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Versuchte Einschleusung von Schriften religiöser Sekten

9. Dezember 1964
Einzelinformation Nr. 1096/64 über eine versuchte Einschleusung von Schriften der religiösen Sekten »Anthroposophen« und »Christengemeinschaft« durch einen holländischen Staatsbürger am KPP Berlin – Friedrich-/Zimmerstraße am 6. Dezember 1964

Am 6.12.1964, gegen 15.30 Uhr, reiste der holländische Staatsangehörige [Name, Vorname], geboren [Name] 1926 in Königsberg, wohnhaft Berlin-Zehlendorf, [Straße, Nr.], Beruf Heilpädagoge, mit dem Pkw Renault-Kombi, polizeiliches Kennzeichen HH [Kennzeichen], von Westberlin kommend in den KPP Friedrich-/Zimmerstraße ein. Bei der Kontrolle des Pkw wurde festgestellt, dass sich hinter der Türverkleidung mehrere Hefte befanden. Nach dieser Feststellung verließ der Zollangehörige das Fahrzeug, um sich die Genehmigung zur Intensivkontrolle einzuholen. Als der Holländer dies bemerkte, verließ er fluchtartig den Pkw. Er begab sich unter Zurücklassung des Fahrzeuges und seines Passes auf Westberliner Gebiet, wo er sofort die Baracke des Westzolls aufsuchte.

Die Posten am letzten Schlagbaum ließen [Name] in Richtung Westberlin passieren in der Annahme, dass er vom Zoll zurückgeschickt wurde, um zur Einfuhr verbotene Ware zur Hinterlegung am West-KPP zu bringen. (Derartige Fälle der Hinterlegung von Waren, deren Einfuhr in der DDR nicht gestattet ist, am West-KPP, sind in der Vergangenheit wiederholt aufgetreten.)

Bei der anschließenden Intensivkontrolle des von [Name] im Bereich des KPP zurückgelassenen Pkws wurden insgesamt 102 religiöse Schriften sichergestellt. Dabei handelt es sich um Schriften der in der DDR verbotenen Sekte »Anthroposophen«1 und der zugelassenen Sekte »Christengemeinschaft«.2 (Mitglieder der illegalen Sekte »Anthroposophen« sind vorwiegend Ärzte. Vonseiten der Mitglieder wurden wiederholt Versuche unternommen, die offizielle Zulassung der Sekte in der DDR zu erreichen.)

Die Sekten »Anthroposophen« und »Christengemeinschaft« unterhalten enge Kontakte untereinander und verfügen über umfangreiche Verbindungen zu Angehörigen dieser Sekten in Westdeutschland und im nichtsozialistischen Ausland.

Bei der sichergestellten Literatur dieser Sekten handelt es sich um Schriften, die sich in ihrem Inhalt gegen die gesellschaftlichen Verhältnisse und die weltanschauliche Grundlage der DDR richten. Alle Schriften nehmen gegen die materialistische Weltanschauung Stellung und propagieren eine antikommunistische und antimarxistische Geistesrichtung und Staatsordnung.

  1. Zum nächsten Dokument Schlägerei auf dem Weihnachtsmarkt Magdeburg
    10. Dezember 1964
    Einzelinformation Nr. 1098/64 über ein besonderes Vorkommnis auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg am 9. Dezember 1964
  2. Zum vorherigen Dokument Besprechung der Evangelischen Kirchenleitungen der DDR
    8. Dezember 1964
    Einzelinformation Nr. 1093/64 über eine Besprechung der Bischöfe und Mitglieder der Kirchenleitungen der evangelischen Kirche in der DDR