Direkt zum Seiteninhalt springen

Besuche der sowjetischen Delegation (3)

13. Januar 1956
Zusammenstellung weiterer Äußerungen über den Besuch der sowjetischen Delegation [3. Bericht] [Information Nr. M6/56]

Leipzig

  • Der Arbeiter [Name 1] aus dem RAW »Einheit« Engelsdorf, [Kreis] Leipzig[-Land], brachte zum Ausdruck: »Ich bin wirklich begeistert über den Besuch dieses großen Staatsmannes. Schade, dass nicht alle Kollegen die Gelegenheit hatten ihn zu begrüßen, das hätte den Arbeitern bestimmt einen neuen Auftrieb in ihrer Arbeit gegeben.«

  • Die Kollegen der Meisterei 0619 diskutierten sehr positiv über den Besuch des Genossen Woroschilow.1 Vor allem sind sie begeistert über sein Verhalten gegenüber den Arbeitern, wie er mit ihnen gesprochen hat und ihnen die Hände geschüttelt hat. Sie vertreten die Meinung, dass dieser Besuch für den Betrieb eine hohe Ehre war und sie sich bemühen werden ihre Arbeit zu verbessern.

  • Der Angestellte [Name 2], SED, aus dem VEB Kraftwerk »Dimitroff« sagte: »Die Menschenmenge war begeistert über die Rede dieses Staatsmannes. Hier war wirklich zu sehen, dass wirkliche Volksvertreter auf der Rednertribüne standen.«

  • Der TAN-Sachbearbeiter2 [Name 3] aus der Konsum-Genossenschaft, Industriewaren, parteilos, brachte zum Ausdruck: »Die Worte des Genossen Woroschilow waren so überzeugend, dass man einfach zutiefst überzeugt sein muss, ob man will oder nicht.«

  • Der Arbeiter [Name 4] aus dem gleichen Betrieb äußerte: »Ich bin begeistert von diesem Staatsmann. Diese Kundgebung hat die Deutsch-Sowjetische-Freundschaft weiterhin gefestigt. Es ist eine Schande, dass unsere Dekorations-Abteilung es nicht fertiggebracht hat, ein Transparent anzufertigen, was mit im Zug getragen werden konnte.« Aus diesem Betrieb wird noch bekannt, dass die Kollegen der Dekorationsabteilung nicht mit demonstrierten, lächelnd am Demonstrationszug vorbeigingen und den Heimweg antraten, da ihre Arbeitszeit zu Ende war.

  • Die Angestellte [Name 5], beschäftigt in der Sparkasse Leipzig, Schillerstraße, äußerte: »Ich bin begeistert über die Einfachheit und Schlichtheit, mit der die sowjetischen Menschen auftreten. Die Worte von Woroschilow haben gut angesprochen. Einige Kolleginnen aus unserem Betrieb hatten die Absicht während der Kundgebung zu verschwinden, sie sind jedoch dageblieben und waren dann gleichfalls begeistert. So eine Kundgebung habe ich noch nicht erlebt.«

  • Die Angestellten der Abteilung Kartenstelle des 6. Stadtbezirkes sind vom Besuch des Genossen Woroschilow ebenfalls sehr begeistert und erklärten, dass dieser Besuch und die Ansprache ihnen viel gegeben hat. Sie nahmen geschlossen an der Kundgebung teil und führten später eine Versammlung darüber durch. In den anderen Abteilungen des 6. Stadtbezirkes wird gleichfalls positiv von den Angestellten darüber diskutiert.

Zeiss Jena

  • Eine Agentur berichtet aus der Abteilung FBL Folgendes: »Unter den Angestellten und Arbeitern der Abteilung wird die Meinung vertreten, dass Genosse Woroschilow ein wirklicher Vertreter der Werktätigen ist, da er trotz seiner hohen Funktion sehr einfach und schlicht auftritt. Anerkannt wird auch sehr, dass er sich bei den Unterhaltungen um [sic!] die Sorgen und Nöte der Werktätigen interessiert hat und jedem Mut gab für die Erhaltung des Friedens zu kämpfen.«

  • Eine andere Agentur: »Ich habe mich während der Kundgebung zu verschiedenen Gruppen gestellt, um ein übersichtliches Bild zu erhalten. Überall konnte ich feststellen, dass die Menschen die Rede des Genossen Woroschilow aufmerksam verfolgten und eine Verbundenheit zur Sowjetunion zum Ausdruck brachten. Ich hörte auch Diskussionen, wo Kolleginnen und Kollegen die Meinung vertraten, dass sich unsere Funktionäre auch befleißigen müssten, um in dieser Form zu den Arbeitern zu sprechen, wie es Genosse Woroschilow tat.«

  • Der Werkleiter Dr. Schrade3 äußerte sich, dass er erst geglaubt habe, dass das Auftreten Woroschilows gekünstelt sei, später habe er aber gemerkt, dass er herzlich und vorbehaltlos Freundschaft suchen würde. Sein offenes und kameradschaftliches Auftreten hätte er als besonders gut empfunden. Unsere Minister dagegen seien äußerst steif und auch ohne Begeisterungsfreude. Die Betriebsleiter Dr. Bartsch,4 Thiele,5 Wiehl6 und Kollege Beyer7 betonten, dass noch kein Staatsmann so viel Anerkennung und Freunde in kurzer Zeit gefunden hatte wie Woroschilow. Der technische Hauptleiter Müller8 war sehr beeindruckt von diesem Besuch und sagte, dass neben dem Genossen Pieck, der vor einigen Jahren im Werk war, niemand so viel Anerkennung seitens der Belegschaft fand wie Woroschilow. Ein Mitglied der SED äußerte sich dahingehend, dass ihn dieser Besuch sehr beeindruckt habe. Es habe ihn so gepackt, dass er sich seiner feuchten Augen dabei nicht geschämt habe.

  • Eine junge Arbeiterin sagte zu einer anderen Arbeiterin Folgendes: »Ich bin nicht in der Partei, aber da muss man ja mitgehen. Diese Kraft und das Vertrauen, wie auch die Überzeugung, die dieser Mensch ausstrahlt, muss ja alle ehrlichen Menschen mitreißen und gewinnen.«

Weimar

  • [Vorname Name 6], parteilos, beschäftigt im Mähdrescherwerk Weimar, sagte: »Durch die Delegation war eine starke Begeisterung in Weimar festzustellen. Noch nie habe ich so viele Menschen bei einem Empfang einer Delegation gesehen wie heute. Schon um 7.00 Uhr standen die ersten vor dem Bahnhof, um sich einen guten Platz zu sichern. Besonders muss man diesmal bemerken, dass viele Weimaraner, welche sonst nicht zu sehen sind, bei dem Empfang und an den anderen Stätten, welche besucht wurden, zu verzeichnen waren. Vor der Goethe-Schiller-Gruft, welches ein Heiligtum der alten Weimaraner ist, war festzustellen, dass hier ebenfalls viele alte Frauen anwesend waren. Einige äußerten sich, die Russen müssen doch eine große Sympathie für Goethe und Schiller haben.«

  • [Vorname Name 7], Mähdrescherwerk Weimar, parteilos, sagte: »Der Besuch der sowjetischen Delegation hat mich in manchen Schwankungen stark gemacht. Ich bin überzeugt, dass durch die Begeisterung von diesen Tausenden von Menschen, welche die Delegationen begrüßten, seit heute fester an die Freundschaft mit der Sowjetunion gebunden sind. Woroschilow konnte sich nicht besser benehmen als wie der ehrlichste Freund, den es auf der Welt geben kann. Seine Worte fanden überall einen großen Anklang und volle Begeisterung. Wenn man sieht, wie er mit den jungen Pionieren umgegangen ist, dann müsste dies einer jeden Mutter Bedenken geben. Besonders hat er zur Frage der Einheit Deutschlands erklärt, dass dies Angelegenheit der Deutschen selbst ist, aber die Sowjetunion wird uns in diesem Kampf unterstützen. Auch sprach er darüber, dass man alle Kräfte für die Erhaltung des Friedens einsetzen muss und schilderte dabei die Schrecken, welche ein neuer Krieg auslösen könnte.«

  • [Vorname Name 8], parteilos, National-Theater Weimar, äußerte: »Am Freitag waren viele Menschen von Weimar auf den Beinen. Alle wollten Woroschilow sehen. Die große Begeisterung zeigte das Vertrauen, welches das deutsche Volk zur Sowjetunion hat.«

  • [Name 9], LDP, Russisch-Lehrer an der Oberschule in Weimar: »Durch den Besuch der sowjetischen Delegation in Weimar konnte man in Weimar feststellen, dass eine große Begeisterung zu verzeichnen war. Tausende von Menschen waren unterwegs. Überall wurden sie stürmisch begrüßt. Diese Freundschaft kann als eine gute bezeichnet werden. Es muss doch möglich sein, mit so einer Begeisterung auch die [Frage der] Einheit Deutschlands lösen zu können.«

  1. Zum nächsten Dokument Westliche Presse- und Rundfunkberichte zur Situation in der DDR
    13. Januar 1956
    Feindpropaganda [Information Nr. M7/56]
  2. Zum vorherigen Dokument Besuch ausländischer Delegationen zum 80. Geburtstag von Wilhelm Pieck
    13. Januar 1956
    Bericht über den Besuch ausländischer Delegationen anlässlich des 80. Geburtstages Wilhelm Piecks [Information Nr. M5/56]