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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

30. Dezember 1954
Informationsdienst Nr. 2404 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Die Lage in Industrie, Verkehr, Handel und Landwirtschaft

Industrie und Verkehr

Bei den Diskussionen über politische Tagesfragen steht weiterhin der Kampf gegen die Ratifizierung der Pariser Verträge im Vordergrund.1 Von den Werktätigen wird noch immer im größerem Umfange, meist zustimmend über den Erfolg bei der ersten Lesung der Pariser Verträge am 24.12.1954 in Frankreich diskutiert, während über die nachfolgenden Debatten erst ganz vereinzelt gesprochen wird. Bei diesen Diskussionen hofft man trotzdem, dass die Nationalversammlung die Remilitarisierung Westdeutschlands endgültig ablehnt.2

Ein Arbeiter vom VEB Gummiwerk in Pausa, [Bezirk] Gera: »Die sollen in der Nationalversammlung abstimmen wie sie wollen, maßgebend ist ja doch das französische Volk in der Entscheidung. Das beweisen auch die Massendemonstrationen in den letzten Tagen in Frankreich.«

Zur Aufstellung Nationaler Streitkräfte in der DDR wird teilweise negativ diskutiert.3 Ein Elektriker vom Wismut-Objekt 101 Zwickau,4 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, äußerte, dass die jungen Elektriker nach Westdeutschland abhauen sollen, denn bald würde eine Volksarmee aufgestellt werden und alle würden Gestellungsbefehle bekommen. »Lieber für die da drüben sterben, als für den Kommunismus.«

Ein Arbeiter vom VEB Persilwerk Genthin, [Bezirk] Magdeburg: »Wenn die Pariser Verträge angenommen werden, geht es wohl auch bei uns los mit einer Wehrmacht, oder besser gesagt, mit den Nationalen Streitkräften. Diese wurden begründet von einem Mann, der gleichzeitig sagt, dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweinen soll. Die Regierung habe ich nicht gewählt, die haben sich allein gewählt. Die Wahl in Berlin hat doch bewiesen, dass die SED gar nicht beliebt ist.«5

Ein Arbeiter vom RAW Magdeburg: »Unsere Gestellungsbefehle sind doch schon fertig, bis auf das Abschicken. Unsere Regierung bekommt alles vordiktiert, zu sagen hat sie nichts.«

Unter den Jugendlichen im Betrieb »Pianoforte« Leipzig und im Werk II des VEB Kirow-Werkes Leipzig kursiert das Gerücht, dass es sich in der Silvesternacht entscheiden wird, ob in der DDR die Wehrpflicht eingeführt wird oder nicht.

Unter den Arbeitern der Brikettfabrik Völpke und des Tagebaues Hötensleben, [Kreis] Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg, ist eine Missstimmung zu verzeichnen, weil der VEB Kraftverkehr die Fahrzeiten der Omnibusse nicht einhält. Dadurch kommen die Arbeiter oft zu spät zur Arbeitsstätte. Vielfach kommt der Bus überhaupt nicht und die Arbeiter müssen 10 bis 15 km zu Fuß laufen.

Im VEB Pumpenwerk Oschersleben wurden zehn Kollegen wegen größerer Beitragsrückstände aus dem FDGB ausgeschlossen. Neun Kollegen traten selbst aus dem FDGB aus. Ein Dreher begründete seinen Austritt wie folgt: »Ich muss während der Hauptbelastungszeiten des Stromverbrauchs täglich meine Maschinen zwei Stunden anhalten. Für diese Zeit bekomme ich nur 90 Prozent meines Leistungslohnes bezahlt. Dadurch habe ich monatlich einen Lohnausfall von ca. 80,00 DM. Hierbei hat mich der FDGB nicht unterstützt.«

Im VEB Feuerungsbau Greiz, [Bezirk] Gera, wird negativ über die Teilprämienzahlung diskutiert. Zwei Maschinenschlosser äußerten: »Bei den kommenden Spendensammlungen und anderweitigen Sammlungen werden wir in Zukunft nichts mehr geben, da wir bei der letzten Prämie nicht beteiligt waren.« Zu bemerken ist, dass die Prämien hauptsächlich an Kollegen gezahlt wurden, welche sich freiwillig für Be- und Entladung der Waggons zur Verfügung gestellt haben.

Im Privatbetrieb Jäger, Porzellanfabrik Eisenberg, [Bezirk] Gera, werden vonseiten der Betriebsleitung die Arbeitslöhne überprüft. Man will die Kalkulation auf der Akkordbasis aufbauen, was bedeutet, dass der Lohn pro Arbeiter um 100 bis 150 DM im Monat gesenkt werden soll. Von den Kollegen wird das als eine allgemeine von oben dirigierte Lohnsenkung bezeichnet.

Während der Weihnachtsfeiertage kam der Rangierbetrieb des VEB EHW Thale ins Stocken. Die Waggons wurden durch die Reichsbahn angefahren, wurden aber nicht rangiert und zum Teil auch nicht entladen, da einige Kollegen des Rangierbetriebes nicht zur Arbeit erschienen sind. Dadurch entstand ein Schaden von ca. 70 000 DM (Standgeld).

Aus der Mathias-Thesen-Werft in Wismar, [Bezirk] Rostock, wird bekannt, dass die Lehrlinge schlecht gestimmt sind und keine Lust zur Arbeit haben, weil das Essen der Werkküche schlecht ist.

Kohlenmangel

Im VEB Oberlausitzer Flachsspinnerei und Leinenzwirnerei Großröhrsdorf, [Bezirk] Dresden, besteht Kohlenmangel. Der Betrieb hätte bereits stillgelegt werden müssen, wenn nicht ein Privatbetrieb den o. g. Betrieb Briketts ausgeliehen hätte. Die Briketts reichen aber nur bis zum 4.1.1955.

Auf dem Lagerplatz des VEB Tiefbau Berlin lagern 25 Tonnen Rundeisen in der Stärke von 8 bis 22 mm. Der Betrieb kann nur 10 Prozent der gelagerten Menge verbrauchen. Die Hauptabteilung Materialversorgung ist seit längerer Zeit bemüht, das nicht verwendungsfähige Material an andere Betriebe abzugeben. Bisher konnte jedoch nichts erreicht werden. Die Rundeisen lagern schon einige Wochen und ein Teil kann nur noch als Schrott Verwendung finden.

Produktionsstörungen

Am 27.12.1954 fiel im Sächsischen Kunstseidenwerk Pirna, [Bezirk] Dresden, eine Turbine aus, die erst einige Stunden vorher in Betrieb genommen worden war. Schaden: 60 000 DM.

Im VEB Ferngaswerk »Fritz Gumpert« Heidenau, [Bezirk] Dresden, fand am 28.12.1954 eine Explosion an einem Generator statt. Dabei wurden etwa 25 kleine Fensterscheiben eingedrückt und das Gaszuleitungsrohr zerrissen. Es entstand ein Produktionsausfall von ca. 1 500 cbm Gas.

Handel und Versorgung

Verschiedentlich fehlt es an Lebensmitteln, Textilien und Industriewaren, was besonders in ländlichen Kreisen auftritt. So besteht z. B. im Kreis Eisleben ein starker Mangel an Hülsenfrüchten aller Art. In den ländlichen Kreisen von Schwerin mangelt es an Hülsenfrüchten, Fischkonserven und Stärkeerzeugnissen, bei Textilien besonders an Bettwäsche und Sporthemden und bei Industriewaren besonders an Wassereimern.

Im Kreis Kamenz, [Bezirk] Dresden, mangelt es an Berufskleidung. Dagegen lagert im Konsum der Gemeinde Zernikow, [Bezirk] Potsdam, diese Ware, jedoch sind keine Bezugscheine dafür vorhanden. Der Konsumgenossenschaftsverband Kamenz, [Bezirk] Dresden, ist nicht in der Lage, das sorbische Gebiet sowie Königsbrück und Umgebung mit Butter auf Marken zu beliefern, da das Kontingent erschöpft ist. Es werden 2 Tonnen Butter benötigt.

Unter den Angestellten der HO Riesa, [Bezirk] Dresden, besteht eine große Missstimmung wegen Gehaltskürzungen infolge Einsparungsmaßnahmen. So sollen z. B. die Dekorateure von 360 auf 260 DM herabgestuft werden. Die Dekorateure erklären dazu, dass sie bei Inkrafttreten dieser Maßnahme geschlossen die Arbeitsstelle kündigen wollen, da sie als Spezialisten dann wie jede Verkaufskraft bezahlt werden.

Von der DHZ Textil Berlin wird das Preisgefüge für Teppiche kritisiert, da der Prozentgehalt an Wolle in den Preisen nicht berücksichtigt sei. So kostet z. B. die Qualität »Georgia« 200 × 300, bei einem Wollgehalt von ca. 750 g pro qm, 747 DM, während für die Qualität »Täbris« 200 × 300, bei einem Wollgehalt von ca. 1 500 g pro qm, der gleiche Preis festgesetzt ist. Das Ministerium für Leichtindustrie, Hauptverwaltung Textil, wurde schon mehrmals darauf hingewiesen, hat jedoch noch nichts geändert.

Landwirtschaft

Bei den geringen Diskussionen über die politischen Tagesfragen steht weiterhin der Kampf gegen die Wiederaufrüstung Westdeutschlands im Vordergrund, wobei sich inhaltlich gegenüber dem Vortag keine Änderungen ergeben haben. Vereinzelt kam es zu Diskussionen gegen die Aufstellung Nationaler Streitkräfte im Falle der Ratifizierung der Pariser Verträge. So waren z. B. zu einer Versammlung der Nationalen Front6 am 23.12.1954 in Golchen, [Kreis] Altentreptow, [Bezirk] Neubrandenburg, über die Moskauer Deklaration nur sehr wenige Personen erschienen. Von den Einwohnern wurde dazu erklärt: »Wenn über die Moskauer Deklaration gesprochen werden soll, will man uns doch nur sagen, dass wir bald wieder Soldat spielen müssen, da machen wir nicht mit.«

Bei der Winterschulung in Nimritz, [Kreis] Pößneck, [Bezirk] Gera, wurde vom VdgB-Vorsitzenden (Neubürger) erklärt: »Ihr könnt uns alles erzählen, nur von den Nationalen Streitkräften wollen wir nichts wissen. Wir sind für den Frieden und brauchen deshalb keine Gewehre. Wir ziehen keinen Waffenrock wieder an und lassen uns lieber auf unserer Scholle erschießen als zur Wehrmacht zu gehen.« Die anderen zwölf werktätigen Bauern, die an der Schulung teilnahmen, vertraten nach dieser Diskussion die gleiche Meinung. Außerdem erklärte man, dass nicht so sehr auf Adenauer7 geschimpft werden sollte, da wir dann nicht zur Einheit Deutschlands kommen könnten.

Auf der Generalversammlung der VdgB (BHG) im »Deutschen Haus« in Burgstädt, [Kreis] Karl-Marx-Stadt, wurde von den Bauern die schlechte Arbeit der MTS Penig heftig kritisiert. Bei der Abstimmung über eine Resolution gegen die Pariser Verträge haben von ca. 200 Anwesenden nur zehn zugestimmt. Die Übrigen enthielten sich der Stimme.

In der LPG Stahnsdorf, Kreis Potsdam, machen sich Zersetzungserscheinungen bemerkbar. Wegen Arbeitskräftemangel sind die LPG-Mitglieder überlastet, wodurch eine große Unzufriedenheit besteht. In der Versammlung am 27.12.1954 erklärte deshalb der 2. Vorsitzende der LPG: »Wenn betreffs der Arbeitskräfte keine Änderung eintritt, werde ich aus der LPG ausscheiden.«

Unter den Angehörigen Örtlicher Landwirtschaftlicher Betriebe im Bezirk Rostock wird viel über die Bildung von LPG aus ÖLB diskutiert.8 Ein großer Teil der Arbeiter der ÖLB ist der Meinung, dass sie in einer LPG mehr arbeiten müssen und weniger Geld verdienen, weshalb sie in keine LPG eintreten wollen. Ein Landarbeiter von der ÖLB Rupensdorf, [Kreis] Grevesmühlen, [Bezirk] Rostock, erklärte z. B. dass in der LPG nach Einheiten gearbeitet wird und man deshalb nicht viel verdienen kann. Weiter führte er aus, dass die »jungen Männer sowieso alle zur VP eingezogen werden und die alten dann die Arbeit machen müssten«.

Unter den Arbeitern des Forstwirtschaftsbetriebes und des Sägewerkes Kranichfeld, [Kreis] Weimar, wird über die Prämienverteilung negativ diskutiert. Die Ursache hierfür ist, dass die Revierförster 1 000 DM, ein Verwaltungsangestellter 1 200, der Platzmeister des Sägewerkes 1 500 DM und die übrigen Angestellten von 500 bis 800 DM Prämiengelder erhielten. Die Arbeiter dagegen bekamen nur 10,00 DM. Besonders wird gegen die Prämie des Platzmeisters gesprochen, da dieser Besitzer eines Sägewerkes war und 1946 enteignet wurde (VP-Bericht).

Gegen das Ablieferungssoll für 1955 haben vier Großbauern aus Rogäsen, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, Einspruch beim Rat des Kreises erhoben, da es ihnen zu hoch ist. (Das Soll ist das Gleiche geblieben wie 1954.) Die Großbauern hatten einen Plan angefertigt, woraus ersichtlich ist, wie viel sie unter Berücksichtigung ihres Verbrauchs abliefern können. Dabei blieben z. B. in einem Plan nur noch 35 dz zur Ablieferung übrig. (Das Soll beträgt 202 dz.)

Übrige Bevölkerung

Weiterhin befasst man sich in den politischen Gesprächen mit dem Kampf gegen die Pariser Verträge. Immer wieder wird betont, dass diese Kriegsverträge keine Verwirklichung finden dürfen. In diesem Zusammenhang nimmt man zur gegenwärtigen Ratifizierungsdebatte in der französischen Nationalversammlung Stellung und erklärt, dass man über das Abstimmungsergebnis vom 27.12.1954 enttäuscht sei. Den Grund dafür sucht man darin, dass seitens der USA ein starker Druck auf die Abgeordneten ausgeübt wird. Teilweise kommen Stimmen auf, die zum Ausdruck bringen, dass es ganz so aussieht, als wenn die Pariser Verträge in der französischen Nationalversammlung durchkämen. Zum Beispiel erklärte ein Instrukteur der GST im Kreis Schleiz: »Der knappe Abstimmungssieg der Regierung Mendès France9 zeigt, dass die angewandten Druck- und Erpressungsmethoden der USA und Englands nicht ohne Wirkung auf die Abgeordneten geblieben sind. In dieser Debatte zeigt sich aber auch ganz deutlich, dass Mendès France völlig im Fahrwasser der USA segelt. Seine zur Verdummung und unter Druck des französischen Volkes noch auf der Genfer Konferenz10 geheuchelte Verhandlungsbereitschaft ist völlig verschwunden.«

Ein Einwohner aus Gera: »In Frankreich ist trotz der für Mendès France günstig ausgegangenen Debatte vom 27.12.1954 über die Verträge noch nicht das letzte Wort gesprochen. Sollten sich aber die Abgeordneten der Nationalversammlung dem Druck der USA beugen, sind alle Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung der internationalen Probleme vereitelt. Es besteht kaum Zweifel darüber, dass dann der Bonner Bundestag die Verträge ebenfalls ratifiziert. Diese Gefahr muss allen Menschen klargemacht werden, damit sie erkennen, wie groß bereits die Kriegsgefahr in Europa wieder ist.«

Ein Angestellter vom Konsum Zeitz, [Bezirk] Halle: »Ich habe von Frankreich mehr erwartet und bin sehr enttäuscht über das letzte Abstimmungsergebnis. Es hat den Anschein, als ob diesmal die Verträge von Paris durchkommen.«

Zum anderen beschäftigt sich ein Teil der Bevölkerung weiterhin mit der Frage der eventuellen Aufstellung Nationaler Streitkräfte. Die in diesem Zusammenhang geführten Diskussionen sind weiterhin aufgrund der bestehenden Unklarheiten in der Mehrzahl ablehnend. Zum Beispiel sagte ein Bezirksvorstandsmitglied der LDP aus Suhl: »Die meisten Mitglieder unserer Partei lehnen die Verträge von Paris ab, aber gleichzeitig sind die meisten auch gegen die Schaffung Nationaler Streitkräfte. Ich selbst erkenne die These von gerechten und ungerechten Kriegen nicht an, denn jeder Krieg ist ungerecht, auch bin ich gegen Nationale Streitkräfte.«

Der größte Teil der Kollegen des U-Bahnhofes Bersarinstraße lehnt die Aufstellung Nationaler Streitkräfte ab. Es werden u. a. Diskussionen geführt, wie z. B.: »Wir haben noch keinen Friedensvertrag und wollen schon wieder rüsten. Wir wollen nichts vom Krieg wissen, wir freuen uns über den Aufbau und den Wohlstand, den wir bereits wieder erreicht haben.« Oder: »Die Regierung hat ihren Standpunkt in dieser Frage bestimmt schon bereut. Wir können doch nicht zu den Jugendlichen in Westdeutschland sagen, zerreißt die Gestellungsbefehle und kommt in die DDR,11 wenn wir selbst Streitkräfte aufstellen wollen, das ist doch widersinnig.«

In der GST des Kreises Schleiz ist zu verzeichnen, dass vielfach der waffentechnische Unterricht abgelehnt wird.12 Der Besuch des Ausbildungsabends lässt merklich nach, sodass einige Grundeinheiten bereits mit Austritten rechnen.

In letzter Zeit zeigt sich eine zunehmende Aktivität der Kirche gegen die beabsichtigte Jugendweihe.13 In den Predigten werden Schreiben verlesen und in Einzelgesprächen mit den Eltern und den Konfirmanden wird darauf hingewiesen, dass diejenigen, die sich zur Jugendweihe bekennen, nicht konfirmiert würden. Zum Beispiel nahmen die Pfarrer im Kreis Zeulenroda, [Bezirk] Gera, in ihren Predigten gegen die Jugendweihe Stellung und erklärten, dass Schulentlassene, welche an der Jugendweihe teilnehmen, nicht mehr konfirmiert werden können. Diese Mitteilung hänge auch in den Bekanntmachungskästen der Kirchen.

In der Gemeinde Klettwitz, [Bezirk] Cottbus, wurde von einem Pfarrer ein Schreiben verteilt, in dem die Eltern von Konfirmanden darauf hingewiesen wurden, dass nach der Ordnung des kirchlichen Lebens diejenigen nicht konfirmiert werden dürfen, die an einer Jugendweihe und deren Vorbereitungen teilnehmen.14 Wörtlich heißt es: »… Ich bitte Sie dringend, keine übereilten Schritte zu tun und jede Werbung zur Teilnahme an der Jugendweihe zurückzuweisen …«

Die gleichen Erscheinungen sind in den Bezirken Halle, Neubrandenburg, Erfurt und Schwerin zu verzeichnen.

Organisierte Feindtätigkeit

Hetzschriftenverbreitung

SPD-Ostbüro:15 Potsdam 50, Karl-Marx-Stadt, Dresden und Gera einige.

NTS:16 Halle 1 000 (Paket), Schwerin, Kreis Ludwigslust, 1 000, Kreis Hagenow 500, Karl-Marx-Stadt und Dresden einige.

KgU:17 Potsdam, Kreis Nauen, 10 000 (Paket).

In tschechischer Sprache: Dresden 21.

In einigen Kreisen des Bezirkes Magdeburg werden verstärkt Hetzschriften durch die Post an Wirtschafts- und Staatsfunktionäre sowie Geschäftsleute versandt. Absender: SPD-Ostbüro, UFJ18 und »Bund freier Gewerkschaften«.19

Am 23.12.[1954], gegen 2.30 Uhr wurde der erste Kreissekretär der SED von Schmalkalden vor seiner Wohnung niedergeschlagen. Bei seiner Festnahme äußerte der Täter u. a: »Mit euch werde ich noch einmal abrechnen.«

Am 28.12.1954 wurde in der Ölwanne eines Traktors der MTS Affalter, [Kreis] Aue, eine Sechskantschraube gefunden, die nicht zum Traktor gehörte. Durch rechtzeitiges Auffinden entstand kein Schaden.

Am 26.12.1954, gegen 16.40 Uhr waren zwischen den Bahnhöfen Stahnsdorf und Dreilinden, ca. 5 m vor der Teltowkanalbrücke, beide Schienen auf ca. 6 m mit Schottersteinen belegt. Das Zugpersonal eines herannahenden Zuges brachte den Zug rechtzeitig zum Halten.

Im Kreis Hagenow ist das Gerücht verbreitet, dass die Oberschüler des Jahrgangs 1936 in den kommenden Monaten ihr Abitur ablegen, um zur KVP eingezogen zu werden.20

Besonders in Leisterförde, Kreis Hagenow, wird verbreitet, dass die 500-Meter-Sperrzone von der Bevölkerung geräumt werden soll.21 In Kreuzebra, Kreis Worbis, [Bezirk] Erfurt, wird verbreitet, dass die 500-Meter-Sperrzone von der Bevölkerung geräumt werden soll.

In Kreuzebra, Kreis Worbis, [Bezirk] Erfurt, wird verbreitet, dass alle Personen, die republikflüchtig waren und in die DDR zurückkehrten, eine Gefängnisstrafe erhielten.

Geschenkpakete werden in Westberlin an Rentner der DDR und des demokratischen Sektors von Berlin in folgenden Ausgabestellen ausgehändigt:

1. Berlin-Friedenau, Bundesallee 73,

2. Berlin-Wilmersdorf, Landhausstraße 33–35.

Die Rentner werden beim Empfang der Pakete aufgefordert, Renten oder Verdienstunterlagen vorzulegen.

Vermutliche Feindtätigkeit

Ein Tierarzt aus dem Kreis Meißen, [Bezirk] Dresden, hat in der LPG Dörschnitz zwei Tage alte Ferkel geimpft, welche bald darauf verendeten. Ferner wurde von ihm ein Pferd der LPG behandelt, das ebenfalls danach verendete.

Am 27.12.1954 brannte in Bobzin, [Kreis] Lübz, [Bezirk] Schwerin, eine Scheune der VdgB nieder, in der 20 Kleinbauern ihr Stroh und unausgedroschenes Getreide liegen hatten. Außerdem verbrannten ein Ackerwagen sowie ein Düngerstreuer.

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