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Lage in der DDR (42) 22.–23.11.

23. November 1956
Information Nr. 353/56 – Betrifft: Lage in der Deutschen Demokratischen Republik (vom 22.11.1956, 8.00 Uhr, bis 23.11.1956, 8.00 Uhr, eingegangenes Material)

I. Industrie und Verkehr

Halle

  • Am 21.11.1956 fuhr der Abraumvollzug Nr. 12 im VEB Braunkohlenwerk »Erich Weinert« – Abteilung Pirkau, [Kreis] Hohenmölsen, auf den unter den Bagger stehenden halbgefüllten Abraumzug Nr. 17 auf. Sachschaden: ca. 300 000 bis 500 000 DM. Verursacht vom Lokführer – er wurde inhaftiert.

  • Am 19.11.1956 setzte ein Kurzschluss im Generator 4 des Kraftwerkes des VEB BKW Nachterstedt, [Kreis] Aschersleben, das gesamte Kraftwerk 20 Minuten außer Betrieb. Ursache: Bei der Generalreparatur im Juni 1956 durch die Firma Elmo Dessau1 wurde die Isolierung nicht entsprechend den technischen Vorschriften vorgenommen. Schaden: ca. 36 000 DM.

Potsdam

  • Am 20.11.1956 wurde aus dem Lagerraum der Wärmestelle im Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf ca. 66 g Platin entwendet. Täter unbekannt – Ermittlungen werden geführt.

Gera

  • Die Arbeiter der Spätschicht im VEB Keramische Werke Hermsdorf lehnen es ab, die Stunden für Weihnachten und Silvester vorzuarbeiten. Sie verlangen, dass ihnen dafür je ein Tag Urlaub abgerechnet wird. Es wurden in diesem Zusammenhang Äußerungen laut, wie z. B.: »Es gibt kein Mitbestimmungsrecht der Arbeiter, sondern nur eine Diktatur von oben, wenn unseren Wünschen nicht entsprochen wird, lassen wir eben unsere Maschinen leer laufen.«

  • Im VEB Jenapharm ist seit dem 19.11.1956 die Wanderfahne aus dem Speisesaal entwendet worden, die am 22.11.1956 dem Arzneimittelwerk Dresden übergeben werden sollte.2 Da die Belegschaft der Meinung ist, dass die Wanderfahne zu Unrecht an den genannten Betrieb übergeben werden soll, herrscht über das Verschwinden derselben Genugtuung. Außerdem wurde bekannt, dass die Beschäftigten die Feierstunde zur Übergabe der Wanderfahne nicht besuchen wollen bzw. den Vertreter der HV, wenn er sprechen sollte, brüskieren wollen.

Rostock

  • In verschiedenen Abteilungen der Mathias-Thesen-Werft Wismar wurden in den letzten Tagen heftige Diskussionen über die nach Meinung der Arbeiter ungerechte Auszahlung der Quartalsprämien geführt. Zum Beispiel äußerte ein Angestellter der Abteilung Erwachsenenqualifikation: »Mein Vater arbeitet in Halle 3. Alle Kollegen sind dort über die Auszahlung sehr empört und schimpfen. Es wurden Meinungen laut, dass hierauf unbedingt von den Arbeitern etwas geschehen müsse, zumal in der derzeitigen politischen Lage.« Ein Schiffsbauer äußerte dazu: »Auch im Neubau findest Du keinen Kollegen aus der Produktion, dem die ungerechte Prämienverteilung gefällt. Alle sind empört. Die Werker meinen, sie haben den Hauptanteil an der Erfüllung der Pläne und die Angestellten, die in Überzahl vorhanden sind, stecken das Geld ein.«

  • Ein Brigadier des Maschinenbaues der Warnow-Werft Warnemünde erhielt von einem republikflüchtigen Brigadier der Werft die briefliche Mitteilung, dass er in Westdeutschland 4,15 Mark Stundenlohn bei 45 Stunden Arbeitszeit wöchentlich erhält. Daraufhin erklärte der Brigadier: »Wir wollen in der Abteilung Maschinenbau die Forderung auf einen Spitzenlohn von 4,15 DM stellen, denn bei uns kann ein Familienvater nicht mit 1,66 DM Stundenlohn auskommen. Auch hat doch Grotewohl in einem Betrieb erklärt, dass unsere Löhne denen in Westdeutschland angeglichen werden sollen.«3

  • Am 20.11.1956 fand in der Transportabteilung der Neptun-Werft Rostock eine Produktionsberatung statt, bei deren Verlauf die Forderung auf Gewährung von 18 Tagen Urlaub erhoben und geäußert wurde:4 »Wenn nicht anders, wird um die Erhöhung des Urlaubs gekämpft.« Als Begründung für diese Forderung wurde angegeben, dass in Westdeutschland bzw. im kapitalistischen Ausland, wie z. B. in Frankreich auch 18 Tage Urlaub gewährt würden. (Es handelt sich dabei um 3 negative Wortführer.)

II. Landwirtschaft

Karl-Marx-Stadt

  • Bei einer Wahlversammlung der VdgB in Leukersdorf, [Kreis] Stollberg,5 wurden folgende Forderungen gestellt:

    • Ausreichende Versorgung mit Kleesamen

    • Auslieferung des größeren Teiles der Düngemittel im I. Halbjahr

    • Schnellste Regelung der SVK-Beiträge6

    • Schnellste Regelung der Zuckerversorgung

    • Ausgleichung der Preise zwischen den Industriewaren und den landwirtschaftlichen Produkten.

Dresden

  • Alle Bauern, die ihre Erzeugnisse an die Molkerei-Genossenschaft Burkau, [Kreis] Bischofswerda, liefern, erhielten von dort ein Rundschreiben, worin sie aufgefordert wurden, in der Zeit vom 1. bis 30.11.1956 so viel freie Milch wie möglich abzugeben. Dafür erhalten sie zusätzlich Futtermittel. Ein großer Teil der Bauern, die im Laufe des Jahres Milch dem freien Aufkauf zugeführt haben und es jetzt am Jahresende nicht mehr können, sind darüber sehr verärgert. Sie erklären, dass sie nicht in den Genuss der zusätzlichen Futtermittel kommen, sondern nur die, die nicht das ganze Jahr über Milch geliefert haben, sondern es jetzt erst tun.

Halle

  • Am 21.11.1956 brach im Staatlichen Tierzuchtbetrieb – Nebenstelle Viehweide Wettin, Saalkreis, aus noch ungeklärten Gründen ein Brand aus. Schaden: ca. 60 000 DM.

III. Hochschulen und Universitäten

Rostock

  • Vom 21. bis 24.11.1956 findet in Hamburg eine schiffsbautechnische Tagung statt.7 Auf Einladung der schiffsbautechnischen Gesellschaft Hamburg nehmen ca. 20 Wissenschaftler und drei Studenten der schiffsbautechnischen Fakultät der Universität Rostock an dieser Tagung teil.

IV. Besondere Vorkommnisse

Gera

  • Am 18.11.1956 wurde das Leitungsnetz bei Dorna, [Kreis] Jena,8 beschädigt, indem eine Latte auf die Hochspannungsleitung geworfen wurde. (vermutlich durch Jugendliche) Es entstand ein Kurzschluss, wodurch ca. 40 m Kabel verbrannten und ein Stromausfall von zwei Stunden eintrat.

Dresden

  • Am 19.11.1956 wurden sechs Grabsteine und ein Steinkreuz auf dem Friedhof in Wilthen, [Kreis] Bautzen, umgeworfen. Bei den Tätern handelt es sich um Jugendliche, die als Begründung angeben, in der Zeitung von der Grabschändung in Radeberg gelesen zu haben9 und sich daraufhin entschlossen hatten, das Gleiche zu tun.

  • Am Sowjetischen Ehrenmal am Waldfriedhof in Niesky wurden vermutlich durch Steinwurf zwei Glasscheiben beschädigt.

  • Am 21.11.1956 wurde in Großröhrsdorf, [Kreis] Bischofswerda, eine Straßensperre festgestellt, indem ein Drahtseil über die Straße gespannt war.

V. Feindtätigkeit

a) selbstgefertigte Hetzschriften

Dresden

  • 19.11.1956: Zwei Hetzzettel am Wasaplatz in Dresden: Forderung nach freien Wahlen – Hetze gegen die SU. 19 weitere Hetzzettel wurden im Gebiet von Dresden-Reick10 gefunden.

  • 22.11.1956: Auf verschiedenen Straßen und Plätzen in Dresden 60 Hetzzettel vermutlich durch Fahrzeug gestreut mit der Aufschrift »Die SU – der Mörder von Ungarn – Freiheit für Ungarn«11 Unterschrift: DFB (vermutlich durch Handdruckkasten hergestellt).

b) Schmierereien

Dresden

  • 20.11.1956: An der Dampfschiffanlegestelle in Pirna: »Russen raus«.

Rostock

  • 21.11.1956: An einer Außenwand des Frachters 24 auf der Neptun-Werft in Rostock: »Für Freiheit – für freie Wahlen«.

  • 21.11.1956: Auf einer Stufe der Hellingbrücke12 der gleichen Werft: »Wir fordern Freiheit«.

c) anonyme Schreiben und Anrufe

Dresden

  • Eine anonyme Postkarte an die Nationale Front Görlitz.13 Inhalt: Hetze gegen die SU – Befürwortung der Konterrevolution in Ungarn. Eine gleiche Karte erhielt der Bürgermeister von Großenhain.

Anlage 1 zur Information Nr. 353/56

Anhang: Produktionsstörungen in der Industrie in der Zeit vom 8.11. bis 19.11.1956

  • Am 15.11.1956 fiel im VEB Braunkohlenwerk »Glück auf« in Knappenrode, [Kreis] Hoyerswerda, [Bezirk] Cottbus, die 6 000-Volt-Turbine aus. Der Ausfall der Turbine ist dadurch entstanden, weil ein Draht der Bandage riss. Die Kohleförderung wurde dadurch vier Stunden unterbrochen. Der Produktionsausfall beträgt 300 t Briketts, 2 500 t Rohkohle und 2 000 cbm Abraum.

  • Im VEB Braunkohlenwerk Unseburg, [Kreis] Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, konnte der Produktionsplan Oktober 1956 nicht erfüllt werden. Ursache: ständige Wassereinbrüche. Dadurch geht der Abraum von Rohbraunkohle nur schleppend voran.

  • Am 10.11.1956 fiel durch Motorenschaden im Kaliwerk Volkenroda, [Bezirk] Erfurt, der Schacht Pöthen aus. Die Reparatur dauert ca. 14 Tage.

  • Im VEB Kaliwerk Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, kann der Produktionsplan für 1956 nicht erfüllt werden, weil die Aggregate überaltert sind und ständig ausfallen.

  • Im VEB Eisenerzkombinat Braunesumpf,14 [Bezirk] Magdeburg, säuft der neue Blindschacht auf der Grube »Brauner Sumpf 7« ab. Die Ursache ist das Ausfallen beider Unterwasserpumpen. Der Schacht ist 340 m tief und ist bis auf 200 m abgesoffen, hat also einen Wasserstand von 140 m.

  • Am 15.11.1956 wurde der Elektroofen im »Hans-Ammon-Werk« in Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/O., außer Betrieb gesetzt, da das Fundament an der Kippvorrichtung beim Elektroofen in der gesamten Länge und Breite einen Riss aufweist. Durch die hohe Beanspruchung des Ofens hat sich der Riss derart vergrößert, dass der Ofen stillgelegt werden musste. Der Produktionsausfall und die Kosten der Reparatur belaufen sich auf ca. 60 000 DM.

  • Am 19.11.1956 stürzte am Stoßofen 3 des Stabwalzwerkes Riesa, [Bezirk] Dresden, die rechte Seitenwand ein. Dadurch musste die Feinstraße, auf der 24-mm-Rundstahl gewalzt wurde, außer Betrieb genommen werden. Es trat ein Produktionsausfall von 90 t ein, was einem Wert von ca. 30 000 DM entspricht.

  • Am 16.11.1956 erfolgte im Stahlwerk Riesa, [Bezirk] Dresden, ein Walzendurchbruch an der Mittelstraße. Produktionsausfall ca. 15 t Stahl.

  • Am 8.11. und 13.11.1956 fiel im VEB Marmoritwerk Radeberg, [Kreis] Dresden[-Land], die Betonmischmaschine aus. Ursache des Ausfalles ist, dass aus bisher ungeklärter Weise [sic!] in beiden Fällen ein Stück Eisen in die Mischtrommel gelangte, wodurch sich die Welle des Rührwerkes verzog. Der Schaden einschließlich Produktionsausfall beläuft sich auf ca. 6 000 DM.

  • Am 8.11.1956 brach im VEB »Heinrich Rau« Wildau, [Kreis] Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, die Hauptkühlwasserleitung vom Pumpenhaus zum Kompressorhaus. Ursache: nicht mehr einwandfreie Dichtung. Schaden ca. 50 000 DM.

  • Am 9.11.1956 fiel im VEB Flachsspinnerei Hainitz,15 [Bezirk] Dresden, die Dampfmaschine mit 800 PS aus. Ursache: Auslaufen eines Hauptlagers. Der Ausfall der Maschine bewirkt, dass die Produktion zu 70 bis 80 % eingeschränkt werden muss.

  • Am 10.11.1956 ist im Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg infolge mangelhafter Ausflickung mit Dolomit die unterste Fläche des E-Ofens durchgebrannt. Der Schaden beläuft sich auf ca. 10 000 DM. Produktionsausfall ungefähr 100 t Stahlguss.

Anlage 2 zur Information Nr. 353/56

Versorgung der Bevölkerung mit Kohle

Die Bevölkerung – besonders der Bezirke Neubrandenburg, Frankfurt/O., Magdeburg, Gera, Halle, Karl-Marx-Stadt, Dresden und Erfurt – ist mit Siebkohle und zum Teil mit Briketts noch nicht restlos versorgt und deshalb sehr beunruhigt. Nach ihrer Meinung reicht die Zuteilung von 10 bis 15 Zentner auf Karten nicht aus. Vor allem ist die Bevölkerung auch deshalb unzufrieden, weil das auf Karten angegebene Kontingent von 25 Zentnern Rohbraunkohle nicht voll ausgeliefert wird. Z. T. konnten auch die 15 Zentner Siebkohle noch nicht geliefert werden, weil die Kohlenhändler schleppend beliefert werden. Verschiedentlich wird die schlechte Qualität der Kohle beanstandet, was einmal auf die Verarbeitung der Kohle und zum anderen darauf zurückzuführen ist, dass die Kohle beim Kohlenhändler zu lange lagert und der Witterung ausgesetzt ist. Hierzu einige Beispiele:

  • Die Beschäftigten des Motoren-Instandsetzungswerkes Demmin, [Kreis] Neubrandenburg, erklären, dass die Kohle aus Sandersdorf sehr schlecht sei, sodass die Produktion stark behindert würde. Durch diese Kohle beträgt die Temperatur an den Waschmaschinen z. B. nur 50 Grad, während 80 bis 90 Grad benötigt werden. Dadurch sind doppelte Waschzeiten notwendig, sodass die abhängigen Abteilungen nicht voll ausgelastet werden.

  • Im Bezirk Magdeburg gibt es weiterhin negative Diskussionen, dass nur 15 Ztr. Siebkohle pro Haushalt ausgeliefert werden. Dem Bezirk wird nur wenig Siebkohle von der Außenstelle Leipzig geliefert.

  • Im Kreis Gräfenhainichen diskutiert die Bevölkerung dahingehend, dass sie, wenn sie nur 10 bis 15 Ztr. Rohkohle erhalten, wie 1945/46 die Kohle stehlen wollen. In den Kreisen Bernburg und Sangerhausen ist die Lage ähnlich. In Bernburg ist die Bevölkerung außerdem mit der Qualität der Briketts nicht zufrieden.

  • In Halle Saalkreis16 werden laut Anmeldung der Bezugsberechtigungen beim Kohlenhändler 125 000 t Kohle benötigt. Durch den Rat des Bezirkes wurden aber nur 87 000 t bewilligt, sodass noch 38 000 t fehlen.

  • Im Kreis Saalfeld, [Bezirk] Gera, wurde in den letzten Monaten überhaupt noch keine Rohbraunkohle verkauft. Im Kreis Greiz fehlen 8 000 t Siebkohle zur Deckung des Bedarfes der Bevölkerung. Ähnlich ist es in Zeulenroda. Dort wurden erst 65 % Briketts und 55 % Rohbraunkohle ausgeliefert.

  • Im Kreis Rudolstadt, [Bezirk] Gera, sind besonders die Bauern verärgert, dass sie so schlecht mit Braunkohle beliefert werden. Aus diesem Grunde werden folgende Diskussionen geführt: »Die werktätigen Bauern liefern ihre Ernte dem Staat ab. Jedoch der Staat sorgt nicht dafür, dass die Haushalte rechtzeitig mit Braunkohle versorgt werden.«

  • Der DHZ Kohle steht an Siebkohle für den gesamten Bezirk Gera ein Jahreskontingent von 150 000 t zu. Benötigt werden aber 235 000 t. Ein Rundschreiben der DHZ Kohle an die Kohlenhändler, dass »die in den vergangenen Quartalen nicht gelieferte Rohkohle verfallen sei«, hat unter der Bevölkerung Beunruhigung ausgelöst.

  • Aus dem Kreisgebiet Brand-Erbisdorf, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, werden aus dem Grunde, dass nur 15 Ztr. Siebkohle pro Haushalt ausgeliefert werden, Gerüchte bekannt. Sie besagen, dass jeder Haushalt nur 25 % der zustehenden Braunkohlenmenge erhalten würde, weil Polen keine Steinkohle mehr liefert17 und die Rohbraunkohle deshalb zum Heizen der Lokomotiven benötigt würde. Die Bevölkerung verlangt hierüber Aufklärung.

  • Bei den einzelnen BHG des Kreises Niesky, [Bezirk] Dresden, gingen in den letzten Wochen laufend große Mengen Briketts ein. Da die Karten zum großen Teil beliefert sind, bleibt ein Großteil der Briketts liegen und verwittert. In der BHG Horka lagern z. B. 40 bis 50 t Briketts, die z. T. schon stark verwittert sind. Bei den BHG des gesamten Kreisgebietes lagern ca. 2 500 t Briketts. Trotzdem von den BHG bereits versucht wurde, die für das IV. Quartal noch ausstehenden Mengen zu stoppen, konnte nichts erreicht werden.

  • Die DHZ Kohle Dresden ist seit dem III. Quartal 1956 ihren Lieferverpflichtungen gegenüber dem Kreisgebiet Görlitz nicht mehr nachgekommen. Die BHG Ebersbach hat noch 800 t Siebkohle aus dem II. Quartal 1956 zu bekommen. In diesem Bereich sind vor allem die Gärtner der Gemeinden Girbigsdorf,18 Kunnersdorf und Ebersbach nur mangelhaft mit Rohbraunkohle versorgt.

  • In den BHG-Bereichen Buchholz, Melaune-Bönn19 und Döbschütz sind die Kinderheime und Schulen mit Kohle ungenügend versorgt. Die Berufsschule Sebnitz wurde mit Steinkohle (Polen) beliefert. Der Hausmeister vertritt die Meinung, dass für die Heizung Rohbraunkohle oder Braunkohlenbriketts verwendet werden können. Nach seiner Meinung liegt Unfähigkeit oder Sabotage vor.

  • Im Konsum-Kohlenhof Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, ist die Kohlenversorgung völlig unzureichend. Täglich spielen sich unliebsame Szenen vor den Schaltern der Verkaufsbüros ab. Durch die schleppende Zulieferung seitens der DHZ Kohle sind überhaupt keine Kohlenvorräte vorhanden. Die Orte Herreden, Hesserode und Kleinwerther sind erst zu 30 bis 50 % beliefert. Die Besorgnis der Bevölkerung wurde noch verstärkt durch Zeitungsartikel, wie z. B. dass Seehunde an der polnischen Küste gesichtet wurden – woraus auf einen strengen Winter geschlossen werden könne.20

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    [Ohne Datum]
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    22. November 1956
    Information Nr. 352/56 – Betrifft: 56er- und 10er-Rat an der medizinischen und veterinärmedizinischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin