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Tod eines Pfarrers der evangelischen Landeskirche Sachsen (1)

14. Januar 1977
Information Nr. 33/77 über das Ableben des evangelischen Pfarrers [Name 1, Vorname 1, Ort 1], Bezirk Karl-Marx-Stadt

Am 13.1.1977, gegen 9.00 Uhr, erschienen beim VPKA [Ort 1], Abt. K, der evangelische Pfarrer [Name 1, Vorname 2 (Sohn von Name 1)], und der Oberinspektor der Superintendentur der evangelisch-lutherischen Kirche [Ort 1], [Name 2, Vorname 1], und zeigten an, dass der [Name 1, Vorname 1], geb.: [Tag] 1913, wohnhaft: [Ort, Adresse], Beruf: Pfarrer, seit 1966 tätig als Superintendent von [Ort 1], verheiratet, 4 Kinder, seit dem 12.1.1977, 16.00 Uhr, in seiner Wohnung nicht mehr erschienen sei. Seiner Ehefrau habe er mitgeteilt, dass er seelsorgerische Aufgaben erledigen wolle. Seit diesem Zeitpunkt sei er unauffindbar.

Der Sohn des Pfarrers [Name 1, Vorname 1] – der Pfarrer [Vorname 2 Name 1] –, erklärte bei der Anzeigenerstattung gegenüber dem Angehörigen der DVP, dass er bereits den Landesbischof Hempel aufgesucht hat, um diesen darüber zu informieren. Bischof Hempel hat ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass die Möglichkeit der Inhaftierung des [Name 1, Vorname 1] durch die Sicherheitsorgane der DDR nicht ausgeschlossen werden kann.

Am 13.1.1977, gegen 9.45 Uhr, gab die [Name 3, Vorname 1], [Ort 1], ebenfalls beim VPKA [Ort 1], Abt. K, eine Vermisstenanzeige ihre Tochter [Name 3, Vorname 2], geb.: [Tag] 1941, wohnhaft: [Ort 1, Adresse], Lohnbuchhalterin, Mitglied der Synode der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, ledig, betreffend auf, die ihr am Morgen des 12.1.1977 erklärt hatte, dass sie später nach Hause kommen würde, da sie am Abend eine Veranstaltung der Jungen Gemeinde zu leiten hätte. Sie sei jedoch zu Hause noch nicht eingetroffen. (Die [Name 3, Vorname 2] wohnt mit ihrer Mutter gemeinsam in einem Einfamilienhaus, in dem sie während der Sommermonate ein separates Zimmer bewohnt.)

Sofort nach Vorliegen der ersten Vermisstenanzeige wurden durch die DVP in Zusammenarbeit mit dem MfS umfangreiche Fahndungsmaßnahmen eingeleitet.

Pfarrer [Name 1, Vorname 1] wurde am 13.1.1977, gegen 18.10 Uhr, in dem separaten Zimmer der [Name 3, Vorname 2] – unbekleidet tot im Bett liegend – aufgefunden. (Die DVP war durch den Pfarrer [Name 4], [Ort 1], informiert worden, dem die [Name 3, Vorname 2] nach längerem Klingeln und Klopfen die Wohnungstür gegen 17.45 Uhr geöffnet und mitgeteilt hatte, dass sich der Pfarrer [Name 1] tot in ihrer Wohnung befindet.)

Die sofort durchgeführte amtsärztliche Untersuchung ergab, dass der Tod des [Name 1, Vorname 1] bereits 16 bis 20 Stunden vor seinem Auffinden, und zwar eindeutig durch Herzversagen, eingetreten war.

In ersten Befragungen gab [Name 3, Vorname 2] – die sehr verstört wirkte – an, dass sie seit ca. 1974 mit [Name 1, Vorname 1] ein intimes Verhältnis unterhielt und sie am 12.1.1977, etwa ab 16.00 Uhr, mit ihm Intimverkehr durchführte. Beide seien dann eingeschlafen, wobei sie – nach ersten Aussagen – ungewöhnlich lange geschlafen habe; erst am 13.1.1977 sei sie gegen 17.45 Uhr durch starkes Klingeln und Klopfen an ihrer Wohnungstür aufgewacht. (Nach amtsärztlicher Untersuchung ist die [Name 3, Vorname 2] völlig gesund.)

In einer weiteren Befragung gab sie an, sie habe keine klaren Gedanken fassen können; die Angelegenheit sei ihr äußerst peinlich, und sie habe nicht gewusst, was sie unternehmen sollte. Durch diese Widersprüche wird die Aufklärung der näheren Umstände gegenwärtig noch erschwert. Die [Name 3 (Tochter)] befindet sich gegenwärtig zu notwendigen Befragungen im Gewahrsam des VPKA [Ort 1].

Die Untersuchungen werden fortgesetzt.

  1. Zum nächsten Dokument Geplante Publikation eines Buchs von Martin Stade im Hinstorff-Verlag
    17. Januar 1977
    Information Nr. 31/77 über die beabsichtigte Herausgabe eines zur Veröffentlichung nicht geeigneten Buchmanuskriptes des freischaffenden Schriftstellers Stade, Martin, im Hinstorff-Verlag Rostock
  2. Zum vorherigen Dokument Reise des Regisseurs Adolf Dresen in die Schweiz
    14. Januar 1977
    Information Nr. 32/77 über den Regisseur am Deutschen Theater Berlin, Dresen, im Zusammenhang mit seiner bevorstehenden Reise in die Schweiz