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Stimmung zur Schaffung der NVA (9)

3. Februar 1956
Nationale Volksarmee (9. Bericht für die Zeit vom 1.2. bis 3.2.1956) [Information Nr. M32/56]

I. Gesamteinschätzung

Die Diskussionen über die Volksarmee haben unter allen Bevölkerungsschichten sehr stark nachgelassen und sind in der Mehrzahl, jetzt auch in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Suhl, positiv.1

Bei den negativen Stimmen stehen weiterhin unter Jugendlichen, Frauen und jetzt auch Angestellten, pazifistische und auf Unklarheiten beruhende Argumente im Vordergrund. Besonders stark wird jetzt die Frage diskutiert, warum nicht gleich die Wehrpflicht eingeführt wurde.2 Von Angestellten wird die Meinung vertreten, bei einem Angriff keine Gegenwehr zu leisten, dann würde die DDR zwar überrannt, es gäbe aber keinen großen Schaden. Weiterhin wurden aus allen Bevölkerungsschichten ausschließlich positive Stellungnahmen zur Prager Deklaration bekannt.3 Jedoch wird zu dieser Frage bisher nur von fortschrittlichen Personen Stellung genommen. Durchgeführte Betriebsabstimmungen, in der die Deklaration begrüßt wurde, verliefen ebenfalls ausschließlich positiv. Feindliche Äußerungen gegen die Volksarmee und Regierung traten in der Berichtszeit wieder stärker auf. Als Feindtätigkeit wurde wiederum Anschmieren von Hetzlosungen sowie Gerüchteverbreitung bekannt.

II. Hauptargumente

Aufgrund verstärkter Aufklärungsarbeit durch die Partei nehmen der Umfang positiver Stellungnahmen und die Erkenntnis der Notwendigkeit des Aufbaues der Volksarmee im stärkeren Maße zu. Im Zusammenhang damit wird besonders die Prager Deklaration der Teilnehmerstaaten begrüßt. Das Hauptargument dabei ist, dass man daran erkennen kann, dass sich die sozialistischen Staaten immer wieder für die Erhaltung des Friedens in Europa einsetzen und die Volksarmee infolge des Wettrüstens der Westmächte in Verbindung mit den Vereinten Streitkräften notwendig zur Verteidigung unseres Staates ist.

Bei den negativen Äußerungen tritt mehr die Frage in den Vordergrund, weshalb keine Wehrpflicht eingeführt wurde, was auf Unklarheiten zurückzuführen ist. Von Angestellten in der Industrie wird das Argument vertreten, bei einem Angriff die DDR überrennen zu lassen um Schäden größeren Ausmaßes zu »verhindern«. Von Jugendlichen und Frauen werden weiterhin die bereits bekannten Argumente angeführt. Es ist jedoch bei Frauen zu verzeichnen, dass sie der Prager Deklaration zustimmen und nur in der Frage der Volksarmee infolge großer Unklarheiten eine ablehnende Haltung einnehmen.

III. Charakteristische Beispiele

a) Industrie

In der Industrie wird bis auf die Frauen und Jugendlichen in allen Bezirken in der Mehrzahl jetzt positiv zur Volksarmee Stellung genommen. Für die Stimmung der Arbeiter und Jugendlichen in der Industrie sind weiterhin die schon bekannten positiven und negativen Argumente charakteristisch, wobei die negativen Argumente unter den Arbeitern hauptsächlich Unverständnis über die Uniformen zum Ausdruck bringen.4 Stärker wird auch die Frage »warum keine Wehrpflicht?« von Arbeitern und Jugendlichen gestellt. Charakteristisch dafür sind folgende Beispiele: Im Kreis Rudolstadt, [Bezirk] Gera, vertreten [sic!] der größte Teil der Arbeiter in der örtlichen Industrie die Meinung, »dass es sich notwendig machen wird, dass man die allgemeine Wehrpflicht einführt«. Im Bezirk Suhl vertritt ein Teil der Jugendlichen die Meinung, »im Augenblick hat es noch Zeit in die Volksarmee einzutreten, solange nicht die allgemeine Wehrpflicht eingeführt ist«.Diese oder ähnliche Meinungen treten in allen Bezirken auf. Bei den Stellungnahmen der Frauen in den Industriebetrieben kommt weiterhin Angst vor einem neuen Krieg und Angst um ihre Söhne und Männer zum Ausdruck.

Unter den Angestellten und der Intelligenz der Betriebe, die sich bisher sehr abwartend verhielten, wurden in der Berichtszeit in einigen Bezirken (Gera, Karl-Marx-Stadt, Dresden, Halle) sehr negative Stellungnahmen bekannt, indem die Kreise davon sprechen, die DDR im Falle eines Angriffs »überrennen« zu lassen. Charakteristisch dafür sind folgende Beispiele: Im VEB Jenapharm Jena, [Bezirk] Gera, brachten die Angestellten zum Ausdruck: »Wir brauchen keine Waffen. Sollten wir aber doch angegriffen werden und uns nicht verteidigen können, dann wird alles schnell vorübergehen und uns passiert nichts.« In dieser Meinung fanden sie bei einzelnen Arbeitern Unterstützung. Im VEB Esda Werk Auerbach,5 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, äußerte ein Werkmeister: »Wir brauchen keine Armee. Wenn uns jemand angreift und wir verteidigen uns nicht, dann kann uns auch der Angreifer nichts tun.«

b) Landwirtschaft

Die Stimmen in der Landwirtschaft zur Bildung einer Volksarmee haben sich im Inhalt nicht verändert. Es treten weiterhin dieselben Argumente auf. Über die Prager Deklaration der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages6 wird unter der Landbevölkerung sehr wenig diskutiert. Die bekannt gewordenen Diskussionen dazu sind alle positiv. Die Stimmen im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft zur Bildung einer Volksarmee sind weiterhin überwiegend positiv, haben jedoch in ihrem Umfang etwas nachgelassen. Von den Klein-, Mittel- und Großbauern sind in den letzten Tagen verstärkt Diskussionen bekannt geworden, die besonders unter den letztgenannten nur negativen Charakter tragen. Dabei treten immer wieder die alten bekannten Argumente auf, wie, bei der Bildung einer Volksarmee wird in der Landwirtschaft ein Arbeitskräftemangel eintreten u. a. Gleichzeitig sind noch große Unklarheiten vorhanden über den Charakter und die Aufgaben einer Volksarmee.

Charakteristisch für die negativen Diskussionen der Großbauern sind folgende Argumente:

  • Unter den Großbauern der Gemeinde Wusterhausen, [Kreis] Kyritz, [Bezirk] Potsdam, wird die Meinung vertreten, dass jetzt bald die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird. Sie sind der Meinung, dass dann alle Arbeiter vom Land abgezogen werden. Sinngemäß wird zum Ausdruck gebracht, »wenn sie so weitermachen, dann werden sie schon sehen, dass es so nicht geht, denn dann verhungern sie mitsamt ihrer Volksarmee«.

  • Ein Großbauer aus Falkenthal, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, sagte: »Jetzt haben wir die gleichen Zustände wie in Westdeutschland. In Westdeutschland schaffen sie eine Armee7 und bei uns auch. Es kommt nur noch darauf an, wer wird stärker sein, denn bis jetzt haben die Amerikaner noch keinen Krieg verloren.«

  • Ein Großbauer aus Levitzow, [Kreis] Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, sagte Folgendes: »Vor etlichen Jahren wurde von unserer Regierung gesagt, dass nie wieder ein Deutscher eine Waffe in die Hand nehmen wird. Doch wie sieht es jetzt bei uns aus? Man fängt jetzt wieder an, eine Volksarmee aufzustellen, das heißt, dass wir wieder Soldat spielen sollen.«

  • Ein Großbauer aus Berkow,8 [Kreis] Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, äußerte: »Jetzt bekommen wir Soldaten, aber Soldaten neuen Stils. Obwohl die Grotewohl-Regierung immer von einer Verständigung spricht, wollen sie doch jetzt Militär. Wahrscheinlich führen sie sich jetzt nicht mehr wohl in ihrer eigenen Haut.«

c) Übrige Bevölkerung

Unter der übrigen Bevölkerung halten weiterhin die Diskussionen zur Nationalen Volksarmee an, wobei in den letzten Tagen keine wesentliche Änderung eingetreten ist. Die aufgetauchten negativen Argumente sind bereits bekannt und sind die gleichen wie in der Industrie. Die Stellungnahmen aus den Oberschulen und Universitäten sowie aus den Kreisen der Ärzteschaft haben sich gegenüber den Vortagen nicht verändert.

Die Diskussionen in den bürgerlichen Parteien zur Aufstellung einer Volksarmee tragen zum überwiegenden Teil einen negativen Charakter. Besonders unter den Mitgliedern der CDU und LDPD sind die negativen und ablehnenden Stimmen stark verbreitet. So brachte z. B. der Kreisvorsitzende der CDU in Bitterfeld, [Bezirk] Halle, in einer Sekretariatssitzung zum Ausdruck, dass bei einer Volksarmee die Glaubensbekenntnisse berücksichtigt werden müssen und dementsprechend auch Pfarrer in die Volksarmee eingestellt werden müssten. Der Vorsitzende der CDU in Warnemünde, [Stadtteil von] Rostock, erklärte, »man muss doch endlich bekannt geben, wie stark die Armee sein soll und welche Jahrgänge zuerst eingezogen werden«.

Aus den Kreisen der LDPD-Mitglieder wird Folgendes bekannt: Die Mitglieder der Ortsgruppe der LDPD Viernau, [Kreis] Suhl[-Land], zusammengesetzt aus kleinen Handwerkern, beziehen keine klare Linie zur Schaffung einer Volksarmee. Sie vertreten überwiegend die Meinung, dass man jeden Militarismus ablehnen müsse. Sie sagten: »Was gilt schon unsere Stimme, wir haben doch nichts mehr zu sagen.« In der Vorbereitung der Jahreshauptversammlung der LDPD in Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, wird von den Mitgliedern allgemein die Meinung vertreten, dass sich an der Uniform seit dem Zweiten Weltkrieg nicht viel geändert habe. Ein Teil dieser Mitglieder lehnt die Bildung einer Volksarmee ab und meint, dass sie sich den Kampf um den Frieden anders vorstellen.

Die Diskussionen im staatlichen Handel sind zum überwiegenden Teil positiv. In den bekannt gewordenen negativen Stimmen kommen besonders Unklarheiten zum Ausdruck. So brachte z. B. der FDJ-Sekretär der HO-Lebensmittel in Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, zum Ausdruck, »die Folge der Bildung einer Volksarmee wird eine Steuererhöhung sein. Wo kommen die Waffen her? Wird es weniger Gebrauchsgüter geben?« Weitere Unklarheiten in der gleichen HO sind: »Die Bonner Armee wird aus dem Volke bezahlt, also von den Arbeitern. Von wem wird unsere Armee bezahlt?« Oder: »Jetzt haben wir wieder das Gleiche wie früher. Es sind die gleichen Uniformen. Dasselbe haben wir schon einmal vor 1945 mitgemacht.«

Besonders negative und ablehnende Diskussionen werden noch aus dem Großhandelskontor –Import Zossen, [Bezirk] Potsdam, und von den weiblichen Beschäftigten des HO-Kreisbetriebes Gransee,9 [Bezirk] Potsdam, bekannt, wobei die bereits bekannten Argumente zum Ausdruck gebracht werden.

d) Die Stimmung zur Prager Konferenz

Wie bereits erwähnt, findet die Deklaration der Prager Konferenz der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages Zustimmung unter fortschrittlichen Personen aller Bevölkerungsschichten. Dabei werden jedoch die Zustimmungserklärungen von unterschiedlichen Gesichtspunkten abgegeben. Negative Stellungnahmen wurden bisher nur vereinzelt von feindlichen Elementen bekannt. Charakteristisch im positiven Sinne sind folgende Beispiele:

  • Im VEB Maschinen- und Apparatebau Grimma, [Bezirk] Leipzig, äußerte ein parteiloser Schlosser: »Die Beschlüsse sind gut. Dadurch wird das Friedenslager auch Erfolge haben und durch die Vorschläge Otto Grotewohls wird die Einheit Deutschlands zustande kommen.10 Es ist notwendig, dass wir Streitkräfte haben, um unsere Erfolge zu schützen, dass wollen wir in keinem Fall dem Kapitalisten wieder ausliefern. Deshalb ist es richtig, dass wir uns mit dem Vertragspartner von Warschau verbinden und eine Verteidigungsgemeinschaft bilden.«

  • Im RAW Potsdam wurden vier Kurzversammlungen mit 500 Arbeitern, Angestellten und Angehörigen der Intelligenz durchgeführt, die 100%ig einer Resolution zu den Ergebnissen von Prag zustimmten. Ein Jugendlicher erklärte dazu: »Wir wollen nicht, dass man unseren Garten zertrampelt, deswegen ist auch die Festlegung in der Deklaration richtig, Maßnahmen zur Verteidigung zu errichten.«

  • Ein Kirchenältester aus Bethge,11 [Kreis] Jüterbog, [Bezirk] Potsdam, äußerte: »Den in der Prager Deklaration gemachten Vorschlägen über die Maßnahmen zur weiteren Minderung der internationalen Spannungen kann ich als Deutscher und gleichzeitig als Kirchenältester nur zustimmen. Gerade als Christen muss es unsere vordringlichste Aufgabe sein, daran mitzuarbeiten, dass der Frieden in der Welt erhalten bleibt.«

  • Ein Genossenschaftsbauer aus der LPG Gehren, [Bezirk] Suhl, erklärte: »Die 900 Millionen Menschen [sic!], die innerhalb des Warschauer Vertrages vereint unter einem einheitlichen Oberkommando stehen, sind eine unbezwingbare Kraft um [sic!] die Erhaltung des Friedens. Alle Versuche der Imperialisten, durch einen Krieg das sozialistische Lager zu vernichten, sind zum Scheitern verurteilt.«

Charakteristisch für die von feindlichen Elementen geführten negativen Diskussionen ist die Äußerung zweier Arbeiter im VEB Simson-Werk Suhl, Abteilung 6330: »Wir nehmen kein Gewehr in die Hand, um dann eventuell in einem Krieg in Korea oder Vietnam verbluten zu müssen, denn durch den Warschauer Vertrag müsse ein jeder demokratische Staat dem anderen helfen.«

Diese oder ähnliche Meinungen sind bisher sehr vereinzelt bekannt geworden.

VI. Forderung nach Volksabstimmung

Forderungen nach Volksabstimmung, von einzelnen Personen erhoben, wurden bekannt in folgenden Objekten: An der Oberschule Lübz, [Bezirk] Schwerin, unter Schülern im VEB Werkzeugfabrik Königsee, [Bezirk] Gera.

V. Objekte mit negativen Erscheinungen

Negative Erscheinungen bei Abstimmungen und Unterschriftenleistungen wurden in der Berichtszeit nur in folgenden Betrieben bekannt: VEB Feinmesswerk III Suhl, von 100 Anwesenden 20 bis 30 dafür, 10 bis 15 dagegen, der Rest enthielt sich der Stimme. VEB Mercedes Werk Simson Suhl12 von 40 Anwesenden gaben vier ihre Unterschrift.

VI. Republikflucht Jugendlicher

In der Zeit vom 29.1. bis 2.2.1956 wurden 153 Jugendliche von den Organen der Transportpolizei und der Grenzpolizei wegen Verdachtes der Republikflucht festgenommen. Das Durchschnittsalter der Jugendlichen beträgt 20 bis 25 Jahre.13

VII. Feindtätigkeit

Gegenüber den Vortagen zeigte sich in der Berichtszeit keine Verstärkung der Feindtätigkeit.

Anschmieren von Hetzlosungen u. a.

Im Zusammenhang mit der Schaffung der Volksarmee wurden Losungen, die sich gegen die Volksarmee und Regierung richten sowie solche mit ausgesprochenem faschistischen Inhalt in folgenden Betrieben angeschmiert.

  • Bahnhof Wutike, [Kreis] Kyritz, [Bezirk] Potsdam;

  • VEB Mifa Sangerhausen, [Bezirk] Halle;

  • VEB Edelstahlwerk Freital, [Bezirk] Dresden;

  • VEB Spiegelwerk Wilsdruff, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden;

  • VEB Waggonbau Bautzen, [Bezirk] Dresden;

  • VEB Stahlwerk Riesa, Abteilung Rohrwerk;

  • VEB Görlitzer Maschinenbau, Abteilung Gießerei;

  • VEB Walzengießerei Coswig, [Bezirk] Dresden.

In Pirna, [Bezirk] Dresden, wurden Hetzbriefe gegen die Volksarmee und den Aufbau der DDR in die Briefkästen geworfen. In Dresden wurden zwei Hetzschriften, die sich gegen die Volksarmee richten, gefunden. Im VEB Sprengstoffwerk Gnaschwitz, [Kreis] Bautzen, wurde die Erdleitung der Alarmanlage an einer Stelle unterbrochen. Der Kupferdraht wurde mit einem harten Gegenstand durchgeschlagen.

Hetze

  • In der HO-Gaststätte »Haus Uckermark«, Frankfurt/O., hetzte eine unbekannte männliche Person die als Gäste anwesenden KVP-Angehörigen auf, ihre Uniformen jetzt schon auszuziehen, zur Volksarmee würde sowieso niemand gehen.

  • Im Schacht 51 der Wismut in Johanngeorgenstadt hetzte ein Hauer, dass man in der DDR nicht so reden könne wie man möchte, sonst würde man gleich eingesperrt, worauf ein Lokschlosser äußerte: »Ja, es ist eine Schande, dass uns die Russen beherrschen, man predigt von einer sogenannten Unfreiheit im Westen, was ist aber bei uns? In allem sind wir den Russen unterstellt.«

  • Im Schacht 235 Johanngeorgenstadt hetzte ein Geophysiker: »Der Arbeiter wird immer wieder den Dummen machen. Hier gibt man den Jugendlichen keine Lehr- bzw. Arbeitsstellen mehr, damit sie gezwungen sind, in die Volksarmee einzutreten.«

  • Ein Bergarbeiter vom Schacht 66 Aue hetzte: »Die Regierung müsste man aufgrund der Schaffung der Volksarmee absetzen.«

  • Im Kombinat 277 der Wismut in Auerbach hetzte ein Schießer, »dass das Gesetz zur Schaffung der Volksarmee bereits vor der Volkskammertagung eine beschlossene Sache war und wenn schon Mitglieder der Volkskammer dagegen waren, durften diese ihre Meinung nicht sagen«.

  • Im BKW14 Pfännerhall Merseburg hetzt ein Arbeiter gegen Jugendliche, die sich zur Volksarmee melden, indem er sie als »Kriegsverbrecher« bezeichnet.

  • In der Privatfirma Alt in Halle hetzt ein Arbeiter [in der Form],15 dass er sagt, »dass ist doch kein Arbeiter- und Bauernstaat. Die ganze Regierung müsste man zum Teufel jagen und stürzen. Hier ist doch keine freie Demokratie mehr. Es ist ja schlimmer als bei der Gestapo. Mit einem Bein steht man immer im Zuchthaus. Alle die von der Staatssicherheit müsste man aufhängen.«

  • In der LPG Klein Wüstenfelde, [Kreis] Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, hetzt der Buchhalter gegen die Regierung, indem er erklärt: »Unsere Regierung besteht aus Russen. Walter Ulbricht, Otto Grotewohl und Wilhelm Pieck sind Russen. Wir haben unsere Regierung nicht gewählt, sondern der Russe hat sie eingesetzt. Unsere Regierung muss jetzt nach der Nase des Russen tanzen.«

  • Von Angestellten im VEB Zeiss Jena wird die Ansicht geäußert, »dass die nächste Maßnahme unserer Regierung sein würde, die Kinder in Internaten zu erziehen, um sie dem Einfluss des Elternhauses zu entziehen mit dem Ziel, dass proletarische Bewusstsein zu stärken. Die angestrebte polytechnische Erziehung sei der Anfang dazu. In der Sowjetunion wäre es ja auch so, dass die Kinder teilweise in Internaten erzogen werden und Uniformen tragen würden.«

Gerüchte

  • In Höckendorf, [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, kursiert das Gerücht, dass Jugendliche unter 24 Jahren keine Genehmigung für eine Reise nach Westdeutschland erhalten.

  • Im VEB Fleischwarenfabrik Eisenberg, [Bezirk] Gera, wurde das Gerücht aufgebracht, dass die Finanzierung der Volksarmee durch einen vierprozentigen Lohnabzug erfolgen soll.

  • In den Grenzgemeinden des Kreises Lobenstein, [Bezirk] Gera, kursiert das Gerücht, dass mit der Schaffung der Volksarmee die Bauern aus diesen Dörfern ausgesiedelt und nach Mecklenburg gebracht würden.

  1. Zum nächsten Dokument Verdacht der Republikflucht bei Jugendlichen (8)
    3. Februar 1956
    Verdacht der Republikflucht bei Jugendlichen (29.1.–2.2.1956) [Information Nr. M33/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Verdacht der Republikflucht bei Jugendlichen (7)
    31. Januar 1956
    Verdacht der Republikflucht bei Jugendlichen (24.–29.1.1956) [Information Nr. M31/56]