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Zur Person des EKD-Ratsvorsitzenden Helmut Class

7. September 1976
Information Nr. 626/76 über den Vorsitzenden des Rates der EKD, Class

Zur Person des Vorsitzenden des »Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland« und Bischof der Evangelischen Landeskirche Württemberg/BRD, Dr. theol. Class, Helmut, geboren am 1. Juli 1913 in Geislingen/Steige, wohnhaft: Stuttgart, [Adresse], sind folgende Angaben beachtenswert:

Class entstammt einer Lehrerfamilie, besuchte die Oberschule in Stuttgart und studierte anschließend an der kirchlichen Hochschule Bethel und an den Universitäten Marburg und Tübingen Theologie.

1939 ging C. in den kirchlichen Dienst. Er war zunächst als Vikar und später als Stadtpfarrer in Heilbronn tätig. Noch im gleichen Jahr wurde er zur faschistischen Wehrmacht eingezogen. Er war in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und wurde 1948 entlassen.

Nach seiner Rückkehr wurde er in der Evangelischen Landeskirche Württemberg als Landesjugendpfarrer eingesetzt. Diese Tätigkeit übte er bis 1958 aus. Anschließend wurde er Leiter der Diakonischen Schwesternschaft. 1967 wurde er zum Prälaten von Stuttgart und im Oktober 1969 zum Bischof der Evangelischen Landeskirche Württemberg berufen.

Auf der Synode der »Evangelischen Kirche in Deutschland« im Mai 1973 in Coburg wurde C. zum Vorsitzenden des »Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland« in der BRD gewählt.

C. äußerte wiederholt, dass sich ein Pfarrer parteipolitisch neutral verhalten solle. Insbesondere halte er die Tätigkeit eines Pfarrers und eines Christen überhaupt in einer marxistischen Partei nicht für möglich.1 Weiter vertritt er die Auffassung, dass die Ausübung eines Pastorenberufs mit einem Abgeordnetenmandat im Bundestag oder den Länderparlamenten unvereinbar sei, da gleichzeitige Verpflichtungen gegenüber Partei und Kirche den kirchlichen Amtsträger in Loyalitätskonflikte bringen könnten.

Anlässlich seines Besuches in der VR Rumänien im Juli 1976 sprach sich C. für eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Kirche der BRD und der Orthodoxen Kirche in der VR Rumänien aus. Dabei sollten nicht nur Bischöfe und Theologieprofessoren, sondern auch Pfarrer und Gemeindeglieder Kontakte herstellen und pflegen, um ihre Erfahrungen austauschen zu können.

Wie bekannt ist, liegt ein Antrag auf Einreise des C. in die DDR für die Zeit vom 23. September bis 16. Oktober 1976 (zu Braune, Werner, geboren am [Tag] 1936, wohnhaft: Schwerin, [Adresse], Landespastor in Schwerin) vor.

  1. Zum nächsten Dokument Reaktionen kirchenleitender Kreise zur Selbstverbrennung Brüsewitz’
    8. September 1976
    Information Nr. 623/76 über weitere Reaktionen in kirchenleitenden Kreisen im Zusammenhang mit der Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz und dazu erfolgten Presseveröffentlichungen
  2. Zum vorherigen Dokument Untersuchungen zu einer »Petition« von Ausreisewilligen in Riesa
    7. September 1976
    Information Nr. 624/76 über die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen zu einer feindlich-negativen Konzentration von Bürgern der DDR, die im Zusammenhang mit ihrer Antragstellung auf Übersiedlung nach der BRD eine »Petition zur Erlangung der vollen Menschenrechte« unterzeichneten