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Tätliche Auseinandersetzung im Kombinat »Schwarze Pumpe«

16. März 1964
Einzelinformation Nr. 217/64 über tätliche Auseinandersetzungen zwischen polnischen und deutschen Arbeitern im Kombinat »Schwarze Pumpe« am 15. März 1964

In der Nacht vom 14. zum 15.3.1964, gegen 2.00 Uhr, ereignete sich im Wohnlager des Kombinats »Schwarze Pumpe« eine schwere Schlägerei zwischen polnischen und deutschen Arbeitern.

Die Schlägerei entwickelte sich wie folgt: In den Nachtstunden kamen fünf deutsche Arbeiter von einer Tanzveranstaltung aus Spremberg. An einer Bus-Haltestelle trafen sie polnische Arbeiter, mit denen sie sich gemeinsam ins Wohnlager begaben. Auf dem Weg zum Wohnlager haben sie sich über Probleme des Boxsportes unterhalten, wobei es zu einem Streit gekommen sein muss, jedoch ohne tätliche Auseinandersetzungen.

Von den deutschen Arbeitern wird der weitere Verlauf so dargelegt, dass sie sich infolge von Alkoholeinfluss in mehrere Gruppen trennten und zum Teil auf unterschiedlichen Wegen ins Wohnlager gelangten. Als eine dieser Gruppen (fünf DDR-Bürger) das Wohnlager selbst betraten, seien sie von etwa zehn polnischen Arbeitern aufgelauert und geschlagen worden. Die deutschen Arbeiter setzten sich zur Wehr und verfolgten die polnischen Arbeiter in ihre Unterkunft. In der Baracke ging die Schlägerei weiter, wobei zwei polnische Arbeiter durch Messerstiche verletzt wurden. Einer musste ins Bezirkskrankenhaus Cottbus eingeliefert werden, da er eine ca. 5 cm tiefe Stichwunde an der linken Brusthälfte davontrug. Für beide besteht keine Lebensgefahr.

Am 15.3.1964, gegen 17.30 Uhr, ereignete sich erneut eine Schlägerei zwischen den deutschen und polnischen Arbeitern, die offensichtlich mit dem vorgenannten Vorkommnis unmittelbar im Zusammenhang steht.

In der Gaststätte »Frohe Zukunft« befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa 50 bis 60 deutsche Personen, als drei polnische Arbeiter den Raum betraten. Ein polnischer Arbeiter hat nach kurzer Zeit die Gaststätte wieder verlassen. Er kehrte mit ca. 30 anderen polnischen Arbeitern, die mit Holzstücken bewaffnet waren, in die Gaststätte zurück. Die polnischen Arbeiter schlugen ohne sichtlichen Grund auf zwei deutsche Arbeiter ein, die mit den Vorkommnissen der Nacht nichts zu tun hatten. Beide erlitten erhebliche Verletzungen, wobei einer wegen einer Augenverletzung in das Bezirkskrankenhaus Cottbus überführt werden musste. Alle übrigen in der Gaststätte befindlichen Personen griffen nicht unmittelbar in den Streit ein, protestierten jedoch heftig. Ein VP-Angehöriger, der eingreifen wollte, wurde von den polnischen Arbeitern abgedrängt. Die drei polnischen Arbeiter, die zuerst die Gaststätte aufgesucht und die anderen »mobilisiert« hatten, wurden von der Abteilung »K« des BS-Amtes1 Kombinat »Schwarze Pumpe« vorläufig festgenommen und nach den Motiven ihrer Handlung befragt.

Trotz widersprüchlicher Äußerungen gaben alle drei als Motiv an, dass sie aufgrund der Vorkommnisse in der Nacht vom 14./15.3.1964 »den deutschen Arbeitern einen Denkzettel verpassen wollten«. Nach den bisherigen Ergebnissen der Untersuchungen sind diese Vorkommnisse nicht auf politische Motive zurückzuführen.

Von der Kreisleitung der Partei und der Werkleitung des Kombinates sind Maßnahmen zur Rückführung von polnischen Arbeitern nach der VR Polen vorgesehen. Gegen einen polnischen Arbeiter wurde seitens der VP ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Vom MfS wurden in Verbindung mit der VP Maßnahmen zur Aufklärung dieser Vorkommisse und zur Vermeidung derartiger Zwischenfälle eingeleitet.

  1. Zum nächsten Dokument Flucht nach Westberlin über die S-Bahn
    17. März 1964
    Einzelinformation Nr. 218/64 über einen Grenzdurchbruch nach Westberlin mittels S-Bahn vom Bahnhof Friedrichstraße aus am 14. März 1964
  2. Zum vorherigen Dokument Einsatz eines Beraters in der indischen Botschaft in der ČSSR
    13. März 1964
    Einzelinformation Nr. 212/64 über Einsatz eines Beraters in der indischen Botschaft in der ČSSR mit dem Zweck der Aufrechterhaltung von Verbindungen zur DDR und zu Finnland