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Übersicht über den Bezirk Magdeburg

7. März 1956
Übersicht über den Bezirk Magdeburg [Information Nr. M50/56]

Anhand des vorliegenden Materials (Januar–Februar 1956) wird zu folgenden Punkten berichtet:

I. Stimmung

a) Allgemein

Die Stimmung der Bevölkerung des Bezirkes Magdeburg unterscheidet sich nicht von den anderen Bezirken der DDR. Entsprechend der Struktur des Bezirkes zeigt sich auch hier, dass vorwiegend in den Industrie- und Verkehrsbetrieben diskutiert wird und dass die Diskussionen in der Landwirtschaft bei neu auftauchenden Problemen (Genfer Konferenz,1 Volksarmee,2 XX. Parteitag der KPdSU)3 erst etwas später auftauchen.

b) Stimmung zur Schaffung der Nationalen Volksarmee

Diskussionen wurden wie im Republikmaßstab geführt; zuerst überwiegend negativ; nach Aufklärung und Bekanntwerden des Beschlusses der Volkskammer Durchsetzen der positiven Äußerungen. Pazifistische und ablehnende Äußerungen kamen vor allem von Frauen und Jugendlichen. Bei den ablehnenden bzw. negativen Äußerungen bzw. Erscheinungen wurden folgende Schwerpunkte bekannt:

  • Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg: In der Gießerei waren ca. 60 bis 80 % der Arbeiter gegen die Nationale Volksarmee. Die Kollegen äußern, dass sie nicht auf ihre Brüder schießen werden. Ähnliche Diskussionen wurden in der Blechschmiede und der Reparaturabteilung geführt.

  • Georgi-Dimitroff-Werk Magdeburg: In der Schleiferei war eine besonders negative Stimmung. Der Leiter der Kampfgruppe4 (SED) diskutierte gegen die Volksarmee. In der Fräserei gab es bei 150 Kollegen nur sieben Zustimmungen, von 120 FDJ-Mitgliedern – 95 Ablehnungen.

  • VEB Traktorenwerk Schönebeck: In [der] Abteilung Werkserhaltung stimmten von 38 Kollegen (davon 15 SED) sieben für die Volksarmee.

  • Magdeburger Verkehrsbetriebe: Hauptwerkstatt Brückfeld5 von 340 Kollegen – 80 Zustimmungen.

  • VEB Gummiwerk Schönebeck: Schlosserei von 60 Kollegen – 20 Zustimmungen.

  • RAW Stendal: von 80 Jugendlichen – 60 Ablehnungen.

  • VEB Pumpenfabrik Oschersleben: von 30 Kollegen – fünf Zustimmungen.

In folgenden Betrieben wurden Volksabstimmungen über die Volksarmee gefordert:

  • Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg,

  • Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg (Modelltischlerei),

  • Groß- und Mittelbauern der Gemeinde Breitenrode, Kreis Klötze.

Im Zusammenhang mit der Schaffung der Volksarmee wurden Gerüchte über Ablehnung der PM 12a für Jugendliche u. Ä. verbreitet.6 (Gemeinde Völpke und Sennersleben,7 Kreis Oschersleben; Dolle, Kreis Tangerhütte; Bahnhof Heudeber-Danstedt,8 Kreis Halberstadt; Burg bei Magdeburg, Sprengstoffwerk Schönebeck.)

c) Stimmung zum XX. Parteitag der KPdSU

Über den XX. Parteitag der KPdSU wird rege diskutiert, vor allem unter den Mitgliedern der Partei. Überwiegend wird positiv Stellung genommen. Negative Äußerungen lassen eine westliche Beeinflussung erkennen. Hauptsächlich beschäftigt man sich dabei mit der Rolle Stalins. Neben der Fragestellung, ob man hätte Stalin nicht schon früher kritisieren können, gibt es vereinzelt Äußerungen, dass es auch bei uns Personenkult gibt, wobei die Genossen Walter Ulbricht und Wilhelm Pieck genannt wurden (Bau-Union Magdeburg, Rat der Stadt Salzwedel). Im Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg stellen Genossen (Arbeiter) die Frage, ob jetzt alle Werke Stalins vernichtet werden. Aus dem VEB Traktorenwerk Schönebeck werden Diskussionen bekannt, dass es nun doch möglich sei, den Sozialismus auf parlamentarischem Weg zu erreichen.9

II. Industrie

Beim Anlauf des 2. Fünfjahrplanes10 gab es infolge Auftragsmangel und fehlender Planunterlagen Stillstand in der Produktion bzw. Wartezeiten, was bei den Arbeitern Diskussionen über »Unfähigkeit leitender Organe« auslöste.

  • VEB Konsumbekleidungswerk Magdeburg (fehlende Aufträge),

  • Karl-Marx-Werk Magdeburg (fehlende Planunterlagen),

  • Elektromotorenwerke Wernigerode (fehlende Planunterlagen).

Im Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg fehlt es an Aufträgen für das II. bis IV. Quartal 1956.

Im Treuhandbetrieb Gummi- und Lederwaren Magdeburg müssen Entlassungen wegen Arbeitsmangel vorgenommen werden.

Seit Anfang 1956 wurden folgende Brände bekannt:

  • Karl-Marx-Werk – Werkstatt 715, Brand des Ofentrafo – (Schaden: ca. 4 000 DM),

  • VEB Kreisbauhof Gardelegen – Brand durch Fahrlässigkeit – (Schaden ca. 2 000 DM),

  • VEB Bau-Union Magdeburg – Brandstiftung – ([Schaden ca.] 55 000 DM).

Diskussionen über Prämienverteilung: Pumpenfabrik Oschersleben, Knäckebrotwerke Burg. Im Georgi-Dimitroff-Werk Magdeburg wird das Gerücht verbreitet, dass eine 10%ige Normerhöhung bzw. Lohnsenkung kommt.

III. Landwirtschaft

Im Zusammenhang mit der Auszahlung der Arbeitseinheiten kam es in mehreren LPG zu kurzfristigen Arbeitsniederlegungen. »Frohe Zukunft« Staffelde, Kreis Osterburg,11 von 38 Mitgliedern nahmen 25 die Arbeit nicht auf, da nur 3,80 DM für die Arbeitseinheit gezahlt werden sollte. Ähnliches gab es in den LPG:

  • Binde, Kreis Kalbe (Milde),12

  • Memke, Kreis Salzwedel,

  • Rodersleben,13

  • Bebertal, Rottmersleben, Groß Santersleben, Satuelle, Kreis Haldensleben.

Aus dem gleichen Grunde gab es Austrittserklärungen in der LPG Behrendorf,14 Kreis Osterburg (11 Bauern). Ein großer Teil der Bauern steht den ständigen Gemeinschaften ablehnend gegenüber.15 Diskussionen dazu wurden von Bauern aus den Kreisen Oschersleben und Zerbst bekannt. Als positiv wurde die Schaffung von 40 Gemeinschaften im Kreis Salzwedel und neun Gemeinschaften im Kreis Loburg gemeldet.

Zum »Tag der Bereitschaft« war keine gute Beteiligung der Landbevölkerung zu verzeichnen.16 Die Reparaturen in den MTS wurden bezirksmäßig zu ca. 95 % abgeschlossen. Ein Teil der Traktoren u. a. konnten wegen Ersatzteilmangel nicht repariert werden. Schlechte Erscheinungen wurden wie folgt gemeldet:

  • LPG Köckte, Kreis Klötze (wurde Wildschweinjagd durchgeführt),

  • MTS Jävenitz, Kreis Gardelegen (Arbeiter der MTS spielten Skat),

  • MTS Lübars, Kreis Loburg (schlecht ausgeführte Reparaturen),

  • MTS Langenapel und Diesdorf, Kreis Salzwedel (63 % der Maschinen und Traktoren nicht einsatzfähig),

  • MTS Schurat,17 Kreis Zerbst (mangelhafte Erfahrung leitender Funktionäre, z. B. der 6. Direktor eingesetzt).

Fehlen von Saatgut: LPG Hecklingen: 1 000 dz Kartoffeln; LPG Rietzel: 850 dz Kartoffeln, 95 dz Getreide.

Mangel an Futtermittel: Kreise Osterburg, Oschersleben, Halberstadt.

Seit Januar 1956 wurden sechs Brände in der Landwirtschaft bekannt (5 Fälle Fahrlässigkeit, einer vermutlich Brandstiftung).

IV. Versorgung

Seit Anfang Februar 1956 besteht Unzufriedenheit über das Fehlen von HO-Butter, HO-Fleisch, Fischkonserven, Bohnenkaffee, schwarzem Tee, Käse und Gewürzen. Gleichzeitig wird das ungenügende Angebot eines größeren Sortiments an Fleisch und Wurst auf Markenbasis bemängelt.18 Ursache der Mängel sind hauptsächlich zu geringe Vertragsabschlüsse. Schwerpunkte der Versorgung der Bevölkerung:

  • Brennstoffe (z. B. sind in Oschersleben die Lager leer),

  • Fleischwaren (ungenügende Erfassung des Schlachtviehes, Rückstand per 21.1.1956 ca. 2 800 t),

  • Kartoffeln (für II. Quartal 1956 nur ca. ein Drittel lt. Plan durch die VEAB eingelagert).

V. SPD

Ehemals starke SPD-Organisation: Stadt Magdeburg, ca. 25 000 Mitglieder; Kreise Zerbst, Haldensleben, Klötze und Gardelegen. Konzentration ehemaliger SPD-Mitglieder in Baugenossenschaften, Konsum, Siedlergenossenschaften, Verband der Kleingärtner [und] Kleintierzüchter (z. B. Geflügelverein Gardelegen).

Einfluss auf die Bevölkerung wird neben diesen Organisationen vor allem durch eine starke Flugblattverbreitung – besonderes in den Grenzkreisen – genommen (Februar 10 600 Stck.).19 Im Kreis Halberstadt besteht eine Gruppe von sieben ehemaligen SPD-Mitgliedern, die Verbindung zu Agenten des SPD-Ostbüros hat und Informationen über Stimmung und Lage durch Kurier übermittelt.20

VI. FDJ und GST

In der Zeit vom 1.1. bis 30.11.1955 waren 1 507 Austritte (besonders wegen Erreichung der Altersgrenze) und 2 453 Ausschlüsse (vor allem wegen Republikflucht) zu verzeichnen. Die FDJ versteht nicht, die Jugendlichen richtig anzusprechen, sondern behandelt oft nur abstrakte politische Fragen. Auf Nichtorganisierte wird überhaupt kein Einfluss ausgeübt, in der Landwirtschaft ist der Einfluss der FDJ schwach. In der Landwirtschaft wird die Jugend stark von der Kirche beeinflusst, z. B. zeigt der Pfarrer Fliege21 in Kläden,22 Kreis Seehausen, Natur- und Kirchenfilme. Ähnliche Erscheinungen gibt es in Jeetze,23 Kreis Kalbe (Milde).

Schwerpunkte schlechter FDJ-Arbeit:

  • Kreis Wanzleben

  • Kreis Wolmirstedt

  • Kreis Schönebeck

  • Werk Abus in Seehausen

In der GST gibt es zahlreiche Diskussionen über die Einführung des Kampfsportes. Von einem großen Teil (»Nursportler«) wird dieser abgelehnt. Sie wollen nur reiten oder nur fliegen u. Ä. Auch die Nationale Volksarmee wurde von einem Teil der GST-Mitglieder abgelehnt. Im Sprengstoffwerk Schönebeck kursierte das Gerücht, dass die GST-Mitglieder alle zur Volksarmee übernommen werden. In Großbetrieben hat die GST nur eine schwache Basis, z. B. gibt es im Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg nur 170 Kameraden, dabei meist Betriebsfeuerwehr und Objektschutz.

In den Monaten Oktober gab es folgende Republikfluchten von GST-Mitgliedern: Kreise Wolmirstedt 20, Salzwedel zehn, Seehausen sechs, Schönebeck fünf. Es handelt sich dabei häufig um Fachkräfte (Fachlehrer).

VII. Kirche

Die katholische Kirche ist weniger aktiv, hat aber eine große Besucherzahl. Die evangelische Kirche ist sehr aktiv und richtet den Kampf vor allem gegen den Marxismus-Leninismus und die Jugendweihe.24 In Bezug auf die Jugendweihe besteht große Beeinflussung durch die Kirchenleitung in Magdeburg (z. B. Rundschreiben über »Kirchenzuchtmaßnahmen«).25 Die Kirche gewährte den zurückgekehrten Kriegsverurteilten große Unterstützung durch Geld- und Sachspenden.26 Auf Anweisung von Bischof Jänicke27 erhielt jeder 200 DM. Es ist ein verstärktes Vorgehen gegen Friedenspfarrer mittels Versetzungen und Entlassungen zu verzeichnen.28

VIII. Republikfluchten

1955

  • Januar 1 181

  • Februar 1 560

  • März 1 329

  • April 1 156

  • Mai 2 105

  • Juni 2 005

  • Juli 2 230

  • August 2 289

  • September 3 444

  • Oktober 4 093 (Höchstzahl)

  • November 3 886

  • Dezember 2 532

  • Januar 1956: 2 410

Gegenüberstellung von November, Dezember 1955 und Januar 1956:

[Gruppe]

November

Dezember

Januar

Insgesamt

3 886

2 532

2 410

Spezialarbeiter

51

58

68

Arbeiter

1 612

901

710

Angestellte

558

374

357

15–18 Jahre

465

354

229

18–25 Jahre

1 174

719

636

25–35 Jahre

699

413

395

In der Zeit vom 1.1.1955 bis 31.10.1955 wurden folgende Angehörige der Intelligenz aus dem Stadtkreis Magdeburg republikflüchtig: 84 Ingenieure, 38 Lehrer, 29 Techniker, fünf Ärzte, drei Chemiker, ein Künstler [und] ein Jurist.

Schwerpunkte

  • Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg: Ende 1955 bestand Unzufriedenheit bei Arbeitern und Angehörigen der Intelligenz, da Aufträge und Material fehlten. Facharbeiter führten z. T. Hilfsarbeiten durch.

  • Kreis Halberstadt: Verstärkte Republikflucht von Lehrern. Ursache: Persönliche Differenzen und Unzufriedenheit über Entlohnung.

IX. Schwerpunkte des 17. Juni 1953 (Bericht der Bezirksverwaltung Magdeburg vom 1.3.1956)

  • Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg (Betrieb 06): Bis Oktober 1955 laufend Schmierereien hetzerischer Art, Verstreuen von Flugblättern. In den letzten Wochen keine besonderen negativen Erscheinungen.

  • Ernst-Thälmann-Werk (Betrieb 13): Verbreiten von Theorien der SPD, starke negative Diskussionen zur Volksarmee.

  • Karl-Marx-Werk Magdeburg (Werk 5): Negative Diskussionen zur Volksarmee. 25 % der Kollegen lehnen offen die Bildung der Volksarmee ab.

  • VEB Schwermaschinenbau Georgi-Dimitroff-Werk Magdeburg: Große Anzahl ehemaliger SPD-Mitglieder, die auch aus der SED ausgeschlossen wurden. Ablehnende Haltung zur Volksarmee. Schlechte Stimmung über die Zusammenlegung der Werke Dimitroff und Karl Liebknecht.29

  • VEB »7. Oktober« Magdeburg: Starke Konzentration ehemaliger SPD-Mitglieder. Abteilung Konstruktion: Uninteressiertheit gegenüber der Arbeit und unseren Aufbauerfolgen, Verherrlichung des Westens.

  • VEB Schiffswerft »Edgar André« Magdeburg: Starke Konzentration von ehemaligen SPD-Mitgliedern. Häufige Produktionsstockungen, hervorgerufen durch unregelmäßigen Arbeitsablauf.

  • Magdeburger Verkehrsbetriebe: Besondere Schwerpunkte sind die Bahnhöfe Brückfeld und Neustadt. Hier befinden sich Konzentrationen von Katholiken. Ausgangspunkt negativer Diskussionen.

  • VEM Anlagenbau Magdeburg: Starke Konzentration von ehemaligen Siemens- und AEG-Konzernangehörigen. Verherrlichung des Westens.

  • VEB Förderanlagen Magdeburg: Konzentration von ehemaligen SPD- und SED-Mitgliedern, die aus der Partei ausgeschlossen wurden. Schlechte Beteiligung der Genossen sowie Kollegen an der gesellschaftspolitischen Arbeit.

  • Deutsche Reichsbahn, Amtsbereich Aschersleben: Wie am 17.6.1953 werden Lohnerhöhungen gefordert. Starke Ablehnung der Prämienzahlung.

  • VEB Geologische Bohrungen Gommern, Kreis Burg: Belegschaft setzt sich vorwiegend aus Arbeitern von Leipzig, Aschersleben, Nordhausen und Schönebeck zusammen. Anschreiben von Hetzlosungen. Viele negative Diskussionen zur Volksarmee.

  • VEB Maschinenbau Halberstadt: Trotz verbesserter gesellschaftlicher Arbeit im Betrieb tauchen faschistische Losungen und Schmierereien in Form von Hakenkreuzen auf.

  • VEB Pumpenfabrik Oschersleben: Handschriftliche Hetzlosungen. Kleben von Flugblättern. Singen von faschistischen Liedern. Ablehnen der Volksarmee.

  • VEB Dimitroff-Werk Oschersleben (Zweigbetrieb): Handschriftliche Hetzlosungen. Negative Diskussionen über die Partei, besonders über den Film »Der Teufelskreis«.30

  • VEB Dieselmotorenwerk Schönebeck: Negative Diskussionen über Volksarmee. Zu niedrige Normen. Schwache Parteiarbeit.

  • VEB Gummiwerk »John Schehr«31 (Schlosserei und Hofkolonne): Negative Diskussionen der überwiegenden Zahl der Kollegen zur Volksarmee. Schlechte Arbeit der BPO. Es fehlt Parteisekretär. Mitglied der ehemaligen Streikleitung vom 17.6.1953 ist Parteileitungsmitglied.

  • VEB Traktorenwerk Schönebeck: Im Werkzeugbau Verbreitung von NWDR-Berichten. Parteiarbeit schwach.

  • VEB Maschinen- und Apparatebau Staßfurt: Ablehnung der Volksarmee. Laufend Lohnforderungen und Unzufriedenheit bei der Prämienzahlung.

  • VEB RFT Sternradio Staßfurt: Schmierereien an Plakaten und Aushängen betreffs Volksarmee. Diese Erscheinungen gibt es besonders in letzter Zeit, da teilweise Funkanlagen für die Volksarmee hergestellt werden. Schwerpunkt ist Verwaltung und Gewerkschaftsleitung.

  • VEB Kaliwerk Staßfurt: Verstärkte und organisierte Lohnforderungen, besonders im Berlepsch-Schacht.32 Laufende Schwierigkeiten durch Schädlingstätigkeit. (Gruppenvorgang Salzland) Konzentration von Personen aus dem Wintershall-Konzern.33 Schlechte Partei- und Gewerkschaftsarbeit.

  • VEB Braunkohlenwerk Unseburg, Marbeschacht-Anlage, Kreis Staßfurt: Schmierereien und Hetzlosungen anlässlich Adenauers Geburtstag.34 Forderungen nach »freien Wahlen«. Konzentration ehemaliger SPD-Mitglieder.

  • Gemeinde Möckern, Kreis Loburg: Drohbriefe an Funktionäre, Hetzparolen auf Plakaten, wie z. B. »Nieder mit Walter Ulbricht«. Schlechte Sollablieferung der Groß- und Mittelbauern. Besonders starke Beeinflussung durch die Kirche, vor allem bei ehemaligen Umsiedlern.

  • Gemeinde Brumby, Kreis Schönebeck: Hetze gegen Regierung und Funktionäre. Viehvergiftungen in LPG. Großer Einfluss der Kirche bei Jugendweihe.

  • Gemeinde Eickendorf, Kreis Schönebeck: Selbstgefertigte Flugblätter gegen Partei und Regierung, Anschmieren von Hetzlosungen.

  • Gemeinde Barleben, Kreis Wolmirstedt: Negative Diskussionen durch Mittelbauern. Sie versuchen eine zweite LPG zu gründen.

  • Gemeinde Schlagenthin, Kreis Genthin: Trotz Verbesserung der Parteiarbeit noch großer Einfluss alter SPD-Leute. Traktoristen der MTS lehnen Aufstellung der Volksarmee ab.

  • Gemeinde Gladigau, Kreis Osterburg: Trotz guter Arbeit der Partei und Massenorganisationen wird Beschluss der Volkskammer zur Bildung der Volksarmee von der Mehrheit der Einwohner abgelehnt. Vor Kurzem wurde ein wegen unerlaubtem Waffenbesitz Inhaftierter wieder freigelassen; von Mitgliedern des Kulturbundes wurde ihm aus diesem Anlass ein Ständchen gebracht.

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    8. März 1956
    Stimmung zur Veröffentlichung des Genossen Walter Ulbricht über den XX. Parteitag der KPdSU (2. Bericht) [Information Nr. M51/56]
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    7. März 1956
    Informationsdienst Nr. 5 zur Beurteilung der Situation in der DDR