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Versuchter gewaltsamer Grenzdurchbruch KPP Juchhöh

11. Februar 1964
Einzelinformation Nr. 97/64 über einen versuchten gewaltsamen Grenzdurchbruch am KPP Juchhöh (Bezirk Karl-Marx-Stadt) am 8. Februar 1964

Am 8.2.1964, gegen 21.20 Uhr, versuchten die DDR-Bürger [Name 1, Vorname], geboren [Tag, Monat] 1934 in Schöpplin, beschäftigt als Kraftfahrer bei der LPG »Gemeinsames Schaffen« Eilenburg, wohnhaft Eilenburg, [Straße, Nr.], verheiratet, zwei Kinder, und [Name 2, Vorname], geboren [Tag, Monat] 1930, Hausfrau, wohnhaft Eilenburg, [Straße, Nr.], verheiratet, fünf Kinder, gewaltsam am KPP Juchhöh die Staatsgrenze West mit dem Lkw SD [Nummer] (Eigentümer LPG »Gemeinsames Schaffen« Eilenburg) zu durchbrechen.

Beide Personen fuhren mit dem Lkw aus Eilenburg kommend in Richtung Staatsgrenze West/KPP Juchhöh und durchbrachen mithilfe des Fahrzeuges gewaltsam den eingangs des 5-km-Sperrgebietes (Grenzgebiet Binsenfleck) stehenden Schlagbaum der VP. Eine Verständigung der KPP-Besatzung durch die VP über den erfolgten Durchbruch des Schlagbaumes war infolge defekter Telefonleitung nicht möglich. (Die Leitung war am 8.2.1964 früh der zuständigen Nachrichtenstelle des Bataillons Juchhöh als gestört gemeldet worden.)

In der weiteren Fahrt mit dem Lkw SD [Nummer] durchbrachen die beiden Personen den Eingangsschlagbaum zum KPP Juchhöh. Von den Sicherungsposten am Schlagbaum 3 wurde sofort das Feuer auf den Lkw eröffnet. Dabei wurden insgesamt zehn Schuss aus Pistolen auf den Lkw abgegeben, ohne jedoch die Grenzverletzer zu treffen.

Am 2. Schlagbaum des KPP Juchhöh, der mit Eisenträgern gesichert ist, konnte der Lkw zum Halten gebracht werden. Bei dem Aufprall auf diesen Schlagbaum wurde die [Name 2, Vorname] aus dem Lkw geschleudert, wobei sie Verletzungen erlitt, die eine ärztliche Behandlung erforderlich machten.

Der Fahrer des Lkw [Name 1] ergriff, nachdem der Lkw zum Stehen gekommen war, durch ein angrenzendes Waldgebiet in Richtung Staatsgrenze die Flucht. Er wurde ca. 30 Minuten später auf dem Territorium der DDR, etwa 80 m von der Staatsgrenze entfernt, festgenommen. Bei der Festnahme leistete er keinen Widerstand. [Name 1] hatte während der Flucht durch das Waldgebiet in Richtung Staatsgrenze eine Aktentasche mit seinen Ausweispapieren weggeworfen, die bei der Durchsuchung des Festnahmeortes sichergestellt werden konnte.

Durch den Aufprall des Lkw am 2. Schlagbaum entstand am Fahrzeug Totalschaden. Der Lkw wurde gemeinsam von Genossen der NVA/Grenze und der Zollverwaltung zum Objekt der NVA Grenze abgeschleppt.

Die Schlagbäume wurden unmittelbar nach dem versuchten Grenzdurchbruch wieder instandgesetzt.

Bei den ersten Befragungen des [Name 1] zum Motiv des versuchten Grenzdurchbruchs gab er an, seit ca. zwei Jahren zur [Name 2] intime Beziehungen unterhalten zu haben. Die DDR zu verlassen hätten sie beschlossen, nachdem jetzt dem Ehemann der [Name 2] das Verhältnis bekannt geworden sei.

Die Abfertigung am KPP Juchhöh musste durch das Vorkommnis am 8.2.1964, gegen 21.20 Uhr, für ca. 15 Minuten unterbrochen werden. Am KPP war zur genannten Zeit nur schwacher Verkehr. Im Kontrollgelände befanden sich 8 Fahrzeuge.

Vom MfS wurde der [Name 1] zur weiteren Aufklärung des Sachverhalts inhaftiert. Die [Name 2] befindet sich zzt. im Krankenhaus Schleiz und wird nach dortiger Behandlung ebenfalls vom MfS in Haft genommen. Ermittlungen zur restlosen Aufklärung des Vorkommnisses wurden durch das MfS eingeleitet.

  1. Zum nächsten Dokument Verstärkter Druck der Bundesregierung auf den Westberliner Senat
    12. Februar 1964
    Einzelinformation Nr. 102/64 über verstärkten Druck der Bundesregierung auf den Westberliner Senat in der Passierscheinfrage
  2. Zum vorherigen Dokument Gegnerische Tätigkeit und moralische Mängel an der Staatsgrenze
    7. Februar 1964
    Einzelinformation Nr. 87/64 über die gegnerische Tätigkeit an den Staatsgrenzen der DDR sowie über einige Mängel im politisch-moralischen Zustand der NVA/Grenze