Direkt zum Seiteninhalt springen

Stimmung zur Schaffung der NVA (13)

27. März 1956
Nationale Volksarmee (13. Bericht für die Zeit vom 2.3. bis 27.3.1956) [Information Nr. M73/56]

In der Berichtszeit wurden Diskussionen zur Nationalen Volksarmee besonders noch aus den Bezirken Frankfurt/O., Neubrandenburg und Suhl bekannt,1 wo sie im Zusammenhang mit der Auswertung des XX. Parteitages2 noch einen beträchtlichen Raum einnehmen. Der größte Teil der Diskussionen ist positiv. Trotzdem werden immer noch, auf Unklarheiten zurückzuführen, negative Diskussionen geführt, die sich jedoch in der Mehrzahl in ihrem Inhalt nicht geändert haben. Vereinzelt wurden wieder Argumente bekannt, die zu beachten sind. Im Kreis Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/O., vertreten große Teile der Bauern die Meinung, »dass durch die Aufstellung einer Volksarmee Maßnahmen getroffen werden müssen, dass die Feldarbeiten in den LPG gewährleistet sind«.

Ebenfalls stark diskutieren noch Zivilangestellte des KVP-Objektes Gorgast, [Kreis] Seelow, [Bezirk] Frankfurt/O. Ein Zivilangestellter brachte zum Ausdruck: »In Westdeutschland wird ebenfalls eine Armee aufgebaut.3 In der DDR wird deshalb so viel Geschrei über den Militarismus gemacht und es ist doch überall dasselbe. Mit der Überlegenheit des Weltfriedenslagers ist es auch nicht so wild, denn die ehemaligen deutschen Truppen haben im letzten Krieg gezeigt, was ein deutscher Soldat ist.«

Im Zusammenhang mit der Annahme des Soldatengesetzes im Bonner Bundestag4 wird besonders unter den Frauen des Kreises Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, von der Einführung der Wehrpflicht in der DDR gesprochen.5 Eine Hausfrau aus Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, erklärte: »Immer wenn drüben eine politische Maßnahme durchgeführt wurde, wurde kurze Zeit darauf bei uns die gleiche Maßnahme durchgeführt.«

Objekte mit negativen Erscheinungen

Im RAW Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/O., stimmten von 30 Anwesenden nur zwölf der Volksarmee zu. In der 13. Kompanie der Transportpolizei in Wildpark[-West], [Kreis] Potsdam[-Land], verbreitete ein Oberwachtmeister das Gerücht, dass alle Polizisten im Alter bis zu 21 Jahren zur Volksarmee gehen müssen und durch ältere Genossen aus der KVP ersetzt werden. Dadurch entstand eine schlechte Stimmung zur Volksarmee unter den Polizisten.

Feindtätigkeit

In der Zeche A des Objektes 101 der Wismut in Zwickau wurden von einer Wandzeitung Bilder entfernt, auf denen die neuen Uniformen der Volksarmee abgebildet waren. Am 6.3.1956 wurde im »Karl-Liebknecht«-Werk Oelsnitz,6 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, ein Hunt7 mit Hetzlosung »Wir brauchen Butter, Schokolade und Kaffee – aber keine Armee« beschriftet.

  1. Zum nächsten Dokument Stimmung zur III. Parteikonferenz der SED (6)
    28. März 1956
    III. Parteikonferenz der SED (6. Bericht) [Information Nr. M74/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Stimmung zur III. Parteikonferenz der SED (5)
    27. März 1956
    III. Parteikonferenz der SED (5. Bericht) [Information Nr. M72/56]