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Verbreitung islamischer Propaganda gegen Nasser und Ben Bella

31. März 1965
Einzelinformation Nr. 284/65 über das Verbreiten antiarabischer Hetzschriften in Westdeutschland

In der letzten Zeit, insbesondere seit dem Freundschaftsbesuch des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR Genossen Walter Ulbricht in der VAR,1 ersuchen in zunehmendem Umfange in Westdeutschland und Westberlin studierende Araber um Weiterführung ihres Studiums in der DDR.

Aus den Begründungen der arabischen Studenten ist ersichtlich, dass die gegenwärtig in Westdeutschland und Westberlin geführte antiarabische Kampagne eine geordnete Weiterführung ihres Studiums infrage stellt.

Ausdruck dieser Situation ist u. a. das anonyme Verbreiten von Hetzschriften, in denen in massiver Form Morddrohungen gegen die politischen Repräsentanten dieser Staaten, gegen VAR-Präsidenten Nasser2 und Staatspräsident Ben Bella,3 ausgesprochen werden und in denen an alle arabischen Studenten die Aufforderung ergeht, in ihre Heimatländer zurückzukehren, um an der »Beseitigung aller Helfershelfer des Kommunismus« mitzuwirken.

Die Beteiligung an derartigen »Aktionen« wird den arabischen Studenten zur moralischen Pflicht gemacht, andernfalls wäre ihr Leben in Westdeutschland gefährdet.

Ein dem MfS vorliegendes Hetzflugblatt, das u. a. in München verbreitet wurde, hat folgenden Wortlaut:

Ȁgypter, Araber!

Das wahre Gesicht Nassers hat sich jetzt offenbart! Er ist so wie sein Gast Ulbricht ein Genosse der Hölle. Die Hölle, die er anbetet, ist der Bolschewismus. So wie bei uns im Abendland, so soll auch bei Euch Euer heiliger Glaube, Eure einzigartige Kultur und alles überhaupt, was Euch teuer ist, ausgerottet werden. Nach dem Willen der moskowitischen Atheisten hat der Mensch als Tier in einem Zuchthaus zu leben, in dem die Peitsche des Funktionärs allein zu bestimmen hat, was Gut oder Böse ist. Deshalb macht sofort Schluss mit dem Höllenhund Nasser, wie wir mit dem Menschenverächter und Massenmörder Ulbricht ein Ende machen werden.

Es ist Eure Pflicht und Schuldigkeit, sofort die Bundesrepublik zu verlassen und reinen Tisch mit Nasser, Ben Bella und allen Helfershelfern des Kommunismus zu machen. Nach getaner Arbeit dürft Ihr wieder zu uns kommen und alles bei uns lernen, wonach Ihr Freude und Interesse habt. Ihr werdet dann bei uns gut ausgebildet, um den Erzfeind der Menschheit, den gottlosen Kommunismus zu bekämpfen. Wir glauben, dass jeder von Euch unser Ansinnen, sofort in seine Heimat zurückzukehren und Abrechnung mit allen Verrätern des Islams zu halten, würdigen wird.

Die aber, die es trotzdem noch wagen sollten, hier bei uns zu bleiben, müssen logischerweise als unsere Feinde betrachtet werden. Wer mit Nasser und Konsorten noch länger zusammenarbeiten will, wird in Deutschland seiner gerechten Strafe nicht entgehen. Sie werden lautlos und ohne viel Aufhebens und ohne Urteil getötet werden; für Feinde unseres Vaterlandes ist auf Erden kein Platz. Ihr aber, die Ihr Vorkämpfer des Islams seid, habt ja kein Interesse daran, dass ein minderwertiges Verrätergesindel in Eure Heimatländer wieder zurückkehrt und die Unterwelt um seine Person bereichert. Deshalb Ihr Gläubigen Allahs, geht sofort in eure Heimat und haltet Abrechnung mit Nasser und dessen Freunden, wie wir in Deutschland mit dem atheistischen Bolschewismus aufräumen werden.

V.d.D.f.R. | München«

Eine publizistische Auswertung dieser Information ist möglich.

  1. Zum nächsten Dokument Explosion im Zündhütchen- und Sprengstoffwerk Schönebeck/Elbe
    31. März 1965
    Einzelinformation Nr. 285/65 über Explosion in der Zündhütchen- bzw. Sprengkapsel-Ladestraße des VEB Sprengstoffwerkes Schönebeck/Elbe
  2. Zum vorherigen Dokument Einbringen eines westdeutschen Kutters
    31. März 1965
    Einzelinformation Nr. 282/65 über das Einbringen eines westdeutschen Kutters, der am 29. März 1965 in den Hoheitsgewässern der DDR gestellt wurde