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117. Tagung der Konferenz Evangelischer Kirchenleitungen

27. Mai 1988
Information Nr. 264/88 über die 117. Tagung der Konferenz der Evangelischen Kirchenleitungen (KKL) in der DDR vom 13. bis 15. Mai 1988 im Klosterstift zu Heiligengrabe/Kreis Wittstock

An der 117. Tagung der KKL nahmen mit Ausnahme von Präsident Domsch/Dresden (gesundheitliche Gründe) alle Bischöfe, die Leiter der kirchlichen Verwaltungseinrichtungen sowie alle synodalen KKL-Mitglieder teil.

Die Tagung befasste sich mit

  • Berichten aus den evangelischen Landeskirchen und dem Diakonischen Werk,

  • der Vorbereitung der 4. Tagung der V. Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen (BEK) in der DDR vom 16. bis 20. September 1988 in Dessau einschließlich der Konzeption für den Bericht der KKL an die BEK-Synode,

  • dem »gemeinsamen Wort« der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) der BRD und des BEK in der DDR zum 9. November 1988 (50. Jahrestag der faschistischen Progromnacht),1

  • der »Friedensdekade 1988«,

  • der Berufung von Referenten und Ausschüssen durch die KKL sowie mit einer Vielzahl von innerkirchlichen Problemen (im Wesentlichen der Notwendigkeit der Schaffung eines Ausbildungsgesetzes für Theologen sowie einer Kanzel- und Abendmahlgemeinschaft mit der Evangelisch-Methodistischen Kirche).

In den Berichten aus den evangelischen Landeskirchen und dem Diakonischen Werk informierten Oberkirchenrat Kirchner/Eisenach über Einsprüche des Presseamtes des Ministerrates der DDR gegen Veröffentlichungen in der evangelischen Wochenzeitung »Glaube und Heimat« und Konsistorialpräsident Stolpe/Berlin über analoge Vorgehensweisen gegenüber den Kirchenzeitungen »Potsdamer Kirche« und »Die Kirche«. Die staatlichen Einsprüche und das darauf folgende Nichterscheinen dieser Zeitungen sei auf Berichterstattungen über gesellschaftspolitische Inhalte der Synode der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg zurückzuführen.

Nach kurzer Diskussion legte die KKL fest, dieses Problem auf der 118. Tagung der KKL im Juli 1988 in einem gesonderten Tagesordnungspunkt erneut zu behandeln.

Bischof Forck/Berlin äußerte sich im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg seit November 1987 speziell zur Berichterstattung westlicher Medien. Dabei erklärte er u. a., man gerate immer wieder, ohne es zu wollen, in die Westpresse. Auf diese Bemerkung reagierten die Tagungsteilnehmer mit lautem Gelächter. (Streng internen Hinweisen zufolge hatten alle Bischöfe auf dem im April 1988 stattgefundenen Bischofskonvent das Verhalten von Bischof Forck im Zusammenhang mit den Westmedien kritisiert. Bischof Forck zeigte sich jedoch uneinsichtig. Während der KKL-Tagung wurden keine weiteren Auseinandersetzungen mit Bischof Forck geführt.)

Von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen gab es eine Anfrage zur Nichtweitergabe von Reiseanträgen für ausländische ökumenische Gäste der Thüringer Landeskirche zur Teilnahme an ihrem Kirchentag durch das Sekretariat des BEK in der DDR. Das Sekretariat hatte die Zurückhaltung damit begründet, die Anträge erst weitergeben zu können, wenn die Probleme und die Vorbereitung der Kirchentage mit dem Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR geklärt seien. Die Thüringer Landeskirche forderte die sofortige Weitergabe ihrer Anträge. Der Leiter des Sekretariats, Ziegler, brachte hierzu zum Ausdruck, dass inzwischen alle Anträge – auch die aus den anderen Landeskirchen – weitergegeben worden seien, da hinsichtlich der Kirchentage im Wesentlichen eine Klärung herbeigeführt wurde.

Der Präses der Synode des BEK in der DDR, Gaebler, informierte über den Stand der Vorbereitung der 4. Tagung der V. Synode des BEK in der DDR. Er teilte mit, dass das Präsidium der Synode beschlossen habe, auf der Synodaltagung wieder eine traditionelle öffentliche Fragestunde durchzuführen, woraufhin Kirchenpräsident Natho/Dessau massive Bedenken anmeldete. Seiner Auffassung nach müsse in einer derart komplizierten und zugespitzten Situation, wie sie gegenwärtig vorhanden sei, vor allem im Hinblick auf Übersiedlungsersuchende, mit provokatorisch-demonstrativen Handlungen und die Synode störenden Diskussionen gerechnet werden. Das Risiko für eine öffentliche Fragestunde sei viel zu hoch. Diese Bedenken wurden von Bischof Gienke/Greifswald geteilt. Bei der Abstimmung über den Beschluss des Präsidiums der Synode wurde den genannten Bedenken nicht gefolgt, sondern die Durchführung einer öffentlichen Fragestunde beschlossen, verbunden mit der Orientierung, nur jeweils einen Teilnehmer aus Kirchengemeinden der näheren Umgebung von Dessau dazu einzuladen. (Bei bisherigen Synodaltagungen hatte diese Fragestunde keine Öffentlichkeitswirksamkeit.)

Die KKL beschloss außerdem die von Präses Gaebler vorgelegte und erläuterte Tagesordnung der Synode des BEK in der DDR, die folgende Punkte beinhaltet:

  • 1.

    Bericht der KKL; Arbeitsbericht des Sekretariats

  • 2.

    Bericht des Diakonischen Werkes

  • 3.

    Synodalthema: »Als Gemeinde leben«

  • 4.

    Bericht »Ökumenische Versammlung« (1. Session)

  • 5.

    Arbeitsbericht des Ausschusses für die Arbeit der Kommissionen (AAK)

  • 6.

    Bericht über die Realisierung der Beschlüsse der Synode

  • 7.

    Rechnungsprüfung 1987

  • 8.

    Kirchengesetz über den Haushalt 1989

  • 9.

    Anträge

  • 10.

    Bericht des Legitimationsausschusses

  • 11.

    Beschluss der Generalsynode zum weiteren Weg der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen (VELK) in der DDR

  • 12.

    Verordnung zur Ausführung des § 34 des Pfarrerdienstgesetzes

Es ist vorgesehen, zur Tagung der Synode ökumenische Gäste aus

  • dem Exarchat der Russischen Orthodoxen Kirche,

  • dem Ökumenischen Rat der ČSSR,

  • dem Polnischen Ökumenischen Rat,

  • dem Ökumenischen Rat Ungarns,

  • der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen,

  • dem Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund,

  • dem Französischen Protestantischen Kirchenbund,

  • der Katholischen Kirche in der DDR und

  • der EKD der BRD

einzuladen. Außerdem soll geprüft werden, ob sich ein Gast aus Südafrika in Europa aufhält, der zur Synodaltagung nach Dessau eingeladen werden könne.

In der Diskussion über diese Gästeliste wurde betont, dass die Vertreter der EKD der BRD nicht wie die anderen als »ökumenische« Gäste zu bezeichnen seien, da es sich gemäß Artikel 4.4. der Ordnung des BEK in der DDR um »besondere Beziehungen« zur EKD der BRD handele. Dem müsse Rechnung getragen werden.

Im weiteren Verlauf der KKL-Tagung trug Oberkirchenrat Harder/Greifswald, ergänzt durch Bischof Rogge/Görlitz, die Konzeption für den Bericht der KKL an die BEK-Synode vor. (Der Arbeitsgruppe zur konzeptionellen Vorbereitung des KKL-Berichtes gehören außer Bischof Rogge und Oberkirchenrat Harder noch Pfarrer Passauer/Berlin und Pressereferent Pfarrer Günther/Berlin an.) Demnach soll der Bericht solche wesentlichen Punkte beinhalten wie das Verhältnis Staat – Kirche, das Zusammenwirken der einzelnen evangelischen Landeskirchen im BEK in der DDR, die Medienpolitik der DDR gegenüber den evangelischen Wochenzeitungen, die Kirche und die Gruppen (dieses Thema soll bereits auf der KKL-Tagung im Juli 1988 behandelt werden), Ökumene. Außerdem ist eine erste Auswertung der Kirchentage 1988 vorgesehen. Bischof Rogge wies darauf hin, dass die Übersiedlungsproblematik im KKL-Bericht nicht erscheinen sollte, um in der gegenwärtigen Situation eine diesbezügliche Diskussion nicht zu fördern. In der Aussprache zu diesem Tagungsordnungspunkt sprach sich jedoch die Mehrheit der KKL-Mitglieder für eine Erwähnung dieser Thematik im KKL-Bericht aus, mit der Begründung, man habe bei einem Verschweigen nichts gewonnen.

Das Problem würde aus dem Plenum der BEK-Synode umso massiver zurückkommen, und es könnte der Eindruck entstehen, als habe die KKL eine Auseinandersetzung zu diesem Problem unterdrücken wollen. Die vorgelegte Konzeption zum Bericht der KKL wurde vorläufig beschlossen. Ein erster Entwurf soll auf der 118. KKL-Tagung im Juli 1988 behandelt werden.

Der KKL lag ein überarbeiteter Entwurf des »gemeinsamen Wortes« der EKD der BRD und des BEK in der DDR zum 9. November 1988 (50. Jahrestag der faschistischen Progromnacht) vor, in dem die Änderungswünsche des Rates der EKD der BRD berücksichtigt worden waren. Es wurde einstimmig beschlossen.

Die ständige Vorbereitungsgruppe für die »Friedensdekaden« stellte – nachdem die erste Vorlage für die »Friedensdekade 1988« von der 116. KKL-Tagung an die Vorbereitungsgruppe zurückverwiesen worden war (siehe Information des MfS Nr. 146/88, Seiten 8/9) – der KKL einen überarbeiteten Entwurf zur Behandlung vor, der bestätigt wurde. Das Thema der »Friedensdekade 1988« lautet: »Friede den Fernen und Friede den Nahen.«

Dieses Thema soll in folgenden Punkten behandelt werden.

  • »Die Dimension des Raumes:

    Friede mit Nahen in Familie, Nachbarschaft und mit Fernen; Juden in Magdeburg und Berlin aber auch Israel und Palästina«,

  • »Die Dimension der Zeit:

    Pogrom vor 50 Jahren; fragen, gedenken, nicht vergessen«,

  • »Die kulturelle Dimension und weltanschauliche Position: Nahe und Ferne im Blick auf Lebensstil, unterschiedliche kulturelle Traditionen, Ausländer unter uns, Freudartigkeit und Dialogbereitschaft, Umgang mit anderen, die sich von uns entfernt haben oder von denen wir uns entfernt haben«,

  • »Die Dimension der Nähe und Ferne zu Jesus Christus:

    Theologische Fragen«.

Wie in den vergangenen Jahren wird dazu eine Materialmappe erarbeitet, in der auch auf die Arbeit der »Ökumenischen Versammlung« hingewiesen werden soll.

Entsprechend der Tagesordnung wurde erneut die Neubesetzung der Stelle des Referenten für den Ausschuss »Kirche und Gesellschaft« beim Sekretariat des BEK in der DDR von der KKL behandelt. Nachdem Superintendent Magirius/Leipzig eine Kandidatur zur Berufung als Referent abgesagt hatte, wurde durch die KKL festgelegt, dass nach Aufstellung einer neuen Kandidatenliste dieses Problem auf der 118. Tagung der KKL weiter beraten werden soll.

Aufgrund des endgültigen Ausscheidens des bisherigen Referenten, Oberkirchenrätin Lewek/Berlin,2 am 30. Juni 1988 aus dem Sekretariat des Bundes wurde die Leitung des Sekretariats beauftragt, zwischenzeitlich eine Vertretung zur Wahrnehmung dieser Aufgaben zu organisieren.

Im Zusammenhang mit dem Ausscheiden der Lewek erfolgte des Weiteren eine vorläufige Regelung der Wahrnehmung der Aufgaben der beiden Stellvertreter des Leiters des Sekretariats des BEK in der DDR. Die am 31. Juli 1988 ablaufende Beauftragung von Justitiar Kupas/Berlin wurde bis zum 31. Dezember 1988 verlängert und Pfarrer Götz Doye/Berlin für den Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Dezember 1988 mit der Wahrnehmung der Funktion eines Stellvertreters beauftragt. Am 1. Januar 1989 soll das Sekretariat des BEK in der DDR neu strukturiert werden.

Gemäß ihrer Tagesordnung berief die 117. Tagung der KKL die Mitglieder eines Facharbeitskreises »Zusammenarbeit von Mann und Frau in Kirche, Familie und Gesellschaft«. Die Mitglieder sind für fünf Jahre berufen.

Die Legislaturperiode des Ausschusses für kirchliche Kommunikation ist mit dem 31. Januar 1988 abgelaufen. Da vorgesehen ist, grundsätzliche Fragen der Weiterarbeit dieser Kommission, wie Aufgabenstellung, Struktur und Zusammensetzung, neu zu regeln, beschloss die KKL, das Mandat des bestehenden Ausschusses bis zum 31. Dezember 1988 zu verlängern.

Die Information ist wegen Quellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

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    27. Mai 1988
    Hinweise zu einigen aktuellen Aspekten der Reaktion der Bevölkerung [Bericht O/202a – Langfassung]
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    26. Mai 1988
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