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Probleme bei der Mechanisierung im Bauwesen

31. Mai 1961
Bericht Nr. 264/61 über die Mechanisierung im Bauwesen, unter besonderer Beachtung der Probleme, die mit dem Einsatz sowjetischer Baumaschinen und Aggregate verbunden sind

[Faksimile des Deckblatts]

Dem MfS liegen eine Vielzahl von Hinweisen aus dem Bauwesen vor, die Anlass für die Darlegung einiger Probleme geben.

Bei der Analyse über die Erfüllung des Volkswirtschaftsplanes 1960 durch das Ministerium für Bauwesen werden als Ursachen der Untererfüllung des Planes genannt:

  • 1.

    Die Steigerung der geplanten Arbeitsproduktivität in der Bauindustrie hätte zu 60 % durch Mechanisierung und Neuzuführung von Maschinen erreicht werden müssen. Zu 40 % sollte die Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Verbesserung der Organisation der Bauproduktion erreicht werden. Die Untererfüllung der Bauproduktion 1960 war auf die Rückstände in der quartalsmäßigen Maschinenzuführung als eigentliche Ursache zurückzuführen.

  • 2.

    Bei einem Niveauvergleich im Rahmen des sozialistischen Lagers ist zu verzeichnen, dass die DDR erhebliche Rückstände in der Baumechanisierung zu verzeichnen hat.

    So befinden sich auf 10 000 Produktionsarbeiter berechnet in der

    [Gerät]

    SU

    ČSSR

    DDR

    Planierraupen

    65,0

    52,3

    26,6

    Kräne

    85,0

    120,0

    29,6

    Bagger

    61,0

    49,0

    32,8

    im ständigen Einsatz.

    Als eine der Ursachen für ein derartiges Zurückbleiben wird die nicht termingemäße und vollständige Auslieferung der durch Globalvereinbarungen zugeteilten Baumaschinen aus inländischer Produktion angesehen.

Die Überprüfungsergebnisse und vorhandene Hinweise im MfS aus der Bauwirtschaft zeigen, dass es trotz eines erkennbaren Fortschritts auch in der Baumechanisierung auf den Baustellen (Neuzuführung von Baumaschinen) noch bedeutende Reserven zur Steigerung der Arbeitsproduktivität in der Bauindustrie durch rationelle Auslastung der vorhandenen Baumaschinen gibt.

Nach unserer Einschätzung sind die vom Ministerium für Bauwesen angeführten Ursachen der Untererfüllung begründet, stellen jedoch keine allseitige Analyse dar, da besonders die mangelhafte Auslastung des vorhandenen Maschinenparks wesentlichen Einfluss auf die Planerfüllung 1960 ausgeübt haben dürfte. So wurden zahlreiche Beispiele und Erscheinungen bekannt, die für einen ungenügenden Kampf um maximale Auslastung der vorhandenen Baugeräte charakteristisch sind.

Die Auslastung der Großgeräte auf den Baustellen ist unterschiedlich. Die Großgeräte (Mischer zu 500 l, Turm- und Autokräne, Betondruckgeräte, Bagger und Dumper) sind im Durchschnitt nur zu 35 bis 75 % ausgelastet. Von den vorhandenen Großgeräten befinden sich etwa ⅓ in ständiger Reparatur.

Hemmend für die komplexe Baumechanisierung macht sich noch immer das Fehlen von Universalschauflern, Grabenbaggern und Planierraupen auf den Baustellen für die Erdarbeiten bemerkbar. Die erforderlichen Erdarbeiten werden noch immer mit einem erheblichen Aufwand an manueller Arbeit bewältigt. Es wurde wiederholt durch Baufachleute auf den Baustellen bemängelt, dass die terminliche Zuteilung von Baumaschinen den komplexen Einsatz und die Ausnutzung nach Normzeiten negativ beeinflussen. Im I. Quartal 1961 wurden ca. 20 % der geplanten Zugmaschinen, 60 % der Tieflader und 90 % der geplanten Turmdrehkräne (Rapid III) ausgeliefert. Der betriebsorganisatorische und technologische Einsatz o. g. Geräte konnte dadurch nicht erreicht und eingehalten werden, sodass die Turmdrehkräne nicht ausgelastet werden konnten und Stillstände unvermeidbar waren.

Die Planung und der koordinierte Einsatz der bereitgestellten Baumechanismen durch die zentralen Leitungs- und Lenkungsorgane, hauptsächlich durch die VVB Industrie- und Spezialbau Berlin, aber auch durch die Bauleitungen der Großbaustellen, weist teilweise erhebliche Schwächen auf.

Seit Januar 1961 liegen im unmontierten Zustand je ein Turmdrehkran (Rapid III) auf dem Baugelände von Schwedt und Lübbenau. Nach Angaben von Bauarbeitern soll der in Schwedt befindliche Rapid III erst im III. oder IV. Quartal 1961 zum Einsatz kommen, falls die Leitung des VEB Industriebau Ost/Frankfurt/O. den Kran nicht zu anderweitigen Zwecken umsetzt. Wird der Kran nicht umgesetzt, bleibt er über ein halbes Jahr ungenutzt.

Der in Lübbenau befindliche Rapid III war für den Einsatz beim Bau des Wasserwerkes vorgesehen. Im Januar 1961 erfolgte die Streichung des Projektes. Seit dieser Zeit soll der Kran umgesetzt werden. Die Abverfügung durch den VEB BMK Kohle und Energie Hoyerswerda wurde bisher dem Selbstlauf überlassen. Andererseits muss die Anforderung des BMK mit einem Fernschreiben vom 18.5.1961 an die VVB Industrie- und Spezialbau auf dringende Zuweisung eines Rapid III für die Baustelle Berzdorf so eingeschätzt werden, dass innerhalb der verantwortlichen Abteilung des BMK für den Geräteeinsatz keine Übersicht vorhanden ist und die Kontrolle über den vorhandenen Maschinenpark ungenügend organisiert ist. Auf der Baustelle des Großkraftwerkes Lübbenau sind elf Mobilkräne vom Typ »Baumeister« nur zu 58 % ausgelastet.

Auf der Baustelle im Buna-Werk gelangten zwei Rapid III an zwei nebeneinanderliegenden Teilvorhaben zum Einsatz. Es war bereits vor dem Einsatz beider Geräte erkennbar, dass diese Geräte ca. ½ Jahr nicht voll ausgelastet werden können. Als Ursache dieser Verfahrensweise wurde angegeben, dass sie zum Heben von Bauteilen über 3 t Gewicht eingesetzt werden mussten. Da aber Rapid III bei einem Gewicht von 2,9 t sich automatisch abschaltet, mussten die Bauteile durch beide Kräne gemeinsam verlegt werden. Nach Beendigung dieser Aufgaben verzögerte sich bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Umsetzung, da die weitere Verwendung auf der Baustelle nicht zu ermitteln ist. Auf dieser Baustelle sollen fünf Mobilkräne vom Typ »Baumeister« nur zu 8 % ausgelastet sein.

Im Allgemeinen scheint die anleitende und kontrollierende Tätigkeit der VVB Industrie- und Spezialbau Berlin in den Fragen der Baumechanisierung, Durchsetzung moderner Technologie und des Mehrschichtensystems verschiedene Schwächen aufzuweisen.

Durch den persönlichen Einsatz des Leiters der VVB, Genosse Peters, im Bereich des BMK Chemie Halle konnten im I. Quartal 1961 sichtbare Erfolge bei der mehrschichtigen Maschinenauslastung durch die Maschke-Bewegung erreicht werden. Dieses Ergebnis blieb bisher ein Einzelfall, da beispielsweise in Schwedt und Lübbenau noch keine sichtbaren Veränderungen hinsichtlich der Maschinenauslastung zu erkennen sind.

Die Hauptmechanik der VVB, als verantwortliche Arbeitsgruppe für Baumaschineneinsatz, -auslastung und -wartung sowie für die Verbreitung der Maschke-Bewegung, wird jedoch in ihrer Arbeitsweise durch die Leitung der VVB stark behindert.

Der Maßnahmeplan der Hauptmechanik vom 27.1.1961, der eine Erfassung der Schwerpunktmaschinen, die Fragen der Wartung und Reparaturen, der Einsatzplanung und der Überprüfung der Baumaschinenauslastung vorsah, wurde ohne Begründung abgelehnt. Dem Hauptmechaniker wurden alle geplanten Dienstreisen verweigert. Die Folgen bestehen darin, dass der Hauptmechaniker [Name] keine Übersicht über den derzeitigen Einsatz und den technischen Zustand der Baumaschinen besitzt. Eine Auswertung der Baumaschinenberichterstattung wird durch die unregelmäßige und oft verspätete Zustellung von der Leitung der VVB erschwert bzw. überhaupt nicht vorgenommen. Nach Ansicht des Hauptmechanikers erfolgt jedoch keine Auswertung, da das vorliegende Zahlenmaterial die realen Verhältnisse der Baumaschinenauslastung überhaupt nicht wiedergibt.

Aus der VVB Industrie- und Spezialbau wurde bekannt, dass die verantwortlichen Mitarbeiter die bisher geübte Praxis der statistischen Erfassung über die Auslastung der Baumaschinen selbst als irreal betrachten. Sie wird keinesfalls eine Analyse der realen Verhältnisse ermöglichen. Die Verschleierung in der Berichterstattung wird durch nicht baureife Unterlagen, Streichung von Investitionen und registrierte Reparaturzeiten ermöglicht. Besonders noch nicht erarbeitete Maschineneinsatzpläne in den Baubetrieben (z. B. Industriebau Ost/Frankfurt/O.) bieten die Möglichkeit, auf nicht definierbaren Bezugsgrundlagen »abzurechnen«. Die Einschätzung der Arbeitsweise der Hauptmechaniker vom VEB Industriebau Ost/Frankfurt/O. und BMK Kohle und Energie Hoyerswerda sowie des technischen Zustandes der dort vorhandenen Maschinen ist dem Hauptmechaniker der VVB dadurch nicht möglich.

Durch die unzureichende Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Technologie und Hauptmechanik in der VVB ist der planmäßige Einsatz der Austauschmaschinen nicht gewährleistet. Daraus resultiert der Zustand äußerst schlechter Arbeit der Abteilung Hauptmechanik des VEB Industriebau Ost. Die kleineren Geräte, wie Mischer, Kompressoren und Pumpen, werden unkontrolliert durch die Bauleiter untereinander auf der Baustelle ausgetauscht, sodass die Kontrolle durch die Abteilung Hauptmechanik erschwert wird. Die operative Lenkung der Baumaschinen erfolgt durch die technologischen Abteilungen in Verbindung mit der Oberbauleitung. Da jedoch die technologischen Abteilungen nicht immer die notwendige Übersicht über den Einsatz der Maschinen besitzen, stützen sie sich bei der Einsatzplanung auf die Angaben der Oberbauleitung und lenken den Maschineneinsatz nicht nach Zweckmäßigkeitsgründen und Auslastungsmöglichkeiten. Charakteristisch hierfür ist, dass im I. Quartal 1961 in Schwedt fünf neue Mischer zum Einsatz kamen, obwohl bekannt war, dass die Auslastung der vorhandenen Mischer im Durchschnitt nur bei 60 bis 70 % liegt. (Die Angaben in Prozent werden noch dazu als nicht real bezeichnet.)

Die Mängel in der Baumaschinenlenkung und -umsetzung zwischen den Baubetrieben und Baustellen werden z. T. durch die Eigenverantwortlichkeit der Betriebe begünstigt. Die vorgenommenen Überprüfungen haben ergeben, dass trotz der bestehenden gesetzlichen Pflicht zur Meldung überzähliger und nichtausgelasteter Maschinen an die VVB und Bezirksbauämter keine ausreichende zentrale Lenkung wirksam wurde und die Probleme der Lenkung und Umsetzung von Baumaschinen den Betrieben weiterhin überlassen war. Die weiter oben aufgezeigten Mängel in der VVB, unzureichende Zusammenarbeit zwischen Technologie, Hauptmechanik und Produktionsleitung ermöglichten keinesfalls in der Baumaschinenlenkung und -umsetzung zwischen den zentralgeleiteten Bauunternehmen eine ausreichende Abstimmung und Koordinierung auf zentraler Ebene.

Nach Auffassung des MfS wäre es notwendig, das Problem des Einsatzes sowjetischer Mobilkräne in absehbarer Zeit einer generellen Entscheidung zuzuführen, indem endgültig die Sicherheitsbestimmungen für den Einsatz der sowjetischen Mobilkräne festgelegt werden. Es wurde bereits durch eine Einzelinformation vom 20.2.1961 über die Schwierigkeiten beim Einsatz des sowjetischen Autokrans vom Typ K 104 berichtet.1 Die vorliegenden Informationen von einigen Großbaustellen und die Einschätzung des bisherigen Verfahrensweges zur Lösung dieses Problems lassen jedoch erkennen, dass bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine nennenswerten Ergebnisse zur schnellen Herstellung der Einsatzbereitschaft sowjetischer Mobilkräne erreicht werden konnten.

Von 1959 an bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden durch den DIA Maschinenexport, Kontor M 42, insgesamt 24 K 51, fünf K 102, elf K 104 und sieben K 123 importiert. Trotz Überprüfungen, Beratungen und Verhandlungen eingesetzter Kommissionen der SPK, bei welchem zahlreiche Gutachten, Stellungnahmen und Empfehlungen erarbeitet wurden, sind von den seit 1959 gelieferten Mobilkränen nur ca. fünf bis sechs zeitweilig und befristet im Einsatz.

Die Hinweise zeigen, dass bei der Klärung von Sicherheitsfragen, die durch die Technische Überwachung aufgezeigt wurden, die SPK und das Ministerium für Bauwesen nach ca. einem Jahr noch nicht in der Lage sind, eine generelle Klärung herbeizuführen. Seit Juli 1960 besteht eine sozialistische Arbeitsgemeinschaft, die die Fragen der Beseitigung der beanstandeten technischen Mängel und Sicherheitsbestimmungen bearbeitet.

Ende 1960 wurden die Umbauarbeiten und Konstruktionsunterlagen für den K 123 von der SDAG Wismut, Objekt 34, Werk 512, fertiggestellt. Die Zentralstelle der Technischen Überwachung bei der SPK erhielt im Dezember davon Kenntnis. Eine Mitteilung an das Ministerium für Bauwesen, Abteilung Technik, über die Möglichkeiten des Umbaues erfolgte durch die Zentralstelle der Technischen Überwachung mit einem Schreiben vom 19.12.1960.

Das Ministerium für Bauwesen teilte allen Baubetrieben, die sowjetische Mobilkräne empfangen hatten, mit, welche Möglichkeiten des Umbaues gegeben sind. Es war jedoch nicht feststellbar, in welchem Umfange nun die Baubetriebe sich die Konstruktionsunterlagen von der SDAG Wismut beschafft haben. Nach den bestehenden Übersichten hat die Mehrzahl der Baubetriebe den Fragen des schnellen Umbaues noch nicht die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet.

Nach vorliegenden Hinweisen hat der Genosse Dr. Mittag die Leitung der Abteilung Schwermaschinenbau der SPK im März 1961 von der Sachlage informiert. Dennoch ist bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht erkennbar, ob durch das Eingreifen der Wirtschaftskommission des ZK die Abteilung Abt. SMB der SPK alle erforderlichen Maßnahmen zur Herstellung der Einsatzbereitschaft sowjetischer Mobilkräne eingeleitet hat. Die angetroffenen Verhältnisse auf den Baustellen, die sowjetische Mobilkräne bisher erhielten, lassen erkennen, dass es noch nicht zu einer schnellen Klärung aller Probleme gekommen ist.

Da in Zukunft ein verstärkter Import sowjetischer Mobilkräne der verschiedensten Typen zu erwarten ist, wäre es unserer Auffassung nach dringend erforderlich, diese Fragen endgültig zu klären und der Technischen Überwachung verbindliche Unterlagen zur weiteren Bearbeitung bei der Zulassung der Mobilkräne zu übergeben. Weiterhin wäre es zweckmäßig, solche Maßnahmen durch die SPK festlegen zu lassen, die den Umbau sowjetischer Mobilkräne an zentraler Stelle sofort nach der Einfuhr ermöglichen. Dadurch wäre die technische Abnahme an zentraler Stelle durch die Technische Überwachung gewährleistet, und es könnte nicht mehr zu Komplikationen beim Einsatz derartiger Baumaschinen auf den Baustellen kommen.

Anlage zur Information Nr. 264/61

[Fotodokumentation über unbrauchbare Baumaschinen]

[Fotodokumentation nicht am Dokument ediert, siehe Faksimile]

  1. Zum nächsten Dokument Probleme in der Volksbildung (u. a. Lage der Lehrer)
    1. Juni 1961
    Bericht Nr. 270/61 über einige Probleme der Volksbildung, speziell zur Lage unter den Lehrern nach Veröffentlichung des Kommuniqués des Politbüros der SED und in Vorbereitung des VI. Pädagogischen Kongresses
  2. Zum vorherigen Dokument Probleme bei der Umsetzung des Chemieprogramms
    31. Mai 1961
    Bericht Nr. 252/61 über einige Mängel in der Erfüllung des Chemieprogramms