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Ehemalige SS-Panzerdivisionen der deutschen Wehrmacht

12. Februar 1963
Einzelinformation Nr. 86/63 über die ehemalige 3. SS-Panzerdivision »Totenkopf« und die ehemalige 17. SS-Panzer-Grenadier-Division »Götz von Berlichingen«

Weitere Ermittlungen über die beiden genannten ehemaligen Einheiten des faschistischen Heeres ergaben:

Im Rahmen der Waffen-SS gab es eine 3. SS-Panzerdivision »Totenkopf«. Sie setzte sich zusammen aus: dem Divisions-Stab, dem SS-Panzergrenadier-Regiment 5 »Thule«, dem SS-Panzergrenadier-Regiment 6 »Theodor Eicke«, dem SS-Panzer-Regiment 3 »Danmark«, dem SS-Panzer-Artillerie-Regiment 3 sowie den Divisions-Truppen (Nr. 3).1

Die Division ging Ende 1942 aus der SS-Division »Totenkopf« hervor, die den Charakter einer motorisierten Infanteriedivision trug und zu dieser Zeit in eine Panzerdivision im Bestand des II. SS-Panzerkorps umgegliedert wurde.2

Die Offiziere und der aktive Stamm der 3. SS-Panzerdivision stammten ursprünglich aus den ab 1934 aufgestellten »SS-Totenkopf-Standarten«. Die SS-Division »Totenkopf« wurde in Zusammenfassung mehrerer derartiger Standarten im Oktober 1939 im Raum Dachau (Nord-Württemberg3) aufgestellt. Sie nahm am faschistischen Überfall auf Polen und am »Westfeldzug« teil.

1941/42 war sie beim faschistischen Überfall auf die Sowjetunion am Vorstoß in Richtung Leningrad und an den Kämpfen bei Nowgorod, Luga und Staraja Russia beteiligt. 1942 nahm sie an Kämpfen in den Waldaihöhen4 und im Kessel von Demjansk teil. Im Herbst des Jahres wurde sie zur Umgliederung nach Frankreich verlegt.

Die umgegliederte 3. SS-Panzerdivision »Totenkopf« beteiligte sich 1943 an der Schlacht um Charkow, an der »Sommeroffensive« aus dem Raum Bjelgorod in Richtung Kursk und bis Ende des Jahres an »Rückzugskämpfen« bis hinter den Dnjepr (Tscherkassy).

1944 wurde die Division im Bereich der Heeresgruppe Mitte bei »Rückzugskämpfen« bis in den Raum Kowel eingesetzt. Vom Sommer bis Herbst 1944 war sie maßgeblich an der brutalen Unterdrückung der polnischen Bevölkerung und an der blutigen Niederschlagung des Warschauer Aufstandes5 beteiligt.

1945 wurde sie in Ungarn im Raum Budapest/Plattensee eingesetzt und dann in das österreichische Alpenvorland zurückgezogen. Dort erfolgte ihre Auflösung.

Als Divisions-Kommandeure wurden bekannt: SS-Obergruppenführer Theodor Eicke6 (gefallen am 28[!].2.1943). Eicke war der erste Kommandant des KZ Dachau und einer der Begründer des KZ-Systems. Sein erster Generalstabsoffizier war SS-Sturmbannführer Lammerding,7 der berüchtigte Mörder von Oradour8 1944. Nachfolger Eickes waren SS-Oberführer Becker9 und ab 1944 SS-Gruppenführer Prieß.10

Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wurde die 3. SS-Panzerdivision »Totenkopf« mehrfach erwähnt. Ihre Verbrechen bestehen in der Ermordung von sowjetischen Bürgern in Charkow sowie der Ermordung von 45 000 polnischen Bürgern, z. T. jüdischer Abstammung, in Warschau (zur Last gelegt der 7. Kompanie des Panzergrenadier-Regiment. 5 innerhalb der Division).11

Allgemein war es in der Division üblich, auf dem sowjetischen Kriegsschauplatz »keine Gefangenen zu machen«. Die Division galt als eine der rücksichtslosesten und brutalsten Einheiten der Waffen-SS. Das geht bereits aus der Zusammensetzung ihres Stammpersonals (KZ-Wächter) und aus der Person ihres ersten Kommandeurs Eicke und seines Ia12-Offiziers Lammerding sowie aus der gesamten Art ihrer Kriegführung in der Sowjetunion und Polen hervor. Dementsprechend wurden auch die Freiwilligen ausgewählt, vorbereitet und gefördert.

Es wurde weiterhin ermittelt, dass es im Rahmen der Waffen-SS eine 17. SS-Panzergrenadier-Division »Götz von Berlichingen« gab. Sie bestand aus dem Divisionsstab, dem SS-Panzergrenadier-Regiment 37, dem SS-Panzergrenadier-Regiment 38, der SS-Panzer-Abteilung 17, dem SS-Panzer-Artillerie-Regiment 17 und den Divisionstruppen (Nr. 17).13

Die Division wurde Ende 1943 vor allem unter Verwendung der 49. und der 51. SS-Panzergrenadier-Brigade aufgestellt. Über ihre Kommandeure und etwaige Kriegsverbrechen liegen keine Unterlagen vor.

Anfang 1944 wurde die Division im Rahmen der 1. Armee der Heeresgruppe West im Biskaya-Abschnitt südlich der Loire eingesetzt. Im Frühsommer 1944 wurde sie an die Front in der Westnormandie verlegt. Im Sommer 1944 nahm sie an Kämpfen gegen anglo-amerikanische Truppen in Nordfrankreich im Raum Carantan teil. Bis zum Kriegsende nahm sie an »Rückzugskämpfen« auf etwa folgender Linie teil: Seine-Stellung, Saargebiet, Rhein-Stellung, Südwestdeutschland (bis zur Gefangenennahme durch die Westalliierten).

Einzelheiten über die Division sind nicht bekannt. Aufgrund ihres Charakters als Verband der Waffen-SS, der aus einem aktiven SS-Stamm hervorging und zumindest bis Ende 1944 in der Masse aus Freiwilligen bestand, kann sie jedoch als eine Truppe eingeschätzt werden, die sich ebenfalls durch rücksichtslose und brutale Kriegführung »bis zum letzten Mann« auszeichnete.

  1. Zum nächsten Dokument Moralische Verfallserscheinungen in der Pionierschule der NVA, Dessau
    12. Februar 1963
    Einzelinformation Nr. 90/63 über moralische Zersetzungserscheinungen in der Leitung der Pionierschule der NVA, Dessau
  2. Zum vorherigen Dokument Ehemalige 3. Panzerdivision der deutschen Wehrmacht
    11. Februar 1963
    Einzelinformation Nr. 85/63 über die ehemalige 3. Panzerdivision des faschistischen Heeres