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Schäden im Zusammenhang mit sowjetischen Truppenbewegungen

9. Mai 1968
Einzelinformation Nr. 512/68 über Schäden im Zusammenhang mit sowjetischen Truppenbewegungen

Am 7./8.5.1968 führten Einheiten der zeitweilig in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte größere Truppenbewegungen in den Bezirken Cottbus und Karl-Marx-Stadt durch, wobei in verschiedenen Orten Gebäude- und Straßenschäden und in einem Fall Personenschaden entstand.

Am 7.5.1968 verursachte zwischen 4.00 Uhr und 7.30 Uhr eine sowjetische Panzereinheit der Garnison Jüterbog in sechs Gemeinden des Bezirkes Herzberg/Cottbus Schäden, die auf 2 Mio. Mark geschätzt werden (ca. 0,5 Mio. Mark Gebäudeschäden, 1,5 Mio. Mark Straßenschäden). In den Gemeinden Jeßnigk und Friedersdorf wurden je ein Wohnhaus und in der Gemeinde Übigau drei Wohnhäuser teilweise stark beschädigt. Neben erheblichen Beschädigungen der Kanalisation in Übigau traten Straßenschäden in den Gemeinden Polzen und Friedersdorf auf.

Die sowjetische Panzereinheit hatte die Hauptstraßen benutzt, während in der Vergangenheit Feld- und Waldwege zum Marsch ausgewählt wurden. Bekannte negative Personen nahmen besonders in Übigau die Schäden zum Anlass für Diskussionen gegen die deutsch-sowjetische Freundschaft, was auch im Zusammenhang mit dem »Tag der Befreiung«1 geschah. Die staatlichen und gesellschaftlichen Organe leiteten unverzüglich Maßnahmen zur Schadensbehebung und zur Agitation unter den betroffenen Bevölkerungskreisen ein.

Im Bezirk Karl-Marx-Stadt wurden in fünf Gemeinden des Kreises Brand-Erbisdorf geringfügige Schäden an Grundstücken verursacht (über die Schadenssumme besteht noch keine genaue Übersicht). Durch die zeitweilige Blockierung des öffentlichen Verkehrs auf einigen Straßen traten am 8.5.1968 bei einzelnen Buslinien größere Verspätungen auf.

Zu einem schweren Verkehrsunfall kam es am 8.5.1968, gegen 6.25 Uhr, in Oederan, als ein sowjetischer Krankentransportwagen, der zu den Truppenbewegungen gehörte, beim Linksabbiegen den Gegenverkehr nicht beachtete und dabei den Mopedfahrer Schlott, Bernd, geboren [Tag, Monat] 1936, Arbeiter im VEB Stuhlfabrik Oederan, tödlich verletzte.

Negativ-feindliche Diskussionen zu diesen Vorkommnissen wurden bisher nicht bekannt. Verschiedene Bevölkerungsteile stellten in ihren Diskussionen Spekulationen über einen möglichen Zusammenhang der Truppenbewegungen mit der Entwicklung in der ČSSR2 an.

In einigen Fällen verschenkten Soldaten der Sowjetarmee beim Austausch von Abzeichen und Geschenken mit Jugendlichen in den durchfahrenden Gebieten auch Munition. Durch VP und Volksbildungsorgane wurden Maßnahmen zur Einziehung dieser Munition (für MPi und Pistole) eingeleitet.

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    10. Mai 1968
    Einzelinformation Nr. 517/68 über einige Probleme des Farbfernsehens
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    9. Mai 1968
    Einzelinformation Nr. 511/68 über die Verbreitung des Aktionsprogramms der KSČ im Haus der Tschechoslowakischen Kultur in Berlin, Friedrichstraße