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Schwierigkeiten bei Investitions- und Planfragen

14. November 1956
Information Nr. 334/56 – Betrifft: Besondere Schwierigkeiten in Investitions- und Planfragen

Es wurde festgestellt, dass in allen Bezirken die Investitionsmittel bis Ende des Jahres zum Teil nicht verbraucht werden können. Der Grund dafür sind die überall mehr oder weniger in Erscheinung tretenden Schwierigkeiten bei der Anlieferung der für die Investitionen benötigten Materialien und Geräte. Diese bestehenden Mängel werden sich im Jahre 1957 auswirken, da die durch die Investitionen zu erreichenden Kapazitätserweiterungen in den Plänen für 1957 berücksichtigt wurden. Die Ursachen bei nicht ausgelasteten Investitionsmitteln sind vorwiegend Arbeitskräfte- und Baustoffmangel in den Baubetrieben. Dazu folgende Beispiele:

Im Kohlenbereich Cottbus ist eine Ursache bei Nichterfüllung die schleppende Verwirklichung des Investitionsprogramms. Die geplante Investitionssumme wurde bis 31.8.1956 nur mit 48,8 % erfüllt, sodass bis Ende des Jahres ein Überhang von ca. 80 Mio. DM entstehen wird. Den Investitionsträgern ist es nicht gelungen, die notwendige Baukapazität z. B. zur Verlegung der Schwarzen Elster, der Kohlenfernbahn mit den verbundenen Brückenbauten zu beschaffen. Der Großbaustelle Objekt »Schwarze Pumpe« Cottbus wurden für das Jahr 1956 an Investitionen 140 Mio. DM zur Verfügung gestellt. Von den 140 Mio. DM werden nach dem bisherigen Stand der Bauarbeit ca. 50 % realisiert. Die Ursache der Nichteinhaltung liegt zum größten Teil darin, dass die Projekte vom Projektierungs- und Konstruktionsbüro Kohle nicht zu dem gestellten Termin geliefert wurden.

Im VEB Steinkohlenwerk »Martin Hoop« IV Karl-Marx-Stadt sollte mit dem Wäscheneubau begonnen und 1 Mio. DM im Jahre 1956 noch verbaut werden. Die Bau-Union Karl-Marx-Stadt kann weder einen Bagger, noch die nötigen Arbeitskräfte für das geplante Objekt zur Verfügung stellen.

Bei der Investierung von maschinellen Anlagen in der Ziegelindustrie im Bezirk Schwerin gehen ca. 5 Mio. DM im Jahre 1956 verloren, weil Verzögerungen in der Lieferung von Ziegelmaschinen durch Exportverpflichtungen eingetreten sind.

In der Bauindustrie im Kreis Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, können für 1957 3 Mio. DM Investitionsmittel nicht untergebracht werden, da die Baukapazitäten fehlen. Hierbei ist nicht das zusätzliche Wohnbauprogramm einbegriffen.

Im VEB Stahlgabelwerk Meiningen, [Bezirk] Suhl, werden 1957 Schwierigkeiten in der Produktion von Schmiedegabeln auftreten, weil die im Grobplan angeführten vier Gabelwalzen vonseiten der DIA nicht geliefert werden können, da angeblich die Kontrollziffern dafür nicht vorhanden sind. Bei der Fertigung von geschweißten Gabeln benötigt das Stahlgabelwerk erhebliche Mengen von 8-mm-Stahl. Dieser Rundstahl wird einerseits dringend in unserer Schraubenindustrie gebraucht und zum anderen hat die Schweißgabel nicht die Haltbarkeit wie die Schmiedegabel und kann nicht auf dem Weltmarkt konkurrieren.

Im VEB Geräte- und Reglerwerk Teltow, [Kreis] Potsdam-Land, bestehen Schwierigkeiten beim Bau einer Oberflächenabteilung. Dieser Bau ist mit 1,9 Mio. DM Investitionsmitteln angefangen worden und sollte noch im Jahre 1956 beendet werden. 450 000 DM sind bereits realisiert. Wegen fehlender Baustoffe kann der Bau nicht fertiggestellt werden. Die neue Oberflächenabteilung ist notwendig, da die jetzige Oberflächenabteilung sei 1½ Jahren gesperrt ist. Sie ist nicht explosionssicher. Außerdem können Gesundheitsschäden entstehen. Das Produktionsaufkommen dieser Abteilung liegt bei 4 bis 5 Mio. DM, müsste aber entsprechend dem Bedarf 30 Mio. DM betragen.

Fehlende Investitionsmittel

In einem Teil der Betriebe macht sich ein Mangel an Investitionsmitteln bemerkbar. Es fehlen Investitionsmittel für die Braunkohlenindustrie im Bezirk Halle. Vielfach ist festzustellen, dass den Betrieben nur ein Teil der benötigten Investitionsmittel zur Verfügung steht. Dadurch kommt es zu ungenügender Planerfüllung. Dazu folgende Beispiele:

Für die Braunkohlenwerke des Reviers Halle wird für die Aufrechterhaltung und Erweiterung der Produktion für das Jahr 1958 eine Festsumme von 218,9 Mio. DM benötigt. Bewilligt wurden jedoch nur 140 Mio. DM. Dies hat zur Folge, dass die Planzahlen in der Produktion nicht gebracht werden können. Ein schwierigeres Problem ist das Fehlen von Verrechnungseinheiten. Für die Erweiterung der Butadienfabrik müssen Rohrbündel aus Westdeutschland bezogen werden. Die Anlage sollte bereits im Oktober produzieren. Bis heute ist noch kein Westgeld angewiesen. Die unausbleibende Folge ist Nichterfüllung des Jahresplanes für Butadien und damit für Buna.

Die Realisierung des Investitionsvorhabens des RAW Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, im Planjahr 1956 ist vollkommend ungenügend. Als Investmittel zur Mechanisierung der Gießerei des RAW waren für 1956 z. B. 409 700 DM festgelegt worden. 128 000 DM sind davon vertraglich gebunden, jedoch erst 27 300 DM realisiert. Ursache für die ungenügende Realisierung ist die fehlende Vorlaufzeit für die Projektierungsarbeiten und unzulängliche Arbeit der Invest-Abteilung.

Im VEB IFA Schlepperwerk in Nordhausen bestehen besondere Schwierigkeiten darin, dass keine Unterstellmöglichkeiten für die fertigen Schlepper vorhanden sind, die Schlepper müssen teilweise 27 km vom Werk entfernt untergestellt werden. Dadurch entstehen dem Werk rund 200 000 DM Mehrkosten. 1955 wurden die Investmittel, die zum Bau einer Halle zur Verfügung gestellt waren, wieder zurückgezogen. Der Maschinenpark in diesem Werk ist teilweise überaltert. Für die Erneuerung wurden bisher keine Mittel zur Verfügung gestellt. Das Schlepperwerk hat den Auftrag, noch im Jahre 1956 eine Anzahl Schlepper mit Hydraulik zu bauen.

Durch den kaufmännischen Leiter des VEB Kunstfaserwerk Schwarza, [Bezirk] Gera, wurde bekannt: »Im Kunstfaserwerk Schwarza wird seit einiger Zeit die ›Trelonfaser‹ erzeugt. Diese Faser ist geschmeidiger und weicher als ›Nylon‹ und ›Perlon‹. Die Entwicklungen in der DDR sind denen in Westdeutschland weit voraus. Es ist notwendig, mit einer verstärkten ›Trelon‹-Produktion in Schwarza zu beginnen, um ausreichend Textilien wie Strümpfe, Regenmäntel und andere ›Trelon‹-Erzeugnisse exportieren zu können. Das Ministerium für Leichtindustrie lehnt eine höhere ›Trelon‹-Herstellung ab und verlangt, dass weiterhin ›Perlon‹ hergestellt wird. Dadurch kommt die ›Trelon‹-Entwicklung in der DDR ins Stocken und andere kapitalistische Länder gewinnen Zeit, die DDR einzuholen und die Absatzmöglichkeiten [der DDR] zu verringern.«

Im VEB Drahtziehmaschinenwerk Grüna, [Kreis] Karl-Marx-Stadt[-Land], liegen für 19,3 Mio. DM Aufträge. Weitere Angebote sind in Aussicht. Die derzeitige Kapazität liegt bei 11 Mio. DM. Investitionen zur Erweiterung des Betriebes wurden abgelehnt mit der Begründung, dass der Betrieb in der internationalen Abstimmung der Produktion nicht enthalten sei. Die Tatsachen zeigen: Dieser Betrieb hat alle Unterlagen über Drahtziehmaschinen aus der ČSR erhalten, weil dort die Entwicklung eingestellt wurde. Als einziger Betrieb in der DDR hat er im Wesentlichen den Bedarf der sozialistischen Länder sowie auch des kapitalistischen Marktes zu decken. Durch nichtbewilligte Investmittel können Aufträge nicht angenommen werden. Es sind Anzeichen vorhanden, dass ein Teil der Kunden aufgrund der bisherigen Verzögerung von Vertragsabschlüssen ihre Aufträge an westdeutsche Firmen vergeben.

Der VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« in Wildau, [Kreis] Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, hat einen 80-Meter-Gegenschlaghammer eingeplant, welcher im I. Quartal 1957 in Betrieb genommen werden soll. Es handelt sich hier um ein Aggregat, welches einmalig in den sozialistischen Ländern vorhanden ist und das es auch in der Bundesrepublik nicht gibt. Der Wert dieses Gegenschlaghammers beträgt 5 Mio. DM. Er ist notwendig, um Kurbelwellen für das Verteidigungsprogramm herzustellen. Um das Aggregat aufstellen zu können, ist der Bau einer Halle im Werte von 18 Mio. DM erforderlich. Die Konstruktionsarbeiten für diese Investitionen sind schon im Wesentlichen abgeschlossen, jedoch können die Materialbestellungen nicht aufgegeben werden, weil nach Auskunft des Leiters der Hauptverwaltung dieser Bau eventuell wieder gestrichen wird.

Schwierigkeiten bei Investitionen entstehen auch vielfach durch Änderungen und Kürzungen der Investmittel. Dies wirkt sich dann negativ auf die Planerfüllung aus bzw. können Investitionen nicht mehr eingeplant werden, da die zuständigen Baufirmen usw. mit Verträgen ausgelastet sind. Hierzu folgende Beispiele:

Bei der Deutschen Lufthansa1 liegen zurzeit noch keine konkreten Pläne in den Fragen der Weiterentwicklung des zivilen Luftverkehrs vor. Die festgelegten Investitionen für das Jahr 1957 sind noch nicht endgültig. Hemmend auf die Entwicklung des Inland-Flugverkehrs wirkt sich die Kürzung der Investmittel von 58 Mio. auf 20 Mio. DM aus. Diese Kürzung nahm das MdI, Abteilung Q Bau, auf angebliche Anweisung der Staatlichen Plankommission vor, ohne hierbei mit den für die Planung maßgebenden Stellen der Deutschen Lufthansa zu beraten. Das hat zur Folge, dass von der Abteilung Technik sowie der Verkehrsorganisation nach wie vor Gesamtpläne zur Entwicklung des innerdeutschen Flugverkehrs entwickelt werden, ohne dass sie aufgrund der geführten Geldkürzungen realisiert werden können.

In der Elbe-Werft Boizenburg, [Bezirk] Schwerin, sind die geplanten Investitionen für die Mechanisierung des Betriebes laufend Änderungen durch die HV Schiffbau unterworfen. Des Weiteren werden eingereichte Planunterlagen des Betriebes vonseiten der HV Schiffbau schleppend bearbeitet. Planunterlagen, die der HV Schiffbau zur Prüfung eingereicht werden, werden wegen stilistischer Fehler oder belangloser Satzstellung unbearbeitet an den Betrieb zurückgeschickt. Die eingereichten Investitionsunterlagen zur Vollmechanisierung des Betriebes wurden von 1,2 Mio. auf 300 000 DM gestrichen, sodass die von der HV Schiffbau geforderte Vollmechanisierung nicht durchgeführt werden kann.

Im Kaliwerk »Thomas Müntzer« in Bischofferode, [Bezirk] Erfurt, wurden die Investmittel von 3,5 Mio. DM auf 1,7 Mio. DM gekürzt. Dadurch lassen sich eine Reihe geplanter Neubauten sowie die Anschaffung einer Reihe von Maschinen nicht mehr realisieren.

Im Kaliwerk »Karl Marx« Sollstedt, [Bezirk] Erfurt, wurden die Investmittel für 1956 nachträglich von 2,5 Mio. DM auf 11 Mio. DM erhöht. Bei der Zulieferung der erforderlichen Materialien und Geräte treten große Schwierigkeiten auf, da diese zu spät gebunden wurden. Besonders handelt es sich hier um Stahl- und Walzerzeugnisse des VEB Stahlbau Magdeburg und VEB Maschinen- und Apparatebau Staßfurt. Teilweise können die Verträge von den Lieferanten erst im II. Quartal 1957 realisiert werden.

Das Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg soll bis 1960 seine Produktion auf Dieselmotorenerzeugnisse umstellen. Dazu wurde von dem Werkleitungskollektiv ein Reproduktionsplan ausgearbeitet. Zu dieser Reproduktion wurden im ersten Vorschlag 70 Mio. DM beantragt. Dieser Betrag wurde von der Hauptverwaltung abgelehnt. Es wurden fünf weitere Pläne aufgestellt, wobei jeder Plan eine niedrigere Summe enthielt. Zzt. steht die tatsächlich benötigte Summe noch nicht fest, da sie seitens des Fachministeriums nicht bestätigt ist. Für das Planjahr 1957 werden 17,5 Mio. DM benötigt. Davon wurden ca. 7 Mio. DM genehmigt. Diese Summe ist noch nicht endgültig.

Planfragen

In den Betrieben des Schwermaschinen- und Allgemeinen Maschinenbaues sowie in einer Reihe anderer wichtiger Betriebe gibt es teilweise erhebliche Planrückstände. Hauptursache ist die unregelmäßige und teils ungenügende und verspätete Materialzufuhr vonseiten der Zulieferbetriebe. Fehlende Facharbeiter sind in einigen Betrieben die Ursache der Nichterfüllung der Pläne. Ein Mangel in der Planung besteht darin, dass die Pläne zu wenig in den Betrieben abgesprochen werden. Aufgrund laufender Planänderungen in einzelnen Betrieben durch die zuständigen HV der Ministerien oder durch zu hohe Festlegungen des Produktionsplanes können die Pläne voraussichtlich nicht erfüllt werden. In einem Teil der Betriebe machen sich Fehlprojektierungen und zu späte Projektierungen bemerkbar. Im Einzelnen sieht die Planerfüllung in den Industriezweigen per 31.8.1956 in % zum Jahresplan wie folgt aus:

  • Ministerium für Berg- und Hüttenwesen: 66,6 %

  • Ministerium für Chemische Industrie: 63,4 %

  • Ministerium für Kohle und Energie: 65,4 %

  • Ministerium für Schwermaschinenbau: 59,6 %

  • Ministerium für Allgemeinen Maschinenbau: 60,4 %

  • Ministerium für Leichtindustrie: 63,5 %

  • Ministerium für Lebensmittelindustrie: 57,4 %

  • Ministerium für Aufbau: 67,8 %

In der HV Braunkohle besteht per 30.8.1956 ein Ausfall von 23 613 Mio. cbm Abraum, 3 832 Mio. t Rohbraunkohle, 5 088 Mio. t Braunkohlenbriketts. Diese Rückstände können bis zum Eintritt der Kälteperiode nicht aufgeholt werden. In den Braunkohlenwerken Borna, Altenburg und Kulkwitz, [Bezirk] Leipzig, sind vor allem Planrückstände im Abraum vorhanden. In diesen Betrieben wird der Jahresplan im Abraum nicht erfüllt werden. Die Planrückstände im Abraum entstanden durch schlechte Witterungsverhältnisse. Weitere Ursachen sind schlechte Gleislage sowie ungenügende Arbeitsorganisation und veraltete Geräte im Abraum. Die Kohleförderung ist zzt. noch nicht gefährdet. Es gibt auch keine wesentlichen Planrückstände. Aufgrund des geringen Vorlaufs an Abraum (durchschnittlich nur 30 bis 35 Tage) können im Winter Schwierigkeiten in der Kohleförderung eintreten.

Im VEB Eilenburger Celluloidwerk, [Bezirk] Leipzig, wird der Plan des Betriebes mit einer Million unter dem Staatsplan nicht erfüllt. Die Ursache ist das Nichtabsetzen der eingeplanten Produktion bei Akkukästen, Spinnhülsen, Bernidraht, Dachrinnen und Dachrinnenkästen.

Im VEB Ziehwerk Delitzsch, [Bezirk] Leipzig, wurde im 1. Halbjahr vonseiten des Ministeriums für Berg- und Hüttenwesen der Plan dreimal verändert, was eine starke Beunruhigung bzw. Verärgerung in den Kreisen der technischen Intelligenz hervorrief. Trotzdem es bei dem Ministerium bekannt war, dass die Kapazität des Werkes bei 28 000 t liegt, wurde eine Planzahl von 30 000 t beantragt. Nach ca. vier Wochen wurde diese Zahl auf 25 000 t herabgesetzt und kurze Zeit später erneut auf 30 000 t erhöht. Dadurch mussten sämtliche Pläne des Werkes verändert werden.

Dem VEB Meteor Zella-Mehlis, [Kreis] Suhl[-Land], werden vom Ministerium für Land und Forst2 die Kennziffern zu spät und außerdem ungenau angegeben, sodass der Betrieb ständig gezwungen ist, den Plan zu ändern.

Im Bauobjekt der Wismut bestehen Schwierigkeiten durch Fehlplanung und Fehlkonstruktion. Neben der schleppenden Anlieferung der Projekte kommt es ständig zu Projektänderungen während des Baues. Am stärksten trat dies in der letzten Zeit in Culmitzsch3 in Erscheinung. Das dort neu erbaute Duschkombinat wurde zu einem Sechstel wieder abgerissen und dafür noch eine medizinische Station angebaut.

Bei der Planung der Produktion von Zuckerfabriken im Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg wurde Folgendes festgestellt: Von den zuständigen Stellen in Berlin wurden 54 Aufträge für komplette Anlagen bis zum Jahre 1960 hereingenommen. Bei dem jetzigen Stand der Produktionsanlagen können aber nur 16 Fabriken bis 1960 geliefert werden. Diese Art der Planung erweckt bei den leitenden Wirtschaftsfunktionären des Werkes den Eindruck, dass die Verantwortlichen in den Ministerien und bei der DIA keine Ahnung von den tatsächlichen Kapazitäten der Betriebe haben.

Die Stadt Magdeburg soll ein Fernheizwerk erhalten, wobei als Starttermin4 der Monat Oktober 1958 gestellt worden ist. Danach müsste im Januar 1957 mit dem Bau begonnen werden. Bereits im August 1955 sollten dem Entwurfsbüro für Industriebau Magdeburg die ersten Unterlagen zur Projektierung gegeben werden. Durch ständige Änderungen des Objektes seitens des VEB Energieversorgung konnte das Entwurfsbüro bis heute noch nicht zur Ausarbeitung des Objektes schreiten. Die Folge davon ist, dass der Bau im Januar 1957 nicht angefangen werden kann und somit auch der Termin der Fertigstellung nicht eingehalten wird.

Ein wesentlicher Mangel zeigt sich noch immer darin, dass die Pläne nicht mit den Arbeitern beraten werden. Nach Ansicht der Wirtschaftsfunktionäre im VEB Bergmann-Borsig ist bei der Aufstellung des Planes nicht von den realen Bedingungen des Betriebes ausgegangen worden. So wurden bei der Festlegung der Aufgaben für die Abteilung Kesselbau nicht in genügendem Maße die Kapazität der Maschinen, die räumlichen Bedingungen und die Arbeitskräftelage berücksichtigt. Hinzu kommt, dass Objekte im Plan aufgenommen wurden, die in ihrer Projektierung und Entwicklung noch nicht abgeschlossen waren. Das trifft besonders bei Kesselwagen für China und auf einen Kessel für den VEB LEW Hennigsdorf zu.

Der Schwerpunktbetrieb AWE Eisenach hat bis jetzt in keinem Monat seinen Produktionsplan erfüllt. Die Ursachen sind hauptsächlich darin zu suchen, dass für den Anlauf des neu zu produzierenden Wagens »Wartburg« nicht die notwendigen Werkzeuge (Presswerkzeuge) vorhanden waren. Der größte Teil musste durch Handarbeit hergestellt werden. Zurzeit werden täglich 70 bis 75 Wagen produziert, während laut Plan 100 erreicht werden müssten.

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    14. November 1956
    Information Nr. 335/56 – Betrifft: Die Lage in der Deutschen Demokratischen Republik, in der Zeit vom 14. November 1956, 8.00 Uhr bis 20.00 Uhr, eingegangenes Material
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    14. November 1956
    Information Nr. 333/56 – Betrifft: Stimmung zu Prämienfragen (7. Bericht)