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Selbsttötung eines Westberliners an der Fernstraße 115 im Kreis Forst

24. September 1976
Information Nr. 659/76 über die Selbsttötung eines Einwohners von Westberlin an der Fernverkehrsstraße 115 im Kreis Forst, Bezirk Cottbus am 20. September 1976

Am 20. September 1976, gegen 12.45 Uhr wurde in der Nähe der Ortschaft Döbern, ca. 200 m neben der F 115, auf einem Waldweg in einem mit laufendem Motor parkenden Pkw vom Typ »Opel Kadett«, amtliches Kennzeichen […], der Einwohner von Westberlin [Name] geboren am [Tag] 1928 in [Ort]/BRD, wohnhaft: 1 Berlin (West) 62, [Adresse], Beruf: Monteur, behelfsmäßiger Personalausweis Nr. […], ausgestellt am [Tag] 1972 in Westberlin, tot aufgefunden.

Laut ärztlichem Gutachten ist der Tod des [Name] am 20. September 1976, gegen 3.00 Uhr infolge einer Kohlenmonoxidvergiftung eingetreten. Die gerichtsmedizinische Sektion ergab äußerlich keine Anhaltspunkte auf Gewalteinwirkung durch dritte Personen und keinerlei Abwehr- oder Parierverletzungen.

Wie die Untersuchungen am Ereignisort ergaben, waren der Auspuff des Pkw abgedichtet und durch einen Plasteschlauch die Abgase in den Innenraum des Pkw geleitet worden. Außerdem wurde im Pkw ein geleertes Röhrchen mit Schlaftabletten gefunden.

Die bisherigen Untersuchungen des MfS ergaben, dass der [Name] am 19. September 1976, gegen 1.00 Uhr über die Grenzübergangsstelle Chausseestraße in die DDR zu der mit ihm verlobten DDR-Bürgerin [Name] geboren am [Tag] 1931, wohnhaft: [Adresse], tätig als Serviererin in [Gaststätte] Görlitz, eingereist war.

Der [Name] war seit ca. 3 bis 4 Jahren mit der [DDR-Bürgerin] bekannt. Die Verbindung zwischen beiden Personen entstand über den in [Wohnort der DDR-Bürgerin] wohnhaften Bruder des [Name], [der Bruder], der als Meister im VEB [Name des Betriebes] tätig ist.

Am 19. September 1976, gegen 21.00 Uhr hat der [Name] mit seinem Pkw von der [DDR-Bürgerin] aus die Rückfahrt nach Westberlin angetreten.

Vor seiner Abfahrt kündigte der [Name] der [DDR-Bürgerin] für die nächsten Tage erneut seinen Besuch an und bekräftigte seine Absicht, die [DDR-Bürgerin] zu heiraten und in die DDR überzusiedeln. Zum Zwecke der Übersiedlung befand sich der [Name] bereits in der Zeit vom 6. August bis 3. September 1976 im Aufnahmeheim Barby.

Sein Ersuchen um Aufnahme in die DDR war von den zuständigen Organen abgelehnt worden, da er

  • kein Scheidungsurteil beibringen konnte,

  • in Westberlin mit ca. 6 000 DM verschuldet war,

  • keinen Nachweis über Aufenthalt und Tätigkeit bis 1964 erbringen konnte.

Aufgrund der Ablehnung seines Aufnahmeantrages hat sich die [DDR-Bürgerin] Anfang September 1976 in schriftlicher Form an den Generalsekretär des ZK der SED, Genossen Erich Honecker, mit der Bitte um die Aufnahme des [Name] in die DDR gewandt.

Der [Name] selbst hat am 12. September 1976 ein erneutes Ersuchen zur Aufnahme in die DDR an den Rat des Kreises Görlitz, Abteilung Innere Angelegenheiten, gerichtet.

Nach Aussagen der [DDR-Bürgerin] hinterließ der [Name] aufgrund der noch nicht entschiedenen erneuten Aufnahmeersuchen am 19. September 1976 vor seiner beabsichtigten Rückreise nach Westberlin einen niedergeschlagenen Eindruck. Zuvor hatte er bereits gegenüber der [DDR-Bürgerin] geäußert, dass er das »Leben satt habe« und zu alt sei, ein neues Leben in Westberlin zu beginnen.

Der [Name], der Anfang der fünfziger Jahre aus der BRD in die DDR übergesiedelt war, hatte die DDR im Jahre 1956 ungesetzlich wieder verlassen.

1957 wurde er durch das Bezirksgericht Potsdam in Abwesenheit wegen Optikschiebungen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Bereits 1958 war ein Aufnahmeersuchen des [Name] zwecks Übersiedlung in die DDR abgelehnt worden.

Die abschließende Bearbeitung des unnatürlichen Todesfalles des [Name] erfolgt im Zusammenwirken mit der Morduntersuchungskommission der Abteilung Kriminalpolizei der BdVP Cottbus.

Nach Abschluss der Untersuchungen werden durch die zuständigen staatlichen Organe Maßnahmen zur Überführung der Leiche des [Name] nach Westberlin getroffen.

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    24. September 1976
    Information Nr. 660/76 über die Entwicklung der Einnahmen aus der Durchführung des verbindlichen Mindestumtausches für die Zeit vom 13. September 1976 bis 19. September 1976
  2. Zum vorherigen Dokument Gefährdung der Tagebausicherheit im Braunkohlebergbau der DDR
    22. September 1976
    Information Nr. 645/76 über einige Probleme der Gefährdung der Tagebausicherheit im Braunkohlenbergbau der DDR