als wenn eventuell Halbheiten herauskommen. So geht der Kalte Krieg weiter. Wer am längsten aushält, der wird als Sieger hervorgehen.«
Ein Arbeiter aus Westberlin: »Jeder bleibt bei seinem Programm und keiner gibt nach. Bis zur nächsten Konferenz aber ist die Europa-Armee aufgezogen,14 dann ist eine Sicherheit da und der Kommunismus kann nicht weiter.«
Ein Angestellter aus Westberlin: »Nur im Fressen und Saufen waren sie sich einig. Am bittersten ist es aber in Ostberlin und der Sowjetzone, denn die 20 Millionen Deutschen, die dort wohnen, hatten seit Kriegsende die schwerste Last durch die Teilung zu tragen. Sie werden sie aber auch noch geduldig weitertragen müssen, dafür sorgt schon Molotow mit seinem Regime in der Ostzone. Die von Molotow gemachten Vorschläge kann man nur als infamen Betrug bezeichnen.«
Eine Hausfrau aus Westberlin: »Es ist jedenfalls besser so, als unter den Verhältnissen wie im Osten zu leben.«
Funktionär des Landesverbandes Westberlin der Deutschen Partei:15 »Die Viererkonferenz hat als Einziges nur gezeigt, dass die drei westlichen Außenminister eine einheitliche Front gegen das bolschewistische Russland eingenommen haben.«
Bei einer öffentlichen Versammlung der Deutschen Partei am 17.2.1954 in Berlin-Reinickendorf, wo eine wüste Hetze gegen die Sowjetunion und DDR betrieben wurde, mussten ca. 50 Stummpolizisten16 eingesetzt werden, um den Saal zu räumen, da fortschrittliche Kräfte durch Zwischenrufe (»Faschisten«) den Fortlauf der Versammlung verhinderten.17
Anlage vom 20. Februar 1954 zum Informationsdienst Nr. 2134
Auszug aus Stimmen feindlicher Personen aus Berichten zur Viermächtekonferenz vom 8. bis 15.2.1954
Bezirk Rostock
1.) Der Angestellte [Name 1] – Neptunwerft Rostock: »Ich bin für freie Wahlen unter Aufsicht der Besatzungsmächte, eine Volksbefragung ist Quatsch.«18
2.) Ein Student aus Greifswald: »Wir Deutschen verlangen freie Wahlen.«
3.) Der Arbeiter [Name 2] von der Volkswerft Stralsund: »Die Russen sollen freie Wahlen zulassen, dann werden sie sehen, dass die Mehrheit der Bevölkerung ihr System ablehnt.«
4.) Der Tischler [Name 3] (parteilos) aus Rostock: »Falls die Konferenz scheitert, hat die sowjetische Delegation Schuld.«
5.) Der Konstrukteur [Name 4] von der Neptunwerft Rostock: »An Molotows Sturheit scheitert die Einigung. Deutschland muss an den Westen gebunden werden.«
6.) Ein Angestellter der Neptunwerft Rostock: »Die Vorschläge Molotows sind alle Schwindel.«
7.) Der VP-Wachtmeister von der Trapo19 [Name 5]: »Die Siegermächte müssen über Deutschland verhandeln. Es ist schlecht, dass man deutsche Vertreter fordert.«20
Bezirk Schwerin
1.) Im privaten Baubetrieb Kowatzki in Schwerin verweigerten zwei Belegschaftsangehörige die Unterschrift mit der Begründung: »Wir wollen keine Volksabstimmung, sondern freie Wahlen.«
2.) Der Arbeiter [Name 6] aus der Abteilung Schiffsbau der Elbewerft Boizenburg: »Die Konferenz kann nur einen Krieg bringen, weil Molotow keine freien Wahlen will.«
3.) Der Wächter [Name 7] aus Kleve:21 »Der Russe will keine Einheit Deutschlands.«
4.) Mehrere Angestellte vom Kreisentwurfsbüro Schwerin: »Die Wahlen von 1950 bei uns sind keine freien Wahlen gewesen.«22
5.) Ein Bauunternehmer aus Bützow: »Pieck, Grotewohl23 und Ulbricht24 sind Russen.«25
6.) Zwei Großbauern aus Gadebusch: »Nach dem Scheitern der Konferenz wird eines Tages der Ami einrücken.«
7.) In verschiedenen Brigaden der Elbewerft Boizenburg wird die Oder-Neiße-Grenze als nicht rechtskräftig angesehen.26
8.) Ein Arbeiter aus dem RAW Wittenberge:27 »Wegen der Oder-Neiße-Grenze ziehe ich noch einmal in den Krieg.«
9.) Ein Arbeiter aus Plate: »Die Oder-Neiße-Grenze ist keine Friedensgrenze, die Regierung der DDR ist auch keine Arbeiterregierung.«
10.) Ein Baumeister aus Schwerin: »Wenn die Konferenz scheitert, wird in der DDR der Rubel eingeführt und wir werden sowjetisiert.«
11.) Ein Arbeiter aus den Lederwerken Neustadt-Glewe: »Es gibt noch einen 17.6.[1953], denn in Polen und der ČSR demonstrieren schon die Studenten gegen den Kommunismus.«
Bezirk Neubrandenburg
1.) Der Arbeiter [Name 8, Vorname], beschäftigt beim Straßenbau in Mirow: »Bei freien Wahlen würde sich herausstellen, ob einer den Spitzbart wählt,28 der ja ein Russe ist.«
2.) Ein Molkereimeister aus Ueckermünde: »Hier gibt es keine freien Wahlen, freie Wahlen sind solche wie in Westdeutschland.«
3.) Ein Großbauer aus Inkranigendorf: »Grundlage für eine gesamtdeutsche Regierung können nur freie Wahlen sein.«
4.) Ein Angestellter aus Stargard:29 »Die Kommunisten wollen keine freien Wahlen, weil sie ein Fiasko befürchten.«
5.) Der Stellmachermeister [Name 9] aus Weisdin: »Molotow will keine freien Wahlen, unsere Regierung wurde vom Russen eingesetzt.«
6.) Ein Teil der Einwohner der Gemeinde Flieth, Ortsteil Vossberg, [Kreis] Templin, ist für freie Wahlen, Beseitigung der Oder-Neiße-Grenze und Abschaffung des Ablieferungssolls.
7.) Der parteilose Bäckermeister [Name 10] aus Jatznick:30 »Molotow stellt Bedingungen, worauf die Westmächte nicht eingehen können.«
8.) Der Abteilungsleiter [Name 11] vom Eisenwerk Waren: »Molotows Vorschläge lehne ich ab, ich kenne die Russen genau.«
9.) Der Zugführer [Name 12, Vorname], beschäftigt bei der Reichsbahn Pasewalk: »Ich habe in Frankfurt/Oder sowjetische Zivilgefangene befördert,31 alle waren zerlumpt und hatten großen Hunger.«
10.) Der Friseurgeselle [Name 13] aus Granzow: »Dieser Strolch Molotow soll aus Deutschland verschwinden. Wenn es zum Krieg kommen sollte, sind wir sowieso Feinde.«
11.) Der Großbauer [Name 14] aus Glasow:32 »Wenn Hitler noch da wäre, würde es vielleicht anders aussehen.«
12.) Ein werktätiger Bauer – Mitglied der NDPD – aus Kletzin: »Die Bodenreform war ein Landraub und bei einer Einheit Deutschlands muss man den Junkern das Land wiedergeben.«33
13.) In vielen Gemeinden des Kreises Anklam ist starke Hetze gegen die Oder-Neiße-Grenze zu verzeichnen.
14.) Ein Gastwirt, ein Malermeister und ein Fischhändler in einer Diskussion: »Ein neuer ›Tag X‹ ist im Anmarsch, der 17.6.[1953] war gar nichts.«34
15.) Eine Hausfrau aus Neustrelitz: »Wenn die Konferenz vorbei ist, wird es noch einen schlimmeren Tag als den 17. Juni [1953] geben.«
Bezirk Potsdam
1.) In der Ofenfabrik Veltak in Velten wollen viele Kollegen freie Wahlen nach westlichem Muster.
2.) Die Frau eines ehemaligen Beamten aus Babelsberg: »Bei freien Wahlen würden Ulbricht und Konsorten nicht mehr da sein.«
3.) Ein Töpfer aus Starkow:35 »Molotow will keine Einheit zustande kommen lassen.«
4.) Einige Landarbeiter vom VEG Ziethen:36 »Molotow hat Schuld, dass noch kein Friedensvertrag zustande gekommen ist.«
5.) Eine parteilose Aktivistin vom VEG Ziethen: »Die Russen haben gestohlen und jetzt wollen sie noch nicht einmal raus.«
6.) Der Genosse [Name 15] von der VEB Druckerei »Franz Maecker« Neuruppin: »Selbst KPD-Funktionäre aus Westdeutschland wollen nicht, dass in Deutschland russische Verhältnisse eingeführt werden.«
7.) Der Schlosser [Name 16] des Funkwerkes Dabendorf: »Von 18 Millionen deutschen Menschen sind mindestens 15 Millionen nicht mit der Oder-Neiße-Grenze einverstanden.«
8.) Der ehemalige Umsiedler [Name 17] aus Hohen Neuendorf: »Molotow setzt sich nicht für Deutschland ein, weil er nicht dafür sorgt, dass die brach liegenden Ostgebiete wieder an Deutschland zurückkommen.«
9.) Der Arbeiter [Name 18] vom VEB Sägewerk Wittstock: »Die Russen sollen uns die Gebiete wiedergeben, die sie uns weggenommen haben.«
10.) Ein Teil der Belegschaft des VEB Werkes Polstermöbel Luckenwalde37 machte den Versuch, eine Resolution zu verfassen, damit die Frage der Oder-Neiße-Grenze von den Außenministern behandelt wird.
11.) Ein Teil der Belegschaft des Funkwerkes Dabendorf bringt zum Ausdruck, dass die Oder-Neiße-Grenze nicht rechtskräftig ist.
12.) In der Gemeinde Banzendorf diskutieren viele Einwohner: »Wir wollen die Einheit Deutschlands, aber eine Einheit mit freier Wirtschaft.«
13.) Ein Teil der Einwohner der Gemeinde Schönfelde38 forderten »freie Wirtschaft«.
Bezirk Frankfurt/Oder
1.) Der Friseurmeister [Name 19] aus Fürstenberg: »Freie Wahlen gibt es bei uns nicht, weil man weiß, was dann los ist.«
2.) Der Verwalter für örtliche landwirtschaftliche Betriebe [Name 20, Vorname] aus Schönfließ: »Erst freie Wahlen und dann alles andere.«
3.) Der ehemalige Umsiedler [Name 21] vom VEB Kabelwerk Schönow: »Freie Wahlen sind das Richtige. Die Ostgebiete müssen wieder zurückkommen.«
4.) Mehrere Angehörige der MTS Altlandsberg forderten auf einer Versammlung »freie Wahlen«.
5.) Ein Großbauer aus Schiffsmühle: »Wozu brauchen wir die KVP39 und die Russen, die sind doch nur in [die] Uniform gekrochen, weil sie zu faul sind zu arbeiten.«
6.) Eine Hausfrau aus Frankfurt/Oder: »Wenn Molotow mit seinem Dickkopf nicht dabei wäre, wären sie sich bestimmt schon einig.«
7.) Ein LPG-Vorsitzender aus Neulietzegöricke: »Polen kann das uns weggenommene Land gar nicht bestellen. Wir machen sofort mit, wenn es in unsere alte Heimat geht.«
8.) Ein ehemaliger Umsiedler aus Zepernick: »Die Ostgrenze muss revidiert werden.«
9.) Ein Bauer aus Neulewin: »Die Oder-Neiße-Grenze muss fallen.«
10.) Ein Kraftfahrer aus Frankfurt/Oder: »Der 17.6.[1953] ist nicht gelungen, dafür wird aber der zweite besser gelingen.«
11.) Der Bäckermeister [Name 22] aus Eiche-Bernau:40 »Wenn man sich nicht einigt, gibt es einen neuen 17.6., aber stärker.«
12.) Ein Arbeiter vom Hochofen II des Eisenhüttenkombinates »J. W. Stalin«: »Der 17.6.[1953] wird sich wiederholen.«
13.) Ein Elektriker aus Neubarnim:41 »Am 17.6.[1953] waren die Arbeiter unzufrieden, wenn wieder Wahlen wie die letzten durchgeführt werden, gibt es einen neuen 17.6.[1953].«
Bezirk Cottbus
1.) Der Bauer [Name 23] aus Kuschkow: »Bei freien Wahlen wird das jetzige System verschwinden.«
2.) Ein Mittelbauer aus Teicha: »Edens42 Vorschlag43 ist annehmbar und Molotows nicht.«
3.) Ein Großbauer aus dem Bezirk Cottbus: »Der Russe will den Kommunismus über ganz Deutschland und über Frankreich ausbreiten.«
4.) Der Kollege [Name 24] von der Finanzabteilung des VEB Cottbuser Wolle: »Der Westen hat Molotow schöne Spitzen verpasst, wie z. B. die Wahlzettel von 1950.«44
5.) Der BHG-Leiter von Plessa: »Aus der Außenministerkonferenz wird sich wohl ein Krieg entspinnen.«
6.) Der Kollege P. vom Bahnhof Lübbenau: »Wenn man sich nicht einigt, gibt es einen neuen 17.6.[1953], der aber anders ausfällt.«
Bezirk Magdeburg
1.) Der technische Zeichner [Name 25, Vorname] aus dem Kupferwerk Ilsenburg: »Hier hat man vor freien Wahlen Angst.«
2.) Der Heizer [Name 26] – CDU-Mitglied –, beschäftigt in dem VEB Brauerei Oschersleben: »Erst freie Wahlen und dann eine Regierung. Hätte der Putsch am 17.6.[1953] in Magdeburg zwei Stunden länger gedauert, wäre es mit diesem System vorbei gewesen. Bei einem neuen 17.6.[1953] wird viel Blut fließen.«
3.) Der Schlosser [Name 27] vom Schwermaschinenbau »7. Oktober« Magdeburg: »Wir wollen freie Wahlen wie in Westdeutschland.«
4.) Ein Großbauer aus Rätzlingen: »Man müsste freie Wahlen durchführen, dann wird bestimmt kein SED-Funktionär mehr Bürgermeister.«
5.) Der Schlosser [Name 28] vom »Ernst-Thälmann«-Werk Magdeburg:45 »Freie Wahlen wollen wir und bei freien Wahlen kann man faschistische Parteien zulassen.«46
6.) Der Fleischermeister [Name 29] aus Halberstadt: »Aus purer Angst lassen sie keine freien Wahlen zu.«
7.) Der Arbeiter [Name 30] von der Konsummühle Magdeburg: »Wir müssen bei uns freie Wahlen durchführen wie im Westen.«
8.) Ein kleiner Teil der Belegschaft des Elektromotorenwerkes Wernigerode: »Wir wollen freie Wahlen.«
9.) Ein Teil Angestellter des »Karl-Liebknecht«-Werkes Buckau47 fordert »freie Wahlen« mit allen Parteien.
10.) Frau [Name 31] aus Rohrberg: »Die Einheit würde schon kommen, wenn Molotow nicht so stur wäre.«
11.) Ein Großbauer aus Plötze:48 »Wir wollen beten, dass die Westmächte mit ihren Forderungen durchkommen.«
12.) Der Chemiewerker [Name 32] vom Schwermaschinenbau »7. Oktober« Magdeburg: »Molotow will den Friedensvertrag nur hinausschieben. Die Westmächte wollen aber schon jetzt die Einheit Deutschlands.«
13.) Ein ehemaliger Umsiedler aus Schönebeck: »Man soll die Umsiedler wieder in ihre Heimat lassen, sonst gibt es keinen Frieden.«
14.) Der ehemalige Umsiedler [Name 33] aus Schönebeck: »Man soll die Umsiedler zurückbringen, oder wir machen Krach.«
15.) Ein Teil der Umsiedler vom »Karl-Liebknecht«-Werk Buckau argumentiert, dass die Oder-Neiße-Grenze nur vorläufig wäre und sie in ihre Heimat zurückwollen.
16.) Ein enteigneter Großbauer aus Lübs: »Die Ostzone muss erst amerikanisiert werden, dann wird auch eine Einigung erzielt und wir bekommen unsere Wirtschaften wieder.«
17.) Der Großbauer [Name 34] aus Mannhausen: »Die freie Wirtschaft wollen wir und die Ablieferung muss liquidiert werden.«
18.) Der Chemiker [Name 35] vom Super-Betrieb Fahlberg List als Agitationsblätter verteilt wurden: »Lasst doch das Verteilen sein, es ist ja alles nur Hetze.«
19.) Der Großbauer [Name 36, Vorname] aus Lindtorf: »Sie hätten lieber das Stahlhelmtreffen durchführen sollen,49 als so eine Konferenz.«
20.) Der Materialdisponent beim ABUS Förderanlagenbau Magdeburg: »Unsere Zeitung schreibt niemals die Wahrheit, deshalb höre ich immer London.«50
21.) Ein Arbeiter vom Elektromotorenwerk Wernigerode: »Haltet den Mund, eine neue Verhaftungswelle ist im Gange.«
22.) Nach der Gemeindevertretersitzung am 4.2.1954 in Döllnitz stimmten mehrere Bauern das Lied: »Deutschland, Deutschland über alles« an. Urheber war der Bauer [Name 37].
23.) Ein Angehöriger der LPG Marzahna51 rief während einer Parteiversammlung zum Streik auf.
24.) Der Bahnarbeiter [Name 38, Vorname] aus Vahlsdorf: »Es müsste noch einmal einen 17.6.[1953] geben. Die Kommunisten im Rat des Kreises knebeln die Bauern.«
25.) Ein Schrankenwärter aus Miesterhorst: »Ich höre den westdeutschen Sender, es wird bald einen zweiten 17.6.[1953] geben.«
26.) Der Kontrolleur [Name 39] vom Georgi-Dimitroff-Werk Magdeburg:52 »Der 17.6.[1953] war die beste freie Wahl. Eines Tages gibt es einen neuen 17.6.[1953].«
Bezirk Halle
1.) Der Arbeiter [Name 40] aus der Bauabteilung der Säurefabrik der Filmfabrik Wolfen: »Der Russe soll uns freie Wahlen lassen, aber davor hat er die größte Angst.«
2.) Ein Traktorist der MTS Sangerhausen: »Ich bin für freie Wahlen und auch faschistische Parteien sollen ihre Kandidaten aufstellen.«
3.) Ein Lehrer der Dorfschule Köthen: »Wenn eine provisorische Regierung gebildet wird, ist es unbedingt notwendig, dass 2/3 aus dem Westen als Vertreter entsandt werden.«
4.) In der Abteilung Werkspedition der Filmfabrik Wolfen fordern einige Kollegen gesamtdeutsche Wahlen mit faschistischen Parteien.
5.) Der Chemiker [Name 41] aus dem Chemischen Kombinat Bitterfeld: »Wenn die Konferenz scheitert, gehen viele Chemiker aus den Bitterfelder und Wolfener Werken nach dem Westen.«
6.) Ein Professor vom Arbeitsschutz der Leuna-Werke: »Im Westen werden nur Stützpunkte angelegt, weil der Russe eines Tages zum Angriff übergeht.«
7.) Ein Schlosser aus der Zemag Zeitz: »Wenn die Besatzungsmächte abgehen, haben wir einen ähnlichen Krach wie am 17.6.[1953].«
Bezirk Erfurt
1.) Zwei Revolverdreher vom EMW Eisenach:53 »Nur freie Wahlen können entscheiden und die SED muss sich wieder in SPD und KPD teilen.«
2.) Der ehemalige Umsiedler [Name 42, Vorname] aus Eisenach: »Ich hoffe auf das Ende der Bolschewistenherrschaft. Bei freien Wahlen werde ich schon richtig wählen.«
3.) Drei technische Zeichner vom RFT Funkwerk Erfurt wollen freie Wahlen nach westlichem Muster und bezeichneten Molotows Vorschlag demokratischer Wahlen als typische Hinterhältigkeit der Russen.
4.) Ein Schweißer aus dem IKA Autowerk Eisenach: »Molotow verzögert nur die Verhandlungen. Wir brauchen keine Volksabstimmung.«
5.) Der Arbeiter [Name 43, Vorname] vom VEB Mähdrescherwerk Weimar: »Grotewohl ist der Lump, der an der Oder-Neiße-Grenze Schuld hat. Hört den RIAS, dann erfahrt ihr die Wahrheit.«
6.) Ein Reichsbahnangestellter aus Langensalza: »So kann es nicht weitergehen, ich gehe auf die Zeche und werde den Streik ausrufen.«
Bezirk Gera
1.) Die Schichtführerin [Name 44, Vorname] von der Gütekontrolle des Kunstfaserwerkes »Wilhelm Pieck« in Schwarza: »Molotow redet vom Volksentscheid, weil er weiß, dass bei freien Wahlen die SED nicht viel Stimmen bekommen würde.«
2.) Der Angestellte [Name 45] aus Reinstedt: »Wir müssen sofort freie Wahlen haben.«
3.) Der Kollege [Name 46] vom VEB Karl-Marx-Werk in Pößneck: »An der Haltung der Russen wird die Konferenz scheitern.«
4.) Der Mittelbauer [Name 47] aus Neuendorf:54 »Der Russe ist nicht an der Einheit interessiert. Er will uns weiter ausbeuten.«
5.) Der Tierarzt [Name 48] – Mitglied der SED – aus dem Bezirk Gera: »Amerika, wie auch die SU, haben kein Interesse, Deutschland zu verlassen.«
6.) Der Angestellte [Name 49] vom VEB Zeiss Jena: »Dulles hat Molotow ganz schön die Wahlscheine von 1950 vorgehalten.«
7.) Inhaber eines Zigarrengeschäftes in Jena: »Adenauer55 will das Beste für Deutschland.«
8.) Ein Schweißer vom Bahnbetriebswerk Gera: »Der EVG-Vertrag sichert einen dauerhaften Frieden.«
9.) Der Vorsitzende der CDU Naumann56 im Bezirk Gera: »Was Molotow sich mit seinen Vorschlägen eigentlich einbildet. Berlin bringt kein Ergebnis, wenn Molotow nicht nachgibt.«
10.) Der Pächter [Name 50, Vorname] aus Ruppersdorf: »Es wird die Zeit kommen, wo die ganze SED hochgeht.«
11.) Der Arbeiter [Name 51, Vorname] vom VEB Zeiss Jena: »Die Wahlen 1953 in Westdeutschland waren für den Frieden gegen den Kommunismus.«57
12.) Der Arbeiter [Name 52, Vorname] vom VEB Farbenwerk Wünschendorf58 verweigerte die Unterschrift mit der Begründung: »Ich habe für den Sozialismus und für den Frieden nichts übrig.«
13.) Die Kollegin [Name 53, Vorname] vom VEB Zeiss Jena: »Unsere Regierung sind alles Lumpen.«
14.) Die Kollegin [Name 54, Vorname] – ehemalige Umsiedlerin – vom VEB Zeiss Jena: »Nach Hause kommen wir nur durch einen Krieg, wenn es sein muss, werde ich mit der Waffe mithelfen.«
15.) Der VP-Wachtmeister [Name 55, Vorname] vom VPA (B) Maxhütte Unterwellenborn: »Ich werde niemals gegen Westdeutschland ein Gewehr in die Hand nehmen. Wenn es aber gegen ein anders Volk geht, bin ich sofort bereit.«
16.) Der Student [Name 56] von der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Jena: »Es ist nicht richtig vom juristischen Standpunkt, dass wir deutsche Vertreter fordern.«
17.) Ein Schlosser der MTS Großkochberg: »Die Oder-Neiße-Grenze kann nicht so bleiben.«
Bezirk Suhl
1.) Der Angestellte [Name 57] von der HO Industriewaren Ilmenau: »Wir brauchen nicht erst eine provisorische Regierung, sondern gleich Wahlen.«
2.) Der Genossenschaftsbauer [Name 58] von der LPG Seeba: »Bei uns wird alles kommunistisch, die persönliche Freiheit ist weg, die LPG ist eine russische Kolchose.«
3.) Der Kollege [Name 59, Vorname] vom VEB Kloster Veßra,59 [Kreis] Hildburghausen: »Ich bin mit den Vorschlägen der westlichen Außenminister einverstanden, sie wollen keinen Krieg. Den Krieg wollen wir nur in der DDR.«
Bezirk Dresden
1.) Ein Techniker vom Elbetalwerk Heidenau: »In [den] USA kann man frei wählen, bei uns nicht.«
2.) Ein parteiloser Kollege vom VEB Waggonbau Görlitz: »Die Amerikaner sind zu Recht in Europa, denn die SU hat jederzeit die Möglichkeit, ihre Truppen in Europa einzuschleusen.«
3.) Ein parteiloser Holzspritzer der LOWA Görlitz:60 »Es wäre an der Zeit, den westlichen Außenministern zu beweisen, wie das deutsche Volk wirklich denkt, aber nicht so wie Molotow.«
4.) Ein parteiloser Kollege vom LOWA Görlitz: »Ich verstehe nicht, dass man sich mit den Russen an einen Verhandlungstisch setzt, wo diese noch Tausende deutsche Kriegsgefangene zurückhalten.«61
5.) Ein Kollege – ehemaliger VP-Angehöriger – der Zuschneiderei in der Schuhfabrik Meißen: »Ich bin einverstanden mit einer Arbeiterregierung, aber die Arbeiter untereinander sind doch die größten Schweine.«
6.) Ein Genossenschaftsbauer aus dem Kreis Meißen: »70 Prozent meiner Gemeinde stimmt für den Westen, da es den Bauern durch die freie Wirtschaft dort besser geht.«
7.) Ein parteiloser Kollege aus dem VEB Waggonbau Görlitz: »Dulles hat Recht, auf der Potsdamer Konferenz ist nur von einer Verwaltung durch die Polen gesprochen worden, nicht aber von einer Grenze.«62
8.) In einer VdgB-Versammlung in Kotitz-Maltitz63 äußerten mehrere Anwesende zur Frage der Abschaffung bzw. Einschränkung der Pferde: »Die Pferde brauchen wir zur Rückkehr in unsere Heimat.«
9.) Eine Gruppe Jugendlicher aus dem VEB Schamottewerk Wetro nahm eine offene provokatorische Haltung gegen die Oder-Neiße-Grenze ein.
10.) Zwei Großbauern aus Ralbitz: »Schreibt ja nicht in Euren Fragebogen, dass ihr Sorben seid, mit denen wird später abgerechnet.«
11.) Ein Mitglied des Kreisvorstandes der Domowina64 aus Oberprauske: »Die Deutschen müssen bald die Koffer packen.«
Bezirk Leipzig
1.) Der Meister [Name 60] aus dem Privatbetrieb Sächsische Badegesellschaft:65 »Ich bin für freie Wahlen, aber nach westlichem Muster.«
2.) Der Angestellte [Name 61] aus Torgau: »Man soll freie Wahlen durchführen.«
3.) Ein Schlossermeister aus Landsberg:66 »Freie Wahlen begrüße ich, die SED würde ganz gewaltig absacken.«
4.) In der Gemeinde Pürsten67 erklären eine Reihe Großbauern, dass die SED bei »freien Wahlen« verlieren würde, wenn die Deutsch-Nationalen68 wieder aufgestellt würden.
5.) Der Oberbauleiter [Name 62] der Bau-Union Leipzig: »Hier hat man Angst, dass sich die Bevölkerung für den Westen entscheidet, deshalb versucht Molotow die Einheit zu verhindern.«
6.) Der Mühlen- und Sägewerkbesitzer [Name 63] aus Dahlenberg: »Molotow macht unsinnige Vorschläge.«
7.) Ein Großbauer aus Neudorf:69 »Der Russe macht auf der Konferenz was er will, Kriege sind nun mal nicht zu vermeiden.«
8.) Der Schrottfahrer [Name 64] aus dem VEB Elektrostahlgusswerk Leipzig: »Der Ami hat ein Recht, sich Stützpunkte zu schaffen, um ein Anwachsen des Kommunismus zu verhindern. In Russland wird alles mit Gewalt gemacht, deshalb wird der Ami auf der Konferenz nicht nachgeben.«
9.) Ein Arbeiter vom VEB Bleichert Leipzig:70 »Bei solch einem Vertrag (Kollektive Sicherheit)71 muss Deutschland im Notfall der SU Truppen für Kriege im Osten stellen. Das sind dann auch Legionäre.«
10.) Ein Lehrer aus Petschau:72 »Molotow ist ein gemeiner Geschichtsfälscher. Die Wahlen 1950 waren ein Betrug.«
11.) Der Stellwerkswärter [Name 65] vom Braunkohlenwerk Zipsendorf: »Die Wahlen bei uns waren überhaupt keine Wahlen, im Westen war das anders.«
12.) Der Personalleiter [Name 66, Vorname] der Jutespinnerei Leipzig zu einem anderen Personalleiter aus dem Bezirk Cottbus: »Bald bist Du nicht mehr Personalleiter.«
13.) Der Großbauer [Name 67] aus Naundorf: »Der Russe macht was er will. Kriege sind nicht zu vermeiden. Ich bin gegen die Regierung der DDR, weil man bei uns kein freier Bauer sein kann.«
14.) Der Mittelbauer [Name 68] aus Syhra:73 »Wir wollen eine freie Wirtschaft wie in Westdeutschland.«
15.) Ein Großbauer aus Göbschelwitz:74 »Wenn keine freie Wirtschaft eingeführt wird, setze ich mich nach dem Westen ab.« (Solche Äußerungen sind in dieser Gemeinde sowie in der Gemeinde Hohenheida häufiger.)
16.) Ein Arbeiter vom VEB Kombinat Böhlen:75 »Eine Volksbefragung müsste von Fachmännern gemacht werden, dabei müssen natürlich einige Köpfe unserer Regierung verschwinden.«
17.) Ein Kollege vom Privatbetrieb Lindner76 in Döbeln: »Wenn Ihr die Oder-Neiße-Grenze ebenfalls nicht wollt, unterschreibe ich auch.«
18.) Zwei Neubürgerinnen77 der Baumwollspinnerei Leipzig: »Wir sind für Adenauer, weil der will, dass wir in unsere Heimat kommen.«
Bezirk Karl-Marx-Stadt
1.) Der Weber [Name 69, Vorname] aus Werdau: »Ich habe die Regierung der DDR nicht gewählt. Ich bin für freie Wahlen. Pieck und Ulbricht sind Russen.«
2.) Der Grubenelektriker [Name 70] aus dem Karl-Marx-Werk in Zwickau:78 »Ich bin für freie Wahlen, der EVG-Vertrag ist ein Verteidigungssystem.«
3.) Der Kollege [Name 71] vom VEB Modul:79 »Man sollte freie Wahlen unter internationaler Kontrolle durchführen.«
4.) Eine Hausfrau aus Glauchau: »Man soll freie Wahlen durchführen.«
5.) Eine Pfarrersfrau aus Netzschkau: »Wir wollen solche Wahlen wie in Westdeutschland.«
6.) Der Handschuhfabrikant [Name 72] aus Holzhausen: »Die SED kann die freien Wahlen nicht brauchen, weil sie weggeblasen würde.«
7.) Ein Arbeiter vom Kraftfahrzeugwerk »Ernst Grube« Werdau: »Warum beschließt man keine freien Wahlen … Der Westen hat keine Angst vor einem Krieg, weil er stärker ist als die Russen.«
8.) Ein Tischlermeister aus Großzöbern: »Man soll die westlichen Vorschläge, wie freie Wahlen, annehmen. Eine Europaarmee ist gut für Deutschland.«
9.) Die Großbäuerin [Name 73] aus Schellenberg: »Die Bauern in der DDR sind nur noch Sklaven, ich will freie Wahlen und die Betriebe sollen an ihre ehemaligen Eigentümer zurückgegeben werden.«
10.) Der Kollege [Name 74] vom VEB Formenbau in Schwarzenberg: »Molotow soll seine Vorschläge lassen und sich lieber einigen mit dem Westen.«
11.) Der Meister [Name 75] vom VEB Nagema Germania Karl-Marx-Stadt: »Molotow verfolgt nur den Zweck, die Konferenz zu keinem Resultat kommen zu lassen. Die freien Wahlen will Molotow verhindern.«
12.) Eine Pfarrersfrau aus Leubsdorf: »Es ist egal, ob Krieg oder kein Krieg, gemordet wird sowieso. Wir wollen auch Frieden und Einheit, aber anders als unter der Arbeiter- und Bauernmacht.«
13.) Ein Großbauer aus Dittersbach: »Ich habe den Russen kennengelernt. Wenn man bei uns so den Sozialismus aufbauen will, kann man Angst bekommen.«
14.) Ein Fotograf aus Rittersgrün: »Die Wahlen in der DDR waren keine freien Wahlen, dagegen die in Westdeutschland.«
15.) Die Hausfrau [Name 76] aus Leubsdorf: »Die Oder-Neiße-Grenze muss abgeschafft werden.«
Verwaltung Groß-Berlin
1.) Ein Schlosser vom Betriebsbahnhof Niederschönhausen: »Freie Wahlen wollen wir.«
2.) Mehrere Kollegen vom Konstruktionsbüro aus dem Elektro-Apparatewerk »J. W. Stalin«: »Warum geht man nicht auf freie Wahlen ein?«
3.) Ein Kollege vom Haupttelegrafenamt: »Man soll freie Wahlen durchführen und auch faschistische Parteien zulassen.«
4.) Einige Kollegen vom VEB Werk für Signal- und Sicherungstechnik sprachen sich für freie Wahlen aus. Ein Lehrling dieses Betriebes: »Molotow will keine freien Wahlen.«
5.) Mehrere Arbeiter von der Gießerei und Maschinenfabrik Berlin: »Wir wollen freie Wahlen unter internationaler Kontrolle.«
6.) Ein Zugabfertiger vom Bahnhof Schöneweide: »Die Russen wollen keine freien Wahlen, denn sonst fordern die ČSR, Ungarn usw. auch noch freie Wahlen.«
7.) Die parteilose Kollegin K. vom Projektierungsbüro der Schiffahrt: »Freie Wahlen wollen wir, wie von den Westmächten vorgeschlagen.«
8.) Eine Anzahl Bauarbeiter der Stalin-Allee, Block Süd fordern »freie Wahlen.«
9.) Der Kollege [Name 77] vom VEM Anlagenbau Berlin:80 »Sie sollen freie Wahlen machen.«
10.) Ein Kollege von den Berliner Gaswerken: »Freie Wahlen kann man nicht zulassen, weil sich sonst Pankow das Grab schaufelt.«81
11.) Ein Angestellter der Berliner Gaswerke: »Freie Wahlen will ich.«
12.) Die Brigade der Gütekontrolle vom VEB Entwurfsbüro für Industriebau: »Warum lässt man keine freien Wahlen zu? Russland gibt ja nie nach und wird die Konferenz zum Scheitern bringen.«
13.) Ein Kollege von der Wechselsprungtelegrafie der Fernmeldemeisterei Berlin-Ostbahnhof: »Bei Abzug der Besatzungstruppen haben die Russen den Vorteil, dass sie gleich da sind. Die bleiben dann nicht an der Elbe stehen und das kann der Amerikaner nicht dulden.«
14.) Ein Arbeiter vom VEB Schering Adlershof: »Das Potsdamer Abkommen82 war von Hass diktiert. 1950 gab es keine freien Wahlen, überall stand VP rum.«
15.) Ein Brigadier des VEB Bau-Union Berlin: »Unsere Regierung ist nicht vom Volke gewählt, die Wahl war überwacht.«
16.) Ein SPD-Mitglied aus Berlin-Malchow, Ostaraweg 83:83 »Bei uns gibt es keine Pressefreiheit und Flugblätter dürfen auch nicht verteilt werden.«
17.) Ein Angestellter des technischen Personals der Komischen Oper: »Dulles hat dem Molotow ganz schön den Wahlzettel von 1950 unter die Nase gerieben und bewiesen, dass wir keine freien Wahlen hatten.«
18.) Ein Angestellter der Komischen Oper: »Weil der Osten Angst hat, druckt er die Reden der westlichen Außenminister nicht ab.«
19.) Ein Pfarrer der Paul-Gerhardt-Gemeinde: »Viele Pfarrer sitzen noch im KZ.«
20.) Sechs Kollegen der Firma Richter & Co.84 (Gewerkschaft IG Bau-Holz) forderten Revision der Oder-Neiße-Grenze und freie Wahlen in einer Kurzversammlung.
21.) Ein Angestellter der Deutschen Notenbank – Mitglied der SED: »Das ganze Problem löst sich nur mithilfe eines Krieges, wo sich zeigt, wer der Stärkere ist.«
Verwaltung – W – Karl-Marx-Stadt85
1.) Der Schlosser [Name 78] vom Wismut-Objekt 96 in Freital: »Ich will freie Wahlen unter internationaler Kontrolle.«
2.) Der Abteilungssteiger [Name 79] vom Schacht 12/270, Oberschlema: »Wenn die Einheit kommt, können die VEB nicht mehr arbeiten und die alten Unternehmer müssen sie übernehmen. Die SED und die KPD hören dann auch auf zu bestehen, die Russen wollen aus Westdeutschland dasselbe machen, wie mit Lettland und der Ukraine.«
3.) Der Verkaufsstellenleiter [Name 80, Vorname] der HO Wismut in Karl-Marx-Stadt, Oberfrohnaer Straße: »Ich bin für den deutschen Sozialismus. Unsere Zeitungen hetzen immer schlimmer gegen den Westen, da kann es keine Einigung geben.«
4.) Ein Angestellter der HO Wismut in Gera: »Ich will wieder nach Memel.«
5.) Der Probenehmer [Name 81] vom Wismut-Schacht 12, Oberschlema: »Die Gebiete östlich der Oder müssen wieder zurück.«