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Besuche der sowjetischen Delegation (1)

9. Januar 1956
1. Bericht über die Besuche der sowjetischen Delegationen [Information Nr. M3/56]

Weimar

Zum Empfang der sowjetischen Delegation unter Leitung des Genossen Woroschilow1 hatten sich am 6.1.1956 am Hauptbahnhof in Weimar ca. 6 000 Menschen eingefunden. Der größte Teil davon war am Hauptbahnhof anwesend und säumte die Straße vom Hauptbahnhof bis zur Ettersburger Straße. Bereits kurz nach 7.00 Uhr fanden sich schon die ersten Menschen am Bahnhof ein. Der Sonderzug der Delegation, welcher von Berlin kam, traf um 8.30 Uhr in Weimar ein. Trotz Absprache mit der VP über ihren Einsatz war die Verkehrspolizei am Hauptbahnhof nicht wie festgelegt um 7.00 Uhr anwesend, sondern erschien erst gegen 7.45 Uhr.

Am Bahnhof war eine Ehrenkompanie der KVP Holzdorf angetreten. Nach der Bekanntgabe der Tageslosung schritt Genosse Woroschilow die Ehrenkompanie ab. Die erste Begrüßung wurde durch den 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED Erfurt, Genossen Kiefert,2 vorgenommen. Danach nahm der Genosse Woroschilow das Wort und unter stürmischem Beifall dankte er allen Anwesenden. Während seiner Ansprache wurde er öfters durch Beifall und [von] stürmischen Hurra-Rufen unterbrochen. Aus allen Betrieben, Parteien und Organisationen waren Delegationen erschienen.

Gegen 9.00 Uhr bestieg die sowjetische Delegation ihre bereitstehenden Wagen und fuhr nach Buchenwald. Die dort hinführende Straße war von jubelnden Menschenmassen umsäumt. Zur Begrüßung in Buchenwald waren die Kampfgruppen3 aus Weimar, eine Ehrenkompanie der KVP und weitere Delegationen aus Betrieben aus Weimar und Erfurt sowie Delegationen der FDJ und Jungen Pionieren anwesend. Der Kommandeur der Kampfgruppe, Genosse [Name 1], erstattete dem Genossen Woroschilow die Meldung mit Tageslosung. Nach Abschreiten der Kampfgruppe ging Genosse Woroschilow auf einen Angehörigen der Kampfgruppe zu, drückte ihm die Hand und fragte nach seinem Beruf. Dieser erklärte, dass er Maurer sei, daraufhin umarmte und küsste Genosse Woroschilow den Kampfgruppenangehörigen. Diese Gelegenheit sowie die herzliche Begrüßung wurden mit einer stürmischen Begeisterung aller anwesenden Personen bekundet. Danach wurde das Krematorium besucht. Bei vielen der Anwesenden konnte man nach der im Lager vom Genossen Woroschilow gehaltenen Begrüßungsansprache feststellen, dass viele vor Begeisterung Tränen in den Augen hatten.

Nach dem Besuch in Buchenwald fuhr die Delegation wieder nach Weimar und begab sich zur Schillergruft auf den Friedhof. Auch hier waren wieder große Massen zur Begrüßung erschienen. Genosse Woroschilow wurde begeistert empfangen. Hier sprach er besonders mit FDJ-Mitgliedern. Am Schluss der Unterhaltung umarmte und küsste er einige. Vom Eingang des Friedhofes bis zur Gruft hatten sich die Massen links und rechts am Wege entlang aufgestellt. Die Delegation besuchte weiterhin das Liszthaus4 sowie Goethe- und Schillerhaus. An allen Besuchsstätten hatten sich die Menschen gestaut. Auch hier war wie überall eine stürmische Begeisterung zu verzeichnen. Einen weiteren Höhepunkt gab es auf dem Marktplatz vor dem Hotel »Elefant«. Trotz des schlechten Wetters hielten die Massen aus und warteten auf das Erscheinen der Delegation.

Nach 14.00 Uhr verabschiedete sich die Delegation von Weimar. Vor dem Hotel war eine starke Delegation der Zentralschule der VP zur Verabschiedung des Genossen Woroschilow angetreten. Auch hier schritt er die Front der VP-Einheit ab und richtete ebenfalls herzliche Worte an diese sowie an alle Anwesenden. Negative Erscheinungen sind bis jetzt nicht zu verzeichnen.

Zeiss Jena

Am 6.1.1956 mittags besuchte die sowjetische Delegation die Zeiss-Werke Jena. Die Genossen besichtigten das technische Kabinett und die optische Abteilung und führten dabei Aussprachen mit einzelnen Wissenschaftlern. Konkrete Diskussionen dazu wurden bisher noch nicht bekannt. Gegen 16.45 Uhr fand auf dem Werkgelände eine Kundgebung statt, an der sich ca. 8 000 bis 9 000 Personen der VEB Zeiss, Schott und Jenapharm beteiligten. Die Stimmung wird als gut bezeichnet. Besondere Vorkommnisse wurden bisher nicht bekannt.

Leipzig

Vom 6.1.1956 abends bis 7.1.1956 weilte die sowjetische Delegation unter Leitung des Genossen Woroschilow in Leipzig. Zum Empfang hatten sich am 6.1.1956 abends ca. 2 000 Personen vor dem Gästehaus eingefunden. Es handelt sich dabei vor allem um Betriebsdelegationen. Die Stimmung war sehr gut.

Am 7.1.1956 besuchte die sowjetische Delegation das Dimitroff-Museum,5 die Lenin-Gedenkstätte und das Völkerschlachtdenkmal. Anschließend weilten die sowjetischen Genossen im RAW »Einheit« Leipzig-Engelsdorf und besuchten dort die Lokwerkstatt,6 die Kesselschmiede und das Kulturhaus. Gegen 13.00 Uhr fand auf dem Dimitroff-Platz eine Kundgebung statt, woran sich ca. 50 000 Personen (auf dem Platz) beteiligten, während ca. 80 000 Personen insgesamt demonstrierten. Bei der Kundgebung herrschte eine gute Stimmung und die Ausführungen der Genossen wurden des Öfteren durch Beifall und Hoch-Rufe unterbrochen. Gegen 15.00 Uhr verließ die Delegation Leipzig. Besondere Vorkommnisse wurden bisher nicht bekannt.

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