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Ermordung eines Lehrers in Grabow

27. Juni 1964
Einzelinformation Nr. 522/64 über die Ermordung eines Lehrers in [Ort], am [Tag, Monat] 1964 durch einen Schüler

In den Abendstunden des [Tag, Monat] 1964 wurde der [Name 1, Vorname], geboren [Tag, Monat] 1924 in Angermünde, wohnhaft in [Wohnort], Lehrer an der Polytechnischen Oberschule [Schulort], Mitglied der SED, ermordet.

Als Täter wurde am [Tag, Monat] 1964 der Jugendliche [Name 2, Vorname], geboren [Tag, Monat] 1948 in [Wohnort], wohnhaft in [Wohnort], Schüler der 9. Klasse der Polytechnischen Oberschule in [Schulort], ermittelt.1 [Name 2] hat die Tat in vollem Umfang gestanden. Die vorliegenden Beweise bestätigen das Geständnis.

Die Untersuchungen des Tatmotivs sowie des Tatherganges ergaben Folgendes: [Name 2] wurde am [Tag, Monat] 1964 von seinem Klassenlehrer [Name 1] unterrichtet, dass er am Abend des gleichen Tages mit den Eltern des [Name 2] eine Aussprache durchführen wolle, da [Name 2] auf mehreren Entschuldigungszetteln die Unterschrift seiner Eltern gefälscht hatte. Nach Angaben des [Name 2] fürchtete er sich vor dieser Aussprache und wollte diese unter allen Umständen verhindern. Er begab sich deshalb am [Tag, Monat] 1964, gegen 18.00 Uhr, mit dem Fahrrad nach [Ort] zu einer Familie [Name 3], wo [Name 1] gerade eine Elternaussprache durchführte. Dabei nahm [Name 2] bereits einen Spaten mit, den er auf dem Wege nach [Ort] in einem Roggenfeld versteckte. In [Ort] überredete [Name 2] den [Name 1], nicht mit zu seinen Eltern zu kommen, da seine Mutter eine Besorgung zu erledigen hätte. [Name 2] und [Name 1] legten den Weg nach dem [Wohnort] gemeinsam zurück. [Name 2] benutzte dabei ein Fahrrad, [Name 1] ein Motorrad. Nach eigenen Angaben hatte [Name 2] anfangs noch die Absicht, [Name 1] entweder zu überreden, den Elternbesuch zu unterlassen oder durch eine Körperverletzung diesen Besuch zu verhindern.

In Höhe des Tatortes stach jedoch [Name 2] mit einem Trokadeur (ca. 20 cm langer Dorn mit Griffstück) [Name 1] in den linken Brustkorb, wodurch letzterer mit dem Motorrad zu Fall kam. Daraufhin brachte [Name 2] dem [Name 1] noch weitere 23 Stichverletzungen bei und zertrümmerte anschließend mit einem Feldstein die Schädeldecke des Opfers.

Die Leiche und die Aktentasche des Geschädigten vergrub [Name 2] im Wald, die Ausweispapiere des [Name 1] nahm er mit nach Hause. Das Tatwerkzeug warf er weg und lehnte das Motorrad gegen einen Baum.

Die durchgeführten Ermittlungen sowie der Obduktionsbefund bestätigen die Angaben des [Name 2]. [Name 2] zeigte während der gesamten bisherigen Untersuchung keine innere Regung. Der Täter hatte in der Gemeinde einen guten Leumund.

Die Eltern des [Name 2] sind seit vier Jahren LPG-Mitglieder, nachdem sie ab 1946 eine Neubauernsiedlung bewirtschafteten. Beide vollbringen in der LPG gute Arbeitsleistungen. Der Vater ist Mitglied der DBD, leistet jedoch keine politische Arbeit.

  1. Zum nächsten Dokument Mord am Bürgermeister der Gemeinde Groß-Garbe
    29. Juni 1964
    Einzelinformation Nr. 523/64 über den Mord an den Bürgermeister der Gemeinde Großgrabe, Kreis Mühlhausen, Bezirk Erfurt, Genossen [Vorname Name 1]
  2. Zum vorherigen Dokument Zugentgleisung im Bereich des Bahnhofes Blönsdorf
    26. Juni 1964
    Einzelinformation Nr. 519/64 über die Zugentgleisung im Bereich des Bahnhofes Blönsdorf, Bezirk Potsdam (Strecke Berlin – Halle), am 25. Juni 1964