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Staatskritische Tendenzen in den evangelischen Kirchen

25. August 1961
Einzel-Information Nr. 480/61 über verstärkte Tätigkeit der reaktionären Kreise der evangelischen Kirche in der DDR

Dem MfS liegt eine Vielzahl von Hinweisen vor, dass die reaktionären Kreise der evangelischen Kirche in der DDR ihre Tätigkeit nach den Schutzmaßnahmen der Regierung der DDR vom 13.8. wesentlich verstärkt haben.1 Es macht sich in diesen Kreisen besonders eine Aktivierung der konspirativen Tätigkeit bemerkbar. Es wurde festgestellt, dass sich alle Besprechungen der letzten Tage im Wesentlichen auf die Lösung von zwei Fragen konzentrierten: 1. Umgruppierung der verschiedenen evangelischen Institutionen und Organisationen im demokratischen Berlin, die bisher ihre Haupttätigkeit in Westberlin ausübten, 2. Aufbau eines funktionierenden Verwaltungsapparates der evangelischen Kirchenleitung in Berlin-Brandenburg im demokratischen Berlin.

In diesem Zusammenhang wurden folgende Pläne der genannten reaktionären Kreise bekannt:

Am 2. und 3.9. soll eine Synode der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg mit dem Ziel der Wahl eines Bischofs für Berlin-Brandenburg durchgeführt werden. Als wahrscheinlicher Kandidat wird Präses Scharf2 anstelle des bisherigen Bischof Dibelius genannt. Diese Maßnahme erscheint der Kirchenführung notwendig, um die führende Rolle der reaktionären Kreise in der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg sicherzustellen. Die Vorbereitungen der Synode erfolgen auf konspirativem Wege, wie es bisher noch nicht der Fall gewesen ist. Als Zentrale der Leitungstätigkeit der Kirchenleitung im demokratischen Berlin ist der Sitz der Kirchenleitung in der Bischofstraße 6–8 vorgesehen.

Den gleichen genannten Zwecken dienen zwei weitere wichtige Tagungen der nächsten Zeit: eine Tagung des Rates der EKiD am 30.8. mit dem offiziellen Tagesordnungspunkt: Bericht über die Prager Friedenskonferenz und die Arbeit des theologischen Sonderausschusses und eine Sitzung des Rates der evangelischen Kirche der Union in der Bischofstraße am 5.9.1961.

(Es wird gebeten zu entscheiden, welche Taktik angewandt werden soll, um zu verhindern, dass die reaktionären Kirchenführer ihren Einfluss auf die Kirche in der DDR weiter verstärken können.)

  1. Zum nächsten Dokument Meuterei auf einem Küstenschutzboot der DGP
    25. August 1961
    Einzel-Information Nr. 481/61 über Meuterei auf dem Küstenschutzboot G-423
  2. Zum vorherigen Dokument Lage nach dem Bau der Berliner Mauer (8)
    24. August 1961
    Bericht Nr. 482/61 über die Situation aufgrund der Schutzmaßnahmen der DDR