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Schadinsekten in den Forsten Magdeburg und Cottbus

7. März 1961
[Einzel-Information] Nr. 133/61 über das Auftreten von forstlichen Schadinsekten in den Bezirken Magdeburg und Cottbus

In den Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieben des Bezirkes Magdeburg – außer Wernigerode und Blankenburg – wurde ein äußerst starkes Auftreten der Kiefernbuschhornblattwespe (schadet durch Vernichtung der Kiefernnadeln, sodass es zum Absterben der befallenen Bestände kommt) festgestellt. Darüber hinaus sind Bestände einiger Forstswirtschaftsbetriebe des Bezirkes Cottbus durch das verstärkte Auftreten der Forleule (Kiefernschädling, tritt ähnlich auf wie die Kiefernbuschhornblattwespe) bedroht. Mit dem Auftreten der genannten Schadinsekten treten gleichzeitig weitere Forstschädlinge auf, vor allem der Kiefernspanner, der ebenfalls als Raupe in den Nadeln frisst. Aufgrund der ermittelten Befallsdichte der Schadinsekten muss bei nicht rechtzeitig einsetzender Bekämpfung mit dem Ausbruch einer Kalamität gerechnet werden, die über die Ausmaße von der 1922 hinausgeht.

Die von der Kiefernbuschhornblattwespe befallene Fläche umfasst ca. 25 Tha, die der Forleule 6–7 Tha. Die Befallsdichte ist so stark, dass mit einer sofortigen Bekämpfung (April/Mai) begonnen werden muss, um einen Kahlfraß zu verhindern (Totalschaden).

Von den Schadinsekten sind somit ca. 3 Mio. fm Holz (mittlere und ältere Bestände) befallen. Der durchschnittliche Preis pro fm Holz wird mit 40,00 DM veranschlagt. Damit würde der volkswirtschaftliche Schaden die 100-Mio.-Grenze überschreiten. Die Bekämpfungsmaßnahmen werden demgegenüber mit 1,8 Mio. DM veranschlagt.

Zum vorbeugenden Forstschutz ist notwendig, dass durch alljährliches Probesuchen nach im Boden überwinternden Formen dieser Schadinsekten (Kokons und Puppen) die Besatzdichte festgestellt wird, um evtl. notwendige Bekämpfungsmaßnahmen einleiten zu können. Zur Untersuchung der Proben werden die Forstschutz-Abteilung der Forstinstitute Tharandt und Eberswalde eingeschaltet.

Die Probesuchen in den von Schädlingen befallenen Gebieten ergaben 1959 und bis August 1960 kein verstärktes Auftreten der Insekten. Es wurde lediglich festgestellt, dass die Kiefernbuschhornblattwespe stark auftritt. Forleule und Kiefernspanner sind in den Berichten über die Probesuchen seitens der Forstbetriebe bzw. Revierförster nicht genannt worden.

Das plötzlich verstärkte Auftreten der Kiefernbuschhornblattwespe kann nur dadurch erklärt werden, dass die vorangegangenen Kontrollmaßnahmen unverantwortlich und oberflächlich durchgeführt wurden. Diese Meinung wurde durch leitende Wissenschaftler des Deutschen Entomologischen Instituts in Berlin-Friedrichshagen bestätigt.

Eine Überprüfung der schriftlichen Meldungen ergab, dass die staatlichen Forstwirtschaftsbetriebe des Bezirkes Magdeburg im vorbeugenden Forstschutz ernsthafte Versäumnisse aufwiesen, worauf die Forstschutzabteilungen der Institute für Forstwissenschaften Eberswalde und Tharandt bereits im März/April 1960 hinwiesen. Dabei wurde speziell auf die Betriebe Salzwedel, Seehausen, Klötze, Gardelegen, Letzlingen, Stendal, Colbitzer Heide, Jerichow, Nedlitz u. a. aufmerksam gemacht. Von diesen Betrieben wurde z. B. der Berichtszeitraum nicht eingehalten, die Berichte blieben teilweise ganz aus oder die Meldekarten wurden falsch ausgefüllt.

Von Wissenschaftlern wird wiederholt erwähnt, dass zur Verhinderung eines großen volkswirtschaftlichen Schadens sofort mit der Bekämpfung durch Flugzeugbestäubung begonnen werden müsste, zumal es sich teilweise um unzugängliche Gebiete handelt (Moor- und Sumpfland). Durch eine Bearbeitung mit Bodengeräten würde keine vollständige Vernichtung der Schädlinge innerhalb der zur Verfügung stehenden Zeit erfolgen können, zumal verschiedene Schädlinge im Frühjahr nur drei Wochen in Aktion sind. Außerdem müssten bei einer Bekämpfung mit Bodengeräten ca. 22 000 Tfm Holz zusätzlich in dem betroffenen Gebiet eingeschlagen werden, um die notwendige Bewegungsfreiheit der Geräte zu garantieren.

Ungeklärt, auch nach der […], am 7.3.1961 in der Abteilung Forstwirtschaft des MfLEu.F bleibt zzt. noch der Einsatz der entsprechenden Flugzeuge seitens der Deutschen Lufthansa. Sämtliche Flugzeuge sind von der Landwirtschaft für die Düngung der landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt worden und werden von dort zur Bestäubung der mit Schädlingen befallenen Forstwirtschaftsbetriebe nicht freigegeben. Ein Einsatz der Flugzeuge ist außerdem von dem Aspekt notwendig, weil es sich teilweise bei den Flächen um Gebiete in Grenznähe handelt und bei der Bekämpfung mit Bodengeräten viele Arbeitskräfte im 5-km-Gebiet eingesetzt werden müssten.

Die bis gestern ungeklärte Menge an Schädlingsbekämpfungsmitteln ist inzwischen von Bitterfeld bereitgestellt worden. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um chemische Stoffe, die nur für eine Flugzeugbekämpfung Verwendung finden können. Für die Bekämpfung aus der Luft würden die Maschinen benötigt: 2 AN II sowie 3 L-60. Die von Flugzeugen zu bestäubende Fläche wird auf über 28 000 Tha geschätzt.

Von Wissenschaftlern wird darauf hingewiesen, dass die Forleule seit 1957 eine starke Vermehrung aufweist, und Berechnungen ergeben, dass im Auftreten dieses Schädlings 1962 der Höhepunkt erreicht wird, falls in diesem Jahr keine rechtzeitige Bekämpfung einsetzt.

Zu bemerken ist, dass die genannten Schädlinge auch in den Bezirken Dresden und Leipzig auftreten, in diesen Bezirken jedoch eine örtliche Bekämpfung innerhalb weniger Tage mit Erfolg durchgeführt werden kann.

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