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Hochwasserkatastrophe

24. Juli 1956
Information Nr. 89/56 – Betrifft: Hochwasserkatastrophe

Durch Hochwasser wurde vor allem in den Bezirken Magdeburg, Halle, Leipzig, Cottbus, Erfurt und Suhl größerer Schaden verursacht. Die Höhe des Schadens kann jedoch noch nicht angegeben werden, da das Wasser noch nicht überall zurückgegangen ist und die Aufräumungsarbeiten noch nicht beendet sind. Besonders groß sind die Verluste in der Landwirtschaft, da hier große Ackerflächen vom Wasser überspült wurden und dadurch zum großen Teil die Ernte vernichtet [wurde].

Die Bauern, die durch das Hochwasser besonders stark geschädigt wurden, fordern in ihren Diskussionen immer wieder Sollherabsetzung bzw. Streichung des Solls. Solche Forderungen wurden in der letzten Zeit besonders auf Versammlungen erhoben. Hierzu ist zu bemerken, dass die Bauern in dieser Frage sehr skeptisch sind. Verschiedene Bauern glauben nicht an die Streichung des Solls, da Beispiele aus dem Vorjahr bekannt geworden sind, wo von Hochwasser betroffene Bauern das noch fällige Soll auf 1956 geschrieben bekamen. Z. B. stehen seit 1955 im Kreis Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, mehr als 1 000 ha Land unter Wasser. Obwohl hier nichts geerntet worden ist, wurde das Soll nicht gestrichen, sondern auf 1956 vorgetragen. Die Bauern sind darüber sehr unzufrieden und sind ärgerlich auf das Ministerium für Land und Forst[wirtschaft], das bisher noch keine Maßnahmen eingeleitet hat, diese Mängel abzustellen.

Verschiedentlich werden unter den Bauern auch solche Diskussionen geführt, dass das Hochwasser nicht solche Ausmaße angenommen hätte, wenn die Abflüsse richtig in Ordnung gewesen wären. Die Flüsse seien nach ihren Angaben zum Teil so verschlammt, dass das Wasser schnell über die Ufer treten muss. Als Beispiel sei hier Dingelstädt, [Bezirk] Erfurt, erwähnt. Der Gesamtschaden beträgt 550 000 DM, er brauchte jedoch nicht so hoch zu sein, wenn eine ordnungsgemäße Regulierung der Unstrut vorgenommen worden wäre. Seit dem Hochwasser im Frühjahr 1956 wurden am Flussbett keine Ausbesserungsarbeiten durchgeführt.

Im Kreis Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg, ist die Stimmung der Bauern ebenfalls schlecht. Die Gemeinden müssen pro ha eine bestimmte Summe für Entwässerung abgeben. Seit Jahren wurden jedoch die Gräben nicht mehr geräumt. Verantwortlich für die Säuberung der Entwässerungsgräben ist hier die Wasserwirtschaft Blankenburg/Harz.

Bei der Überprüfung der Wasserschäden, die im Kreis Tangerhütte, [Bezirk] Magdeburg, sehr hoch liegen, wurde Folgendes festgestellt: In der LPG Birkholz wurde aus hygienischen Gründen ein Entwässerungsgraben mit 35er Röhren ausgelegt und zugeschüttet. Durch den Rat des Kreises, Abteilung Wasserwirtschaft, wurde bei der Projektierung nicht beachtet, dass bei stärkeren Niederschlägen diese Rohre die anfallenden Wassermengen nicht aufnehmen können. Die Rohre wurden wieder aufgerissen. Durch die falsche Projektierung entstanden der LPG Birkholz erhebliche Wasserschäden. Schlecht ist auch die Stimmung der Genossenschaftsbauern der LPG Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg. Sie befürchten, dass ihr Produktionsplan nicht erfüllt wird und sie auch noch weniger Geld als im vergangenen Jahr verdienen. Der schlechte Zustand der Felder ist auf die schlechten Entwässerungsgräben zurückzuführen.

Weiterhin ist noch zu erwähnen, dass durch Hochwasser erhebliche Futtermengen vernichtet wurden. Verschiedentlich musste das Vieh von den Weiden in die Ställe getrieben werden. Zum anderen ist aber auch viel Heu weggeschwemmt worden. So machten z. B. in Havelwinke = Havelberg [sic!],1 [Bezirk] Magdeburg, die Genossenschafts- und Einzelbauern auf einer Einwohnerversammlung den Vorschlag, das Heusoll zu streichen. Es wurde erklärt, dass kein Bauer in der Lage sei, das Soll zu erfüllen, da sie kaum das nötige Rauhfutter für ihre Viehbestände ernten würden. Im vorigen Jahr mussten die Genossenschaftsbauern infolge Hochwasserverluste Heu aus der Staatsreserve erhalten. In der Gemeinde Mechau, [Kreis] Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg, sind von der LPG 67 ha Wiesen und Weiden überflutet. Für die erste Mahd waren in der LPG 213 Fuhren eingeplant. Aufgrund von Futtermangel sind schon im vergangenen Jahr Kälber, Rinder und Kühe in größerer Anzahl verendet. Unter den Mitgliedern ist eine schlechte Stimmung vorhanden. Sie befürchten, dass in diesem Jahr ihre Arbeitseinheiten noch niedriger als im Vorjahr sein werden.

Ergänzung betreffs Unwetterschäden im VEB Kali-Werk »Einheit« Dorndorf, [Kreis] Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl: Am 20.7.1956 wurde die Förderung eingestellt, die einströmenden Wassermengen konnten durch geringe Leistungsfähigkeit der Pumpen nicht wieder ausgepumpt werden. Es entsteht ein Förderausfall von 2 500 t Rohsalz täglich.

Ausführlicher Bericht über Hochwasserschaden wird nachgereicht.2

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    25. Juli 1956
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    24. Juli 1956
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