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Herstellung nicht genehmigter Hetzschriften (Langfassung)

1. Juni 1989
Information Nr. 168a/89 über die Herstellung und Verbreitung nicht genehmigter Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse antisozialistischen Inhalts und Charakters durch Personen, die personellen Zusammenschlüssen angehören [Langfassung]

Mit der Bildung und Profilierung sogenannter kirchlicher Basisgruppen1 und weiteren, vor allem im Bereich der evangelischen Kirchen in der DDR agierenden personellen Zusammenschlüssen (vgl. dazu die Information des MfS Nr. 150/89), waren und sind deren Inspiratoren, Organisatoren und Hintermänner bestrebt, unter bewusster Missachtung bestehender Rechtsvorschriften der DDR ohne Genehmigung Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse politisch negativen bis antisozialistischen Inhalts und Charakters herzustellen und zu verbreiten.

Seit dem Jahre 1986 ist eine Forcierung dieser Aktivitäten feststellbar. Das betrifft vor allem die Herausgabe sogenannter Informationsblätter, für die Medien des westlichen Auslandes bereits den Begriff »Untergrundzeitungen der DDR« geprägt haben.

Die damit von feindlichen, oppositionellen Kräften verfolgte Zielstellung besteht nicht nur in der Gewährleistung der Kommunikation vorgenannter personeller Zusammenschlüsse untereinander und mit gleichgelagerten Gruppen. Vielmehr geht es diesen Kräften darum,

  • kontinuierlich weitere konzeptionelle Grundlagen für das Wirksamwerden feindlicher, oppositioneller und anderer negativer Kräfte in der DDR zu entwickeln, ihre politischen Auffassungen und Forderungen republikweit öffentlichkeitswirksam zu propagieren und zur Diskussion zu stellen – gewissermaßen eine breit gefächerte »publizistische Gegenöffentlichkeit« herzustellen – und auf dieser Basis Gleichgesinnte, Sympathisanten und weitere Personen für ihre feindlich-negativen Ziele zu gewinnen und bei diesen antisozialistische Bewusstseinsinhalte und Handlungsbereitschaften herauszubilden bzw. zu erzeugen,

  • den jeweiligen personellen Zusammenschluss und dessen politische Ziele öffentlich aufzuwerten (auch international) und den gegebenen Handlungsrahmen missbrauchend, gezielt auf eine Legalisierung hinzuwirken,

  • den Solidarisierungseffekt mit Gleichgesinnten im In- und Ausland auszuprägen sowie

  • »DDR-weite« Informationsbeziehungen für feindliche, oppositionelle Kräfte aufzubauen.

Ungeachtet einer Vielzahl durchgeführter differenzierter und zentral abgestimmter staatlicher und gesellschaftlicher, insbesondere auch rechtlicher Maßnahmen zur Verhinderung der Herstellung und Verbreitung solcher Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse – darin eingeordnet die bekannten Maßnahmen gegen die antisozialistische Schrift »grenzfall«,2 die im Zeitraum 1986/87 eine Schlüsselrolle unter derartigen Pamphleten einnahm und feindlich-negativen Kräften als Nachahmungsbeispiel diente – und dabei erzielter Ergebnisse, konnte die Gesamtsituation auf diesem Gebiet nur unwesentlich positiv beeinflusst werden. Dazu trug auch die tolerierende und teilweise nachweislich unterstützende Haltung verantwortlicher Pfarrer von evangelischen Kirchengemeinden sowie kirchenleitender Personen und Gremien bei. Mit der bewussten Duldung des gezielten Missbrauchs des Vermerkes »Nur für den innerkirchlichen Dienstgebrauch bestimmt« auf solchen Druck- und Vervielfältigungserzeugnissen bringt die evangelische Kirche indirekt ein prinzipielles Einverständnis mit der Herstellung und Verbreitung derartiger Materialien zum Ausdruck.3

Insgesamt ist aktuell eine steigende Tendenz hinsichtlich der Profilierung existierender und der Herausgabe neuer sogenannter Informationsblätter zu beachten. Beispiel dafür ist u. a. der im Februar 1989 bekannt gewordene Versuch von Mitgliedern sogenannter Friedens- bzw. Umweltgruppen aus Zittau, für die »Region Lausitz im Grün-ökologischen Netzwerk Arche«4 das Informationsblatt »Lausitzbotin Podium für Umwelt-, Friedens- und Gerechtigkeitsfragen«5 herauszugeben, [die Herausgabe des sogenannten Informationsmaterials »Ostkreuz« durch Mitglieder der »Initiative Frieden und Menschenrechte« im März 1989 und das Wiedererscheinen des »grenzfalls« im I. Quartal 1989.]6

Nach dem MfS vorliegenden Hinweisen werden gegenwärtig ca. 25 solcher beachtenswerter sogenannter Informationsblätter hergestellt, davon über die Hälfte erst seit dem Jahre 1988. (Eine Auflistung dazu ist der Information als Anlage beigefügt.)

Territoriale Schwerpunkte bilden die Hauptstadt Berlin und der Bezirk Leipzig mit sechs bzw. fünf, der Bezirk Halle mit vier und die Bezirke Karl-Marx-Stadt und Dresden mit je zwei mehr oder weniger regelmäßig erscheinenden derartigen Schriften. Zu den Bekanntesten zählen Titel wie »Arche Nova«,7 »Aufrisse«,8 »Friedrichsfelder Feuermelder«,9 »Kontext«10 und »Umweltblätter«11 (alle Berlin). Die Auflagenhöhen liegen bis zu 2 000 Exemplaren (z. B. »Arche Nova«), der Umfang reicht von wenigen Blatt bis zu 100 Seiten (z. B. »Aufrisse«). In beiden Werten ist die Tendenz steigend. Zum Teil kommt es durch Nachauflagen zu einer wesentlichen, teilweise mehrfachen Erhöhung der Auflagen.

Als Herausgeber genannter Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse zeichnen personelle Zusammenschlüsse, Einzelpersonen aus solchen Zusammenschlüssen bzw. kirchliche Einrichtungen/Organisationsformen verantwortlich.

Den überwiegend bestehenden Redaktionsgruppen (ca. 160 Personen) gehören in der Regel Führungskräfte solcher Zusammenschlüsse sowie kirchliche Mitarbeiter und Amtsträger mit ausgeprägten politisch-negativen oder verfestigten antisozialistischen Auffassungen an (ca. 40 %). Mitglieder solcher Redaktionsgruppen sind z. B. die wegen ihrer feindlich-negativen Aktivitäten hinlänglich bekannten Personen Rüddenklau,12 Schult,13 Jordan,14 Poppe,15 Weißhuhn,16 Grimm17 und Pfarrer Eppelmann18 (alle Berlin) sowie Heiko Lietz19 (Schwerin). Analog zu entsprechenden Feststellungen im Zusammenhang mit der Struktur personeller Zusammenschlüsse ist auch hier der Anteil von Personen ohne Arbeitsrechtsverhältnis beachtlich (ca. 10 %).

Alle sogenannten Informationsblätter werden fast ausschließlich mittels in kirchlichen Räumen installierter Druck- und Vervielfältigungstechnik hergestellt. Dabei kommen die unterschiedlichsten technischen Verfahren zur Anwendung wie Ormig-, Hektographie-, Xeroxverfahren und Computerdrucktechnik. Die Qualität dieser Erzeugnisse ist dabei nicht vergleichbar mit professionell hergestellten Druckerzeugnissen. Jedoch gibt es deutlich erkennbare Bestrebungen und erste Ergebnisse, durch Anwendung modernster Technik qualitativ und quantitativ einen höheren Wirkungsgrad zu erzielen. So wird z. B. seit Mitte des Jahres 1988 zur Herstellung der »Umweltblätter« Computerdrucktechnik genutzt.

Einige Zusammenschlüsse verfügen über Drucktechnik und -materialien (u. a. Matrizen), die ihnen von Vertretern politischer Parteien sowie weiteren feindlichen Personen des westlichen Auslandes zur Verfügung gestellt und die unter Missbrauch der vor allem Führungskräften solcher Parteien (u. a. Die Grünen und bevorrechteten Personen) gewährten großzügigen Erleichterungen bei der Einreise in die DDR (u. a. Zollbefreiung) durch diese eingeschleust wurden. (Nach streng internen Hinweisen planen gegnerische Kräfte zur Unterstützung feindlicher, oppositioneller Elemente in der DDR, eine in Einzelteile zerlegte Offsetdruckmaschine illegal in die DDR zu verbringen.)

Für die Verbreitung von Druck- und Vervielfältigungserzeugnissen genannter Art werden vielfältigste Formen der sogenannten Gruppenarbeit und legale Versandmöglichkeiten genutzt. Der Postversand erfolgt zum Teil über Kontaktadressen der einzelnen Zusammenschlüsse in den Territorien der DDR. Das Kirchliche Forschungsheim Wittenberg,20 Herausgeber u. a. des sogenannten Informationsblattes »Die Pusteblume«, vertreibt dieses Druckerzeugnis auf der Basis eines durchorganisierten Vertriebssystems nach einer Abonnentenkartei (1 200 Anschriften). Genutzt werden für die Verbreitung ferner regionale und überregionale Treffen von »kirchlichen Basisgruppen« und anderen personellen Zusammenschlüssen, spezifische Veranstaltungen solcher Zusammenschlüsse mit Öffentlichkeitscharakter wie »Friedenswerkstätten«, Diskussions- und Leseveranstaltungen sowie kirchliche Veranstaltungen unterschiedlichster Art.

Bedeutsam sind ferner das Auslegen einer Vielzahl solcher Erzeugnisse in sogenannten Öko- oder Umweltbibliotheken und die Praktizierung des Prinzips der gesteuerten individuellen Weitergabe.

Durch dieses Vorgehen potenziert sich die Leserschaft gemessen am Umfang der tatsächlichen Auflagenhöhe. Das finanzielle Entgelt für sogenannte Informationsblätter ist unterschiedlich; so werden z. B. je Exemplar verlangt für »Arche« – 5,00 Mark, »Aufrisse« – 10,00 Mark und »Friedrichsfelder Feuermelder« – 1,50 Mark, während für »Friedensnetz«21 eine »Jahresspende« von 10,00 Mark vorgegeben ist.

Nach vorliegenden Hinweisen wird eine Reihe sogenannter Informationsblätter regelmäßig über bestehende Verbindungskanäle Personen in der BRD und Westberlin zugespielt. Zu diesen ständigen Empfängern zählen die bekannten Feinde Jahn22 und Hirsch23 sowie der seit geraumer Zeit in Westberlin wohnhafte Dr. Ulrich Neumann,24 vormals Mitglied des »Grün-ökologischen Netzwerkes Arche«. Diese Personen sorgen für eine entsprechende Auswertung der in den »Informationsblättern« enthaltenen Informationen in der Presse und den elektronischen Medien (u. a. Sendereihen »Kontraste« und »Kennzeichen D« des BRD-Fernsehens sowie »Glasnost« des Westberliner Privatsenders »Radio 100«25 und Tageszeitung »taz«/Westberlin), wodurch, in Abhängigkeit von den Empfangsmöglichkeiten der elektronischen Medien, der Rezipientenkreis solcher Druckerzeugnisse/Informationen bezogen auf die DDR weiter vergrößert wird.

Neben der Wiedergabe und Auswertung von Informationen aus solchen Druckerzeugnissen personeller Zusammenschlüsse in der DDR befassen sich Einrichtungen und Medien des westlichen Auslandes zunehmend mit den sogenannten Untergrundzeitungen in der DDR. So publizierten u. a. das »Deutschland Archiv – Zeitschrift für Fragen der DDR-und der Deutschlandpolitik« Nr. 11/88 die Analyse »Unbotmäßiges von – grenzfall – bis – Wendezeit –«,26 die Tageszeitung »Die Welt« vom 17. September 1988 den Artikel »Bückware des Geistes aus dunklen Hinterzimmern – Politik und Hoffnung: Die Untergrund-Zeitungen in der DDR«,27 die »Neue Zürcher Zeitung« vom 27. April 1988 den Beitrag »Die inoffizielle Presse in der DDR«28 sowie der RIAS am 9. April 1989 einen umfangreichen Beitrag des ehemaligen DDR-Bürgers Rüdiger Rosenthal29 unter Einbeziehung von Hirsch über »Unabhängige Publikationen bzw. Samisdat-Literatur« in der DDR.

Diese Veröffentlichungen beweisen das anhaltende Interesse des Gegners an feindlichen, oppositionellen Kräften in der DDR. Sie dienen der Nachweisführung der angeblichen Existenz einer oppositionellen Bewegung in der DDR und der internationalen politischen Aufwertung derselben. Gezielt wird mit der Argumentation vom Vorhandensein einer »breitgefächerten publizistischen Gegenöffentlichkeit« der »staatlich unabhängigen Friedens-, Ökologie- und Menschenrechtsbewegung in der DDR« gleichzeitig der Angriff geführt auf die Informationspolitik der SED.

Zur Analyse der Inhalte sogenannter Informationsblätter: Die in solchen Publikationen enthaltenen Beiträge lassen keinen Bezug zu einem religiösen Bekenntnis sowie damit im Zusammenhang stehender Tätigkeit erkennen, sondern sind eindeutig politisch ausgerichtet. Kennzeichnend ist die hohe Anlassbezogenheit, eine schnelle Reflexion auf solche aktuellen innen- und außenpolitischen Probleme, die im Blickfeld feindlicher, oppositioneller Kräfte stehen, sowie auf staatliche und gesellschaftliche Maßnahmen gegen personelle Zusammenschlüsse und einzelne Mitglieder derselben, aber auch auf andere staatliche Maßnahmen/Entscheidungen zu Personen und Sachverhalten.

Wie die bekannten Vorkommnisse an der EOS »Carl von Ossietzky« in Berlin-Pankow,30 die sogenannte Rumänienproblematik31 und aktuelle Reaktionen auf Ereignisse in der ČSSR32 beweisen, werden alle der politischen Zielstellung solcher personellen Zusammenschlüsse dienenden und für das »Image« solcher Schriften geeignet erscheinenden Informationen entsprechend bearbeitet und publiziert. In ihnen widerspiegelt sich graduiert und entsprechend der politischen Ausrichtung der Herausgeber und dahinterstehender Kräfte die ganze Vielfalt der politischen Stoßrichtungen gegen die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung in der DDR (vgl. auch dazu die Information des MfS Nr. 150/89).

Beachtenswert bei der Bewertung derartiger Publikationen ist, dass darin enthaltene Einzelbeiträge für sich genommen nicht immer feindlich-negative Aussagen beinhalten.

Durch die bewusst praktizierte Methode, bestimmte Informationen in tendenziöser Form zu verarbeiten, aber auch offen feindliche Beiträge aufzunehmen und alle derartigen Artikel in einer bestimmten Art und Weise zusammenzustellen, wird der von den Herausgebern angestrebte antisozialistische Charakter solcher Publikationen erreicht.

Immer wiederkehrend werden in den sogenannten Informationsblättern Versuche unternommen, angebliche Verletzungen der Menschenrechte in der DDR und eine unzureichende Wahrnehmung der Verantwortung von Partei, Staat und deren Einrichtungen gegenüber der Gesellschaft und dem Einzelnen nachzuweisen und davon ableitend Forderungen nach politischen Veränderungen und nach einer »Demokratisierung der Gesellschaft« zu erheben. Erkennbar sind dabei Bestrebungen, den Publikationen insgesamt bzw. einzelnen Beiträgen einen theoretisch fundierten, wissenschaftlichen Gehalt zu geben und mittels »authentischer Berichte und Informationen« eine hohe Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.

Die genannten »Informationsblätter« publizieren vor allem:

  • »Positionspapiere« bezogen auf das Wirken »kirchlicher Basisgruppen« und Selbstdarstellungen von personellen Zusammenschlüssen hinsichtlich ihrer politisch-ideologischen Orientierung und ihrer realisierten bzw. geplanten Aktivitäten in Durchsetzung derselben. (Dazu gehören u. a. sogenannte Positionspapiere im Sinne von Grundsatzdarstellungen wie die auf die Pfarrer Tschiche33 und Schorlemmer34 zurückzuführenden Papiere »Teilhabe statt Ausgrenzung – Wege zu einer solidarischen Lebens- und Weltgestaltung«35 bzw. »20 Thesen zur Erneuerung und Umgestaltung – Wider eine Gesellschaft der Gleichgültigen und Verantwortungslosen«.36 Ferner sogenannte Aufrufe, offene Briefe und dergleichen, zum Teil verbunden mit Unterschriftensammlungen wie die sogenannte Willenserklärung zum Umgang mit der Kernenergie37 oder die »Aktion: Eine Mark für Espenhain«.38 Derartige Pamphlete werden auch als Einzelpapiere analog der Darstellung zu den sogenannten Informationsblättern in kaum nachprüfbarem Umfang ebenfalls ohne Genehmigung hergestellt, vervielfältigt und verbreitet.)

  • Nachdrucke von Pamphleten antisozialistischer Kräfte aus anderen sozialistischen Staaten wie der »CHARTA 77«,39 von »Solidarność«40 und analogen Gruppen aus der Ungarischen VR sowie »blockübergreifend« wirkenden sozialismusfeindlichen Kräften aus dem westlichen Ausland. Veröffentlicht werden ferner Informationen über das Zusammenwirken äußerer und innerer Feinde. (U. a. Hinweise auf durchgeführte Treffen, deren Beratungsgegenstände, Ergebnisse usw.).

  • Beiträge zur gesellschaftspolitischen Entwicklung/Situation in der DDR, bezogen auch auf bestimmte gesellschaftliche Bereiche, Territorien und Themenstellungen. (Gegenwärtig dominiert die Behandlung von Ökologie- und Umweltschutzfragen in Verbindung mit territorialen und kommunalen Problemen. Dabei wird überwiegend eine destruktive Auflistung angeblicher Verstöße und Versäumnisse des Staates und weiterer »Verantwortlicher« vorgenommen, ohne dass eine prinzipielle Bereitschaft angezeigt wird, an der Lösung solcher Probleme konstruktiv mitzuwirken.)

  • Abdrucke von Beiträgen aus Presseerzeugnissen insbesondere der UdSSR, vor allem zu Problemen der Umgestaltung der Gesellschaft. (So enthielt bereits die erste Ausgabe des genannten Informationsblattes »Lausitzbotin« zwei solcher Beiträge zu Problemen des sozialistischen Pluralismus – Zeitschrift »Kultur und Leben« und zur Problematik der Gestaltung des Geschichtsunterrichtes in der UdSSR – »Sputnik« Nr. 10/88.)41

  • Korrespondierend mit den sogenannten Informationsblättern werden von feindlichen, oppositionellen Kräften in gleicher Art und Weise weitere Druckerzeugnisse ohne Genehmigung hergestellt, die unter der Bezeichnung »Dokumentation« bekannt wurden. Beispiele dafür sind die »Dokumenta Zion« zu den Ereignissen um die Zionskirche 1987/8842 und »Pechblende«43 zu Problemen des Uranbergbaues in der DDR. (In analoger Form wurde von dem bekannten Hirsch Anfang 1989 in Westberlin ein vollständiger Nachdruck aller im Zeitraum 1986/87 in der DDR erschienenen Ausgaben der antisozialistischen Schrift »grenzfall« des personellen Zusammenschlusses »Initiative Frieden und Menschenrechte«44/Berlin herausgebracht.)45 Diese Publikationen stellen eine systematische Zusammenstellung von Ablaufschilderungen, Stellungnahmen und Kommentaren zu Ereignissen bzw. von thematischen Aussagen dar und sind durch die einseitige und tendenziöse inhaltliche Gestaltung geeignet, die sozialistische Staats- und Gesellschaftsordnung verächtlich zu machen und oppositionelle Kräfte für weitergehende Aktivitäten zu motivieren und zu mobilisieren.

Mit dem Ziel, die Herstellung und Verbreitung in der Information genannter nicht genehmigter Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse zu verhindern bzw. einzuschränken, wird vorgeschlagen:

1. Auf kirchenleitende Personen und Gremien sowie verantwortliche Pfarrer von Kirchengemeinden im Bereich der evangelischen Kirchen in der DDR sollte auf zentraler Ebene durch das Staatssekretariat für Kirchenfragen der DDR und in den Territorien durch die dafür zuständigen Organe weiterhin systematisch und konsequent mit dem Ziel eingewirkt werden, dass sie ihrer Verantwortung hinsichtlich der Verhinderung der missbräuchlichen Nutzung im kirchlichen Besitz befindlicher Druck- und Vervielfältigungstechnik bzw. kirchlicher Räume für die Herstellung und Verbreitung nicht genehmigter Druckmaterialien ohne religiösen Bezug künftig voll gerecht werden. Mit Nachdruck ist von kirchenleitenden Personen und Gremien zu fordern, die missbräuchliche Nutzung des Vermerks »Nur für den innerkirchlichen Dienstgebrauch bestimmt« für derartige, keinen Bezug zu einem religiösen Bekenntnis sowie damit im Zusammenhang stehender Tätigkeit erkennen lassenden Materialien zu unterbinden.

In diesem Sinne sollten durch den Staatssekretär für Kirchenfragen mit allen Bischöfen der evangelischen Landeskirchen Grundsatzgespräche geführt werden, in denen ihnen, gestützt auf vorliegende Erkenntnisse und entsprechende Gutachten zu derartigen nicht genehmigten Druck- und Vervielfältigungserzeugnissen, die staatliche Erwartungshaltung unterbreitet wird. Insbesondere sollte ihnen mitgeteilt werden, dass die bisherige großzügige staatliche Handhabung des Genehmigungsverfahrens für die Herstellung kirchlicher Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse nur aufrechterhalten werden kann, wenn dieser staatlichen Erwartungshaltung durch die Kirchenleitungen aller Ebenen entsprochen wird.

Nach Realisierung dieser Grundsatzgespräche und unter Berücksichtigung dabei gewonnener Erkenntnisse sollten Folgegespräche durch die Stellvertreter der Vorsitzenden der Räte der Bezirke und Kreise für Inneres mit den kirchlichen Partnern ihrer Ebene geführt werden.

2. Das für die Durchsetzung der »Anordnung über das Genehmigungsverfahren für die Herstellung von Druck- und Vervielfältigungserzeugnissen« vom 20. Juli 1959 in der Fassung der Anordnung Nr. 2 vom 25. März 197546 verantwortliche Ministerium für Kultur und die nachgeordneten Organe auf Bezirks- und Kreisebene sollten im engen Zusammenwirken mit den Sicherheits- und Rechtspflegeorganen differenziert eine noch einheitlichere Anwendung und konsequentere Durchsetzung ordnungsrechtlicher Bestimmungen, bezogen auf genannte nicht genehmigte Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse, gewährleisten.

Das schließt auch ein, ordnungsrechtliche Maßnahmen, einschließlich Ordnungsstrafverfahren, gegen kirchliche Amtsträger und Mitarbeiter einzuleiten und durchzusetzen, wenn sie der Aufforderung zur Unterbindung der Herstellung und Verbreitung nicht genehmigter Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse nicht nachkommen.

Werden gegenüber kirchlichen Amtsträgern und Mitarbeitern sowie Herstellern/Verbreitern nicht genehmigter Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse ausgesprochene Ordnungsstrafen von diesen nicht anerkannt, sollte mit aller Konsequenz die »Verordnung über die Vollstreckung wegen Geldforderungen der Staatsorgane und staatlichen Einrichtungen« vom 6. Dezember 196847zur Anwendung gelangen.

3. Erkenntnisse aus der vorliegenden Information und daraus resultierende Erfordernisse sollten bei der Überarbeitung der vorgenannten Anordnungen über die Herstellung von Druck- und Vervielfältigungserzeugnissen und entsprechender zollrechtlicher Bestimmungen über die Einfuhr von Druckerzeugnissen, Vervielfältigungsapparaten, Fernseh- und Videotechnik sowie die Ausfuhr von Schriften, Manuskripten, Bild- und Tonträgern durch die zuständigen zentralen Organe mit zugrunde gelegt werden.

Die Information ist nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

Anlage zur Information Nr. 168a/89

Übersicht über beachtenswerte nicht genehmigte Druck- und Vervielfältigungserzeugnisse antisozialistischen Inhalts und Charakters, sogenannte Informationsblätter

Hauptstadt der DDR, Berlin

1. »Arche Nova – Forum für ökologische Gestaltung in Umwelt und Gesellschaft«, Herausgeber: »Grün-ökologisches Netzwerk Arche«, (Karl-Heinz Jordan, Dr. Edgar Wallisch48)

2. »Aufrisse«, Herausgeber: »Initiativgruppe Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung«,49 (Stephan Bickhardt,50 Reinhard Lampe,51 Ludwig Mehlhorn52)

3. »Friedrichsfelder Feuermelder«, Herausgeber: »Friedenskreis Friedrichsfelde«,53 (Reinhard Schult)

4. »Kontext – Beiträge aus Politik – Gesellschaft – Kultur«, Herausgeber: Evangelische Bekenntnisgemeinde Berlin-Treptow (Pfarrer Hilse,54 Torsten Metelka,55 Benn Roolf56)

5. »Ostkreuz«,57 Herausgeber: Redaktionsbeirat mit Gerd Poppe, Weißhuhn u. a.

6. »Umweltblätter«, Herausgeber: »Friedens- und Umweltkreis der evangelischen Zionskirchengemeinde Berlin-Mitte«,58 (Wolfgang Rüddenklau)

7. »Wendezeit«, Herausgeber: »Friedenskreis der evangelischen Samariter-Gemeinde Berlin-Friedrichshain«,59 (Pfarrer Eppelmann, Thomas Welz60)

Bezirk Cottbus

1. »Aufbruch«, Herausgeber: »Ökumenischer Friedenskreis der Region Forst«61

Bezirk Dresden

1. »Lila Band«, Herausgeber: Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens, Landesstelle der »Jungen Gemeinde« Dresden62

2. »Lausitzbotin«, Herausgeber: »Grün-ökologisches Netzwerk Arche« – Region Lausitz/Zittau

3. »Wir Ahnungslosen«, Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft »Frieden« der Dresdener Kirchenbezirke und Evangelisch-Lutherisches Jugendpfarramt Dresden63

Bezirk Halle

1. »Blattwerk«, Herausgeber: »Ökologische Arbeitsgruppe des Kirchenkreises Halle«64

2. »Informationsblatt Nachtgebete«, Herausgeber: »Vorbereitungskreis Nachtgebete Halle«,65 (Dr. Frank Eigenfeld66)

3. »Die Pusteblume«, Herausgeber: Kirchliches Forschungsheim Wittenberg, (Dr. Gensichen67)

4. »Brief aus der Haltestelle« (vormals »Der Straßenfeger«, Herausgeber: »Friedens- und Umweltkreis Quedlinburg«68

Bezirk Karl-Marx-Stadt

2. »Grün-Kreuz-Blätter«, Herausgeber: »Ökumenischer Arbeitskreis Naturschutz der St.-Pauli-Kreuz-Gemeinde Karl-Marx-Stadt«69

2. »Informationsheft« bzw. »Journal«, Herausgeber: »Arbeitsgemeinschaft Offene Kirche«70 (AGOK) in der Ephorie I Karl-Marx-Stadt, (Studentenpfarrer Hans-Jochen Vogel71)

Bezirk Leipzig

1. »Anschlag«, Herausgeber: Personengruppe um Karim Saab72 (Initiator der sogenannten Initiative Hoffnung Nicaragua73) Leipzig

2. »glasnot«74, Herausgeber: Torsten Drogi75/Leipzig, Christoph Radtke76/Naumburg

3. »Kontakte – Umwelt – Frieden – 3. Welt«,77 Herausgeber: Jugendpfarramt Leipzig, (Brigitte Moritz78)

4. »Solidarische Kirche«, Herausgeber: »Arbeitskreis Solidarische Kirche«79 – Projektgruppe »Informationsblatt«, (Nikolaus Voss)

5. »Streiflichter«, Herausgeber: »Arbeitsgruppe Umweltschutz«80 beim Jugendpfarramt Leipzig

Bezirk Magdeburg

1. »Rundbrief«, Herausgeber: »Friedensarbeitskreis der evangelischen Martinskirchengemeinde«81 Magdeburg, (Jochen Brothuhn82)

Bezirk Rostock

1. »Turmblatt«,83 Herausgeber: »Junge Gemeinde« Stralsund

Bezirk Schwerin

1. »Friedensnetz«, Herausgeber: »Arbeitsgruppe Frieden«84 der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs, (Heiko Lietz, Karin Ritter)

2. »Unterwegs«,85 Herausgeber: Büro der evangelischen Stadtjugendarbeit Schwerin

Bezirk Suhl

1. »Zwischenruf«, Herausgeber: »Ökologischer Arbeitskreis Ilmenau«86

  1. Zum nächsten Dokument Seminar zu Volkbildungsfragen
    [ohne Datum]
    Information Nr. 269/89 über die Durchführung eines von feindlichen, oppositionellen Kräften organisierten sogenannten Seminars zu Volksbildungsfragen in der Hauptstadt der DDR, Berlin
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    1. Juni 1989
    Information Nr. 150/89 über beachtenswerte Aspekte des aktuellen Wirksamwerdens innerer feindlicher, oppositioneller und anderer negativer Kräfte in personellen Zusammenschlüssen