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Zweiwochenbericht

7. März 1956
Informationsdienst Nr. 5 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Politische Probleme

In der Berichtszeit wurde in der Industrie und im Verkehrswesen am stärksten über den XX. Parteitag der KPdSU,1 die Volksarmee2 und das Zugunglück3 diskutiert, worüber laufend in Sonderberichten Mitteilung erfolgte.4 Außerdem kam es zu Diskussionen im Zusammenhang mit der Kälteperiode.

1. Über die Kälteperiode

Aufgrund der Auswirkungen der Kälteperiode in der Industrie, im Schulwesen sowie unter der Bevölkerung – die bereits in Sonderberichten mitgeteilt wurden5 – kam es zur Missbilligung des Interviews des Ministers Selbmann6 sowie einiger Rundfunkkommentare und Presseartikel, die die Lage in Westdeutschland zum Inhalt hatten.7

In einer Reihe Diskussionen der Arbeiter, Angestellten und der Intelligenz kommt zum Ausdruck, dass sie die Schilderung der Lage in Westdeutschland und dem kapitalistischen Ausland nicht ablehnen. Sie vertreten jedoch die Meinung, dass sie durch unsere Presse und den Rundfunk und auch durch den Minister Selbmann nur einseitig informiert wurden, indem kein Wort über die Schwierigkeiten in der DDR gesagt worden wäre. Besonders in einigen Bezirken wie Gera, Suhl, Leipzig und Karl-Marx-Stadt hat die Bekanntgabe, dass in Westdeutschland die Schulen geschlossen wurden, Verärgerung in einigen Kreisen ausgelöst, wo zum Zeitpunkt der Bekanntgabe in den Schulen schon längere Zeit kein Unterricht mehr gehalten wurde. Außerdem wurde in den Diskussionen auch auf den geringen Druck bei Gas sowie auf die Rentner hingewiesen, »die auch in Verwaltungen und HO-Geschäften Zuflucht gesucht hätten«. Letztere Diskussion trat jedoch nur in Leipzig zutage.

Ökonomische Probleme

1. Materialschwierigkeiten und Auftragsmangel

Neben den Schwierigkeiten infolge Frosteinwirkung waren es wiederum besonders Materialschwierigkeiten und Auftragsmangel, die in einer Anzahl von Betrieben zur Verärgerung unter den Arbeitern führten. Hervorgerufen wird diese Verärgerung durch die entstehenden Wartezeiten. Immer wieder bringen die Arbeiter in diesem Zusammenhang zum Ausdruck, dass »Normen und Wettbewerbe unter diesen Voraussetzungen keinen Zweck haben, da sie am Anfang des Jahres herumstehen und am Ende dann Überstunden leisten müssten. Außerdem würden sie dadurch weniger verdienen.«

Bekannt wurden Materialschwierigkeiten aus folgenden VE-Betrieben:

Werften

  • Volkswerft Stralsund – 28-PS-Motore;

  • Peenewerft Wolgast und Mathias-Thesen-Werft Wismar – Ausrüstungsmaterial;

  • Reparatur- und Schiffswerft Roßlau, [Bezirk] Halle – Walzmaterial, Bleche 5, 7, 8, 9, 11 mm.

Maschinenbau

  • Leichtmaschinenbau Barth,8 [Kreis] Ribnitz[-Damgarten], [Bezirk] Rostock – Normteile;

  • Polysius Dessau – Importmaterialien;

  • Kranbau Köthen, [Bezirk] Halle – Maschinenteile, Walzmaterial, Elektroschaltgeräte, Nieten, Winkelstahl, Profileisen;

  • Maschinenfabrik Sangerhausen – 20-PS-Motore;

  • Webstuhlbau Neugersdorf, [Kreis] Löbau, [Bezirk] Dresden – Flacheisen 35 mm, Winkeleisen 80 × 40 × 8;

  • Molekularzerstäubung Meißen – Aggregate;

  • TEWA Blankschrauben Jüterbog – 9-mm-Eisenstangen;

  • Apparate- und Maschinenbau Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg – Winkeleisen und Schrauben;

  • Elmo Hartha,9 [Kreis] Döbeln, [Bezirk] Leipzig – Gussteile;

  • Werkzeug- und Besteckfabriken Schmalkalden, [Bezirk] Suhl – Maschinenmesserstahl;

  • Messgerätewerk Zwönitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Schatullen für Tonbandgeräte;

  • Nähmaschinenwerk Wittenberge, [Bezirk] Schwerin – Nähmaschinenschränke.

Fahrzeugbau

  • Waggonbau Dessau – Flachstahl 80 × 10;

  • Phänomen10 Zittau – Gelenkwellen;

  • Kfz-Werk Meißen – Kessel für Müllwagen, Fahrgestelle, Stahlguss;

  • RAW Brandenburg, [Bezirk] Potsdam – Material für Schwerschadwagen.

Textil und Bekleidung

  • Bekleidungswerk Neugersdorf,11 [Kreis] Löbau – 6 000 Messingknöpfe für Uniformen der Sowjetarmee;

  • Bekleidungswerke Eibau,12 [Kreis] Löbau – Reißverschlüsse, Strickansätze, Schnallen;

  • Bekleidungswerk Hildburghausen,13 [Bezirk] Suhl – guter Zellstoff;

  • Bekleidungswerk Falkenstein, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Stoffe;

  • Feinstrumpfwerke Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt – Perlon und Monofil;

  • Feinjute- und Hanfspinnerei Genthin, [Bezirk] Magdeburg – Rohstoff Chinahanf und Sisal.14

Sonstige Betriebe

  • Stern-Radio Staßfurt – Gehäuse;

  • Feinhütten Hettstedt, [Bezirk] Halle – Roheisen;

  • Gärungschemie Dessau – Melasse;

  • Schuhfabrik »Banner des Friedens« Weißenfels – Hinterkappen, Klammerdraht;

  • Travertinwerk Langensalza, [Bezirk] Erfurt – Rohsteine;

  • Ferrolegierungswerk15 Lippendorf, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig – Mangan und Chromerze;

  • Zellwolle Wittenberge – Schwefel und Ätznatron.

Auftragsmangel besteht in folgenden VE-Betrieben

  • Brems- und Presswerk Coswig,16 [Kreis] Meißen;

  • Ratsdruckerei Dresden;

  • Sachsenwerk Niedersedlitz, [Stadtteil von] Dresden;

  • Bekleidungswerk Görlitz;17

  • Feinmessoptik Dresden;18

  • IKA Sebnitz, [Bezirk] Dresden;

  • Elektromotorenwerk Frankenhausen, [Bezirk] Halle;

  • Funkwerk Halle;

  • Schweißwerk Halle;

  • Schiffswerft Roßlau, [Bezirk] Halle;

  • PWS Schmölln, [Bezirk] Leipzig;

  • Kaltwalzwerk Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl.

2. Ausschuss

Aus einigen Betrieben wurden wiederum negative Diskussionen und Verärgerung der Beschäftigten über den durch Zubringerbetriebe gelieferten Ausschuss bekannt. In diesem Zusammenhang werden in den Diskussionen immer wieder Vergleiche gezogen zur kapitalistischen Wirtschaft und zum Ausdruck gebracht, dass es [dort] so etwas nicht gegeben hat. Dadurch kam es auch in einigen Betrieben zu Produktions- und Lieferschwierigkeiten. Bekannt wurden diese Schwierigkeiten aus folgenden VE-Betrieben:

  • Abus Sebnitz, [Bezirk] Dresden. Von den Laufrädern Modell K 1088 des Lieferwerkes »Hans Ammon« Eberswalde19 wurden bei zehn bearbeiteten Rädern im Durchschnitt fünf Risse pro Rad festgestellt. Die letzte Lieferung, 67 Räder, vom 14.1.1956, zeigte insgesamt Rissbildung.

  • Im EKM Bannewitz, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden, wird in Serienproduktion der IFA-Lader (Hauskommission 2927/0.-) hergestellt. Zuerst wurden Kugellager mit Messingkäfig und dann [mit] Pressholzkäfig verwendet. Jetzt wurde festgestellt, dass sich diese nicht eignen und beim Probelauf bereits zusammenbrechen. Trotzdem soll serienmäßig weiterproduziert werden.

  • VEB DKK Karl-Marx-Stadt. Von 181 Spitzeisen des Lieferwerkes Ankerwerk Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, brachen nach kurzem Einsatz 133 Stück ab und wurden unbrauchbar.

  • IKA Sonneberg II. Von den Kugellagern des Lieferbetriebes IKA Suhl20 können 60 bis 70 % nicht verwendet werden, da sie den Erfordernissen nicht entsprechen. Die Kugellager werden für Elektromotoren verwendet, sind jedoch aufgrund der Geräusche unbrauchbar.

Produktionsstörungen in der Zeit vom 7.2. bis 20.2.1956

Braunkohlenindustrie

In der Berichtszeit wurden wesentliche Produktionsstörungen wiederum aus den Revieren Borna und Altenburg durch Ausfall von Baggern und Absetzern bekannt, der teilweise noch auf Frosteinwirkungen zurückzuführen ist. Der Ausfall beträgt: 96 470 cbm Abraum, 25 500 t Rohkohle, 2 513 t Briketts.

Zu Havarien im Zugverkehr der BKW und an Förderungsmaschinen kam es in den BKW Witznitz, Regis und Schleenhain, [Kreis] Borna, Espenhain und Deutzen.

In anderen Industriezweigen

  • Im Erzbergbau kam es zu Produktionsstörungen infolge [von] Havarien und Kurzschlüssen in den Objekten 241 Auerbach, 101 Zwickau, 15 b Oberschlema, Fabrik 95 Freital und Schacht 38 c Aue der Wismut.

  • Zu Produktionsstörungen infolge ungenügender Wagenparkbereitstellung durch die Reichsbahn kam es in folgenden Betrieben: VEB Ölwerke Wittenberge,21 [Bezirk] Schwerin, Kaliwerk Dorndorf, [Bezirk] Suhl, Walzwerk Burg,22 [Bezirk] Magdeburg.

  • Größere Produktionsstörungen durch Kälte, Sturm und Tauwetter entstanden: [im] Steinkohlenwerk Deutschland [in] Oelsnitz – Ausfall 500 t, im VEB Maxhütte Unterwellenborn, Infesto-Werk23 Berggießhübel, [Kreis] Pirna, [Bezirk] Dresden – Ausfall 18 000 DM und im Reifenwerk Riesa – Ausfall 260 237 DM.

Brände entstanden

  • am 22.2.1956 im Kurhaus Bad-Elster, Seitenflügel, Ursache unbekannt (Gesamtschaden 35 000 DM);

  • am 28.2.1956 Zuckerraffinerie Tangermünde, [Bezirk] Magdeburg, durch Fahrlässigkeit (Gesamtschaden 1 500 DM);

  • am 1.3.1956 Baracke des VEB Bau[-Union] Karl-Marx-Stadt, Ursache schadhafter Schornstein (Gesamtschaden 20 000 DM).

  • am 17.2.1956 Schloss Tharandt, Abteilung Fernstudium der Fachschule für Forstwirtschaft, Ursache ungeklärt (Gesamtschaden 25 000 DM).

Versorgung der Bevölkerung

HO-Fleisch und -Fleischwaren

Die Schwierigkeiten in der Belieferung mit HO-Fleisch und -Fleischwaren hat in der Berichtsperiode auf weitere Bezirke übergegriffen. So wird aus allen Bezirken unserer Republik, außer den Bezirken Erfurt und Gera, [über] ein[en] Mangel an Fleischwaren berichtet. Besondere Schwierigkeiten treten in den Bezirken Potsdam und Frankfurt/O. auf, wo zum Teil die Markenversorgung gefährdet ist.24 Z. B. im Kreis Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, war in einigen Verkaufsstellen tageweise kein Fleisch auf Markenbasis vorhanden.

Die Ursachen, die zu dieser Fleischknappheit führen, liegen in der ungenügenden Erfassung von Lebendvieh. So beläuft sich im I. Quartal 1956 das Kontingent für Fleisch insgesamt auf 135 395 t. Realisiert wurden davon bis zum 20.2.1956 66 200 t gleich 49 % der Gesamtmenge. Die Erfassung war bis zu diesem Zeitpunkt mit 8 900 t Lebendvieh im Rückstand. Dabei liegen die Bezirke Cottbus, Frankfurt/O. und Neubrandenburg in der Erfassung am niedrigsten. So ist z. B. der Bezirk Frankfurt/O. mit 1 500 t und der Bezirk Neubrandenburg mit 3 044 t in der Erfassung im Rückstand.

HO-Butter

Die HO-Butter-Versorgung hat sich ebenfalls in der Berichtsperiode verschlechtert. So wurden Schwierigkeiten aus den Bezirken Schwerin, Cottbus, Neubrandenburg, Magdeburg, Potsdam, Karl-Marx-Stadt, Rostock, Gera, Dresden und Halle gemeldet. Dies führt dazu, dass es bei Anlieferung dieser Waren zu Schlangenbildungen vor den Geschäften kommt, so z. B. in Karl-Marx-Stadt, Freiberg, Zschopau, Jena, Glashütte, [Kreis] Dippoldiswalde, und Bad Schandau, [Kreis] Pirna.

In diesem Zusammenhang wurden wieder negative Diskussionen, vor allem unter den Hausfrauen, laut: So wird z. B. von einigen Hausfrauen aus Cottbus die Meinung vertreten, dass der Mangel an Butter darin begründet sei, dass alle Waren nach Leipzig zur Messe kommen,25 damit die Ausländer sehen, dass wir alles in der DDR haben. Eine Hausfrau aus Dessau, [Bezirk] Halle, äußerte: »Am Anfang des Fünfjahrplanes bekamen wir wenigstens einmal Butter, jetzt gibt es schon vier Wochen überhaupt keine mehr.« Einige Hausfrauen aus dem Bezirk Pritzwalk,26 [Bezirk] Potsdam, brachten in ihren negativen Diskussionen zum Ausdruck: »So sollen sie ruhig weitermachen, dann ist es nicht verwunderlich, dass wieder ein 17. Juni kommt.«

Die Ursachen in dieser Position liegen in der eigenen Produktion sowie an den Importen. Das Gesamtkontingent für das I. Quartal 1956 beträgt 32 000 t Butter. Bis zum 15.2.1956 war in der eigenen Produktion ein Rückstand von 1 000 t, hinzu kommt noch ein Rückstand von 810 t aus Importen. Darüber hinaus hat der Außenhandel aus dem IV. Quartal 1955 noch einen Rückstand von 2 300 t Butter zu liefern.

Mehlversorgung

In einigen Kreisen der Bezirke Leipzig und Gera macht sich ein Mangel an Mehl der Type 405 bemerkbar. Der vorhandene Weizenbestand reicht im Republikmaßstab nur noch für einen Monat. Der monatliche Bedarf an Weizen ist 80 000 t. Bei der DIA liegen abgeschlossene Importverträge in Höhe von 283 000 t vor, wovon aber erst 17 000 t geliefert wurden.

Zucker

In den Bezirken Neubrandenburg und Cottbus ist die Zuckerversorgung auf HO-Basis nicht gesichert, sodass zum Teil kein HO-Zuckerverkauf durchgeführt wird. Bei Zucker fehlen trotz Einsparungsmaßnahmen bis zur neuen Ernte insgesamt ca. 25 000 t.

Warenverderb

Aus dem Kreis Dessau, [Bezirk] Halle, wird bekannt, dass im kommunalen Großhandel durch den plötzlichen Wetterumschlag ca. 1 000 t Frischgemüse dem Verderb preisgegeben sind. Demgegenüber macht sich im Gebiet Aue, Zwickau und Oberschlema, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, ein Mangel an Frischgemüse bemerkbar.

Hamstereinkäufe

In einigen Verkaufsstellen der HO, des Konsums sowie auch vereinzelt in den Privatgeschäften im Zentrum von Leipzig wurde am 1.3.1956 eine erhöhte Nachfrage nach Mehl und vereinzelt nach Hülsenfrüchten und Teigwaren festgestellt. Z. B. verlangte in einigen Verkaufsstellen jeder 2. Kunde zwei bis vier Pfund Mehl. Verschiedentlich wurden auch noch größere Mengen verkauft. Diese vermutlichen Hamstereinkäufe wurden bisher nur in Leipzig bekannt.

Die Lage in der Landwirtschaft

In der Landwirtschaft stehen weiterhin die ökonomischen Probleme im Vordergrund.

  • 1.)

    Vorbereitungen zur Frühjahrsbestellung

  • 2.)

    Saatgutbereitstellung

  • 3.)

    Futtermittelversorgung

1. Vorbereitungen zur Frühjahrsbestellung

Die Vorbereitungen zur Frühjahrsbestellung sind in den Bezirken unterschiedlich. Dies zeigte sich besonders in dem Stand des Winterreparaturprogramms am »Tag der Bereitschaft«.27 Bei einem großen Teil von Bezirken beträgt der Erfüllungsstand über 90 %, wogegen die Bezirke Schwerin [mit] 80 %, Karl-Marx-Stadt [mit] 80 % und Neubrandenburg mit 87 % den niedrigsten Stand aufweisen.

Die Ursachen für die ungenügende und schlechte Erfüllung des Winterreparaturprogramms in einem Teil der MTS und VEG sind in dem Ersatzteilmangel für bestimmte Maschinen sowie in der mangelnden Arbeit der Vertragskontore und Vertragswerkstätten zu suchen. Der Ersatzteilmangel machte sich besonders an den Raupen KS/62 und KD/35, am Traktor »Brockenhexe«28, »Aktivist«, »Pionier«, RS 30 und RS 15 bemerkbar. Außerdem besteht noch ein Ersatzteilmangel bei Federbolzen mit Muttern, Federbolzenbuchsen, Radbefestigungsbolzen, Bordwandverschlüssen, Kupplungsbelag, Sechskantmuttern, Kronenmuttern, Schrauben, Pleuellagern, Steckachsen und Zylinderköpfen. Aufgrund des Ersatzteilmangels können z. B. im Bezirk Rostock 100 Raupen, das sind 30 % der Typen KS/62 und KD/35 nicht in der Frühjahrsbestellung zum Einsatz kommen, da Ersatzteile fehlen. In der MTS Sondershausen sind infolge Ersatzteilmangels von 19 Traktoren zwei nicht einsatzfähig. Die vier vorhandenen RS 15 sind alle nicht einsatzfähig. Von 13 RS/30 sind vier und von fünf [Traktoren] »Brockenhexe« drei nicht einsatzfähig. In der MTS Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, sind von 58 Pflegegeräten zwölf infolge fehlender Ersatzteile nicht einsatzbereit.

Eine sehr wesentliche Ursache, dass der Stand des Winterreparaturprogramms ungenügend ist und es den MTS an Ersatzteilen fehlt, ist die mangelhafte Arbeit der Bezirkskontore für landwirtschaftlichen Bedarf sowie der MTS-Werkstätten. So wird eine mangelhafte Arbeit in der Beschaffung von Ersatzteilen von dem Bezirkskontor Meiningen, [Bezirk] Suhl, vom Bezirkskontor Magdeburg und Gera sowie dem Bezirksauslieferungslager Wurzen, [Bezirk] Leipzig, gemeldet.

2. Saatgutbereitstellung

In fast allen Bezirken bestehen in der Kartoffelsaatgutbereitstellung große Schwierigkeiten, da die vorhandenen Saatkartoffeln für die Frühjahrsbestellung nicht ausreichen, um die geplanten Flächen zu bestellen. In den einzelnen Bezirken bestehen folgende Fehlmengen:

  • Bezirk Neubrandenburg: 34 500 t;

  • Bezirk Rostock: 25 000 t;

  • Bezirk Karl-Marx-Stadt: 7 000 t;

  • Bezirk Leipzig: 2 000 t;

  • Bezirk Dresden: 1 680 t;

  • Bezirk Cottbus: 1 900 t;

  • Bezirk Frankfurt/O.: 13 560 t.

Dabei sind die größten Fehlmengen in dem sozialistischen Sektor der Landwirtschaft zu verzeichnen. So fehlen in den LPG des Kreises Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, 20 000 dz, in vier LPG des Kreises Altentreptow 6 575 dz, in den LPG des Kreises Parchim, [Bezirk] Schwerin, 13 000 dz und für 64 VEG des Bezirkes Neubrandenburg 14 000 dz Saatkartoffeln. In der Saatgutbereitstellung von Getreide- und Futtersamen treten nur örtliche Schwierigkeiten auf, die jedoch durch die DSG bzw. BHG überwunden werden.

3. Futtermittelversorgung

Die Futtermittellage ist in allen Bezirken besonders aufgrund der geringen Kartoffelernte sehr angespannt. Erschwert wird diese Lage noch dadurch, dass dem zentralen Kraftfutterfonds ca. 90 bis 100 t Kraftfutter bis zur neuen Ernte fehlen. Diese Futtermittelknappheit hat zur Folge, dass wertvolle Tiere von Seuchen befallen werden oder aufgrund der geringen Futtermittel verkümmern und notgeschlachtet werden müssen.

Besonders schwer betroffen sind die hochwassergeschädigten Kreise des Bezirkes Magdeburg. Z. B. sind im Kreis Halberstadt im Monat Januar 1956 durch die schlechte Futtergrundlage 253 Schafe verendet. In der LPG Bebertal, [Kreis] Haldensleben, mussten 50 Schweine wegen unzureichender Futtergrundlage als Kümmerer abgegeben werden. In der LPG »Vorwärts« Barleben, [Kreis] Wolmirstedt, mussten 89 Rinder wegen Tbc zur Notschlachtung gebracht werden. Ähnliche Erscheinungen treten auch in den Bezirken Leipzig, Neubrandenburg, Schwerin und Halle auf.

Brände in der Zeit vom 22.2. bis 7.3.1956

In der Berichtszeit wurden insgesamt 25 Brände bekannt. Davon zwei [Mal] vermutliche Brandstiftung, 19 durch Fahrlässigkeit, einer durch Kinderhand, drei [Mal] Brandursache unbekannt. Die zwei Fälle mit vermutlicher Brandstiftung sind noch nicht überprüft und werden nach Klärung im nächsten Bericht nachgemeldet.

Bezirk Potsdam

  • ein Strohmietenbrand, LPG, vermutliche Brandstiftung;

  • ein Stallbrand, LPG, Fahrlässigkeit.

Bezirk Magdeburg

  • drei Stallbrände, LPG und Kleinbauern, Fahrlässigkeit.

Bezirk Leipzig

  • sechs Stallbrände, eine LPG, drei Mittelbauern, ein Kleinbauer, ein Viehhändler, Fahrlässigkeit.

Bezirk Gera

  • zwei Scheunenbrände, Genossenschaftsbauer, Mittelbauer, Fahrlässigkeit;

  • ein Stallbrand, LPG, Fahrlässigkeit;

  • ein Schuppenbrand, Mittelbauer, Fahrlässigkeit;

  • ein Gebäudebrand, MTS, vermutliche Brandstiftung.

Bezirk Erfurt

  • zwei Scheunenbrände, Kleinbauer, Mittelbauer, Fahrlässigkeit.

Bezirk Karl-Marx-Stadt

  • zwei Scheunenbrände, Mittelbauern, Brandursache unbekannt;

  • ein Scheunenbrand, Mittelbauer, Fahrlässigkeit.

Bezirk Schwerin

  • zwei Stallbrände, LPG, Fahrlässigkeit.

Bezirk Dresden

  • ein Scheunenbrand, Mittelbauer, Brandursache unbekannt;

  • ein Schuppenbrand, Mittelbauer, durch Kinderhand.

Ergänzungsmeldung zu dem Bericht vom 21.2.195629

Von den in der Berichtszeit vom 7.2. bis 21.2.1956 aufgeführten drei vermutlichen Brandstiftungen konnten zwei als Fahrlässigkeit aufgeklärt werden, wobei die eine vermutliche Brandstiftung noch nicht aufgeklärt werden konnte.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

Industrie und Verkehr

  • Am 20.2.1956 ereignete sich im VEB Sauerstoffwerk Erfurt30 eine Explosion in der Maschinenanlage, welche Sauerstoff von Stickstoff trennt. Die Ursache ist vermutlich Verpuffung oder Flammenexplosion eines Brenners der Anlage. Dadurch entstand ein Ausfall von ca. 30 % der normalen Kapazität.

  • Am 22.2.1956 ereignete sich im Gummiwerk Tabarz, [Bezirk] Erfurt, eine Kesselexplosion durch Platzen eines Dampfrohres im Kessel. Der Produktionsausfall beträgt 100 000 DM.

  • Am 24.2.1956 lief im VEB Wälzlagerwerk Fraureuth, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, durch Öffnen des Ablassventils 900 kg Vaseline aus der Fettmaschine aus. Der Raum und das Ventil wurde vermutlich durch unbekannte Täter mit Nachschlüssel geöffnet.

  • Durch das Straßenbauamt Dresden wurde bekannt, dass die Loschwitz-Brücke wegen Einsturzgefahr für Wagen über 3 t gesperrt werden muss. Zzt. übernimmt kein Verantwortlicher der Verkehrsbetriebe die Verantwortung für diese Brücke. Es fehlen 50 000 DM zur Ausbesserung des Mittelstreifens, auf dem die Straßenbahn sowie der O-Bus31 fahren.

  • Bei einer im Energie- und Verbindungsnetz-Ost Dresden durchgeführten Feuerlöschübung wurde festgestellt, dass von fünf Feuerlöschern des VEB Total-Werk-Apolda32 zwei unbrauchbar waren, indem die Düsen zugeschweißt waren.

  • Am 28.2.1956 wurde im VEB Maschinen- und Apparatebau Lommatzsch, [Kreis] Meißen, festgestellt, dass durch Zuschrauben des Wasserdruckventils an einem Kessel das Kondenswasser nicht in zwei weitere Kessel laufen konnte, obwohl diese geheizt wurden. Dadurch wurden beide Kessel außer Betrieb gesetzt. Der Schaden beträgt ca. 7 000 DM.

  • Das Synthesewerk Schwarzheide, [Bezirk] Cottbus, schloss das Jahr 1955 mit einem Gewinn von 10 Millionen DM ab. Bisher war es dem Betrieb trotz dieser Tatsache nicht möglich, das Geld für einen Kinderhort (der bisherige musste wegen Einsturzgefahr geräumt werden) und für einen Omnibus zur Verbesserung des Werkverkehrs zu erhalten bzw. Kredit zu bekommen.

  • Am 23.2.1956 fuhr bei Altlüdersdorf, Neustrelitz,33 der F-Triebwagen 16 bei einem Bahnübergang infolge Verschuldens des Schrankenwärters auf einen Pkw auf. Der Pkw erlitt Totalschaden, die vier Insassen waren tot und der Triebwagen entgleist.

  • Am 22.2.1956 kam es durch Verschulden eines Omnibusfahrers auf der Strecke Naumburg – Nebra – Artern zwischen Saubach und Billroda zu einem Zusammenstoß zwischen einem Zug und dem Omnibus, indem der Fahrer versuchte, noch vor dem herankommenden Zug den unbeschrankten Bahnübergang zu durchfahren. Dabei gab es fünf Schwerverletzte und zwölf Leichtverletzte.

Anlage vom 6. März 1956 zum Informationsdienst Nr. 5

Übersicht über bekannt gewordene Feindtätigkeit in der Zeit vom 22.2. bis 6.3.1956

Antidemokratische Tätigkeit

Antidemokratische Tätigkeit, die sich auf das Anschmieren von Hetzlosungen und Hakenkreuzen, Veränderungen von Losungen, sodass ein negativer Sinn entstand, und auf Beschädigung von Transparenten erstreckte, war in nachfolgenden Orten zu verzeichnen:

  • In Wittenberg, [Bezirk] Halle, und in Ottendorf-Okrilla, [Kreis] Dresden[-Land], wurden Hetzlosungen angeschmiert.

  • In Radeberg, [Kreis] Dresden[-Land], und Dresden wurden Losungen verändert, damit ein negativer Sinn entstand.

  • In Auerbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurde in 29 Fällen mit einem selbstgefertigten Stempel die Hetzparole »SED ist Mord« auf Bekanntmachungen an öffentlichen Anschlagtafeln sowie an Verkehrsschildern angebracht.

  • In Ilmenau, Langewiesener Straße,34 wurde ein Transparent beschädigt.

  • In der Privatfirma Handschuhfabrik Otto Uhle in Karl-Marx-Stadt erhielt der BGL-Vorsitzende einen Hetzzettel mit Morddrohung.

  • Hakenkreuze wurden in Freital, [Bezirk] Dresden, in den Schnee getreten, in Cunewalde,35 [Bezirk] Dresden, an die Anschlagtafel und in Leipzig und Arnstadt, [Bezirk] Erfurt, an verschiedenen Stellen angeschmiert.

Fingierte Anrufe

Am 22.2.1956 wurden verschiedene Grundschulen des Kreises Worbis von unbekannten Personen telefonisch aufgefordert, den Unterricht bis auf Widerruf einzustellen wegen Kohlenmangel. Der Anrufer gab sich als Angestellter der Abteilung Volksbildung beim Rat des Kreises Worbis aus. Eine Überprüfung ergab, dass eine solche Anweisung nicht gegeben wurde. Am 15.2.1956, gegen 3.00 Uhr, erfolgte von einer unbekannten Person in der HO-Gaststätte »Weintraube« in Camburg, [Bezirk] Gera, anlässlich einer Karnevalsfeier ein telefonischer Anruf mit folgendem Inhalt: »Die Leute sollen sofort alle nach Hause gehen, die einrückenden Manövertruppen der Russen würden überall die Wohnungen ausräumen.« Da dieser Anruf im Saal bekannt gegeben wurde, begab sich sofort ein großer Teil der Gäste nach Hause.

Es wurde bekannt, dass Personen aus dem Ort Crock, [Kreis] Hildburghausen, ca. 15 bis 20 Geschenkpakete von Westdeutschland erhielten. Es handelt sich hierbei um Personen, welche dieses Jahr Kinder zur Schuleinführung bringen.

»Sender Freies Berlin« brachte am 21.2.1956 folgende Meldung im Anschluss an die 8.00-Uhr-Nachrichten: »Schüler und Studenten aus der Sowjetzone werden in Zukunft Studienplätze im Bundesgebiet erhalten, ohne vorher ein Notaufnahmeverfahren durchlaufen zu müssen. Diese Regelung wurde auf einer Besprechung zwischen dem Berliner Senator für Volksbildung Dr. Tiburtius36 und Vertretern des Bundesinnen- und des Bundesvertriebenenministeriums festgelegt. Voraussetzung für diese Regelung ist die Bewilligung der hierfür erforderlichen Mittel durch den Bundestag.«37

UfJ brachte in der Hetzschrift »Informationsbrief« vom 8.2.1956 eine Mitteilung, dass Berufsausbildungszeugnisse der DDR in der Bundesrepublik anerkannt werden.38

Feindtätigkeit in der Industrie

  • Die Feindtätigkeit in der Industrie kam in der Berichtszeit wiederum im Anschmieren von Hetz- und faschistischen Losungen, in der Beschädigung von Bildern und Plakaten sowie durch Gerüchte und Hetze zum Ausdruck. Zu Schmierereien und Beschädigung von Bildern und Losungen kam es in folgenden VEB Betrieben:

    • Bw Görlitz;

    • Phänomen Werk II Zittau;39

    • Konsumlager Meißen;

    • KSW Pirna, [Bezirk] Dresden;

    • Stahlwerk Riesa;

    • Sachsenwerk Niedersedlitz, [Stadtteil von] Dresden;

    • Bayerischer Bahnhof Leipzig (gegen Wilhelm Pieck gerichtet);

    • Glashütte Torgau,40 [Bezirk] Leipzig;

    • Textildruckerei Frohburg, [Bezirk] Leipzig;

    • Güterabfertigung im Hbf. Leipzig;

    • Filmfabrik Wolfen, [Bezirk] Halle;

    • Dentaltechnik Potsdam (gegen Wilhelm Pieck gerichtet);

    • Bremsenwerk Limbach[-Oberfrohna], [Kreis] Karl-Marx-Stadt[-Land], (gegen Norm gerichtet);

    • Greizer Kammgarnspinnerei Langenwetzendorf,41 [Bezirk] Gera, (gegen Regierung gerichtet);

    • Porzellanfabrik IKA Sondershausen,42 [Bezirk] Erfurt;

    • IFA Zella-Mehlis, [Kreis] Suhl[-Land], (gegen Nachtschicht gerichtet).

  • Im VEB Personenkraftverkehr Potsdam-Babelsberg wurden am 26.2.1956 im Speiseraum von unbekannten Tätern zwölf Westillustrierte ausgelegt.

  • Im VEB Elektrokohle Berlin wurde heimlich eine Unterschriftensammlung zur Begnadigung eines wegen Mordes zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilten Arbeiters aus diesem Betrieb durchgeführt.

  • In Jena kursiert das Gerücht, dass republikflüchtige Jugendliche, welche in die DDR zu Besuch kommen, festgehalten werden und nicht mehr zurück dürfen.

Feindtätigkeit in der Landwirtschaft

Die Feindtätigkeit in der Landwirtschaft beschränkte sich in der Berichtszeit auf Anschmieren von faschistischen Losungen und in der Beschädigung von Bildern von Staatsfunktionären. Im Aufenthaltsraum des VEG Allstedt, [Kreis] Sangerhausen, [Bezirk] Halle, wurden von unbekannten Personen die Bilder des Genossen Wilhelm Pieck und des Genossen Otto Grotewohl heruntergerissen. In der LPG in Freckleben, [Kreis] Hettstedt,43 [Bezirk] Halle, wurden im Schweinestall Hakenkreuze angeschmiert. Ebenfalls wurden in der MTS Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, in der Toilette und an der Tafel im Kulturraum Hakenkreuze angeschmiert.

  1. Zum nächsten Dokument Übersicht über den Bezirk Magdeburg
    7. März 1956
    Übersicht über den Bezirk Magdeburg [Information Nr. M50/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Stimmung zum Artikel von Walter Ulbricht zum XX. Parteitag (3)
    6. März 1956
    Stimmung zur Veröffentlichung des Genossen Walter Ulbricht über den XX. Parteitag (1. Bericht) [Information Nr. M49/56]