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Lage in der Landwirtschaft

20. Juni 1953
Bericht über die Lage in der Landwirtschaft [Meldung Nr. 17/53]

Bezirksverwaltung Leipzig

Die Bauern verhalten sich ruhig, sie gehen ihrer Arbeit nach. Die Parteiorganisation hat größtenteils die Führung in der Hand. Die Bevölkerung auf dem Lande ist abwartend.

Im Kreise Oschatz werden Altbauern durch zurückgekommene republikflüchtige Großbauern provoziert, z. B. erklären die Großbauern, dass zu einem bestimmten Termin ohne Diskussion alles lebende und tote Inventar mit dem erforderlichen Schadenersatz übergeben werden muss.

Die Parteisekretärin von der LPG Güldengossa, ihr Ehemann sowie der Genossenschaftsbauer [Name 1] fordern die Genossenschaftler auf, da es sowieso anders kommt, die LPG zu liquidieren. Aufgrund dieser Provokation traten drei Genossenschaftsbauern aus der LPG aus.

In den Kreisen Altenburg, Leipzig-Land und Oschatz erklärten 20 Genossenschaftler ihren Austritt aus den LPG.

LPG, denen keine devastierten Betriebe1 angeschlossen sind, erklären, dass sie ihre Produktionsgenossenschaften festigen und gegen Anschläge des Gegners verteidigen.

Zum Kommuniqué des Politbüros und Ministerrats2 werden rege Diskussionen geführt. Die Landarbeiter sind unterschiedlicher Ansichten. Ehemalige Umsiedler freuen sich über die Rückkehr der Großbauern und vertreten die Meinung, dass auch die Rittergutsbesitzer zurückkehren, und sprechen die Hoffnung aus, dass die Oder-Neiße-Friedensgrenze revidiert wird. Die anderen Landarbeiter sind gegen diese Meinung und wollen die Großbauern von ihren Gehöften vertreiben. Die Ehefrauen der Landarbeiter, die Wohnungen ehemaliger Großbauern innehaben, erklären, dass sie sich mit allen Mitteln gegen die Räumung ihrer Wohnung wehren.

Während des Kreisparteitages der DBD des Kreises Oschatz kam zum Ausdruck, dass in der DDR nun »Gott sei Dank« der Klassenkampf beendet ist. In der LPG Gadewitz (Typ III)3 versuchten die werktätigen Bauern ihr eingebrachtes Vieh aus den Ställen zu holen.

Bezirksverwaltung Karl-Marx-Stadt

Die Lage in der Landwirtschaft ist bis auf einige Einzelerscheinungen ruhig. Ausschreitungen waren nicht zu verzeichnen. Von den Groß-, Mittel- und Kleinbauern wurde erklärt, dass die Regierung nicht so viel versprechen soll und es nicht halten kann. Im Kreise Rochlitz wird das Gerücht in Umlauf gebracht, dass die Bauern nicht mehr vorfristig für die kommenden Quartale abzuliefern brauchen, weil 1954 die Pflichtablieferung wegfallen soll.

In den LPG Wiesa und Oberwiesenthal stellten die beiden LPG-Vorsitzenden ihre Funktionen zur Verfügung aufgrund der angeblich unklaren politischen Situation. Weitere drei Mitglieder der LPG Wiesa haben ihren Austritt erklärt. In der LPG Oberwiera forderte ein Mitglied der LPG sein eingebrachtes Vieh zurück. Im Kreise Rochlitz, Hainichen und Glauchau weigern sich die Bauern Schweine unter 125 kg abzuliefern.

Bezirksverwaltung Suhl

Die Lage ist ruhig, Stimmung ist sehr gut.

Im Kreis Hildburghausen wurden drei LPG aufgelöst. Von fünf weiteren LPG sind 38 Einzelbauern ausgetreten. Im Kreis Meiningen wird nicht in vorgeschriebener Höhe das Ablieferungssoll eingehalten. Sämtliche MTS des Bezirkes haben gearbeitet.

Bezirksverwaltung Dresden

In der LPG Göda, Kreis Bautzen, wurden sechs Jugendliche von den Mitgliedern der LPG vertrieben, da sie zum Streik aufforderten. In der MTS Burkhardswalde und Berggießhübel brachten die Belegschaften ihre Verbundenheit zur Regierung zum Ausdruck.

In der MTS Holtendorf, Kreis Görlitz, forderte der Agronom die Traktoristen auf, die Arbeit niederzulegen und an der Demonstration teilzunehmen. Er wurde von den Traktoristen der VP übergeben. Sie übernahmen den persönlichen Schutz der MTS.

Die Mitglieder der LPG Spansdorf,4 Kreis Riesa, wollen ihre LPG auflösen, weil sie zur Gründung der LPG durch den Bürgermeister mit Drohungen gezwungen wurden. Der Bürgermeister ist mit 20 ha einer der größten Bauern im Dorf. In der LPG Gröditz bei Riesa gibt es Bestrebungen zur Auflösung, die durch negative Einflüsse aus dem Stahlwerk Gröditz entstanden sind. Beide LPG bestehen zzt. noch.

In der LPG Skäßchen, Kreis Großenhain, wurde die Arbeit am 18. und 19.6. niedergelegt. Durch Eingreifen der Partei gelang es, die LPG-Mitglieder wieder zu überzeugen, die Arbeit aufzunehmen.

In der LPG Neuendorf,5 Kreis Großenhain, haben 21 Mitglieder der LPG die Absicht, aus der LPG auszutreten. Es handelt sich hier um ehemalige Umsiedler.

Am 17.6.1953 verweigerten die Mitglieder der LPG Gehrenhain,6 Kreis Geithain,7 die Milchablieferung. Aufklärungseinsatz der Partei erzielte am 18.6.1953 eine Wiederaufnahme der Milchablieferung.

Bezirksverwaltung Potsdam

In Friesack, Kreis Nauen, und in umliegenden Dörfern fanden Demonstrationen mit Provokationen statt. 20 Personen der Gemeinde Brädikow8 entfernten am 18.6.1953 sämtliche demokratische Losungen und zerstörten die Telefonverbindung der Gemeinde. Anführer wurden verhaftet. Es handelt sich hier um großbäuerliche Elemente.

Bei der MTS Niemegk schlossen sich am 17.6. die Angehörigen der MTS den streikenden Bauarbeitern der Bau-Union an. Sie nahmen erst am 18.6. die Arbeit wieder auf. Die MTS Ludwigsfelde streikte am 18.6. mit den Bauarbeitern der Bau-Union und stellte ihre Traktoren zum Transport der Provokateure zur Verfügung. Die Angehörigen der MTS handelten unter dem Druck der Bauarbeiter.

In der Gemeinde Schulzendorf fand am 18.6. eine Versammlung statt,9 wobei 30 Einzelbauern eine Resolution verfassten und folgende Forderungen aufstellten: »Wahl ihrer Interessenvertreter in die VdgB, Herabsetzung des Getreideabgabesolls, klare Richtlinien für die Rückkehr geflüchteter Bauern und Beabsichtigung der Felder durch den Rat des Kreises.«

Im Kreis Pritzwalk fanden in den Orten Lockstädt, Sagast und Meyenburg10 13 Austritte aus der LPG statt, darunter sechs bis sieben Landarbeiter. In Dranse, MTS-Bereich Wittstock, äußerte der Mittelbauer [Name 2]: »Die SED ändert den Kurs: Weg vom Sozialismus, weg vom Potsdamer Abkommen, hin zum Titoismus.«

In der LPG Vielitz, Kreis Neuruppin, findet das Kommuniqué des Politbüros große Anerkennung. Aus diesem Grunde wurde die Selbstverpflichtung übernommen, fünf Kandidaten für die SED zu werben.

Bezirksverwaltung Schwerin

Die werktätigen Bauern des Bezirkes bringen zum Ausdruck, sie würden sich freuen, dass die Regierung die verschärfte Erfassung revidierte. Die Großbauern fühlen sich aufgrund des Beschlusses gestärkt.11 So erklärte z. B. der Großbauer [Name 3] in Pampow zu einem Genossenschaftsbauern: »Hast du dir schon einen Baum [gesucht], an dem du hängen willst?«

Die Stimmung in den LPG ist im Allgemeinen zufriedenstellend. Aus der LPG Sülsdorf traten acht Mitglieder, aus der LPG Turow traten fünf Mitglieder, aus der LPG Kirow12 traten drei Mitglieder, aus der LPG Sternberg traten vier Mitglieder aus. Die LPG Warsow löste sich am 9.6.1953 auf. Dabei wurden die Gerüchte verbreitet, wenn die Großbauern zurückkehren, hat es doch keinen Zweck, diese LPG weiterzuführen.

Bezirksverwaltung Rostock

Verstärktes Auftreten der Groß- und Mittelbauern. In einzelnen Fällen fordern Großbauern der ehemals devastierten Betriebe, ihren Betrieb nicht eher zu übernehmen, als bis das Soll ermäßigt wird. Teilweise erpresserische Forderungen auf Sollstreichungen. [sic!]

Stimmung in MTS und LPG zurückhaltend, Diskussionen über Auflösung der LPG sehr stark. Zum Teil nicht mit dem Beschluss über die Rückkehr der Großbauern13 einverstanden. In Huckstorf, Kreis Rostock, demonstrierten Einzelbauern gegen die LPG.

In Sievershagen, Kreis Rostock, organisiertes Auftreten der Großbauern gegen die BHG und werktätigen Bauern, tätliches Angreifen des 1. Kreissekretärs der VdgB. Großbauern forderten Rücktritt der Regierung, keine Arbeitsniederlegungen der Bauern sowie keine Demonstrationen.

In den LPG überwiegend normaler Arbeitsablauf. In 26 LPG Massenaustritte, davon im Kreis Ribnitz zehn, drei LPG stehen vor der Auflösung. Keine Signale über Verweigerung der Ablieferungspflicht. Im Kreis Putbus wollen Bauern14 die Arbeit niederlegen, wenn sie die 30 % Dünger, die gesperrt wurden, nicht erhalten. Sperrung durch DHZ Berlin.

In vier LPG des Kreises Rostock sind Zerfallserscheinungen. Bauern vertreten den Standpunkt, dass es nach Erlass der neuen Verordnung für die Einzelbauern besser geht und damit eine gemeinschaftliche Arbeit überflüssig ist.

In der Gemeinde Huckstorf, Kreis Rostock, demonstrierten Einzelbauern unter der Führung des Bürgermeisters gegen die LPG. In der Gemeinde Sievershagen, Kreis Rostock, wurde der Kreissekretär der VdgB tätlich angegriffen. Die Großbauern schlugen sich untereinander.

In der Gemeinde Steinhausen, Kreis Wismar, verließen bei einer Gemeindeversammlung werktätige Einzelbauern den Raum. Die Genossenschaftsbauern blieben. Man rief dann von draußen: »Wir haben doch gesiegt.«

In der Gemeinde LPG Vieregge, Kreis Bergen, wurden über Nacht sämtliche vorhandenen Wasserleitungshähne geöffnet, sodass alles unter Wasser stand. Von zwei inzwischen republikflüchtig gewordenen Bauern aus der Gemeinde Parchow,15 Kreis Bergen, wurden die Vorsitzenden der umliegenden LPG nachts angerufen, sofort nach Parchow zu kommen, um von einem dort anwesenden Instrukteur die Richtlinien über die Auflösung der LPG entgegenzunehmen.

In zwölf LPG des Kreises Damgarten16 sind in großem Umfang Austrittserklärungen abgegeben worden.

Bezirksverwaltung Neubrandenburg

Alle MTS, VEG im Bezirk haben gearbeitet, von Streikstimmung ist nichts bekannt geworden. Bei den Großbauern gibt es Anzeichen, dass sie glauben durch die Regierungsverordnung wieder die Möglichkeit zu bekommen, die führende Rolle auf dem Dorf zu spielen. Es gibt Fälle, wo die Großbauern Saufgelage veranstaltet haben aufgrund der Beschlüsse der Regierung wie in Brudersdorf, Kreis Malchin, wo dieselben mit der schwarz-rot-goldenen Fahne durch das Dorf zogen.

Bei der Gemeindeversammlung am 17.6.1953 in Blumenhagen, Kreis Strasburg, erklärte der [Name 4, Vorname], dass sie jetzt genau wie in Berlin auch streiken und nichts mehr abliefern. [Name 4] wurde festgenommen.

In den LPG herrscht zum Teil gedrückte Stimmung, wodurch Austritte zu verzeichnen sind (in LPG Hohenholz/Pasewalk 19 Austritte): LPG Böckenberg, Kreis Templin, LPG Rossin, Kreis Anklam, LPG Vanselow, Kreis Demmin, LPG Lelkendorf, Küsserow17 und Groß Lunow, Kreis Teterow. Auch in weiteren LPG machen sich derartige Erscheinungen bemerkbar.

Bezirksverwaltung Halle/Saale

Auf der MTS Winningen wurde von den Werkstattarbeitern die sofortige Abschaffung der Politabteilung gefordert. Die MTS Wolferstedt hat am 18.6. die Arbeit eingestellt, weil Streikende auf der MTS erschienen und die Traktoristen bedrohten. Am 20.6. wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Ebenfalls auf der MTS Landsberg wurde am 17.6. gestreikt, weil andere streikende Arbeiter in die MTS eingedrungen waren und zum Streik aufriefen. Auch hier wird wieder gearbeitet.

In der MTS Obhausen hat die Belegschaft der MTS an der Demonstration teilgenommen und ging unter der Losung »Kampf um die Freiheit«, »Kampf um ein besseres Leben«, »Kampf um die Einheit Deutschlands«, »Kampf um den Sturz der Regierung der DDR.« Diese MTS wurde für ihre Arbeit als Sieger im Wettbewerb für die Wanderfahne des Ministerrates vorgeschlagen.

Die Genossenschaftsbauern der LPG Beesenstedt erklären, sie geben das Land an die Großbauern auf keinen Fall zurück.

Im Kreise Hettstedt wurden die Genossenschaftsbauern von den streikenden Arbeitern des Otto-Brosowski-Schachtes beeinflusst, die Arbeit in der LPG niederzulegen. Der Anführer des Streiks war der Genossenschaftsbauer [Name 5], der mit einigen anderen Genossenschaftsbauern an der Demonstration teilnahm. [Name 5] wurde inhaftiert. Im gleichen Kreis versuchte am 17.6. eine Gruppe von Jugendlichen in Stärke von 30 bis 40 Mann Fahnen und Losungen der Genossenschaft abzureißen. Sie wurden durch die Genossenschaftsbauern daran gehindert.

In der LPG Winningen will der Vorstand seine Arbeit niederlegen, weil die Mitglieder nicht zur Arbeit erschienen sind. Die Mitglieder der LPG beabsichtigen, aus der LPG auszutreten. In der LPG Laucha wollen die ehemaligen Landarbeiter wieder bei den Großbauern arbeiten, wenn sie zurückgekehrt sind. In der LPG Heiligenthal erklärten verschiedene Mitglieder ihren Austritt aus der LPG. Durch Aufklärung des Politbüros wurden sie von diesem Vorhaben abgehalten. In der LPG Kerzendorf erklärte ein LPG-Mitglied seinen Austritt, vier weitere Mitglieder der gleichen LPG wollen nach der Ernte austreten. Die LPG Gatersleben beabsichtigte, die Arbeit niederzulegen. Die Partei hat dies durch Diskussionen verhindert.

Bezirksverwaltung Cottbus

Am 17.6. traten Bauern im Ort Jessen geschlossen und organisiert zu einer Demonstration zusammen, jedoch eine direkte Arbeitsniederlegung hat nicht stattgefunden. In der LPG Groß Lieskow trat ein Mitglied aus der LPG aus. In der LPG Axien18 haben einige Genossenschaftsbauern ein[en] Tag nicht gearbeitet. Es handelt sich hier um ehemalige Landarbeiter. Die am 31.5.1953 gegründete LPG Bornsdorf wurde auf Anweisung der Kreisleitung der SED nach Bekanntgabe des Kommuniqués der Regierung aufgelöst.

Die Milchablieferung stockte in der Zeit vom 17. bis 19.6.1953 im gesamten Bezirk. Die Bauern begründen die teilweise Nichtablieferung der Milch damit, dass sie noch Forderungen aus Milchablieferungen des Monats Mai zu erhalten hätten.

Bezirksverwaltung Gera

Am 16.6. wurde in der LPG Lemnitz eine Mitgliederversammlung durchgeführt, wo die Genossenschaftsbauern die Meinung vertraten, die LPG aufzulösen, da durch die neue Regierungsverordnung die gegnerischen Elemente gestärkt würden. Der ehemalige Rittergutspächter [Name 6, Vorname] in Lemnitz äußerte den LPG-Mitgliedern gegenüber Folgendes: »Die Stunde eurer Genossenschaft hat geschlagen. Bis zur Auflösung ist es nicht mehr weit.«

In der LPG Weißig wurde am 17.6. eine Vollversammlung der LPG durchgeführt. Dabei wurde die Auflösung der LPG beschlossen. Der Initiator war der Genossenschaftsbauer [Name 7], der vorher an einem Aufruhr in Gera teilgenommen hatte und nach Rückkehr in Weißig die Vollversammlung einberief. Er betrieb dabei eine wüste Hetze gegen die Regierung, gegen die VP und gegen die SED. [Name 7] wurde inhaftiert. Danach kam ein Genossenschaftsbauer zum Kreisrat Gera und teilte mit, dass sich die LPG wieder neu bilden würde, da sie von [Name 7] nur irregeführt wurden.

Die LPG der Gemeinde Gösen, Kreis Eisenberg, befindet sich in Auflösung. Die Traktoristen der MTS Gösen hatten die Absicht, an der Demonstration in Eisenberg teilzunehmen, was aber von der Leitung der MTS verhindert werden konnte.

Bezirksverwaltung Erfurt

Die Lage in der Landwirtschaft ist als normal zu bezeichnen, Unruhen sind nicht vorgekommen. Von den Bauern wurde über die Abänderung des Viehhalteplanes, Differenzierung und Ablieferung diskutiert. In Bauernversammlungen wurden Resolutionen verfasst, die jedoch keinen provozierenden Charakter trugen. Einige MTS und LPG sandten an die Werke des Kreises Delegationsgrüße, worin die Arbeiter aufgefordert wurden nicht zu streiken. Bisher als reaktionär bekannte Dörfer, z. B. Friemar, zeigten besonders positive Haltung und äußerten ihr Vertrauen zur Regierung. Der CDU-Bürgermeister aus dem Kreise Heiligenstadt [sic!] jedoch brachte zum Ausdruck, dass die Regierung alles Lumpen sind und alle aufgehängt werden müssten.

Großbäuerliche Elemente versuchten in Mühlhausen mit den Arbeitern des IFA-Werkes eine Demonstration durchzuführen.

In der LPG Annaberg, Kreis Heiligenstadt,19 bestand die Absicht, am 16.6. die LPG aufzulösen. In der Vollversammlung, auf der der Vorsitzende des DBD des Kreisvorstandes sprach, wurden die Bauern überzeugt davon die LPG nicht aufzulösen.

Feindliche Elemente versuchten in den LPG Merxleben und Kutzleben Spaltungen hineinzutragen und Provokationen zu verüben. Daraufhin gingen die LPG dazu über Selbstschutzbrigaden aufzustellen. Mit der Ablieferungspflicht gibt es keine Schwierigkeiten. Nur im Schweinefleisch ist die Ablieferung bis zu 50 % zurückgegangen. Im Kreisgebiet Eisenach ist die Ablieferung in tierischen Erzeugnissen stark gesunken.

Bezirksverwaltung Frankfurt/Oder

Bis auf einige vereinzelte Vorkommnisse kann die Lage im Bezirk als normal bezeichnet werden. In keinem Ort traten die Bauern organisiert zusammen, um die Bauern zur Arbeitsniederlegung zu gewinnen. Die Stimmung ist gut, es wird über das Kommuniqué des Ministerrates positiv diskutiert. »Jetzt werden die zurückkehren, die sich vom Lügen-RIAS haben irreführen lassen. Aber die Verbrecher und Saboteure sollen bleiben, die wollen wir nicht haben.« Negative Stimmungen, die vereinzelt auftreten, z. B. in der Gemeinde Biesenbrow, wo20 der Großbauer [Name 8] sagte: »Jetzt kommen die Verhältnisse wieder wie vor 1945. Die Regierung, die uns jetzt regiert, hat keine Ahnung, sie gehören alle ins Zuchthaus. Die bisherigen Wahlen waren Zwangsmaßnahmen und keine freien Wahlen. Die Wahlen in Westdeutschland sind gerecht und nur Adenauer kann uns [aus] der Versklavung retten.«

Am 17.6.1953 wurde in Friedland durch den ehemaligen Mühlenbesitzer [Name 9] die Tür der Wohnung des VdgB-Vorsitzenden Neumann mit der Axt eingeschlagen. Dabei erklärte er: »Aus jedem Funktionär wird Kleinholz gemacht.« [Name 9] wurde republikflüchtig.

Auf der MTS Neuenhagen wurden die Arbeiter von drei Kollegen ihrer Station aufgefordert, die Arbeit niederzulegen. Die drei Initiatoren wurden festgenommen. Einige Arbeiter forderten darauf die Freilassung der Festgenommenen und drohten um 12.00 Uhr den Streik aufzunehmen. Darauf wurden weitere zwei Personen festgenommen. Durch Agitatoren und Einsatz der Partei wurde der Streik verhindert.

Am 18.6. fand in Tiefensee eine Versammlung der BHG statt, wo vom Kreisvorsitzenden ein Referat gehalten wurde. In der Diskussion wurde von einem Neubauern (Umsiedler) Folgendes zum Ausdruck gebracht: »Du hast ganz schön gesprochen, aber der politische Teil gefällt uns nicht und wenn du wieder von Politik sprichst, gehen wir nach Hause.« Er forderte weiter, dass mit der ganzen Planung ein Ende gemacht werden soll, damit die Bauern das Anbauen können, was sie wollen.

In der LPG Gusow forderten die Mitglieder eine Herabsetzung ihres Solls um 50 %. In der LPG Radinkendorf traten zwei Mitglieder aus der LPG aus, weil die Rückkehr geflüchteter Bauern angekündigt wurde.

In der LPG Friedrichsaue haben am 18.6. nur drei Mitglieder der LPG ihre Arbeit aufgenommen. Das LPG-Mitglied [Name 10] bezeichnete die fortschrittlichen Bauern und andere Mitglieder der SED als Strolche, Halunken und Verbrecher. In der Gemeinde Glienicke hetzte der VdgB-Vorsitzende gegen die LPG und versuchte Stimmung für die Provokateure und Streikenden in Berlin zu machen. Auf dem Volkseigenen Gut Flemsdorf verbreitete der Parteisekretär Reeder das Gerücht, dass wir keine Regierung mehr hätten, keine Verwaltung und die Kommandantur alles übernommen hat. In dem VEG Herzfelde, Kreis Strausberg, wurden die Landarbeiter von den Streikenden der Bau-Union Spree von den Feldern gejagt.

Die Ablieferung geht in einigen Kreisen etwas schleppend vor sich. Die Ursachen sind darin zu suchen, dass noch keine neuen Richtlinien über die Erfassung gegeben wurden.

Bezirksverwaltung Magdeburg

Organisierte Arbeitsniederlegungen haben nicht stattgefunden. In der LPG Rogätz21 wollen drei LPG-Mitglieder austreten. In der LPG Meitzendorf beabsichtigen zwei werktätige Bauern aus der LPG auszutreten.

In der LPG Klein Ammensleben22 fünf und in der LPG Heinrichsberg zwei LPG-Bauern. Die LPG Trabitz23 wurde durch Provokateure und zwei Genossenschaftsbauern aufgelöst. In den LPG Neuenklitsche und Wulkow erfolgte je ein Austritt eines Mitgliedes. In der LPG Trüstedt haben zwei Genossenschaftsbauern ihren Austritt erklärt, weil der Großbauer [Name 11, Vorname], sowie [Name 12, Vorname], beide wohnhaft in Trüstedt, den Genossenschaftsbauern erzählte, dass die Großbauern bald zurückkommen und dann mit den Genossenschaftsbauern abrechnen werden.

In der LPG Hottendorf24 hat der LPG-Vorsitzende Belke seinen Austritt erklärt. Er stand in Verbindung mit Großbauern.

In der LPG Welle wollen die Genossenschaftsbauern nach der Ernte 1953 austreten. Sie begründen ihren Austritt damit, dass sie als Neubauern ein besseres Leben gehabt hätten und mehr freie Spitzen25 abliefern konnten.

Die MTS Niederdodeleben hat nach Aufforderung durch Provokateure sich mit den Magdeburger Streikenden solidarisch erklärt und die Arbeit am 17.6. bis 18.6. niedergelegt. Sie stellten folgende Forderungen auf: Erhöhung der Lebenshaltung, Verbesserung der Fettversorgung, Beseitigung der Spannung mit der BGL, Übergabe der Wanderfahne für den Wettbewerb zur Frühjahrsbestellung.

Auf der MTS Brumby und Domersleben wurden durch Provokateure und betrunkene Arbeiter aus Magdeburg Bilder, Transparente und Fahnen in den Kulturhäusern abgerissen. In der MTS Lüderitz wurde erklärt, dass, wenn die Brotversorgung nicht sofort geregelt wird, die Belegschaft die Arbeit niederlegt. Durch Schwächen in der Versorgung war zehn Tage ungenügend Brot vorhanden.

Auf der MTS Hobeck26 beteiligten sich fünf Traktoristen an der Demonstration, nachdem sie durch den Sekretär der BHG [Name 13] unter Alkohol gesetzt wurden. Der Buchhalter der MTS war einer der aktivsten Organisatoren der Demonstration. Beide wurden festgenommen.

In Woltersdorf wurde der Genossenschaftsbauer [Name 14] so schwer geschlagen, dass er schwer verletzt ins Krankhaus gebracht werden musste. Sechs Täter wurden festgenommen. In Biederitz27 wurden der Leiter und der Stellvertreter der politischen Abteilung der MTS Böhne28 von Provokateuren niedergeknüppelt. Die Rädelsführer wurden festgenommen.

Dem Kreisgebiet Seehausen wirkt sich das aufgetauchte Gerücht, dass die Amerikaner am 26.6. den Kreis besetzen, schlecht auf die Ablieferung von Schlachtvieh und Eiern aus. In der dritten Dekade des Monats Mai und in der zweiten Dekade des Monats Juni wurden nur etwa 50 % erfasst.

Die Mitglieder der LPG und MTS im Kreisgebiet Schönebeck und Gardelegen verlangen die Bestrafung der Provokateure und begrüßen besonders, dass die Ordnung wieder hergestellt ist und helfen tatkräftig mit bei der Festnahme dieser bezahlten Subjekte.

  1. Zum nächsten Dokument Lagebericht und Bilanz zum 17. Juni (3)
    21. Juni 1953
    Information Nr. 3 [Meldung Nr. 18/53]
  2. Zum vorherigen Dokument Lage in Berlin und in den Bezirken
    [Ohne Datum]
    Zusammenfassender Bericht über die Lage in Groß-Berlin und in der DDR in der Zeit vom 19.6.1953, 14.00 Uhr, bis 20.6.1953, 10.30 Uhr [Meldung Nr. 16/53]