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Verhalten einiger Teilnehmer der Motorkunstflugweltmeisterschaft

22. August 1968
Einzelinformation Nr. 887/68 über das Verhalten einiger Teilnehmer der zurzeit stattfindenden Motorkunstflugweltmeisterschaft in Magdeburg im Zusammenhang mit den Vorgängen in der ČSSR

Dem MfS wurde bekannt, dass während einer Mannschaftsleiterbesprechung mit den Teilnehmerländern des sozialistischen Lagers am 21.8.1968, 11.30 Uhr, vom Mannschaftsleiter der ČSSR, [Name 1, Vorname] und dem Trainer [Name 2] mitgeteilt wurde, die Pilotinnen der ČSSR könnten den Pflichtstart um 15.00 Uhr nicht durchführen. Als Begründung wurde von [Name 1] angegeben, die Pilotinnen seien aufgrund der Ereignisse in der ČSSR1 »gefühlsmäßig krank«. [Name 1] wies ferner darauf hin, er habe bezüglich des Nichtstartes bereits mit einigen Mannschaftsleitern westlicher Länder gesprochen, wobei die verantwortlichen Teilnehmer aus Westdeutschland, England, USA und Frankreich ihre volle Sympathie zum Verhalten der ČSSR-Pilotinnen zum Ausdruck gebracht hätten. Diese Mannschaften hätten sich bereit erklärt, bei Ablehnung des Pflichtstarts durch die ČSSR-Pilotinnen abzureisen.

Während dieser Besprechung nahmen die verantwortlichen Leiter der Mannschaften der DDR, der Sowjetunion, der VR Ungarns und Polens einen konsequenten Standpunkt ein. Der Hauptkampfrichter von Spanien, Oberst Aresti, setzte sich ebenfalls positiv für die ordnungsgemäße Weiterführung der Motorkunstflugweltmeisterschaft ein. (Es wurde bekannt, dass die Leitung der tschechischen Mannschaft seit dem 21.8.1968 morgens intensiv versucht, mit der Botschaft der ČSSR Verbindung aufzunehmen. Dabei fielen von der Mannschaftsleitung ungehaltene Äußerungen, da eine telefonische Verbindung nicht zustande kam. Der Mannschaftsleiter [Name 1] erklärte weiter, ihm sei bekannt, dass die Botschaft der ČSSR von VP-Ketten umstellt sei; er forderte einen Wechsel der Moskauer Regierung und eine sofortige Ablösung von Verteidigungsminister Gretschko.2)

In Anbetracht der Situation wurde der Mannschaftsleitung der ČSSR vorgeschlagen, den Start auf den 22.8.1968, 14.00 Uhr oder 15.00 Uhr, zu verschieben. Trotzdem wurde von der ČSSR-Mannschaft keine Zusicherung zu dem Kompromissvorschlag, zu einem späteren Zeitpunkt zu starten, gegeben. Stattdessen brachen einige ČSSR-Pilotinnen beim offenen Abhören des Westrundfunks in Tränen aus, was von den westdeutschen Teilnehmern der Weltmeisterschaft ausgenutzt wurde, die Teilnehmerinnen aus der ČSSR in dieser Situation zu fotografieren. (Charakteristisch ist, dass zwischen den Mannschaftsteilnehmern der ČSSR und der Mannschaft aus Westdeutschland viele Gespräche geführt wurden. Dagegen werden Mitglieder der sowjetischen Mannschaft von den Tschechen ignoriert. So wurde z. B. ein sowjetischer Sportler aus dem Service-Stand der ČSSR verwiesen.)

Erst nach nochmaligen Aussprachen seitens leitender Genossen der DDR-Mannschaft der NVA mit dem Mannschaftsleiter und dem Trainer der ČSSR, die bis in die Abendstunden des 21.8.1968 anhielten, sowie nach positiver Einflussnahme seitens des Oberst Aresti/Spanien, startete die tschechische Frauenstaffel am 22.8.1968, 9.00 Uhr.

  1. Zum nächsten Dokument Reaktion der Bevölkerung auf Maßnahmen der Warschauer Paktes
    23. August 1968
    Einzelinformation Nr. 892/68 über die Reaktion der Bevölkerung der DDR auf die Maßnahmen der Warschauer Vertragsstaaten
  2. Zum vorherigen Dokument Brand in einer Fernmeldezentrale der Deutschen Post
    22. August 1968
    Einzelinformation Nr. 886/68 über einen Brand in einer Fernmeldezentrale der Deutschen Post am 21. August 1968