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Missstimmung unter VP-Angehörigen im Bezirk Suhl

9. Juni 1956
Sonderinformation – Betrifft: Missstimmung unter VP-Angehörigen im Bezirk Suhl [Information Nr. M126/56]

Unter einigen VP-Angehörigen machen sich Missstimmungen bemerkbar, die verschiedene Ursachen haben. So wird z. B. berichtet, dass unter den ABV zzt. eine Missstimmung zu verzeichnen ist, die durch die Nebenkontrollstellen BdVP hervorgerufen wird. Dazu äußerte sich z. B. der Genosse Unter-Kommissar [Name 1] aus Trusetal, [Kreis] Schmalkalden, wie folgt: »… Es macht keinen Spaß mehr, bei der VP zu arbeiten, denn eine Kontrolle reicht der anderen die Tür, ja es kommt gar vor, dass zwei zu gleicher Zeit da sind. Bei all diesen Kontrollen bleibt einem ja keine Zeit mit den Menschen zu arbeiten. Ich werde mir am besten einen Arbeitsplatz im Betrieb suchen, da hat man seine Ruhe vor Kontrollen und braucht auch sonnabends und sonntags keinen Dienst zu machen.« (offiziell – überprüft)

Unter den VP-Angehörigen der BdVP Suhl werden zzt. negative Diskussionen über den vergangenen internationalen Kindertag1 und zum bevorstehenden »Tag der Volkspolizei«2 geführt. Die Diskussionen sind dahingehend, dass man vonseiten der Leitung der BdVP wahrscheinlich nicht mehr weiß, dass auch Kinder bei den VP-Angehörigen vorhanden sind. Jeder Betrieb hatte an diesem Tag an die Kinder der Betriebsangehörigen gedacht, ohne besonders große Unkosten zu machen. Erfreulich wäre es schon gewesen, wenn man die Kinder der VP-Angehörigen zu einer Autobuspartie eingeladen hätte, aber für sie gäbe es nur »Dienst« und ihren Ehepartnern die Einsicht in die Notwendigkeit beizubringen. Ebenso verhält es sich bei den Diskussionen zum Tage der »Volkspolizei«. Der Veranstaltungsplan hier wird zwar begrüßt, aber das man bei den geplanten Essen Unterschiede im Preis – für den VP-Angehörigen 1,50 DM und den Ehepartner 2,00 DM macht, wird nicht gutgeheißen.

Unter VP-Angehörigen im VPKA Neuhaus wird z. B. über Gehaltsfragen diskutiert. So äußerte sich z. B. der Hauptwachtmeister [Name 2, Vorname] dazu wie folgt: »… Ich bin nicht durch mein eigenes Verschulden verunglückt, mit meinem Krankengeld komme ich nicht aus. Ich bekomme jetzt noch 340 DM von der Volkspolizei. Davon muss ich meine Frau und 4 Kinder ernähren. Das ist keine richtige Einstufung gegenüber einem ledigen VP-Angehörigen. Ich lebe nicht wie ein Arbeiter, sondern wie ein Bettelmann. Die Regierung müsste hier auch noch Maßnahmen einleiten und muss Missstände beseitigen.«

Der ABV, Genosse [Name 3], Unterweißbach, [Kreis] Neuhaus, äußerte sich wie folgt: »… Ein ABV hat mehr Verantwortung als ein Angehöriger des BS. Die Genossen vom BS machen ihre drei Stunden Dienst und bekommen das gleiche Gehalt wie ein ABV, der aber muss Tag und Nacht Dienst tun, ja zu jeder Stunde.«

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    9. Juni 1956
    Sonderinformation – Betrifft: Spielfilmstudio DEFA – Babelsberg [Information Nr. M127/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Kritische Stimmen zu Walter Ulbricht (5)
    8. Juni 1956
    Hetze gegen den Genossen Walter Ulbricht [5. Bericht] [Information Nr. M125/56]