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Zweiwochenbericht

7. September 1956
Informationsdienst Nr. 17 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Politische Diskussionen

Die Beschäftigten in Industrie und Landwirtschaft sowie die übrige Bevölkerung befassten sich in den politischen Diskussionen während der Berichtszeit vorwiegend mit folgenden Problemen: 28. Plenum des ZK der SED,1 Verbot der KPD,2 Verstaatlichung des Sues-Kanals3 und 15. Plenartagung der Volkskammer.4 Über die zwei erstgenannten Probleme erfolgen gesonderte Informationen.5

Die Diskussionen über die Verstaatlichung des Sues-Kanals sind in ihrer Mehrheit auch weiterhin positiv. In diesen Diskussionen wird immer wieder die vorbehaltlose Unterstützung der Maßnahmen der Ägyptischen Regierung zum Ausdruck gebracht und betont, dass auch die Londoner Konferenz daran nichts ändern kann.6 Besonders verurteilt werden darin auch die militärischen Drohungen und Maßnahmen der Westmächte gegenüber Ägypten.

Die vereinzelt bekannt gewordenen, auf Unklarheiten beruhenden Diskussionen lassen auch weiter erkennen, dass sich diese Personen nicht mit dieser Frage beschäftigt haben und dadurch solchen Argumenten des Gegners wie »England und Frankreich sind die Erbauer«, »Nasser7 handelt wie Hitler« und ähnlichen unterliegen. Neu in Erscheinung trat ein Argument, was besonders unter Umsiedlern in dem VEB Maxhütte Unterwellenborn, [Bezirk] Gera, bekannt wurde und zum Inhalt hat: »Ägypten den Ägyptern und Schlesien den Deutschen«.

Die Diskussionen zur 15. Tagung der Volkskammer der DDR sind – betrachtet man die politische Bedeutung dieser Tagung – im Verhältnis zu anderen Ereignissen noch sehr gering. Bisher wurden nur vereinzelte Diskussionen darüber aus Kreisen der technischen Intelligenz bekannt. Aus diesen Diskussionen ist jedoch ersichtlich, dass die Angehörigen der Intelligenz besonders beeindruckt sind von dem erneut bekräftigten Friedenswillen der Regierung der DDR. Charakteristisch dafür ist folgende Meinung eines Ingenieurs aus dem Ernst-Thälmann-Werk Suhl, der erklärte: »Die Ausführungen von Lothar Bolz8 und Wilhelmine Schirmer-Pröscher9 haben unter der Intelligenz großen Anklang gefunden. Besonders, dass der feste Friedenswille der DDR nochmals unterstrichen wurde. Wir sind nicht gewillt, einen weiteren Krieg mitzumachen. In den Ausführungen der Abgeordneten Schirmer-Pröscher sprach besonders ihre Diskussion über das Leid, das die Frauen im letzten Weltkrieg ertragen mussten, an. Auch die Form der Zerschlagung der Hetze gegen die DDR, wie sie von der Abgeordneten Schirmer-Pröscher erfolgte, fand bei allen Kollegen der technischen Intelligenz Anerkennung.«

Ökonomische Probleme

In dieser Berichtsperiode wurden wiederum in starkem Maße Materialschwierigkeiten aus den Industriebetrieben bekannt. Besonders in Erscheinung traten diese Schwierigkeiten in der Metall verarbeitenden Industrie sowie der Textilindustrie. Neben der Tatsache, der Nichterfüllung von Export- oder Lieferverpflichtungen ist in den betroffenen Betrieben festzustellen, dass Unzufriedenheit und Missstimmung unter den Beschäftigten besteht. Ursache und Anlass dazu sind einmal die eingetretenen Lohnschmälerungen infolge unproduktiver Arbeit und Wartestunden, zum anderen aber auch die Tatsache, dass ein großer Teil dieser Betriebe keine Prämien am Quartalsende zahlen kann, da der Plan nicht eingehalten bzw. erfüllt wird.

Für die bestehenden Schwierigkeiten einige Beispiele aus der Metallindustrie:

  • Dem VEB »7. Oktober« in Magdeburg wurden seitens des Ministeriums 250 t Walzmaterial aus dem III. Quartal gestrichen und in das IV. Quartal verlegt. Ähnliche Schwierigkeiten sind bei Elektromaterialien, Elektromotoren, Kugellagern, Schmiedestücken und Stahlguss vorhanden. Von 21 auftragsgemäß gebundenen Bohrtürmen können nur zehn gefertigt werden. Unter diesen Umständen werden ab Mitte September 1956 Arbeitskräfte frei, die eventuell in die Landwirtschaft oder anderen Industriezweigen untergebracht werden müssen. Aufgrund dessen werden dem Direktorfonds keine 4 % zugeführt werden können.10 Die Meister, die unterrichtet wurden, sind darüber unzufrieden.

  • Der VEB KEMA Görlitz, [Bezirk] Dresden, kann durch Fehlen von Stahlguss neun Gegenstromschnellmischer nicht an die SU termingerecht zum 15.9.1956 ausliefern, sondern erst Ende September.

  • Dem VEB Luft- und Wärmetechnik Görlitz, [Bezirk] Dresden, fehlen gegenwärtig monatlich 60 t Walzerzeugnisse. Falls nicht umgehend Materialkontingente eingehen, muss ab 15.11.1956 die gesamte Belegschaft auf Wartezeit gestellt werden. Außerdem fehlen dem Betrieb noch 4,5 t Stahl KP 8–16 und 17 t grober Stabstahl für einen Auftrag mit Dringlichkeitsschreiben des Ministerpräsidenten Grotewohl.

  • Weitere größere Materialschwierigkeiten wurden aus folgenden VE-Betrieben (Metall verarbeitenden Betrieben) bekannt:

    • Turbowerk Meißen, [Bezirk] Dresden,

    • Waggonbau Görlitz, [Bezirk] Dresden,

    • Fortschritt Sebnitz, [Bezirk] Dresden,

    • Rostbeschicker- und Förderanlagenbau Bautzen, [Bezirk] Dresden,

    • Knopf- und Metallwarenfabrik Berggießhübel, [Kreis] Pirna, [Bezirk] Dresden,

    • Maschinenbau Görlitz, [Bezirk] Dresden,

    • Karl-Marx-Werk Magdeburg,11

    • Metallwarenwerk Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg,

    • Schwerarmaturenwerk »Erich Weinert« Magdeburg,

    • Stern-Radio Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg,

    • Elektromotorenwerk Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg,

    • Schiffswerft »Edgar André« Magdeburg,

    • Gaselan Fürstenwalde, [Bezirk] Frankfurt/O.,

    • Motorradwerk Zschopau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt,

    • Glühlampenwerk Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt,

    • Groma Markersdorf, [Kreis] Karl-Marx-Stadt[-Land],

    • Drahtziehmaschinenwerk Grüna, [Kreis] Karl-Marx-Stadt[-Land],

    • Eisenhüttenwerk Thale, [Kreis] Quedlinburg, [Bezirk] Halle,

    • Fahrzeugbau Aschersleben, [Bezirk] Halle,

    • Elmo Dessau, [Bezirk] Halle,

    • RAW Potsdam,

    • Bohrmaschinen-und Hebezeugbau ABUS Saalfeld,12 [Bezirk] Gera.

Für die Lage in der Textil- und Baumwollindustrie folgende Beispiele:

  • Dem VEB Damino Löbau,13 [Bezirk] Dresden, fehlen ca. 50 000 t Garn. Wenn nicht bald Lieferungen eintreffen, muss der Betrieb ab Mitte September mit Kurzarbeit beginnen oder die Arbeiter in unbezahlten Urlaub schicken.

  • Das Textilwerk Fürstenwalde, [Bezirk] Frankfurt/O., hat Schwierigkeiten mit Wolle. Durch die DHZ und DIA wurde dem Betrieb grobe Wolle abgezogen, die gegen feine Wolle in Westdeutschland eingetauscht werden sollte. Bisher ist jedoch noch keine feine Wolle eingetroffen.

  • Ähnlich sind die Schwierigkeiten in folgenden VE-Betrieben dieses Industriezweiges:

    • Baumwollspinnerei Löbau, [Bezirk] Dresden,

    • Baumwollspinnerei Tannenberg, [Kreis] Annaberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt,

    • Baumwolle Weniger Adorf,14 [Kreis] Oelsnitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt.

Aus einigen Betrieben der verschiedensten Industriezweige wurden Schwierigkeiten in der Planerfüllung durch schlechte Qualität des Materials bekannt. Besonders handelt es sich dabei um Material aus Zulieferbetrieben, was nicht verwendet werden kann bzw. größerer Nacharbeiten bedarf. Dazu folgende Beispiele:

Der VEB Bekleidungswerk Neugersdorf, [Kreis] Löbau, [Bezirk] Dresden, erhielt vom Elektromotorenwerk Grünhain, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, Elektromotoren für Nähmaschinen. Diese Motoren sind von sehr schlechter Qualität. Die Kupplungsauslösungshebel sind bei ca. 10 % der Motoren gebrochen, was auf schlechten Guss zurückzuführen ist. Bei einem weiteren Teil der Motoren sind die Sitze der Kupplungsscheiben bereits nach einigen Monaten abgenutzt. Die Kugellager sind teilweise so schlecht gefettet, dass nach einigen Wochen Laufzeit die Lager ausgelaufen sind. Die Reklamationen wurden vom Herstellerbetrieb zur Kenntnis genommen, Ersatzteile gegen neuerliche Bezahlung geliefert, jedoch hat sich die Qualität nicht gebessert. Ähnliche Schwierigkeiten entstehen den VE-Betrieben:

  • Nähmaschinenwerk Wittenberge, [Bezirk] Schwerin, bei Furnierholz aus dem Furnierwerk Leipzig,

  • Mitropa-Werkstatt Gotha, [Bezirk] Erfurt, bei Spannfederbolzen für die Speisewagen,

  • Glühlampenwerk Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, durch eine aus Ungarn gelieferte Maschinengruppe.

In starkem Maße eingehende Reklamationen infolge schlechter Qualität wurden bekannt, aus dem VEB Edelstahlwerk Freital, [Bezirk] Dresden, und dem Braunkohlenwerk Zeitz, [Bezirk] Halle.

Eine weitere Ursache für Unzufriedenheit unter den Beschäftigten in einer Anzahl verschiedenartiger Betriebe sind die bestehenden Absatzschwierigkeiten. Dadurch sind die Betriebe gezwungen, Umbesetzungen von Arbeitskräften vorzunehmen und zum Teil auch Entlassungen auszusprechen. Dafür folgende Beispiele: Dem VEB Hutfabrik Luckenwalde, [Bezirk] Potsdam, ist der Produktionsplan gekürzt worden, weil in den Großhandelskontoren so viel Bestände an Hüten lagern, dass ein geregelter Absatz nicht mehr gewährleistet ist. Aufgrund dessen müssen Ende des Jahres ca. 50 Arbeiter entlassen werden. Die VEB Vereinigte Hutwerke Guben, [Bezirk] Cottbus, müssen aus diesem Grunde 120 bis 150 – vorwiegend weibliche Arbeitskräfte – entlassen. Diese weigern sich, die zugewiesenen Arbeitsstellen in Fürstenwalde und im Kombinat »Schwarze Pumpe« anzunehmen. Absatzschwierigkeiten sind außerdem noch in folgenden VE-Betrieben bekannt geworden:

  • DKK Scharfenstein, [Kreis] Zschopau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: 2 800 Stück Gewerbekühlschränke;

  • »3 Tannen« Thalheim,15 [Kreis] Stollberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: für 2 Mio. DM Perlonstrümpfe,

  • Esda Auerbach,16 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: für 3 Mio. DM Ware;

  • Belca Dresden: Kameras;

  • Ölwerke Wittenberge, [Bezirk] Schwerin: Raffinade;

  • Leunawerke »Walter Ulbricht«: 150 t Hirschhornsalz.

Produktionsstörungen in der Zeit vom 21.8. bis 6.9.1956

  • Durch Ausfall von Baggern, Maschinen, Zugzusammenstöße und Entgleisungen von Abraumwagen entstanden in den Braunkohlenrevieren Altenburg und Borna, [Bezirk] Leipzig, sowie Halle folgende Ausfälle: 71 410 cbm Abraum, 4 465 t Rohkohle. Der finanzielle Schaden an Geräten, Maschinen und Produktionsausfall beträgt insgesamt 165 980 DM. Die größten Störungen, Schäden und Ausfälle wurden aus dem BKW Regis, Borna und Espenhain, [Bezirk] Leipzig, Pirkau,17 Pfännerhall, Golpa und Ammendorf, [Bezirk] Halle, bekannt.

  • Am 20.8.1956 ereignete sich im Walzwerk »Wilhelm Florin« Hennigsdorf,18 [Bezirk] Potsdam, am Elektroofen II ein Ofendurchbruch, wodurch ca. 3 t flüssiger Stahl in die Schlackengrube gelaufen ist. Gleichfalls wurde das Getriebe beschädigt. Der Produktionsausfall betrug 20 Stunden. Der Schaden beträgt 6 000 DM.

  • Am 30.8.1956 kam es im Sächsischen Kunstseidenwerk Pirna, [Bezirk] Dresden, zu Betriebsstillstand im Kupferseidenbetrieb, Viskose-Cord-Betrieb und Maschinenhaus Werk II, da bei der Parallelschaltung mit dem Landesnetz die Turbinen EKM und BBC ausfielen. Der Produktionsausfall beläuft sich auf 100 000 DM.

  • Am 26.8.1956 fiel im VEB Bandagenwalzwerk Gröditz,19 [Kreis] Görlitz,20 [Bezirk] Dresden, die 2 000-t-Presse aus, da das Füllventil abriss und den Zylinder zerschlug. Das Ventil war von innen heraus rissig. Die Reparatur nimmt ca. 14 Tage in Anspruch. Die Produktion sinkt durch den Ausfall täglich um ca. 250 Bandagen.

  • Am 22.8.1956 löste der Trafo des Siliziumbetriebes im VEB Stickstoffwerk Piesteritz, [Ortsteil von] Wittenberg, [Bezirk] Halle, selbsttätig aus, wobei eine Gebäudewand des Traforaumes einstürzte. Der Produktionsausfall beträgt 13 000 kg Siliziumcarbid, 19 500 DM. Der Materialschaden beläuft sich auf 17 000 DM.

  • Am 4.9.1956 musste die Brikettfabrik Völpke, [Kreis] Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg, die Produktion einstellen, da die unterschiedliche Qualität der angelieferten Kohle eine sofortige Verarbeitung nicht ermöglichte. Die Dauer und Höhe des Produktionsausfalles ist noch nicht bekannt.

  • Am 20.8.1956 fiel im VEB Fahlberg-List Magdeburg, Abteilung Schwefelsäure, für mehrere Stunden der mechanische Ofen durch Getriebeschaden aus. Das Ersatzgetriebe war in der Schlosserei nicht rechtzeitig repariert worden. Der Ausfall beträgt 100 t Schwefelsäure.

  • Am 29.8.1956 musste im VEB Kaliwerk »Karl Liebknecht« Bleicherode,21 [Kreis] Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, im Schacht I die Förderung eingestellt werden, da an der Fördermaschine die Kolbenringe defekt waren. Der Produktionsausfall beträgt dadurch ca. 1 400 t Kali.

  • Am 30.8.1956 ereignete sich im Braunkohlenkombinat »Otto Grotewohl« Böhlen, [Bezirk] Leipzig, im Vorheizer der Benzinkammer VII eine Verpuffung, die vermutlich auf einen Rohrreißer zurückzuführen ist. Der Produktionsausfall wird voraussichtlich für zwei Wochen täglich 90 t Benzin betragen. Der Materialschaden beläuft sich auf ca. 100 000 DM.

  • Am 4.9.1956 wurde im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt, [Bezirk] Frankfurt/O., das Förderband 19 a durch eine Verschleißplatte, die sich gelöst hatte, 150 m aufgerissen. Der Schaden beträgt 20 000 DM.

Brände entstanden

  • Am 21.8.1956 in der Großgarage Blüherstraße Dresden A 1 durch Explosion einer Treibgasflasche und [eines] Treibstofftankes eines Lkw Ford 8. Der Schaden an Gebäude und Fahrzeugen beträgt insgesamt 31 000 DM.

  • Am 28.8.1956 im Privatbetrieb Mattick, Pulsnitz,22 [Kreis] Bischofswerda, [Bezirk] Dresden, aus unbekannter Ursache in einer Holzbaracke, in der die Schmiede und das Materiallager untergebracht waren. Der Schaden beträgt 15 000 DM.

  • Am 22.8.1956 durch Selbstentzündung im Kohlenbunker des VEB Thüringer Teppichwerke Münchenbernsdorf, [Bezirk] Gera. Schaden 400 DM.

  • Am 3.9.1956 durch Explosion einer Hochdruckleitung im Hydrierwerk Rodleben, [Kreis] Roßlau, [Bezirk] Halle. Der Materialschaden beträgt 15 000 DM, der Produktionsausfall 150 000 bis 250 000 DM.

  • Am 22.8.1956 durch unsachgemäßes Lagern von Brennholz im Magazinraum ein Dachstuhlbrand in den Solvay-Werken Westeregeln, [Kreis] Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg. Schaden 27 000 DM.

  • Am 22.8.1956 aus unbekannter Ursache in einem Gerätewagen der Straßenmeisterei Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg. Schaden 300 DM.

  • Am 20.8.1956 durch vermutliche Brandstiftung im Lagerschuppen eines Dachdeckermeisters in Falkensee, [Kreis] Nauen, [Bezirk] Potsdam. Schaden ca. 3 000 DM.

  • Am 31.8.1956 in dem Privatbetrieb Hoppensack, Berlin O 3423 aus unbekannter Ursache. Höhe des Schadens noch unbekannt.

  • Am 4.9.1956 aus unbekannter Ursache im Lagerschuppen des VEB Berlin-Chemie Berlin-Adlershof. Es verbrannten der Lagerschuppen mit ca. 100 000 l Benzin, Benzol und Äther. Der Schaden ist noch unbekannt.

Versorgung der Bevölkerung

Die Versorgung der Bevölkerung mit HO-Butter und z. T. auch HO-Margarine ist noch immer nicht gewährleistet. So sind z. B. im Bezirk Leipzig die Kreise Grimma und Torgau Schwerpunkte. Hier erhalten die Verkaufsstellen nur einmal in der Woche Ware. Deswegen kam es in den letzten Tagen in den Kreisen des Bezirkes wieder zu Schlangenbildungen. Dabei wurden in der Spätverkaufsstelle der HO Grimma am 22.8.1956 von den Hausfrauen heftige Diskussionen geführt. Diese Verkaufsstelle hatte Butter am Lager, die sie aber erst auslieferten als die Frauen äußerten, »wir haben acht Stunden gearbeitet und wenn ihr jetzt nicht endlich die Butter ausliefert, dann schmeißen wir Euch den Laden um.« Die mangelhafte Butterversorgung verursacht unter der Bevölkerung heftige Diskussionen. So wird z. B. von den Arbeitern im VEB Steingut Torgau zum Ausdruck gebracht, dass es ein untragbarer Zustand sei, wenn in der Verkaufsstelle des Betriebes nur einige Stück Butter zum Verkauf angeboten werden. Einige Arbeiter erschienen mit trockenem Brot zur Arbeit. Bei einer Berichterstattung an die Ortsparteileitung Seifhennersdorf, [Kreis] Zittau, [Bezirk] Dresden, wurde zum Ausdruck gebracht, dass bei Anlieferung von HO-Butter in den Betrieben eine Art Alarmsystem besteht. Wenn bekannt wird, dass Butter angeliefert wird, verlassen die Arbeiter und Angestellten ihren Arbeitsplatz, um sich nach Butter anzustellen.

Im VEB RFT Kondensatorenwerk Gera wurden laut Anweisung der Abteilung Handel und Versorgung beim Rat der Stadt Gera für die Beschäftigungsgruppen der Löter, Imprägnierer sowie Galvaniseure die Lebensmittelkarten zurückgestuft.24 Auf Befragen beim Rat des Bezirkes wurde von der verantwortlichen Kollegin geantwortet, dass diese Maßnahme als Folge der Butterknappheit anzusehen wäre und man in den Betrieben mit den Arbeitern beharrlich darüber diskutieren solle. Aufgrund dieser Maßnahme wird in diesem Betrieb wie folgt diskutiert: »Wenn man jetzt schon gezwungen ist, Rückstufungen in den Kartengruppen vorzunehmen, unter welchen Bedingungen will man da im nächsten Jahr die Lebensmittelkarten abschaffen?«25

Auf einer Mitgliederversammlung der NDPD in Penkun, [Kreis] Pasewalk, [Bezirk] Neubrandenburg, am 15.8.1956 wurden heftige Diskussionen über die schlechte Versorgung in Penkun geführt. Es wurde zum Ausdruck gebracht, dass kein einziger Bürger mehr zu irgendeiner Versammlung geht, wenn keine vernünftige Warenbelieferung erfolge. Trotzdem der Bevölkerung wiederholt Versprechungen gemacht wurden, die Versorgung in Penkun zu verbessern, hat sich bis heute nichts geändert.

Aus den Bezirken Rostock, Magdeburg, Schwerin und Neubrandenburg wird berichtet, dass es noch immer Diskussionen über die Importbutter gibt. Es wird vor allem darüber geklagt, dass die Butter ranzig verkauft würde.

Der Mangel an HO-Zucker besteht noch immer und es kommt weiterhin vor allem unter der Landbevölkerung darüber zu heftigen Diskussionen. So kam es z. B. in Schlotheim, [Bezirk] Erfurt, deshalb vor den HO-Geschäften zu erheblichen Schlangenbildungen. Bereits zwei Stunden vor Geschäftsöffnung standen die Frauen an, um HO-Zucker zu erhalten. Dabei kam es zu unliebsamen Zwischenfällen und zu Schlägereien.

Über die Obst- und Gemüseversorgung gibt es unter der Bevölkerung weiterhin Klagen. Es wird vor allem darüber diskutiert, dass das Angebot ungenügend ist und keinesfalls dem Bedarf entspricht. So kam es z. B. in der KG-Verkaufsstelle in Weßnitz,26 [Kreis] Großenhain, bei der Auslieferung von einigen Stiegen Tomaten zu Ausschreitungen unter den Hausfrauen. Die im Geschäft anwesenden Männer entfernten die um sich schlagenden Frauen aus dem Laden.

Warenverderb

  • In der Abdeckerei Lenz Großenhain, [Bezirk] Dresden, wurden vom Konsum und VEAB folgende Mengen abgeliefert:

    • 27.7.1956: VEAB Riesa, Eierstelle – 1 830 Eier,

    • 31.7.1956: Schlachthof Riesa – 9 Kisten Fisch,

    • 19.7.1956: Konsum Riesa – 150 kg Fisch,

    • 7.7.1956: VEAB Großenhain, Eierstelle – 850 Eier,

    • 3.8.1956: Konsum Hoyerswerda – 1 204 kg Räucherfisch,

    • 13.8.1956: [Vorname Name 1], Weißkallen – 77 kg Fleisch,

    • 13.8.1956: [Name 2], Hoyerswerda – 21 kg Fleisch,

    • 13.8.1956: Konsum Hoyerswerda – 6 kg Fleisch,

    • 13.8.1956: [Vorname Name 3], Wiednitz – 14 kg Fleisch,

    • 13.8.1956: DHZ Bärnsdorf – 6 Büchsen Wurst.

  • Das gesamte Sortiment des VEB (K) Koba Dresden weist seit einiger Zeit einen Qualitätsrückgang auf. In der Dauerbackware sind bereits größere Rücklieferungen aufgetreten und zwar an: englischem Kuchen (Schimmelbildung) 3 146,4 kg, Diplomatenmischung (seifig) 197 kg, Baumkuchenspitzen (Schimmelbildung auf der Schokolade) 86 kg. Des Weiteren sind große Rücklieferungen an Nusswaben und Haselnüssen aufgetreten.

  • Im Bezirk Dresden ist im Monat Juli 1956 für 30 000 DM besonders geräucherter Stückfisch verdorben. Diese Verluste wurden bisher zulasten des Handels aufgrund der Verordnung vom 5.8.1956 (Wertminderung)27 abgewälzt.

  • Am 29.6.1956 gingen aus Westdeutschland über die DIA Berlin für die Staatsreserve Außenstelle Dresden IV – fünf Waggon, Gewicht 85 t – Schmalz in Eisenfässern ein. Die Annahme des Schmalzes für die Einlagerung wurde vom Leiter der Staatsreserve sofort beanstandet und abgelehnt, weil das Schmalz für die Lagerung nicht geeignet war. Die Untersuchung bei der Veterinärhygiene ergab, dass das Schmalz innerhalb von vier Wochen an die Verbraucher gelangen muss, anderenfalls besteht die Gefahr des Verderbes. Diese Angelegenheit wurde sofort dem Staatssekretär für Staatsreserve und der DIA Nahrung mitgeteilt und ein sofortiger Abzug des Schmalzes gefordert. Trotz mehrmaliger Aufforderung liegt das Schmalz am 29.8.1956 noch in der Staatsreserve Außenstelle IV in Dresden. Eine erneute Untersuchung am 25.8.1956 ergab, dass von den 85 t bereits 30 % nicht mehr zu genießen sind. Dieses Schmalz muss sofort abgezogen werden, da die Gefahr besteht, dass das Schmalz der Sorte I, was in demselben Raume lagert, ebenfalls dem Verderb ausgesetzt ist.

Warenstau

Im Lager der KG Bautzen, [Bezirk] Dresden, sind große Bestände an Aluminium und Emaille-Waren, aber nicht in den gewünschten Sortimenten. Vor allem fehlt es an Deckeln, Rundfunkgeräten, vor allem Musikschränke sind große Mengen am Lager, sodass bereits der Zugang zum Lager verbaut ist. Öfen und Herde sind ebenfalls in großen Mengen vorhanden, diese sind bereits in Räumen untergebracht, wo es durchregnet. Stoffe sind derart viel am Lager, da den ganzen Sommer über noch Zugang an Winterstoffen zu verzeichnen war.

In Parchim, [Bezirk] Schwerin, ist zu verzeichnen, dass ca. 3 500 t Ananaskonserven gelagert werden. Diese Mengen lagern schon eine längere Zeit. Durch diese Situation müssen monatlich 200 DM Zinskredit an die Notenbank gezahlt werden. Vonseiten der Bevölkerung werden diese Konserven selten gekauft, weil der Preis zu hoch ist. Zzt. liegen beim HO-Lebensmittel in Parchim für 350 000 DM Zigaretten in allen Preislagen, besonders die Sorte 1. Mai.

Der Kreiskonsumgenossenschaftsverband Kamenz muss trotz der am Lager befindlichen 9 t Weizenbohnen für das IV. [Quartal] 1956 weitere 3 t Weizenbohnen vertraglich binden. Das würde bedeuten, dass dadurch der KGV sehr viel Überplanbestände am Lager haben würde und die Verkaufsstellen bis zum II. [Quartal] 1957 damit versorgen könnte.

In der DHZ Gummi-Asbest Dresden sind erhebliche Überplanbestände an Autoreifen (für rund 1 Mio. DM) sowie an unmoderner Regenbekleidung vorhanden, weil der Markt zzt. mit Autoreifen gesättigt ist.

Bei dem VEAB-Kreisbetrieb Grimma, [Bezirk] Leipzig, lagern schon seit längerer Zeit ca. 400 000 Eier, die vom Rat des Bezirkes nicht abgezogen werden. Es besteht die Gefahr des Verderbes, wenn diese Eier nicht bald in den Handel kommen. Der Rat des Kreises, Abteilung Handel und Versorgung, hat den Rat des Bezirkes darauf hingewiesen und erklärt, dass im Kreisgebiet selbst noch ca. 50 000 Eier untergebracht werden können. Vom Rat des Bezirkes wurde eine Aufstockung abgelehnt.

Lage in der Landwirtschaft

Nach wie vor steht in der Landwirtschaft die Einbringung der Ernte im Vordergrund. Es wird alles daran gesetzt, die Ernte möglichst verlustlos und schnell einzubringen. Dabei entstehen aber laufend Schwierigkeiten, die die Arbeiten hemmen. Diese Schwierigkeiten haben immer wieder die gleichen Ursachen wie

  • Ersatzteilmangel – was Maschinenausfall nach sich zieht – schlechte Qualität des Materials, sodass die Maschinen ebenfalls kurz nachdem sie eingesetzt werden ausfallen.

  • Arbeitskräftemangel, besonders auch in den MTS, sodass oftmals nicht in Schichten gearbeitet werden kann.

  • Schlechte Arbeit der MTS, die nicht immer die Verträge einhalten.

  • Schwierigkeiten beim Drusch – es fehlt entweder an Maschinen, Material zur Reparatur von Maschinen oder an ausgebildeten Druschführern.

Schwierigkeiten gibt es auch beim Abtransport des Getreides von den Feldern, wo mit Mähdreschern gearbeitet wird. So sind mitunter die Mähdrescher oft lange Zeit nicht ausgelastet, weil die Autos mit dem Getreide zu lange unterwegs sind und die MTS nicht genügend Transportraum zur Verfügung stellen können.

Es konnte weiterhin festgestellt werden, dass die LPG [und] VEG gegenüber den Einzelbauern bei der Ernteeinbringung noch zurückliegen. Das ist mit darauf zurückzuführen, dass die LPG und VEG große Flächen mit dem Mähdrescher abernten wollten, aber die Mähdrescher durch das schlechte Wetter oftmals nicht eingesetzt werden konnten. Zum anderen ist hier aber auch der Arbeitskräftemangel besonders stark, und die Arbeitsmoral lässt besonders bei Genossenschaftsbauern mitunter noch zu wünschen übrig. Als Beispiel kann hier die LPG Golzow, [Bezirk] Frankfurt/O., angesehen werden. Dort streiten sich die Genossenschaftsbauern noch herum, ob sie zehn oder acht Stunden arbeiten sollen.

Zum Teil lässt auch der Ernteeinsatz im Bezirk Frankfurt/O. noch zu wünschen übrig. So konnten z. B. im Kreis Fürstenwalde die Einwohner für die Einbringung der Ernte noch nicht gewonnen werden. Dazu wurde noch Folgendes bekannt: Am 23.8.1956 sollte in der LPG Reitwein, [Kreis] Seelow, [Bezirk] Frankfurt/O., ein Ernteeinsatz stattfinden. Ca. zwei Stunden nach dem eigentlichen Beginn des Einsatzes waren sechs Instrukteure in der LPG erschienen, die den Einsatz überprüfen sollten. Der siebte Instrukteur vom Rat des Kreises Seelow brachte dann die Nachricht, dass kein Ernteeinsatz stattfindet.

Aus den Bezirken Rostock, Magdeburg, Halle und Karl-Marx-Stadt wird berichtet, dass vor allem unter den Einzelbauern Verärgerung über die VEAB besteht, weil diese sich weigern, Getreide, das einen höheren Feuchtigkeitsgrad hat, abzunehmen. Verschiedentlich müssen die Bauern unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren und ihr Getreide mit nach Hause nehmen. Sie sind auch deshalb verärgert, weil die Bauern Getreide, das mehr als 18 % Feuchtigkeit hat, zum Trocknen selbst transportieren sollen und für sie dadurch Transportkosten entstehen, die höher sind, als die Prämien, die die Bauern beim Frühdrusch erhalten. Erschwert wird diese Lage noch [dadurch], dass in den Kreisen die Trocknungskapazitäten nicht ausreichen.

Diskussionen über die Streichung der Sollrückstände28

Aus den Bezirken Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, Karl-Marx-Stadt und Gera wird berichtet, dass unter den Bauern über die Streichung der Sollrückstände diskutiert wird. Diejenigen Bauern, die das Soll gestrichen bekommen, sind sehr erfreut darüber und bringen zum Ausdruck, nachdem ihnen diese Last genommen worden sei, könnten sie viel besser ihre Aufgaben erfüllen. Unter den Bauern, die ihr Soll bisher immer erfüllt haben, löst diese Maßnahme Verärgerung aus. Es wird dazu die Meinung vertreten, dass sie ihr Soll im nächsten Jahr auch nicht erfüllen wollen. Oder es wird erklärt, dass man nicht allen Bauern das Soll streichen sollte, weil diejenigen, die aus eigenem Verschulden ihr Soll nicht erfüllt hatten, spekulieren würden. Aus dem Bezirk Neubrandenburg wird dann noch berichtet, dass in der Gemeinde Teschendorf, [Kreis] Neubrandenburg[-Land], in einer Gemeindevertretersitzung von dem Bürgermeister vorgeschlagen wurde, »reinen Tisch zu machen« und die Sollrückstände bei allen Bauern zu streichen. Dem Vorschlag des Bürgermeisters stimmte die Gemeindevertretung zu.

Am 15.8.1956 fand in der Gemeinde [Nieder] Seifersdorf, [Kreis] Niesky, [Bezirk] Dresden, eine Gemeindevertretersitzung statt, auf der zwei Bauern zum Ausdruck brachten, dass im Kreis Görlitz alle Sollrückstände für 1955 gestrichen worden wären und sie nicht verstehen könnten, warum die Bauern in Niesky schlechter abschneiden sollten. Ein Gemeindevertreter aus dem Kreis Kyritz, [Bezirk] Potsdam, meinte z. B. in einer Aussprache betreffs der Streichung der Sollrückstände: »Ich, als Gemeindevertreter, werde mir bei der Streichung der Sollrückstände keine Läuse in den Pelz setzen, denn wie mir bekannt wurde, wird die Streichung von der betreffenden Gemeindevertretung durchgeführt. Dadurch könnte es vorkommen, dass in der Gemeinde schwere Auseinandersetzungen entstehen, weil man einigen Bauern begründeterweise die Rückstände ganz streicht und bei anderen Bauern könnte man die Rückstände nicht ganz streichen, da sie eine schlechte Arbeitsorganisation haben.« Der Vorsitzende der VdgB (BHG) in Ziesar, [Kreis] Brandenburg, Mitglied der SED, sagte: »Das 28. Plenum hat beschlossen, dass alle Sollrückstände in Kartoffeln gestrichen werden. Also brauchen wir nicht lange Versammlungen durchzuführen, um festzustellen, wem die Rückstände gestrichen werden. Wir brauchen hier keine Ausnahmen zu machen.«

Brände in der Zeit vom 19.8. bis 5.9.1956

In der Berichtszeit wurden insgesamt 33 Brände bekannt; davon sechs durch Blitzschlag, acht [Mal] unbekannte Ursache, zwei [Mal] vermutliche Fahrlässigkeit, zwei [Mal] Kurzschluss, sechs [Mal] vermutliche Brandstiftung, sechs durch Kinderhand, ein Schornsteinschaden, einmal Funkenflug, einmal Fahrlässigkeit.

Bezirk Potsdam

  • ein Schweinestall, Mittelbauer, Schornsteinschaden;

  • eine Scheune, privat, aber von LPG genutzt, vermutlich Brandstiftung.

Bezirk Leipzig

  • eine Scheune, Einzelbauer, Blitzschlag;

  • eine Scheune und Stall, LPG, vermutlich Brandstiftung.

Bezirk Schwerin

  • zwei Scheunen, LPG: 1.) vermutlich Brandstiftung, 2.) noch unbekannte Ursache;

  • eine Kornmiete und Hockenförderer,29 LPG, Kurzschluss;

  • eine Stallung, Kleinbauer, vermutlich Fahrlässigkeit.

Bezirk Dresden

  • ein Gebäude, Großbauer, Blitzschlag;

  • ein Schuppen, durch Kinderhand;

  • sechs Scheunen: drei Mittelbauern, zwei LPG, eine Genossenschaftsbäuerin; zwei unbekannte Ursache, drei durch Kinderhand, ein Blitzschlag.

Bezirk Magdeburg

  • zwei Scheunen und Pferdestall, LPG, durch Kinderhand;

  • zwei Ställe: 1.) werktätiger Bauer, 2.) LPG, beides durch Blitzschlag;

  • ein Lkw mit ca. 70 Ztr. Roggen, LPG, Kurzschluss;

  • zwei Fuder Stroh, werktätiger Bauer, Fahrlässigkeit.

Bezirk Neubrandenburg

  • ein Anhänger mit Stroh, LPG, Funkenflug;

  • zwei Vollerntewagen, werktätiger Bauer, vermutlich Brandstiftung;

  • eine Strohmiete, LPG, unbekannt;

  • zwei Scheunen: 1.) VdgB (BHG), unbekannte Ursache; 2.) werktätiger Bauer, unbekannte Ursache.

Bezirk Karl-Marx-Stadt

  • eine Scheune, Mittelbauer, Blitzschlag;

  • eine Scheune und Wohnhaus, werktätiger Einzelbauer, unbekannte Ursache;

  • eine Strohmiete, LPG, unbekannte Ursache.

Bezirk Frankfurt/O.

  • eine Scheune, LPG, durch Kinderhand.

Überplanbestände in VdgB (BHG)

In verschiedenen Kreisen des Bezirkes Karl-Marx-Stadt lagern in den BHG erhebliche Mengen von landwirtschaftlichen Geräten, die nicht abgesetzt werden können. So lagern in den BHG des Kreises Flöha verschiedene Geräte, wie z. B. Ackereggen, Kartoffeleggen, Jauchpumpen, Kartoffeldämpfer, »Adern«30 u. a. im Werte von 109 900 DM. Ein Teil der Geräte kann deshalb nicht abgesetzt werden, weil bessere und neukonstruierte vorhanden sind. Im Kreis Marienberg sind fast die gleichen Bestände vorhanden. Auch liegt für 20 000 DM Faserbindegarn am Lager, das von den Bauern abgelehnt wird, da Papierbindegarn besser und billiger ist. Von den Bauern wird der Vorschlag unterbreitet, die Produktion des Faserbindegarns einzustellen. Im staatlichen Kreiskontor Lengenfeld, Kreis Reichenbach (Vogtland), liegen bereits seit 1954 Fliegenbekämpfungsmittel im Werte von DM 9 000 am Lager, wofür kein Absatz vorhanden ist. Ferner ist ein großer Bestand an Melkeimern im Preis von DM 12,00 pro Stück vorhanden, die wegen des hohen Preises von den Bauern nicht mehr abgenommen werden. Das Gleiche trifft auf Feuerungs-Kartoffeldämpfer zu, da die Bauern Elektrodämpfer bevorzugen.

Am 25.8.1956 verursachte der Sturm in nachstehenden landwirtschaftlichen Betrieben folgende Schäden:

  • In der MTS Rhinow, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, stürzte eine neuerrichtete Mähdrescherhalle (ca. 1 000 DM Schaden) und in der LPG Groß-Welle, [Kreis] Kyritz, [Bezirk] Potsdam, der Schweinestall ein. Dadurch wurden von insgesamt 250 Schweinen vier getötet und neun mussten notgeschlachtet werden. Letzteres ereignete sich auch in der LPG Possentin,31 [Bezirk] Neubrandenburg, wobei drei Sauen und 20 Ferkel getötet wurden.

  • Im VEG Hundisburg, [Kreis] Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, entstand in der Hopfenplantage ein Schaden von ca. 200 000 DM und in den Obstplantagen von ca. 35 000 DM. Letzteres war auch in dem VEG Sputendorf [bei Großbeeren], [Kreis] Potsdam[-Land], der Fall. Dort betrug der Schaden ca. 30 000 DM.

  • Das VEG Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg, erlitt einen Sachschaden von ca. 40 000 DM, und in der Gemeinde Ankershaben wurde der BHG-Speicher stark beschädigt, sodass die Futtermittel dem Verderb ausgesetzt sind.

  • In der Gemeinde Ganzer, [Kreis] Kyritz, [Bezirk] Potsdam, wurden ein LPG-Mitglied und in der Gemeinde Warbende, [Kreis] Neustrelitz, ein Beschäftigter des VEG durch herabstürzende Bäume getötet.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

Industrie und Verkehr

  • Betriebsunfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich in der Berichtszeit: am 26.8.1956 im Steinkohlenwerk Freital, [Bezirk] Dresden, durch Einsturz eines Streb.32 Dadurch wurde eine Person getötet. Am 31.8.1956 im Schacht 31 der Wismut, durch herabstürzendes Gestein. Dabei wurde eine Person getötet und eine schwer verletzt.

  • Am 2.9.1956 führte die Belegschaft des VEB Baumwolle Werk I Zschopau,33 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, einen Betriebsausflug durch. Das Mittagessen wurde in einer Gaststätte der HO Wismut eingenommen. Nachdem machten sich bei 200 Personen Magenverstimmungen bemerkbar. 50 Personen konnten davon [sic!] am 3.9.1956 nicht zur Arbeit erscheinen. Untersuchungen darüber werden noch geführt.

  • Am 23.8.1956 ist beim Beladen mit insgesamt 75 t Stärkemehl ein Frachtkahn der DSU in Loitz, [Kreis] Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, gesunken. Die Ladung entsprach nicht dem Gewicht, sodass vermutlich einige Nieten gesprungen sind und dadurch ein größeres Leck entstand, was als Ursache für den schnellen Untergang angenommen wird. Untersuchungen werden noch geführt.

Landwirtschaft

Am 24.8.1956 wurden der Leiter der Milchannahmestelle und Kühlstelle in Spaatz, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, und sechs weitere Personen verhaftet. Durch falsche Eintragungen hatte der Leiter der Molkereigenossenschaft einen Schaden von ca. 32 138 DM [verursacht]. Er hatte insgesamt 56 743 Liter Milch mehr gemeldet, als er von den einzelnen Erzeugern erhalten hatte. Diese konnten dadurch ihre Milch als freien Aufkauf der Molkerei zur Verfügung stellen. Bei den noch inhaftierten Personen handelt es sich um Großbauern, Mittelbauern und Kleinbauern. In diese Angelegenheit sind weitere 40 Bauern (Groß-, Mittel-, Klein-, Genossenschaftsbauern) aus den Gemeinden Wolsier und Spaatz verwickelt.

Übrige Bevölkerung

Am 21.8.1956 erschien in der Gemeinde Steinfeld, [Kreis] Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, der im Jahre 1955 aus der Sowjetunion entlassene ehemalige Kriegsverbrecher [Vorname Name 4], der ca. 20 Jahre in der Gemeinde Steinfeld als Lehrer tätig gewesen war. [Name 4] ist nach seiner Entlassung aus der SU sofort nach Westdeutschland gegangen. Kurz nachdem [Name 4] in Steinfeld erschien, versammelten sich vor dem Gehöft des Mittelbauern [Name 5] ca. 100 Einwohner der Gemeinde, um den [Name 4] in Empfang zu nehmen. Er wurde mit Blumen empfangen, und der Volkschor der Gemeinde sang mehrere Lieder. Durch den Leiter des Chores, [Name 6], wurde eine Ansprache für den [Name 4] gehalten. Der Förster aus Steinfeld [Name 7] brachte ein Hoch »auf die alte Freundschaft« mit [Name 4] aus. [Name 4] gehörte der SA an und hatte die Funktion eines Sturmführers. In der faschistischen Wehrmacht war er Offizier. 1945 wurde er von den sowjetischen Dienststellen wegen begangener Kriegsverbrechen verurteilt.

KVP

Unter der Bevölkerung von Klitten, [Kreis] Niesky, [Bezirk] Dresden, herrscht große Empörung über das rücksichtslose Verhalten der Angehörigen der KVP. Auf dem Bahnhof Klitten werden sehr oft Einheiten der KVP verladen. Hierbei ist es vorgekommen, dass durch das Befahren mit Kettenfahrzeugen die Straßen aufgerissen wurden und einen erheblichen Schaden verursachten. Des Weiteren wurde eine Brücke, welche aufgrund ihrer Tragkraft durch Kettenfahrzeuge nicht benutzt werden durfte, befahren, sodass diese für den weiteren Verkehr unbrauchbar wurde.

Post- und Fernmeldewesen

Innerhalb der letzten 14 Tage haben auf dem Postamt Jena 16 Angestellte, in der Mehrzahl Briefzusteller, gekündigt, weil sie zu wenig verdienen. Die neue Verordnung über die Zahlung von Treueprämien34 bei der Post hat negative Stimmungen hervorgerufen. Durch diese Treuegelder müssen auch höhere FDGB-Beiträge gezahlt werden. Diese Tatsache führt zur Verärgerung der Kollegen. (Pritzwalk, Altruppin, Bezirk Potsdam, Seifhennersdorf, [Kreis] Zittau, [Bezirk] Dresden)

Ministerium für Volksbildung

Die zuletzt an den Kollegen [Name 8] (Ministerium für Volksbildung) für gute Vorbereitung des pädagogischen Kongresses35 ausgezahlte Prämie in Höhe von 2 000 DM wurde von der Belegschaft mit Befremden aufgenommen. Einmal wegen der hohen Summe, die bisher einmalig war, zum anderen, weil der Kollege [Name 8] für diese Arbeit freigestellt war. Der Kollegin [Name 9] wurde eine Prämie von 300 DM in diesem Zusammenhang für die gute Organisation bei der Quartierbeschaffung überreicht, obwohl dies in ihrem Arbeitsbereich liegt.

DEFA

Die UFA hat in der letzten Zeit schon mehrere Verbindungen zu Fachkräften der DEFA aufgenommen, mit dem Ziel, sie zu gegebener Zeit, wenn die DEFA ihre Produktion aufnimmt, zu gewinnen. Da in der DEFA ein großer Teil früher bei der UFA schon tätig war, besteht die Möglichkeit, dass in den Jahren 1957/58 ein gewisser Teil dieser ehemaligen UFA-Angehörigen wieder zur UFA zurückgeht.

Sorben

Das Verbot der Herausgabe der sorbischen Lehrbücher für die Fächer Physik, Chemie und Biologie für die Oberstufe vonseiten des Ministeriums für Volksbildung hat unter den sorbischen Lehrern und Studenten im Kreis Bautzen, [Bezirk] Dresden, große Erregung hervorgerufen.36 Man sieht darin einen erneuten Verstoß gegen die demokratische Gesetzlichkeit. Die sorbischen Lehrer fragen sich, wie man sorbische Kader ohne Fachterminologie z. B. im Kombinat »Schwarze Pumpe« einsetzen will. Da dies nicht möglich ist, folgern sie, ist auch die Zweisprachigkeit dort nicht möglich.

Jugend

Seit Mitte Juli 1956 tritt im Ort Lehnitz, Kreis Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, eine Gruppe von 12 bis 15 Jugendlichen in Erscheinung. Diese Jugendlichen legen innerhalb der Gemeinde ein sehr schlechtes Verhalten an den Tag. Sie zerstören Gartenzäune, Klingelanlagen usw. Ein sehr schlechtes Verhalten zeigten sie gegenüber dem Ferienlager in der Schule in Lehnitz, Kreis Oranienburg. Sie erschienen dort des Nachts im Gelände der Schule und störten die Nachtruhe des Lagers. Am 31.7.1956 zerstörte diese Gruppe die Wetterstation der Schule.

Gesundheitswesen

Die ärztliche Betreuung in Lübtheen, [Kreis] Hagenow, [Bezirk] Schwerin, ist unzureichend. Bis 1945 waren drei Ärzte für dieses Aufgabengebiet verantwortlich, zzt. ist nur ein Arzt vorhanden, was dazu führt, dass Erkrankte erst nach zwei bis drei Tagen betreut werden können. Die Bevölkerung in diesem Kreis vertritt die Meinung, dass ein Kreisarzt dort eingesetzt werden müsste.

Universitäten/Studenten

  • Das Institut für Nichteisenmetalle der Bergbauakademie Freiberg benötigt dringend 30 Laboranten. Diese Stellen konnten aber trotz größter Bemühungen bisher nicht besetzt werden. Dadurch ist der Plan des Instituts gefährdet.

  • Am 19.8.1956 äußerten Studenten der Technischen Hochschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg im D 76, Strecke Berlin – Dresden, dass viele Studenten das von ihnen geforderte Ziel nicht erreichen können und aus diesem Grunde die DDR verlassen würden.

  • Studenten, die Mitglieder der »Jungen Gemeinde« sind, sollen von dieser finanzielle Unterstützung erhalten, im Falle einer Republikflucht.

Erkrankungen

  • Im Bezirk Magdeburg sind Schwerpunkte infektiöser Gelbsuchterkrankungen festgestellt worden. Im Kreis Salzwedel erkrankten zwölf Personen (8 Kinder, 4 Erwachsene) und im Kreis Wolmirstedt 15 Personen (davon 10 Kinder), Schutzmaßnahmen wurden eingeleitet.

  • Erkrankungen an Spinaler Kinderlähmung gibt es im Bezirk Potsdam 22 Fälle, davon ein Todesfall. Hier ist zu erwähnen, dass es sich bei den Erkrankungen im Monat August 1956 um schwere Fälle handelt, bei denen Lähmungen zurückbleiben. Im Kreis Jessen, [Bezirk] Cottbus, gibt es zwei weitere Erkrankungen.

  • Im Bezirk Potsdam gab es mit dem Stand vom 5.9.1956 461 Erkrankungen an Gehirnhautentzündung, davon bisher zwei Todesfälle. Schwerpunkt bei diesen Erkrankungen ist die Stadt Brandenburg, mit 143 Fällen und die Stadt Potsdam mit 116 Fällen.

  • In Ostro,37 Kuckau und Muckwitz,38 [Kreis] Kamenz, [Bezirk] Dresden, sind vier Personen an Typhus erkrankt.

  • Unter den Schülern der Grundschule Rödern, [Kreis] Großenhain, [Bezirk] Dresden, sind elf Fälle an Scharlach zu verzeichnen, deshalb konnte die Schule am 1.9.1956 nicht eröffnet werden.

Anlage vom 7. September 1956 zum Informationsdienst Nr. 17

Feindtätigkeit in der Zeit vom 21.8. bis 6.9.1956

In der Berichtsperiode erstreckt sich die Feindtätigkeit hauptsächlich auf das Anschmieren von Hakenkreuzen, Hetzlosungen gegen führende Funktionäre und zum KPD-Verbot, den Lebensstandard sowie Gerüchteverbreitung u. Ä.

  • Hakenkreuze wurden in der Neptun-Werft Rostock, beim Rat des Kreises Schleiz, [Bezirk] Gera, in der Ernst-Toller-Straße in Halle, im VEB EKM in Cunewalde,39 [Kreis] Löbau, [Bezirk] Dresden, und an drei verschiedenen Stellen im Bezirk Schwerin angeschmiert.

  • Hetzlosungen sind im Bezirk Halle (9 Fälle), Dresden (5 Fälle), Karl-Marx-Stadt (3 Fälle), Leipzig (3 Fälle), Magdeburg (2 Fälle) und je ein Fall in Cottbus, Erfurt, Potsdam und in einem Objekt des Wismutgebietes – Ronneburg – festgestellt worden.

  • Der VEB Pianoforte in Leipzig erhielt sechs Waggons Holz aus der Sowjetunion. Beim Ausladen wurden auf drei Waggons provokatorische Losungen, die mit Bleistift geschrieben waren, festgestellt: »Wir sind hierher verschleppt worden im Jahre 1946. Die Lage ist hier sehr schlecht. Wir bitten um Hilfe für uns.« – »Viele Grüße von den Verschleppten aus Sibirien.« – »Schönen Gruß von deutschen Landsleuten, die schon vor zehn Jahren nach Sibirien übergesiedelt wurden und dieses Material für Euch verladen und mit großer Sehnsucht auf eine Erlösung von Euch warten.« – »Schon als kleines Kind lernte die Mutter deutsch uns beten. Drum wollen wir auch deutsch gesinnt vor unserem Herrgott treten.« Diese Waggons wurden in der Volksrepublik Polen umgeladen, wo, konnte nicht festgestellt werden.

  • In der Gemeinde Neu Plötzin bei Werder, [Kreis] Potsdam-Land, wurde ein Ernst-Thälmann-Gedenkstein beschädigt, und in Cossebaude, [Bezirk] Dresden, ein altes Schirmgestell über das Karl-Marx-Denkmal gestülpt.

  • Im Monat August wurden drei Schießstände im Kreis Pirna, [Kreis] Dresden[-Land], beschädigt.

  • In der Kantine des Kunstseidenwerkes Premnitz, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, wurde eine örtliche Ausstellung über die Balkanstaaten gezeigt. In dieser Ausstellung befand sich ein Bild, das einen Hirten, der auf einem Instrument spielt, darstellte. Der Text zu diesem Bild lautete: »Der Sänger spielt das Lied von dem Verräter Tito.«40 Es konnte verhindert werden, dass die Kollegen dieses Werkes diesen Text lasen. Die Ausstellung wurde von der Klubleitung des o. a. Werkes organisiert.

Gerüchte

  • In Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, und Potsdam-Stadt: »Die DDR schickt ein bestimmtes Kontingent an Soldaten nach Ägypten, diese Soldaten sollen bereits unterwegs sein.«

  • Unter der Belegschaft des Objektes 101 – Zwickau – »dass das Objekt zum Tag der Republik volkseigen wird«. Des Weiteren spricht man davon, dass die Regierung niemals in der Lage wäre, solche Löhne wie bisher zahlen zu können, vor allen Dingen würden die Jahresprämien wegfallen. Im vergangenen Monat lag die Entlohnung im Brigademaßstab um 100 DM tiefer, demzufolge sagt man, »dass man jetzt schon weniger verdienen lässt, damit der Übergang ins Volkseigentum nicht so schwer fällt«.

  • Durch das Gerücht, die Angehörigen der Sowjetarmee würden aus Wismar, [Bezirk] Rostock, abziehen und in ihre Heimat zurückkehren, demontierten 120 Personen auf dem Übungsgelände der Freunde41 eine 300 m lange eingebaute Infanteriestellung, bestehend aus Laufgraben und Bunkern. Sie entfernten das gesamte Holz. Das Gerücht verbreitete ein Geistesgestörter (§ 51).42

  • In Meiningen und Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, wird das Gerücht verbreitet, »die Kreiskontore für landwirtschaftlichen Bedarf würden bis zum 1.1.1957 aufgelöst, und der Konsum übernimmt die Versorgung der BHG«.

Ergänzungsmeldung

Ergänzend wurde uns zum Bericht vom 20.8.195643 bekannt, dass der Täter, der die sowjetische Telefonleitung zerschnitten hat, der Schüler [Vorname Name 10], geb. am [Tag, Monat] 1942, ist. Bei der Vernehmung gab der 13-jährige Schüler an, dass er vor ca. vier Monaten mit einem Agenten der NTS44 in Westberlin Verbindung aufgenommen hat. Die Anschrift dieses Agenten erfuhr er durch gefundene Hetzschriften.

Vermutliche Feindtätigkeit – Industrie –

  • Am 17.8.1956 wurde festgestellt, dass unbekannte Täter im VEB Braugold Erfurt in fünf Fässer, welche zur Neuauffüllung bereitstanden, Fremdkörper – Kupferdraht, Staucherfett, Maschinenöl u. a. – geworfen hatten. Bei Nichtfeststellung wäre dem Betrieb ein Schaden von 28 000 DM entstanden.

  • Am 23.8.1956 wurde im VEB Deko-Druckerei Penig,45 [Kreis] Rochlitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, durch unbekannte Täter mit einem Messer eine Druckwalze der Druckmaschine beschädigt. Die Reparatur dauerte drei Tage und bedeutete einen Verlust von 45 000 m gedruckten Stoff. Untersuchungen werden noch geführt.

  • Im VEB Ziegelwerk Zehdenick, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, wurden vom 19. bis 20.8.1956 durch unbekannte Täter die Gummireifen von sechs […]46-Karren zerschnitten und zerstochen. Der Schaden beträgt 150 DM. Untersuchungen werden noch geführt.

  • Am 21.8.1956 wurde im Stahl- und Walzwerk Hennigsdorf, [Bezirk] Potsdam, festgestellt, dass aus dem am 16.8.1956 außer Betrieb gesetzten Glühofen Nr. 7 ca. 35 g Platindraht aus dem Wärmemessgerät entwendet wurden. Gleiche Vorfälle ereigneten sich bereits schon einmal am 24. und 25.7.1956. Untersuchungen werden noch geführt. Der Schaden beträgt 350 DM.

  • Am 24.8.1956 wurde auf Hinweis von drei Jugendlichen durch sowjetische Offiziere eine Person festgenommen, die die Fabrik 95 der Wismut in Freital fotografierte. Nach Sicherstellung der Personalien und des Filmes wurde die Person wieder freigelassen. Die Personenermittlung ergab jedoch, dass diese Person den sowjetischen Offizieren einen falschen Namen und Anschrift angegeben hatte.

Vermutliche Feindtätigkeit – Landwirtschaft –

  • In der Zeit vom 23.8. bis zum 24.8.1956 wurde von einem Mähbinder der MTS Putlitz, [Kreis] Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, ein Laufrad gestohlen.

  • Am 16.8.1956 wurden in der Gemarkung Kolrep, [Kreis] Kyritz, [Bezirk] Potsdam, von zwei Mähbindern der MTS Dannenwalde die Räder gestohlen.

  • In der Gemarkung Bredow, [Kreis] Nauen, [Bezirk] Potsdam, wurden vom 11. bis 12.8.1956 die Kupplung, der Fadenhalter sowie drei Mähbindertücher von einem Mähbinder der MTS Zeestow, [Kreis] Nauen, [Bezirk] Potsdam, gestohlen.

  • Am 17.8.1956 wurden von einem 15-jährigen geistesgestörten Jugendlichen zwei Mähbinder der MTS Zeestow, [Kreis] Nauen, [Bezirk] Potsdam, beschädigt, der einzelne Teile abmontierte und die dazugehörigen Schrauben entwendete.

  • Am 25.8.1956 wurden von unbekannten Tätern auf dem Grundstück der LPG Groß Lübben, [Kreis] Perleberg, [Bezirk] Schwerin, zwei Raupenschlepper der MTS Bad Wilsnack47 beschädigt. Untersuchungen werden noch geführt.

  • Am 27.8.1956 wurden in der Zeit von 7.00 bis 9.00 Uhr auf der MTS Berge, [Kreis] Perleberg, während einer Frühstückspause vier Kolben des Motors beschädigt. Der Täter wurde noch nicht ermittelt.

  • Am 27.8.1956 wurde auf der LPG Ziegendorf, [Kreis] Parchim, ein komplettes Laufrad von einem Binder entwendet. Täter wurde noch nicht ermittelt.

  • Der Mähdrescher der MTS Wilsickow,48 [Kreis] Strasburg, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde beim Roggenmähen durch ein ca. 12 cm in der Erde steckendes Rohr einer Panzerfaust beschädigt.

  • Am 22.8.1956 wurde bekannt, dass im MTS-Bezirk Kletzin, [Kreis] Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, zwei Mähdrescher von unbekannten Tätern für einige Zeit unbrauchbar gemacht wurden. Der eine Mähdrescher fuhr beim Mähen auf einen in der Erde stehenden Rundeisenstab, während der andere Mähdrescher, der in der LPG Sassen eingesetzt war, dadurch ausfiel, indem [sic!] eine 12-mm-Mutter in dem Getriebekasten festgestellt wurde.

  • Am 12.8.1956 wurden der MTS »Fortschritt« Neustrelitz zwei Abdeckplatten, die das ausgedroschene Getreide vor Regen schützen sollten, gestohlen.

  • Am 18.8.1956 wurde festgestellt, dass im Brigadestützpunkt in Grapzow, MTS Werder, [Kreis] Altentreptow, die Lichtmaschine des Mähdreschers ausgebrannt war, sodass der Mähdrescher für einige Zeit ausfallen musste.

  • Am 29.8.1956 wurde festgestellt, dass vermutlich in der Zeit vom 7.8. bis 29.8.1956 von unbekannten Tätern 400 Liter Dieselkraftstoff der LPG Drößnitz, [Kreis] Jena, [Bezirk] Gera, durch Wasser unbrauchbar gemacht worden war.

  • Von einem Mähdrescher der Komplexbrigade49 Havelberg, [Kreis] Magdeburg, wurde in der Nacht zum 19.8.1956 sämtliches Öl abgelassen.

  • In der Nacht zum 6.8.1956 wurde an einem Mähbinder im Stützpunkt Schönhausen, [Kreis] Havelberg, das Bindetuch mit einem Messer zerschnitten.

  • Am 26.8.1956 wurden die Mähbinder von drei Mittelbauern aus Kottengrün, [Kreis] Auerbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, von unbekannten Tätern beschädigt. Die Mähbinder waren über Nacht auf den Feldern gelassen worden.

  • In der Nacht zum 26.8.1956 wurde in der LPG Gädebehn, [Kreis] Altentreptow, einem 7-jährigen Pferd am After eine 1½ cm tiefe Wunde beigebracht. Täter unbekannt.

  • Am 27.8.1956, gegen 11.00 Uhr, wurden in der LPG Wedderstedt, [Kreis] Aschersleben, [Bezirk] Halle, nach Aussagen des Tierarztes durch unbekannte Täter 63 Junghennen durch ein flüssiges und schnell wirkendes ätzendes Gift getötet.

  • Im VEG Klingenberg, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden, wurde am 18., 19. und 20.8.1956 früh in den Ausläufen der Schweineställe ein gelblich-grünes Pulver festgestellt.

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    7. September 1956
    Information Nr. 188/56 – Betrifft: Schwierigkeiten in der Kartoffelversorgung
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    6. September 1956
    Information Nr. 187/56 – Betrifft: Stimmung im Büro des Präsidiums des Ministerrates