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Tagesbericht

26. Juni 1953
Tagesbericht Nr. 3 [Meldung Nr. 26/53]

[Titelzusatz:] zusammengestellt und ausgewertet aus den vorliegenden Unterlagen der Abteilungen und Bezirksverwaltungen.

Auch am heutigen Tage war es ruhig, d. h. ohne besondere Vorkommnisse wie Streik usw.

[Besondere Vorkommnisse]

Im RAW Berlin fand am 22.6.1953 eine Belegschaftsversammlung statt. Anwesend 350 bis 400 Personen. Der 1. Kreissekretär vom Kreis Friedrichshain – Genosse Bertels – hielt das Referat. In der Diskussion von fünf Rednern wurde zum Ausdruck gebracht, dass es sich am 17.6.1953 nicht um eine faschistische Provokation handelte, sondern ein Ausdruck der Missstimmung der Arbeiter gewesen ist. Weiterhin wurde die schlechte Arbeit der Gewerkschaft im Betrieb zum Ausdruck gebracht. »Die BGL weiß nur, wann sie Beiträge braucht, sonst lässt sie sich nicht sehen.« Der 1. Sekretär der BPO forderte die Kollegen zur Diskussion auf und forderte gleichzeitig die Kollegen auf, Disziplin zu wahren (obwohl von Disziplinlosigkeit keine Anzeichen vorhanden waren). Dadurch wurden die Kollegen vor den Kopf gestoßen und keiner sprach mehr zur Diskussion. Der 1. Sekretär der BPO verlas eine Resolution, die zwei Punkte beinhaltete: 1. Treue zur Regierung und Partei, 2. Produktionsausfall nachholen.

Ein großer Teil der Arbeiter stand auf und ging. Über die Resolution wurde nicht diskutiert. Ein Genosse erzwang sich die Diskussion und zeigte auf, wie man dem Arbeiter nach altem Kurs wieder etwas vorsetzen wollte. Zu dem Punkt 1 der Resolution stimmte ein größerer Teil der Belegschaft zu.

[Stimmung der Bevölkerung]

Um einen Schlüssel bzw. um einen Anhaltspunkt für die prozentuale Einstellung der Bevölkerung zu unserer Regierung und den Maßnahmen zu bekommen, wurden absolut von staatlichen Stellen unbeeinflusste Unterhaltungen durchgeführt. Die Methode der Unterhaltung wurde gewählt, damit bei der Befragung auch nicht die leiseste Befürchtung einer evtl. Benachteiligung bei offener Aussprache entstehen konnte. So wurden im demokratischen Sektor von Berlin als auch in den verschiedenen Teilen der DDR jeweils 200 Personen gesprochen. Das Ergebnis ist außerordentlich aufschlussreich für die Einstellung der Bevölkerung zur Regierung unserer Republik. Während von den im demokratischen Sektor von Berlin befragten 200 Personen sich rund 75 % positiv aussprachen und nur 25 % eine negative Einstellung zum Ausdruck brachten, war bei den in den Bezirken der DDR befragten 200 Personen ein beinahe völlig umgekehrtes Verhältnis vorhanden, ca. 60 % sprachen sich hier negativ aus und nur 40 % sprachen sich positiv aus.

Zur besseren Übersicht wird je eine besonders charakteristische Stellungnahme im positiven sowie im negativen Sinne beigelegt.

Ein Herr [Name 1] aus Berlin-Wilhelmsruh äußerte sich folgendermaßen: »An diesem Putsch ist nicht unsere Regierung, sondern vor allem unser ZK schuld. Beide haben sich vollkommen von den Massen losgesagt und die Führung verloren. Durch ihre vorletzten Maßnahmen war die Wut auf die Siedehitze gestiegen und die Arbeiter haben nicht mehr gemerkt, dass sie eine Arbeiterregierung haben, und dies hat der Gegner raffiniert ausgenutzt. Dazu kommt, dass die Partei geschlafen hat, blind war und sich in Sorglosigkeit wiegte. Seit einem Jahr war ich bereits beunruhigt, ich hatte nun gehofft, dass nach dem letzten Kommuniqué in der Partei eine Entspannung eintreten würde. Aber gerade dieses Kommuniqué, diese Maßnahmen, hat dem Gegner Veranlassung gegeben, aktiv zu werden, weil er befürchtete, dass ihm seine Felle fortschwimmen.«

Der Mann einer republikflüchtigen Frau ließ uns bei der Befragung Einsicht nehmen in einen Brief, den seine Frau aus dem Westen schrieb: »Falls ich bis nächste Woche keine Post habe, mache ich mich ohne Nachricht von euch auf den Weg. Ich werde am Dienstag spätestens Mittwoch kommen und mich auf der VP-Inspektion Berlin-Mitte melden. Was weiter mit mir wird, weiß ich nicht, jedenfalls hier bleibe ich auf keinen Fall. Wenn unsere Regierung sagt, die Flüchtlinge können zurück, so werde ich ihr auch vertrauen.«

Ein Angestellter aus dem demokratischen Sektor Berlins äußert sich wie folgt: »Die Bewohner Ostberlins haben sich ganz spontan zu einer Demonstration gegen die Unfreiheit zusammengeschlossen und sind auf die Straße gegangen. Sie wagten etwas, was völlig unmöglich erschien. Sowjetische Panzer haben den Widerstand der Bevölkerung gegen die Regierung gebrochen. Die Masse musste zurückweichen, doch lange wird die Furcht nicht dauern.«

[Stimmung in Westberlin]

Zur Stimmung in Westberlin wäre zu sagen, dass in den ersten Tagen der Vorfälle im Allgemeinen eine Stimmung gegen die DDR zu verzeichnen war, die sich in den letzten Tagen aber wesentlich verändert hat. Unter der Stummpolizei1 werden Stimmen laut, dass die VP richtig gehandelt hat, denn auch sie hätten nichts anderes getan. Der Stupo-Unterwachtmeister [Name 2] sagte, indem er den Berliner Sender einschaltete: »Jetzt wollen wir endlich die Wahrheit hören.«

In Berlin-Steglitz ist zu verzeichnen, dass eine ganze Anzahl von Genossen ängstlich auf Maßnahmen des Gegners wartet. Aktive Arbeit zu leisten (Agitation) wird abgelehnt, da die Bevölkerung mit den Worten »Versprochen habt ihr schon genug, beweist es durch Taten« zu den Verordnungen in der DDR Stellung nimmt.

Positiv dagegen wird gewertet, dass entgegen der Propaganda von Westberlin, [dass] alle, die sich seit 17.6./18.6.1953 in Westberlin aufgehalten haben, bei der Rückkehr verhaftet werden, dies in keiner Weise in Erscheinung getreten ist.

Missstimmung unter der Westberliner Bevölkerung wird auch dadurch erzeugt, dass an Personen, die sich nach den Ereignissen in Westberlin aufhielten, Geldbeträge in verschiedenen Höhen vom DGB ausgezahlt werden.

[Lage in der Landwirtschaft]

Besonderes Augenmerk ist auf die Stimmung in der Landwirtschaft zu richten, wo die Tatsache zu verzeichnen ist, dass sich LPG in Auflösung befinden.

Auflösungserscheinungen in den LPG

Bezirk

aufgelöste LPG

in Auflösung begriffen

Diskussion über Auflösung

Rostock

keine

keine

20

Schwerin

1

15

keine

Neubrandenburg

keine

6

1

Potsdam

keine

6

2

Frankfurt

keine

4

keine

Cottbus

1

2

keine

Magdeburg

3

5

1

Halle

keine

2

2

Erfurt

keine

1

keine

Gera

5

19

7

Suhl

5

8

3

Leipzig

keine

3

keine

Dresden

keine

keine

2

Karl-Marx-Stadt

keine

2

keine

Groß-Berlin

keine

keine

keine

Insgesamt

15

73

38

Ca. 40 % der Bauern, die jetzt zurückkehren, beantragen, nur 6–15 ha ihres ehemaligen Besitzes zurückzuerhalten, für das übrige Land haben sie Verzichtserklärungen abgegeben und geben an, dass sie keine Großbauern mehr sein wollen.

Dies ist im Bezirk Schwerin zu verzeichnen.

Stimmungen in den Ministerien

Im Staatssekretariat für Chemie ist man der Ansicht, dass die von der Staatlichen Plankommission geforderte Rückgabe von 100 Millionen Investitionsgeldern nicht zu realisieren ist, da sonst schwere Schäden für das im Bau befindliche Alu-Werk Bitterfeld und Reifenwerk Fürstenwalde eintreten.

Das Ministerium für Schwermaschinenbau kann die von der Staatlichen Plankommission gegebenen Eckziffern nicht annehmen, da sie unreal seien und es werden die Befürchtungen gehegt, dass die Staatliche Plankommission Eckziffern dem Ministerrat vorlegt, ohne sie vorher mit dem Ministerium beraten zu haben.

Prof. Plachy2 befürchtet, dass Streichungen der Investitionen die Stilllegung einer größeren Zahl bereits im Bau befindlicher Institutsgebäude nach sich ziehen und zu einer starken Verärgerung der Wissenschaftler führen wird. Er macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass eine große Anzahl von Professoren, Stubbe,3 Klinkowski,4 Röhrer,5 Stahl6 und Heinisch,7 Angebote aus Westdeutschland haben und sich über Annahme oder Ablehnung noch nicht entschieden haben.

Zur Versorgung der Bevölkerung

Zu den Fragen der Versorgung der Bevölkerung gibt es eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten, die dringend abgestellt werden müssen. So ergaben die Untersuchungen der Organe des Ministeriums für Staatssicherheit im Bezirk Halle mit dem Stand vom 25.6.1953 morgens, dass beispielsweise in Bitterfeld die Versorgung mit Fleisch gefährdet ist, da nur zehn Tage Vorrat vorhanden ist. In den HO-Fleischereien sind überhaupt keine Fleischwaren erhältlich.

In Eisleben ist der Bedarf an Hülsenfrüchten, Kunsthonig und sogar an Eiern ungedeckt. In Merseburg gibt es in HO-Verkaufsstellen nicht genügend Margarine, Butter und Nährmittel, was von der Bevölkerung stark kritisiert wird. In Naumburg liegen die Schwierigkeiten besonders bei Butter, Margarine, Speiseöl und Zucker. Diese Waren sind bei der Bevölkerung stark gefragt, aber in den Läden der HO nicht erhältlich. In Wittenberg ist die Butterproduktion stark abgesunken wegen der schlechten Milchanlieferung.

In einer Belegschaftsversammlung bei8 Milka Pratau erklärte ein Arbeiter wörtlich: »Wir sitzen bis zum Halse in der Margarine und bekommen nicht einmal ein Pfund zu kaufen.« Ähnliche Mängel sind auch in den Orten Aschersleben, Hohenmölsen und im Saalkreis vorhanden.

In den letzten Tagen machte sich eine starke Verknappung von Fleisch und Fleischwaren bemerkbar, die durch die überschlechte Erfassung von Schlachtvieh hervorgerufen wird. Berichte aus den Bezirken lassen erkennen, dass auch in der 2. Dekade die Erfassung weiter zurückgegangen ist. Es können hier ernste Ursachen für eine Störung der Fleischversorgung entstehen. Im Bezirk Halle sind, z. B. in Dessau, Erfassungsrückstände von 200 t Lebendvieh.

In Erfurt besteht ebenfalls die Gefahr, dass Schwierigkeiten in der Butterversorgung entstehen können wegen des starken Absinkens der Milcherfassung. Bei Hülsenfrüchten ist die Bereitstellung ebenfalls unzureichend. Im 2. Quartal sind anstelle des Plansolls von 1 976 t nur 500 t bereitgestellt worden. Von diesem Kontingent sind zum direkten Verkauf nur 75 t an die Bevölkerung gelangt. Die übrigen Mengen erhielten Großverbraucher und Schwerpunktbetriebe.

In Wartenberg wird darüber geschimpft, dass acht Jahre nach Kriegsende noch alles so teuer ist. Was es auf Marken gibt, reicht nicht aus, aber selbst Fleisch, Wurst, Butter, Margarine usw. sind nicht einmal im HO zu kaufen. In den letzten Monaten sei fast nichts mehr zu haben gewesen. Desgleichen fehlt es an Selters, Brause und anderen Getränken besonders jetzt im Sommer, was die Meinung schafft: »Nicht einmal das Einfachste erhält man.«

Die Straßenbeauftragten erbitten [sic!] um Reservelebensmittelkarten zum Sofortumtausch bei der Ausgabe. Dadurch kann Ärger mit der Bevölkerung vermieden werden. Laufereien der ehrenamtlichen Verwaltungshelfer entfallen und die Kartenstellen werden entlastet.

Bei der VEAB Gemüseerfassungsstelle Marzahn und Kaulsdorf fällt Gemüse an, das über dem Vertragssoll liegt, wovon die DHZ nur einen Teil abnimmt. Gemüse bleibt bei 30 Grad Hitze stehen, wird welk, wodurch der Verkauf unmöglich wird. Von Kollegen der VEAB wird der Vorschlag gemacht, in der Zeit der Gemüseüberschwemmung die Preise senken, nicht an den Ministeriumskatalog halten. Da die Fahrzeugfrage ein großes Problem ist, wird vorgeschlagen, den Handel direkt ab VEAB zuzulassen. Dies wird damit begründet, dass Kohlrabi, Salat, Spinat usw. in den letzten Wochen z. T. nicht unterzubringen [war], obwohl der Markt nicht gesättigt war.

Aus diesen und ähnlichen Unzulänglichkeiten im Handel- und Verteilungsapparat ergeben sich unter den Hausfrauen große Unzufriedenheiten und Missstimmungen. In einer Hausversammlung in der Varnhagenstraße9 schimpften die Frauen und sagten: »Dass sie wüssten, wie in den Vororten das Gemüse bei den Erfassungsstellen verderben würde und der Salat gar nicht geerntet wird. Die Gemüsebauern verlieren die Lust, weil sie keinen Absatz haben. Die Betriebsküchen könnten das gelieferte Gemüse gar nicht alles verkochen und die Preise auf den Märkten sind trotz einiger Senkungen noch zu hoch, sodass viele Familien noch kein Gemüse kaufen können.« Über die Warenangebote wurde ebenfalls geschimpft. Die Stoffe müssten besser und praktischer verarbeitet werden. Wenn nicht so viel Schund angeboten und hergestellt würde, könnten sie schon viel besser sein. Im Handel ist alles lieblos und so auch in der Produktion.

Aus den Bezirken Dresden, Schwerin und Suhl wird eine erhöhte Nachfrage nach wertvollen Industriewaren wie z. B. Rundfunkgeräte, Teppiche, Schreibmaschinen und Pelzmäntel gemeldet. Der Bezirk Brandenburg teilt mit, dass Sommerstoffe, Sommerkleider, Popelinmäntel, Anzüge für Knaben von 6 bis 16 Jahren sowie Kinderschuhe vorhanden sind.

In der Frage der Ausgabe der Lebensmittelkarten sagen die Koll. [Name 3] und [Name 4] auf einer Versammlung der Gewerkschaftsgruppe Planung – Invest – Sport: »Erst heißt es, jeder erhält die Lebensmittelkarten in der Gruppe, wie er sie vor April bezog, jetzt gibt es für alle aber nur die Grundkarte.« In derselben Versammlung kritisierte der Kollege [Name 5] das Betriebsessen und sagte: »Erst heißt es, es wird um 100 % besser, und dann steigt der Preis. Der Preis soll noch einmal steigen, wie man hört, aber besser geworden ist es nicht.«

[Verhaftete]

Gesamtzahl der Festgenommenen:

Zu den am 25.6.1953 – 06.00 Uhr morgens in Haft befindlichen 4 846 Personen kamen im Laufe des 25.6.1953 225 Personen neue Verhaftungen;

[Summe] 5 071.

Den Gerichten übergeben: 155 Personen,

entlassen: 648 Personen,

[Summe] 803 Personen.

Es verbleiben in Haft zum Morgen des 26.6.1953: 4 268 Personen.

Von denen den Gerichten Übergebenen wurden 52 Personen verurteilt, für weitere 199 Personen wurde Haftbefehl erwirkt.

Neues interessantes Material aus der Untersuchungsabteilung aufgrund von Vernehmungsprotokollen ging nicht ein.

Material über Absichten des Feindes

Von der KgU10 wird bekannt, dass, wenn die Sektorengrenzen noch länger gesperrt bleiben, illegale Ortsgruppen gebildet werden sollen. Diese sind von Mann zu Mann anzuleiten, ein dritter Mann darf nicht bekannt werden. Genauso soll es in der Zone gehandhabt werden. Terror- und Sabotageaktionen haben zu unterbleiben, es soll nur mit Störungsaktionen, wie gefälschte An- und Abbestellungen, ideologische Schulungen, Widerrufen von Verordnungen und ähnlichen Dingen, gearbeitet werden.

Augenblicklich wird bei der KgU ein neuer Propagandafeldzug vorbereitet. Adressen werden geschrieben und Umschläge teilweise gleich mit gefälschten Marken versehen, da der Inhalt dieser Umschläge einstweilen noch nicht eingetroffen ist. Am 24.6.1953 fand eine interne Sitzung statt, an welcher neben Hauptagenten der KgU Offiziere der Besatzungsmacht (West) teilnahmen. Ein Offizier verlangte einen besseren Beobachtungsdienst über Truppenbewegung und Einheiten der sowjetischen Streitkräfte, Besatzungsmacht, VP, FDJ und anderer Organisationen.

Dazu sollen Mitglieder der SED, FDJ und anderer Organisationen herangezogen werden. Besonderer Schutz soll bewährten Agenten zuteil werden. Wie und in welcher Form wurde nicht festgelegt, da erst Agenten mit praktischer Erfahrung gehört werden sollen.

In Sonderheit sollen Angehörige des SSD11 öffentlich gebrandmarkt und unschädlich gemacht werden. Doch keine totale Vernichtung derselben durch Mordanschläge, sondern nur durch Notwehrakte oder sie aber ideologisch für die westlichen Ziele12 gewinnen.

Am 24.6.1953, gegen 13.25 Uhr, wurde auf dem Parkplatz hinter dem HO-Warenhaus Alexanderplatz eine größere Menge gebogener Nägel, die vermutlich als Reifentöter Verwendung finden sollten, aufgefunden.

[Name 6], Bw Rgb,13 stimmt den Berichten des RIAS bei und sagt: Er weiß, dass die Untergrundbewegung schwer bewaffnet ist, dieses hat er in einem Stammlokal von einem alten Bekannten erfahren, welcher ihm eine Pistole und umfangreiche Munition anbot.

Nach den Ereignissen in Berlin vom 17. des Monats machte sich eine Welle von Austritten aus der Partei bemerkbar. Zuerst erreichte uns die Nachricht, dass im Reichsbahnamt Kirchmöser mehrere Genossen ihren Austritt aus der Partei erklärten. Eine dadurch veranstaltete Umfrage in den Verwaltungsbezirken zeigte, dass dies kein vereinzelter Fall war, sondern es ergab sich, dass in einzelnen Bezirken, in anderen schwächer, aber doch überall diese Erscheinung zu beobachten war und dass das Ergebnis unserer Umfrage die Tatsache erbrachte, dass insgesamt 765 Personen aus der Partei ausgetreten sind unter Rückgabe ihres Parteimitgliedsbuches, wogegen drei Personen ihre Parteidokumente vernichtet haben. Die Begründung für diesen Schritt ist fast überall gleich und zeigt, dass die Überprüfung bei der Ausgabe der Parteidokumente keinesfalls gründlich durchgeführt wurde. Es wäre sonst unmöglich, dass es Mitglieder gibt in der SED, die wie beispielsweise [Name 7, Vorname], Lehrer an der Grundschule Eibenstock, seinen Austritt aus der Partei damit erklärt, dass er nicht weiterhin an den Verbrechen der Partei schuldig werden will. Andere, wie beispielsweise [Name 8, Vorname], Oelsnitz/Vogtland, der jetzt seine alte Liebe zur SPD aufdeckt und erklärt, dass er, obwohl 54 Jahre alt, als Rentner hier nicht sein Auskommen hat und deshalb nach dem Westen geht, um dort der Partei beizutreten, der er auch schon früher angehörte, nämlich der SPD.

Es gibt aber auch Stimmen, die zeigen, dass bei ihnen noch kein Verständnis für die Politik unserer Partei erzeugt wurde wie z. B. [Name 9, Vorname] aus Wackerow, Kreis Malchin, der seinen Austritt rechtfertigt mit der Begründung, dass er nicht einverstanden sein kann mit den Maßnahmen der Regierung, aufgrund derer den Großbauern erlaubt wird, in die DDR zurückzukehren.

Betr.: Parteidokumente

Bezirksverwaltung

abgegeben

vernichtet oder weggeworfen

ausgeschlossen

Neubrandenburg

7

Gera

60

Dresden

93

Leipzig

123

Halle

176

Schwerin

8

3

Erfurt

31

Rostock

10

Frankfurt/Oder

4

»W«14

Potsdam

79

4

Karl-Marx-Stadt

111

Magdeburg

27

3

Suhl

28

Summe

757

3

7

zuzüglich Groß-Berlin

8

Summe

765

3

7

Es gab aber unter den Parteimitgliedern auch solche, die wegen ihrer Haltung in den Tagen des faschistischen Putsches aus der Partei entfernt werden mussten. So der Paul Güldenpfennig, Parteisekretär in Alt-Lüblow, Verwaltungsbezirk Schwerin, der erklärte, »Endlich ist es soweit, nun werden wir bestimmt eine SPD-Regierung bekommen.« [Name 10, Vorname], Parteisekretär der Post Grabow, hat am 17.6.1953 auf dem Marktplatz in betrunkenem Zustande eine Ansprache gehalten und die Ansammlung von Demonstranten unterstützt. Christoph, Kurt, Personalleiter im Gaswerk Ludwigslust, musste wegen antisowjetischer Äußerungen auf der Tagung der Parteisekretäre am 17.6.1953 aus der Partei entfernt werden.

Diesen negativen Erscheinungen steht aber auch die Tatsache gegenüber, dass aus einzelnen Bezirken wie z. B. Suhl mitgeteilt wird, dort eine Reihe ehrlicher Arbeiter um die Aufnahme in die Reihen der Partei gebeten haben.

[Stimmung in Betrieben]

Die Demonstration im RAW Schöneweide, Belegschaftsstärke 2 500, wurde besucht von 2 400 Personen. Vor den Versammelten sprach der Genosse Minister Chwalek.15

Hier war eine außerordentlich gute Stimmung zu verzeichnen. Die Ausführungen des Genossen Chwalek wurden mit größtem Verständnis und Beifall aufgenommen. Den Versammelten war es selbstverständlich geworden, dass man, um besser essen zu können, mehr arbeiten muss. In einer sehr fruchtbaren Diskussion wurde der Partei das Vertrauen ausgesprochen. Negative Stimmungen traten nicht in Erscheinung.

Neben einigen negativen Äußerungen vor Durchführung der Demonstration am heutigen Tage steht die Tatsache, dass die Demonstration, wenn auch z. T. bei geringer Beteiligung, ein großer Erfolg war.16 Auch der einsetzende Regen konnte die Stimmung der Demonstranten, die durch Hochrufe auf die Regierung und sowjetische Armee zum Ausdruck gebracht wurde, nicht beeinflussen (siehe Anlage:17 Berichte über durchgeführte Demonstration).

Negative Beispiele zeigten sich im TRO »Karl Liebknecht«, wo durch einzelne Personen zum Ausdruck gebracht wurde, dass doch Otto Grotewohl selbst am Dienstag geäußert hat, dass die Regierung erst wieder das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen muss, was durch eine Demonstration nicht zu erreichen ist.

Die Gewerkschaftsorganisatoren der DSU bringen zum Ausdruck, dass die Demonstration fehl am Platz ist, denn die sowjetischen Panzer sind noch da und der Ausnahmezustand ist noch nicht aufgehoben.

In der Gewerkschaftsversammlung im VEB Projektierung, Kraftverkehr und Straßenwesen äußerten Kollegen, dass sie unter der Losung »Vertrauen zu unserer Regierung« am Freitag an der Demonstration nicht teilnehmen werden. Dies wird damit begründet, dass die Regierung noch keinen Beweis erbracht hat zur Verbesserung der Lebenslage der Bevölkerung.

Durch Kollegen anderer Betriebe wird zum Ausdruck gebracht, dass die Demonstration verfrüht ist, denn es ist nicht möglich, die Kollegen von der Richtigkeit und den Zielen der Demonstration zu überzeugen.

Zur Lage an den drei Kontrollpunkten beim Übergang über die Sektorengrenze

Von den durch die Ereignisse in Westberlin zurückgehaltenen Personen kehrten am Kontrollpunkt Invalidenstraße 523 zurück. Die Bewegung der Grenzgänger, also Menschen, die im demokratischen Sektor wohnen und in Westberlin arbeiten und umgekehrt, betrug 10 234 Personen vom demokratischen Sektor nach Westberlin und 9 638 Personen von Westberlin nach dem demokratischen Sektor.

Am Kontrollpunkt Prinzenstraße kehrten 920 Personen zurück. Grenzgänger vom demokratischen Sektor nach Westberlin: 14 600, von Westberlin nach dem demokratischen Sektor: 7 800 Personen.

Am Kontrollpunkt Brunnenstraße waren es 731 Personen, die zurückkehrten. Grenzgänger vom demokratischen Sektor nach Westberlin: 13 140 und umgekehrt: 12 687.

Die in ihre Wohnung zurückkehrenden Personen erklärten auf Befragen, dass ihnen18 seitens der Stummpolizei oder anderen Organen keine Schwierigkeiten beim Überschreiten der Sektorengrenze gemacht worden sind. Soweit sie befragt wurden, erklärten alle Personen, dass ihnen19 Angebote für Agententätigkeit nicht gemacht worden sind.

Der große Unterschied in der Zahl der vom demokratischen Sektor nach Westberlin führenden Grenzgänger zu der Zahl der aus Westberlin in den demokratischen Sektor führenden, muss [von] uns noch aufgeklärt werden.

Anlagen zum Tagesbericht vom 26.6.1953

[Berichte über die offiziellen Demonstrationen am 26. Juni 1953]

Stimmungsbericht vom 26.6.1953

Auf dem Alexanderplatz gliederten wir uns in den Demonstrationszug, Mitte 1, ein.

Die Berliner Werktätigen demonstrierten trotz des Regens zu dem Leipziger Platz zum Haus der Ministerien.

Die Demonstrationszüge setzten sich zusammen aus FDJ-lern, Bauarbeitern, Betriebsarbeitern und Angestellten der Verwaltung. Unterwegs kam es zu häufigen Freundschaftsbeweisen zu unseren sowjetischen Freunden. Ihnen wurden Blumen überreicht und die Hände geschüttelt. Mütter umarmten junge Rotarmisten. Hochrufe auf die unbesiegbare Armee und auf unsere Volkspolizei klangen immer wieder zu den an der Straße stehenden sowjetischen Freunden und zu den Kameraden der KVP und VP.

Die Demonstranten wurden von der an der Straße stehenden Bevölkerung herzlich begrüßt und riefen Hochrufe auf die mitgeführten Bilder des ZK der SED.

Unsere Regierung besitzt voll und ganz das Vertrauen der Werktätigen, dieses kam bei der Demonstration zum Ausdruck. Dieses geschah durch Sprechchöre und Sprüche Einzelner auf unsere Regierung und zu ihren Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenslage der Arbeiter.

Während der Ansprache am Haus der Ministerien von dem 2. Sekretär der SED-Bezirksleitung, Erich Hönisch, geschah das durch kräftigen Beifall, der oft die Rede unterbrach.

Provokationen von Rowdys und Äußerungen gegen die Regierung der DDR sind von uns nicht wahrgenommen worden.

gez. Berlip20 | gez. Funke,21 | [handschriftlich:] Kessler22 | 26.6.1953

Informationsbericht vom 26.6.1953

Die Werktätigen sowie ein großer Teil der Köpenicker Bevölkerung fanden sich auf den Stellplätzen ein. Sie trugen Bilder von unserem Präsidenten Wilhelm Pieck und dem Ministerpräsidenten Otto Grotewohl mit. Weiterhin Transparente mit Losungen, die das Vertrauen der Bevölkerung zur Regierung zum Ausdruck brachten. Die Demonstrationszüge marschierten von ihren Stellplätzen zu dem Kundgebungsplatz nach Oberschöneweide.

Während der Demonstration wurden Kampflieder gesungen und Losungen, welche das Vertrauen zu unserer Regierung zum Ausdruck brachten, ausgerufen.

Bei der Kundgebung, wo es in Strömen regnete, hörten die Demonstranten den Ausführungen des sprechenden Genossen bis zum Ende zu. Zum Schluss der Kundgebung brachten alle Anwesenden stürmisch ihr Vertrauen zur Regierung zum Ausdruck und versprachen, noch intensiver als bisher am Aufbau des Sozialismus mitzuhelfen. Besondere Vorkommnisse wurden nicht festgestellt.

Aufgrund des starken Regens begaben sich alle Teilnehmer der Kundgebung sofort nach Hause. So bildeten sich keine Diskussionsgruppen.

gez. Rauch,23 | [handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953

Informationsbericht der Abteilung VIII über [die] Demonstration vom 26.6.1953

Von meinem Gang von der Stalinallee zum Alex24 konnte ich Arbeiter, Angestellte, Hausfrauen, vor allen Dingen aber Jugendliche mit Losungen, Fahnen und Transparenten zu ihren Stellplätzen marschieren sehen.

In der Zeit von 16.30 bis 17.00 Uhr kamen kleine und größere Gruppen von Demonstranten in strömendem Regen über den Alex. Nach meiner Schätzung sind es ca. 3 000 bis 4 000 Menschen gewesen, die über den Alex marschierten.

Die Demonstranten brachten Hochrufe auf die Rote Armee, die als Befreierin begrüßt wurde. Weiterhin wurden Hochrufe für den Genossen Wilhelm Pieck und die Deutsche Demokratische Republik gebracht.

Unter den Leuten, die wegen des strömenden Regens in den Haustüren und Ein- und Ausgängen standen, konnte man feststellen, dass ihre Ansicht geteilt war. Bei den Rufen »Es lebe Wilhelm Pieck und die Deutsche Demokratische Republik« konnte man feststellen, dass welche durch Beifall diese Hochrufe unterstrichen, wogegen sich ein Teil der Menschen passiv verhielt. Faschisten und Provokateure konnte man nicht feststellen.

Eine Gruppe von jüngeren und älteren Leuten diskutierte mit dem Hinweis auf die Demonstration, dass auch hier eine Macht vorhanden ist.

[handschriftlich gezeichnet:] Kessler | 26.6.1953

Informationsbericht der Abteilung VIII/Ia über die Demonstration vom 26.6.1953

Einsatzstelle Mitte 2, Stellplatz Oranienburger Straße, Spitze Friedrichstraße

Zu diesem Stellplatz sind ca. 8 500 Menschen anmarschiert. Als der Regen einsetzte, hat sich ein Teil der Menschen, ca. 2 000, in die Häuser begeben. Abmarschiert von diesem Stellplatz sind ca. 6 500 Menschen. Trotz des Regens war die Begeisterung vorhanden.

Haben die einzelnen Betriebe Kollegen oder Kolleginnen erkannt, die an den Haustüren standen, so haben sie diese aufgerufen weiterzudemonstrieren, was diese auch meist taten.

Bei der Demonstration wurden Arbeiterlieder gesungen und Losungen gerufen, wie »Es lebe unsere Deutsche Demokratische Republik und unserer Präsident Wilhelm Pieck«, »Es lebe die Sowjetarmee«, »Freundschaft, Freundschaft, Druschba, Druschba«. Dies vor allem als die Demonstranten an der Sowjetarmee vorbeimarschierten, welche die Grüße erwiderten.

An den Straßenrändern standen fast keine Menschen. Negative Diskussionen wurden nicht festgestellt. Lediglich in der HO-Imbissstube am Oranienburger Tor sagte eine Frau, dabei wies sie auf den strömenden Regen »Das ist Gottes Schickung«. Sie vergaß, dass es am 17. Juni auch geregnet hatte.

[handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953 | [handschriftlich:] Scholz25

Informationsbericht der Abteilung VIII/Ia über die Demonstration vom 26.6.1953

Schon um 16.00 Uhr sammelten sich am Senefelder Platz zum Demonstrationszug des Bezirkes Prenzlauer Berg die Betriebe. Die Stimmung der Demonstranten war gut und positiv. Die mitgeführten Transparente wiesen auf die Unterstreichung des Vertrauens zur Regierung und zur Partei hin.

Die Spitze des Demonstrantenzuges wurde von der Belegschaft des Betriebes »Aktivist« gestellt, die bei der Abwehr der faschistischen Provokateure am 17. Juni ein entschlossenes und entschiedenes Verhalten zeigten und die faschistischen Provokateure aus ihrem Betrieb herausgeworden haben.

Beim Abmarsch der Demonstranten sah man viele ältere Personen, die nur dort zum Abmarsch hinkamen, die aufgrund der Gebrechlichkeit nicht in der Lage waren mit zu demonstrieren, und gaben ihre Rufe usw. ihre Sympathie zur Partei und Regierung zum Ausdruck. Wie zum Beispiel die Losungen »Es lebe die Deutsche Demokratische Republik«, »Es lebe unser Präsident Wilhelm Pieck«.

Um 16.20 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung, kurz darauf fing es an zu regnen. Nur wenige trennten sich vom Demonstrationszug. Eine Zählung ergab eine Beteiligung von ca. 6 200 Personen.

Die während des Marsches und des Regens an die [sic!] Straße und in den Häusern stehenden Personen verhielten sich zum großen Teil sehr passiv. In der Linienstraße 62, im 1. Stock, warf eine Frau einem Demonstranten ein Wachstuch zu, um sich vor dem Regen zu schützen. Allgemein war festzustellen, dass die Stimmung während des Regens der Marschierenden noch zuversichtlicher und fester wurde.

Parolen die unterwegs gerufen wurden: »Der faschistische Putsch wie Schnee vergeht – die Rote Armee siegreich besteht!« »So wie dieser Regenschauer ist die Regierung Adenauer, sie kommt und vergeht.«

[handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953

Informationsbericht der Abteilung VIII über die Demonstration vom 26.6.1953

Bezirk Friedrichshain | Stellplatz Tilsiter Straße | Spitze Stalinallee

Gegen 16.00 Uhr versammelten sich ca. 7 000 bis 8 000 Personen, in der Mehrzahl FDJ-ler mit Transparenten und Fahnen sowie zwei Musikgruppen am Stellplatz.

16.10 Uhr setzte sich der Zug in Richtung Alexanderplatz in Bewegung. Bei dem plötzlich einsetzenden Regen marschierten ca. 5 000 bis 6 000 Personen weiter, die übrigen stellten sich unter. Die Stimmung der einzelnen Gruppen und Betriebe war sehr gut, man sang Kampflieder und in Sprechchören wurde das Vertrauen26 zur SED bekundet. Mitgerissen durch die Kampflieder und Losungen reihte sich ein großer Teil der noch abseits stehenden Personen in den Demonstrationszug ein.

Bei größeren Menschenansammlungen, vor allem aber bei Begegnungen von Angehörigen der Roten Armee und Volkspolizisten steigerte sich die Stimmung zu einem Höhepunkt. Dies kam zum Ausdruck durch Sprechchöre: »Es lebe die Rote Armee«, »Es lebe unser Beschützer die Volkspolizei«.

Der Bezirk Friedrichshain marschierte geschlossen bis zum Haus der Ministerien und hier verblieben auch ca. zwei Drittel des Bezirks trotz des starken Regens bei der Ansprache des Genossen Grotewohl.

Die an der Straße stehenden Personen verhielten sich passiv. Negative Diskussionen wurden nicht bemerkt. Im Allgemeinen war eine gehobene Stimmung und [man] sprach darüber, dass sich kein Faschist oder Provokateur in den Reihen erblicken lassen würde.

[handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953

Informationsbericht der Abteilung VIII über die Demonstration vom 26.6.1953

Stellplatz Memhardtstraße,27 Ecke Prenzlauer Straße – Mitte 1

Dort versammelten sich ca. 4 000 bis 5 000 Demonstranten. Sie marschierten in Richtung Stadtmitte über den Alexanderplatz, Rathausstraße, Unter den Linden zum Haus der Ministerien. Die Stimmung der Demonstranten war sehr gehoben, trotz des Regens. Bei Beginn des strömenden Regens entfernten sich ca. 800 Menschen, die sich aber danach wieder anschlossen.

Während der Demonstration wurden Hochrufe [laut] wie z. B. »Es lebe unser Präsident Wilhelm Pieck und die Deutsche Demokratische Republik«. Beim Vorbeimarsch der Roten Armee erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt, indem sie Fahnen schwenkten und Hochrufe auf die Rote Armee sowie »Freundschaft«, »Druschba« gaben.

Es wurden Arbeiterlieder gesungen (»Spaniens Himmel«, »Das Lied von den Roten Fliegern« usw.). Bedauert wurde, dass der Regen einsetzte, da, wie die Arbeiter äußerten, [sie] es dem Adenauer und seinen Konsorten zeigen wollten, wie sie zur Partei und Regierung stehen.

[handschriftlich:] Kessler | 26/6.53

Informationsbericht der Abteilung VIII/I vom 26.6.1953

Betr.: Kundgebung in Schöneweide

Auf der Kundgebung waren ca. 5 000 Teilnehmer anwesend. Die Stimmung war gut. Transparente und Losungen wurden mitgeführt wie: »Es lebe die Freundschaft mit der SU« – »Es lebe Wilhelm Pieck« – »Wir arbeiten«. Die Kundgebung wurde frühzeitig abgebrochen, da zu dieser Zeit ein starker Gewitterregen niederging.

[hand- und maschinenschriftlich:] Kutschera28 | Major

[handschriftlich:] Kessler | 26/6.53

Informationsbericht der Abteilung VIII/I vom 26.6.1953

Betr.: Kundgebung am Haus der Ministerien

Stadtbezirk Mitte I marschierte mit ca. 7 500 Teilnehmern am Haus der Ministerien auf. Die Stimmung war gut. Es wurden Transparente [getragen] mit Losungen »Es lebe die Freundschaft mit der SU« – »Wir arbeiten« – »Es lebe W. Pieck«.

Stadtbezirk Mitte II: 6 000 Teilnehmer am Haus der Ministerien aufmarschiert. Es wurden die gleichen Losungen mitgeführt.

Prenzlauer Berg: ca. 6 000 Teilnehmer am Haus der Ministerien.

Die Kundgebung am Haus der Ministerien war trotz des Regens von 25 000 Teilnehmern besucht. Die Stimmung war im Allgemeinen gut. Losungen wurden mitgeführt, wie Bilder unserer Regierungsmitglieder. Die Freunde wurden dort in der Leipziger Straße mit Blumen beschenkt.

[hand- und maschinenschriftlich:] Kutschera | Major

[handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953

Informationsbericht der Abt. VIII (Referat Hambach)29 vom 26.6.1953

Betr. Kundgebung vor dem Haus der Ministerien

Die Kundgebungsteilnehmer nahmen mit großer Begeisterung die Rede des Genossen Grotewohl und des 2. Parteisekretärs von Groß-Berlin entgegen. Trotz des starken Gewitterregens konnte man beobachten, dass sich nur wenige von der Kundgebung entfernt haben. Mit großer Begeisterung wurde gemeinsam die Internationale gesungen und Hoch-Rufe auf die Regierung ausgesprochen.

Selbst beim Abmarsch der Kundgebungsteilnehmer konnte man feststellen, dass mit großer Begeisterung sowjetische Soldaten durch Hurra-Rufe begrüßt wurden. Sogar in der U-Bahn wurden noch Kampflieder gesungen.

[hand- und maschinenschriftlich:] Hänsch30 | Unterleutnant

[handschriftlich:] Kessler | 26.6.1953

  1. Zum nächsten Dokument Stimmung unter Rückkehrern (2)
    26. Juni 1953
    Stimmungsberichte von zurückgekehrten Personen aus Westdeutschland und Westberlin [Meldung Nr. 27/53]
  2. Zum vorherigen Dokument Tagesbericht
    25. Juni 1953
    Tagesbericht Nr. 2 [Meldung Nr. 25/53]