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Aktivitäten oppositioneller Künstler und Intellektueller (1)

8. Januar 1977
Hinweise über einige Probleme im Zusammenhang mit feindlich-negativen Aktivitäten von Personenkreisen auf dem Gebiet Kunst und Kultur [Bericht K 3/10]

In der DDR sind seit Jahren feindlich-negative Kräfte vorhanden, insbesondere unter Kulturschaffenden, deren politische und ideologische Vorstellungen und Aktivitäten in wesentlichen Teilen den vom Gegner verfolgten Zielen und Absichten zur Unterwanderung der DDR und zu ihrer Zersetzung von innen heraus, zur Schaffung und Aktivierung einer sogenannten inneren Opposition bzw. zur Forcierung der politischen Untergrundtätigkeit entsprachen bzw. damit übereinstimmten.

Konkreter Ausdruck dafür sind die »Forderungen« und Handlungen jener Personen in der DDR, die diesen Personenkreisen angehörten bzw. auf deren Positionen standen und die eindeutig darauf gerichtet waren,

  • in der DDR eine Basis für eine reformistische bzw. revisionistische, gegen die Beschlüsse des VIII. und IX. Parteitages der SED1 und damit gegen die Grundpositionen des Sozialismus gerichtete Linie zu schaffen,

  • schrittweise die Forderungen nach »Liberalisierung«, nach größerer »Freizügigkeit«, nach einem »demokratischen Sozialismus« u. a.m. durchzusetzen.

Zu diesen Personen, die durch systematische und zielgerichtete Einwirkung von außen unterstützt wurden und werden, gehörten auch ideologisch aufgeweichte, politisch schwankende Kräfte, die vom Kern dieser Gruppierung in zunehmendem Maße in die feindliche Tätigkeit einbezogen wurden.

Der Kern dieser Gruppierung, in der die politischen Auffassungen von Havemann und Biermann eine wesentliche Rolle spielten, setzte sich vorwiegend aus Kulturschaffenden, vor allem Schriftstellern und anderen »oppositionell eingestellten« Personen zusammen, die auf der Grundlage ihrer feindlich-negativen Positionen wechselseitig zusammenwirkten und vorgingen (z. B. Heym, Hermlin, Becker, Kunert, Schlesinger, Plenzdorf).

Die feindlichen Auffassungen dieser Kräfte, die in Wort [und] Schrift ihren Niederschlag finden, richteten sich teils offen, teils pseudomarxistisch verbrämt, gegen

  • die sozialistische Staatsmacht der DDR,

  • die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse und ihre führenden Repräsentanten,

  • den Sozialismus in der DDR, da dieser »antikommunistisch« und »revisionsbedürftig« sei,

  • die politisch-moralische Einheit des Volkes der DDR,

  • die Sicherheitsorgane der DDR und anderer sozialistischer Staaten sowie gegen

  • die Grenzsicherungsmaßnahmen sozialistischer Staaten.

Um diesen Kern, zu dem im erweiterten Sinn noch andere, vor allem bei den Vorgängen um Biermann2 besonders engagiert aufgetretene, in der Vergangenheit jedoch mit unterschiedlicher Intensität beteiligte Personen wie Christa und Gerhard Wolf, Braun, Kirsch, Jakobs,3 de Bruyn, Stade u. a. gehörten, gruppierten sich wiederum Personengruppen,

  • die unter einem bestimmten Einfluss dieser Gruppierung oder einzelner Angehöriger derselben standen,

  • auf die von diesen Kräften und ihrem Wirken ganz offensichtlich eine bestimmte »Vorbildwirkung« ausging,

  • die ähnliche politische Positionen/Auffassungen vertreten und das Wirken der feindlich-negativen Gruppierung als günstige Gelegenheit für eigene Aktivitäten und die Durchsetzung eigener feindlich-negativer Ziele und Absichten betrachteten.

Als gegen Biermann staatliche Maßnahmen beschlossen wurden, hielten diese feindlich-negativen Kräfte den Zeitpunkt und die Bedingungen für günstig, mit offenen, teilweise demonstrativen Handlungen unmittelbar gegen die Partei und Staatsmacht vorzugehen und zu versuchen, diese unter Druck zu setzen.

Wie ist die Lage jetzt?

Die vom Gegner groß angelegte Hetzkampagne, verbunden mit anderen subversiven Aktivitäten, hat ihr Ziel nicht erreicht. Durch die seitens der Partei entfaltete politisch-ideologische Offensive ist es gelungen, alle Angriffe abzuwehren, eine Konterrevolution im Sinne eines »Prager Frühlings« zu verhindern. Es ist gelungen, die Pläne und Handlungen des Feindes sowie seine Kräfte weiter aufzudecken und damit wesentliche Voraussetzungen zu ihrer weiteren wirksamen Bekämpfung zu schaffen.

Die feindlich-negativen Kräfte haben real eingeschätzt, dass gegenwärtig kaum Chancen bestehen, mit den von ihnen gewählten, gewissermaßen »offenen« Angriffen zu Erfolgen zu gelangen.

Die feindlich-negativen Kräfte haben sich deshalb zunächst zurückgezogen und geben sich nach außen den Anschein, als ob sie ihre Ziele aufgegeben haben.

Wir müssen davon ausgehen,

  • die überwiegende Anzahl der Unterzeichner der »Protesterklärung« und andere halten weiter an ihrer feindlich-negativen Position fest, sie sind durch die politisch-ideologische Offensive der Partei zwar zurückgedrängt, haben ihre Ziele aber nicht aufgegeben;

  • der Gegner unternimmt vielfältige Aktivitäten, seine »Stützpunkte« aufrechtzuerhalten und die Kontakte nicht abbrechen zu lassen;

  • der Gegner und seine »Stützpunkte« sammeln im Untergrund Kräfte, die ihre konspirative Tätigkeit darauf ausrichten, neue öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen uns zu inszenieren,

  • die oppositionellen Kräfte haben nach ihrer Niederlage zwar zunächst eine »Ruhepause« eingelegt, um die offizielle Reaktion auf ihren »Vorstoß« zu testen, werden nach einer gewissen »Sammlung« jedoch zu erneuten feindlich-negativen Handlungen übergehen.

(Nur ein kleiner Teil von Unterzeichnern der »Protesterklärungen« ist von ihrer Unterschrift abgerückt – trotz der mit ihnen mehrmalig (z. T. von führenden Repräsentanten) geführten politisch-ideologischen Auseinandersetzungen).

Die negative Vorbildwirkung von Hermlin, Heym, Becker, Wolf, Plenzdorf, Kunert, Krug, Fühmann, Braun und anderen spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Die wahre Haltung der besonders negativen Kräfte dieser Gruppierung kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass sie ihre Probleme nicht mit der Partei oder Kulturfunktionären beraten, sondern ihre »Berater« und Verbündeten beim Gegner und entsprechenden Mittelspersonen suchen. Dieser Personenkreis ist bestrebt, die bestehenden Verbindungen zu Vertretern, Korrespondenten westlicher Presse- und Publikationsorgane, zu Mitarbeitern westlicher Verlage usw. nicht nur nicht abreißen zu lassen, sondern sie weiter zu vertiefen.

In Anlehnung an die bekannten Methoden dieser Gruppierung (in literarischen Werken, in offenen Diskussionen in den Verbänden, in privaten und internen Zusammenkünften, in Buchlesungen, in Gesprächen mit westlichen Kontaktpartnern – Verlagsmitarbeitern, Schriftstellern, Journalisten, Mitarbeitern diplomatischer Vertretungen, Literatur- und Konzertagenten – in bestimmten Veröffentlichungen sowohl innerhalb als auch außerhalb der DDR usw., offen oder getarnt Angriffe gegen Partei und Staat vorzutragen und zugleich konzeptionelle Vorstellungen über ihr weiteres feindliches Vorgehen zu entwickeln) sind ihre weiteren Kontaktbestrebungen zum Gegner darauf gerichtet,

  • unter zielstrebiger Nutzung westlicher Presse- und Publikationsorgane eine weitere öffentliche Auseinandersetzung und Konfrontation mit Partei und Regierung anzustreben;

  • unter Schriftstellern, Kulturschaffenden und Intellektuellen kleine Gruppen zu bilden mit dem Ziel, die Basis für konterrevolutionäre Angriffe zu erweitern;

  • zur Realisierung dieser Zielstellung breitere Kreise, vor allem auch Arbeiter, einzubeziehen.

(Ihr Zusammenwirken mit westlichen Presse- und Publikationsorganen zeigte sich bereits in der bewussten und zielgerichteten Übergabe der ersten schriftlichen »Protesterklärung« durch Heym am 17.11.1976 an Vertreter der englischen Nachrichtenagentur Reuter zum Zwecke der Veröffentlichung im deutschsprachigen Auslandsdienst sowie durch Hermlin an die französische Nachrichtenagentur AFP).

Heym, Kunze, Becker und Hermlin geben bis in die Gegenwart Interviews und »Auskünfte« an westliche Pressevertreter, in denen sie u. a. bereitwilligst Aussagen machen über innerparteiliche, interne und verschiedene Gespräche. Diese Materialien werden vom Gegner noch »in Reserve« gehalten.

Aktive »Kontaktpartner« sind gegenwärtig u. a. besonders

  • Schwarz – Korrespondent des »Spiegel«

  • Nöldechen – Korrespondent »Westfälische Rundschau«

  • Sager – Korrespondent des ZDF

  • Schulz – Korrespondent DPA.

Mitarbeiter von BRD-Verlagen suchen gezielt feindlich-negative Schriftsteller auf und führen mit ihnen längere »Beratungen«. (So z. B. die Mitarbeiterin des Luchterhand-Verlages/BRD, Ingrid Krüger4 – langjährige enge Biermann-Verbindung –, der im Einzelnen bekannt ist, welcher Schriftsteller an welchem Stoff schreibt, was in der DDR verlegt wird oder nicht; nach internen zuverlässigen Hinweisen hat sie in ihrem Notizbuch die Anschriften und Telefonnummern von 28 Schriftstellern, Kunst- und Kulturschaffenden der DDR – vorwiegend »Unterzeichner«5 – vermerkt, zu denen sie »Kontakte« unterhält.)

Einzuordnen in die Gesamtheit der gegnerischen Aktivitäten sind die zunehmenden Kontaktbestrebungen und Beeinflussungsversuche seitens der Botschaften nichtsozialistischer Staaten, insbesondere der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR. Seit Anfang Dezember 1976 sind verstärkt gegenseitige Besuche und Gespräche zwischen Mitarbeitern der Ständigen Vertretung der BRD in der DDR (hervorzuheben sind besonders der Leiter, Gaus, und der Referent für Kultur und Sport, Winfried Staar) und Personen der feindlich-negativen Gruppierung zu beobachten. Es erfolgen systematische Einladungen westlicher Botschaften und der BRD-Vertretung zur Teilnahme an Empfängen, Essen und Gesprächen an Schriftsteller und Kulturschaffende der DDR in diesen Vertretungen sowie in Privatwohnungen, wie in denen von Heym, Jurek Becker, Hermlin, Kunert, Krug, Schneider6 u. a. (Nach vorliegenden Hinweisen kommt dieser Personenkreis den Einladungen nach bzw. entwickelt selbst Initiative, um Einladungen zu erhalten.)

Es liegen Hinweise vor, dass der feindlich-negative Kern der Gruppierung dazu übergeht, im kleineren Kreis in Privatwohnungen ihre Lage und die für ihre Plattform neue entstandene Situation zu erörtern und ein abgestimmtes Vorgehen festzulegen. In den Wohnungen von Becker, Hermlin, Kirsch und Krug kommen Personengruppen zusammen, wobei sie in den Gesprächen z. T. eine Übereinstimmung in ihren feindlichen Ansichten und ihrem Wirken gegen die DDR erreichen.

Internen Feststellungen zufolge treffen sich Kulturschaffende mit feindlicher Grundhaltung in folgenden Gruppen und unter folgender »Leitung«.

  • Hermlin – hauptsächlich mit Unterzeichnern der ersten »Protesterklärung« wie Heym, Kunert, Stern,7 Christa und Gerhard Wolf

  • Krug/Becker – Moese,8 Frank Beyer, Mueller-Stahl

  • Kirsch/Schädlich – Schlesinger, Plenzdorf, Schubert,9 Stade, de Bruyn, Fühmann.

Dabei ist zu beachten, dass es zwischen den genannten Personen, wie z. B. Becker – Heym, Krug – Schubert/Schlesinger, Kirsch – Wolf u. a., enge Kontakte gibt, wodurch eine ständige inhaltliche Abstimmung in ihrem feindlich-negativen Vorgehen gewährleistet ist.

Diese Kreise vertreten die Meinung, im bisherigen Sinne literarisch wirksam zu werden. Sie wollen versuchen, »annehmbare« Arbeiten solchen DDR-Verlagen anzubieten, von denen sie aufgrund ihrer Verbindungen zu gleichgesinnten Lektoren annehmen, dass eine Veröffentlichung erfolgt. Sie konzentrieren sich dabei auf den Hinstorff-Verlag Rostock und den Aufbau Verlag Berlin, wo solche Autoren wie Schneider, Plenzdorf, Stade, Schlesinger, Fühmann, Becker, Arendt,10 Thomas Brasch sowie Christa und Gerhard Wolf, Kunert, Hermlin, Helga Schütz und Joachim Seyppel verlegt und gefördert werden.

Unter diesen Kreisen besteht darüber Übereinstimmung, durch entsprechende persönliche Forderungen und entsprechendes Auftreten nicht »zurückzuweichen« bei der Inanspruchnahme »bestimmter Privilegien« in der DDR (wie Aufenthalte – teilweise mit Familienangehörigen – im NSA, überdurchschnittliche Bezahlung ihrer »Arbeiten«, »Zugeständnisse« bei der Erfüllung persönlicher Wünsche). (So besteht z. B. Rolf Schneider – der fast alle seine Bücher in der BRD veröffentlicht und sich in einem Interview, dass am 24.9.1976 in der »Frankfurter Rundschau« erschien,11 mit Reiner Kunzes Machwerk »Die wunderbaren Jahre«12 in einer Form solidarisierte, die seine feindliche Grundeinstellung gegen die DDR widerspiegelt – darauf, dass ihm ein staatlicher Kredit von 200 000 M für den Bau eines Eigenheimes genehmigt wird. Bei Nichtgenehmigung will er »entsprechende Schritte unternehmen«. Schneider, der mehrfach jährlich ins NSA, z. T. mit Ehefrau, reist, um dort seine Veröffentlichungen vorzubereiten, hat bereits weitere Reisepläne.)

Unterzeichner und Organisatoren tauschen gegenwärtig ihre Meinungen darüber aus, inwiefern sie »Repressalien« wegen der Unterschriftsleistung ausgesetzt seien. Intern ist u. a. bekannt, dass Krug »Hinweise auf Repressalien sammelt«, um »Gegenmaßnahmen« einleiten zu können.

Krug, Eberhard Esche, Cox Habbema, Eva-Maria Hagen fordern schriftliche Dokumente vom Fernsehen über Rückgängigmachung von mündlich vereinbarten Verträgen, um »entsprechende Schritte zu unternehmen«. Zunächst sollen diese »Feststellungen und Dokumente in der Schublade« bleiben, um »zu gegebener Zeit« mit entsprechendem Material auftreten zu können.

Zu beachten sind in diesem Zusammenhang solche Äußerungen:

  • Heym – nicht nur eine Gruppe unter Schriftstellern bilden, sie kann schnell zerschlagen werden;

  • Hermlin – günstig sind mehrere Gruppen, die abgestimmt wirksam werden, aber nur ein Lager;

  • Krug – man muss Leute gewinnen; in einem Jahr kann die Situation anders sein; die gegenwärtige Kulturlinie muss geändert werden.

Die politische Führungs- und Leitungstätigkeit, insbesondere des Schriftstellerverbandes der DDR,13 wurde in der Vergangenheit oftmals nicht den Anforderungen zur Verwirklichung der Parteibeschlüsse gerecht. Insbesondere mangelt es an einer politisch-ideologischen Einflussnahme durch den Verband auf die Schriftsteller und der prinzipiellen ideologischen Auseinandersetzung mit feindlich-negativen Auffassungen. (Schwerpunkt ist der Berliner Schriftstellerverband.)

Es ist deshalb vorrangig erforderlichunter Mitwirkung und Kontrolle der Parteiorganisation – den leitenden Gremien und Sekretären des Verbandes mehr Verantwortung bei gleichzeitiger Hebung ihrer Autorität zu übertragen und die hauptamtlichen und gewählten Funktionäre politisch zu stärken sowie bei Nichterfüllung ihrer Aufgaben personelle Veränderungen vorzunehmen.

Die ideologischen Auseinandersetzungen mit feindlichen Auffassungen, auch in anderen Künstlerverbänden sowie auch in anderen kulturellen Einrichtungen, sollten durch die Parteiorganisationen weiterentwickelt und konsequent fortgeführt werden. (Vorrangig sollte das geschehen:

  • in der Akademie der Künste,14

  • in der Redaktion »Sinn und Form«,15

  • in den Verlagen,

  • im Deutschen Theater,

  • im Berliner Ensemble,

  • an Hoch- und Fachschulen auf kulturellem Gebiet,

  • im Komitee für Unterhaltungskunst,16

  • in den Fachabteilungen des Ministeriums für Kultur).

Das ist umso notwendiger, da es nicht mehr nur um die »profiliertesten«, allseits bekannten feindlich-negativen Kräfte geht, sondern um die Auseinandersetzung mit anderen Kulturschaffenden, die gewissermaßen im Schatten der Vorkommnisse, um die Schriftsteller ebenfalls im feindlich-negativen Sinne zu wirken beginnen. (Z. B. Unterhaltungskünstler, bildende Künstler, Lektoren.)

Begünstigt wurde eine derartige Entwicklung durch ständige Kompromisse gegenüber feindlich-negativ auftretenden Kulturschaffenden, die die politisch-ideologische Situation zusätzlich komplizierten und was dazu führte, dass diese Kräfte wesentliche Positionen einnehmen konnten (z. B. im Berliner Schriftstellerverband). Auswirkungen sind Verunsicherung und Zurückweichen politisch klar und eindeutig auftretender Kulturschaffender, bei denen sich eine Art Erwartungshaltung ausprägt, dass anstehende kulturpolitische Probleme durch die Partei grundsätzlich und zügig gelöst würden.

Die Auffassungen und das Verhalten feindlich-negativer Kräfte wurden z. B. genährt durch das Auftreten des Arbeitsgruppenleiters für Literatur, Literaturgeschichte und -theorie an der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED, Genosse Prof. Klaus Jarmatz, der in der Einheit 9/7617 und im Band 11 der Literaturgeschichte der DDR18 sowie bei Gesprächen und Vorträgen unwidersprochen und ausschließlich auf solche Schriftsteller wie Christa Wolf, Franz Fühmann, Volker Braun u. Ä. als die Repräsentanten der DDR-Literatur orientierte. Das führte auch zu bestimmten Unsicherheiten bei schwankenden, loyalen, aber auch bei progressiven Kulturschaffenden.

Folgende Probleme wären für die weitere Arbeit im kulturellen Bereich zu beachten:

Künstler und Kulturschaffende, die Mitglieder unserer Partei sind, können aufgrund ihrer Tätigkeit keine Sonderrechte für das Parteileben beanspruchen. Sie sind als Genossen anzusprechen und zu behandeln, die Parteidisziplin hat auch für sie volle Gültigkeit.

In der Vergangenheit entstand unter progressiven Kräften verbreitet der Eindruck, dass politisch-negativen Kulturschaffenden Zugeständnisse gemacht werden, anstatt sich prinzipiell mit ihnen auseinanderzusetzen. Für ihr Vorgehen sei typisch, dass sie sich mit ihren Anliegen meistens unmittelbar an höchste Partei- und Staatsorgane wenden (z. B. bei Westreisen) und entsprechende Entscheidungen erwirken. Dadurch kam es zu Entscheidungen, die im Gegensatz zu denen nachgeordneter Organe standen oder ohne jede Konsultation mit ihnen erfolgten. (Stefan Heym z. B. gab grundsätzlich bei Einladungen zu Lesereisen in das westliche Ausland erst seine Zusage und wandte sich danach unter Umgehung des Schriftstellerverbandes wegen des notwendigen Visums direkt an den Leiter der HV Verlage und Buchhandel, Genossen Höpcke. Ohne Konsultation mit dem Schriftstellerverband wurden von diesem Reisen genehmigt. Damit wurde die Autorität des Schriftstellerverbandes untergraben, Heym aber in seinem erpresserischen Vorgehen bestärkt. Ähnliche Beispiele sind auch aus anderen kulturellen Bereichen bekannt.)

Weitestgehend einheitliche Entscheidungen und Kompetenzen für alle Kulturschaffenden würden zu einer Festigung des Vertrauensverhältnisses Partei – Kulturschaffende wesentlich beitragen. Es sollte unterbunden werden, dass Kulturschaffende persönliche Gespräche mit Genossen aus dem zentralen Partei- und Staatsapparat dazu ausnutzen können, kulturelle Institutionen gegeneinander auszuspielen und untere Entscheidungsebenen als nicht kompetent für bestimmte Entscheidungen hinzustellen. Die Einheitlichkeit des Vorgehens der verschiedensten kulturpolitischen Instanzen ist zukünftig noch besser zu sichern. Das heißt, in allen staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen der DDR eine einheitliche, aufeinander abgestimmte Durchsetzung der Beschlüsse von Partei und Regierung auf dem Gebiet der Kulturpolitik zu gewährleisten, um

  • die progressiven, der Partei treu ergebenen Schriftsteller und Künstler sowie Kulturschaffenden weiter zu stärken;

  • die Einflüsse und Aktivitäten feindlich-negativer Kräfte gemeinsam zurückzudrängen und

  • damit dem Gegner zugleich die Möglichkeiten zur Schaffung feindlicher Stützpunkte zu entziehen.

Das aufeinander abgestimmte einheitliche Vorgehen muss insbesondere gesichert werden durch

  • die staatlichen Einrichtungen, wie

    • das Ministerium für Kultur mit seinen Nachfolgeeinrichtungen wie Verlage, Filmstudios, Theater, Komitee für Unterhaltungskunst, VEB Deutsche Schallplatte, Akademie der Künste, Künstleragentur,19 Konzert- und Gastspieldirektionen, staatliche Kulturhäuser, Abteilungen Kultur der Räte der Bezirke und Kreise;

    • das Staatliche Komitee für Fernsehen20 und das Staatliche Komitee für Rundfunk;21

    • die dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen unterstellten Universitäten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen;

  • die gesellschaftlichen Institutionen und Verbände wie Schriftstellerverband, Künstlerverbände, die FDJ mit ihren kulturellen Einrichtungen, Kulturbund, Gewerkschaft Kunst u. a.

Schwerpunkte sollten dabei sein:

  • Verstärkte politisch-ideologische Auseinandersetzungen mit feindlich-negativen und anderen von der Kulturpolitik der Partei abweichenden Auffassungen und Verhaltensweisen;

  • die Stärkung der Autorität und Verantwortung der vorgenannten staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen, einschließlich deren personelle Besetzung sowie

  • die Durchsetzung der vorhandenen und Schaffung neuer staatlicher Normative zur einheitlichen Durchsetzung der Kulturpolitik der Partei.

Die einheitliche Durchsetzung der Kulturpolitik der Partei erfordert, umgehend und perspektivisch im verstärkten Maße parteiverbundene und fachlich gut ausgebildete Kader im kulturellen Bereich einzusetzen bzw. heranzubilden.

Es handelt sich dabei sowohl

  • um solche Kader, die in staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen in hauptamtlichen oder Wahlfunktionen tätig sind, wie z. B. Verlagslektoren, Dramaturgen, Redakteure und Regisseure, Kader für die internationale Arbeit, Sekretäre und Vorstandsmitglieder von Verbänden, Mentoren und Betreuer im Bereich der Unterhaltungskunst, Klubhausleiter, Klubräte und andere als auch

  • um Schriftsteller, Künstler und Kulturschaffende, die die DDR im In- und Ausland würdig repräsentieren.

Die Zulassung zum Studium, vor allem aber die Ausbildung an den entsprechenden Einrichtungen, trägt den kulturpolitischen Erfordernissen noch nicht genügend Rechnung. Bei der Auswahl von Kadern und Förderung von Talenten muss neben ihrer künstlerischen Veranlagung stärker als bisher ihre politische Haltung, ihr Persönlichkeitsbild und gesellschaftliches Engagement beachtet werden.

Das erfordert, den gesamten politisch-ideologischen Erziehungsprozess bei den für die Ausbildung verantwortlichen Kadern, wie Professoren, Dozenten und Assistenten an den Ausbildungsstätten für Kader, die in kulturellen Bereichen zum Einsatz kommen, durchgängig zu verstärken. Die gesellschaftlichen Erziehungsträger in den Ausbildungsstätten sollen stärker analog wirksam werden. Mit Beendigung der Ausbildung muss kontinuierlich eine weitere einheitliche Behandlung durch ein aufeinander abgestimmtes Vorgehen beim Einsatz der Kader erfolgen.

Die künftige Arbeit der Verlage erfordert, möglichst kurzfristig mehr Lektoren mit einer klaren politischen Haltung auszubilden und einzusetzen, die befähigt sind, dass literarische Schaffen und öffentliche Wirken der Schriftsteller und Autoren besonders politisch positiv zu beeinflussen und dauerhaft zu stabilisieren. (Das betrifft insbesondere die Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel im Ministerium für Kultur, den Hinstorff-Verlag Rostock, den Aufbau Verlag Berlin/Weimar, den Buchverlag »Der Morgen«.)

Entscheidungen auf kulturellem Gebiet sollten grundsätzlich durch die dafür vorgesehenen und kompetenten Gremien getroffen werden, deren Autorität und Eigenverantwortlichkeit für die einheitliche Durchsetzung der Kulturpolitik zu erhöhen ist.

Die internationale Arbeit, insbesondere die Reisetätigkeit in das nichtsozialistische Ausland, sollte im kulturellen Bereich straffer organisiert werden. Konsequente Anwendung der existierenden staatlichen Normative und Richtlinien sind Voraussetzungen. Maßstab ist die Repräsentation der sozialistischen Nationalkultur der DDR im Ausland. Reisen, die diesem Zweck nicht dienen (ausgenommen Reisen aus kommerziellen Gründen und Studienreisen) sollten nicht genehmigt werden. Mit Kulturschaffenden, die sich während Auslandsaufenthalten nicht entsprechend den an sie zu stellenden politischen Anforderungen verhalten, sollten prinzipielle politisch-ideologische Auseinandersetzungen geführt und weitere Ausreisen von ihrem Verhalten abhängig gemacht werden.

Die Auswahl der Kader ist jedoch auch grundsätzlich zu verbessern. (Es geht z. B. nicht an, dass, wie in der Vergangenheit, die DDR-Literatur in den USA ausschließlich durch solche Schriftsteller wie Christa und Gerhard Wolf, Ulrich Plenzdorf und Günter Kunert repräsentiert wird. Die Auslandsarbeit des Schriftstellerverbandes basierte in vielen Fällen praktisch auf persönlichen Wünschen und Vorstellungen einzelner Schriftsteller.) Es sollten konkrete Konzeptionen für die Reisetätigkeit zur Repräsentation unserer sozialistischen Kultur im westlichen Ausland erarbeitet werden, in denen in erster Linie klassenbewusste, parteiverbundene, progressive Kulturschaffende zu berücksichtigen sind.

Die Tätigkeit im Internationalen PEN wird fast vollständig verselbstständigt durch Personen, wie Hermlin, Prof. Kamnitzer u. a., die an der Spitze des DDR-PEN stehen, durchgeführt. Es gibt keine klare politische Konzeption, wie das DDR-PEN im Internationalen PEN wirksam werden soll. Dadurch kam es z. B. zu solchen Erscheinungen, dass Hermlin während der Tagung des Internationalen PEN im September 1976 in London einer Petition zustimmte, in der zur Solidarität mit in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern inhaftierten Feinden aufgerufen wird.22

Ideelle und materielle Privilegien begünstigten in der Vergangenheit teilweise feindlich-negative Kräfte. Sie sollten ihnen in geeigneter Weise systematisch entzogen werden und progressiven Kräften zugute kommen.

Die Stipendienpolitik der Künstlerverbände und die Verteilung von Studienreisen sollten überprüft werden und vor allem dazu dienen, talentierte progressive Kräfte gezielt zu fördern. Stärkere Differenzierung als bisher ist bei der Förderung und Publizierung der materiellen Unterstützung in Form von Stipendien oder Förderungsverträgen im Zusammenhang mit Beat-Gruppen, Combos, Laienkapellen und anderen Formationen notwendig. Von ihrem politischen Verhalten und Auftreten, ihren Programmen und ihrer Persönlichkeit sind grundsätzlich die Zulassung für öffentliche Auftritte und Spielgenehmigungen, Erteilung von Berufsausweisen sowie Genehmigung für Auslandsgastspiele abhängig zu machen.

Probleme ähnlicher Art, die einer Lösung bedürfen, betreffen einen Großteil freischaffender Künstler und Schriftsteller, die sich jeglicher Einflussnahme durch staatliche oder gesellschaftliche Einrichtungen entziehen. Es ist zu erwägen, dass – ähnlich der Verfahrensweise bei freischaffenden Journalisten – über die Zulassung für eine freischaffende Tätigkeit durch eine Kommission entschieden wird und Voraussetzung dafür zugleich der Nachweis der festen Bindung an einen Verlag bzw. andere Einrichtungen ist.

Ähnliche Überlegungen sind bei der Verleihung von Kunst- und Literaturpreisen erforderlich, die ebenfalls gezielt zur Förderung und Anerkennung progressiver Kräfte eingesetzt werden sollten. Mit ihrer Verleihung muss gleichzeitig dem Hochspielen feindlich-negativer Kräfte durch den Gegner differenziert entgegengetreten werden. Es ist Klarheit darüber zu schaffen, dass Literatur- und Kunstpreise aus dem westlichen Ausland klassengebunden und nicht ideologiefrei sind.

Literatur- und Kunstkritik sollten qualifiziert werden und dürfen nicht wie in der Vergangenheit ideologischen Fragen zum großen Teil ausweichen und sich nur auf ästhetische Kategorien beschränken.

Unter den gegenwärtigen Lagebedingungen ist damit zu rechnen, dass die Bestrebungen vieler Kulturschaffender, in der BRD und anderen westlichen Ländern zu veröffentlichen, ausstellen zu wollen usw. anhalten und von feindlich-negativen Kräften zu verstärkten Angriffen gegen den realen Sozialismus genutzt werden. Die gegenwärtigen Regelungen des Urheberrechtes, die Statuten des Büros für Urheberrechte23 sowie andere staatsrechtliche Regelungen sichern keine wirksamen Sanktionen, wenn unter Umgehung des Büros für Urheberrechte oder gegen dessen Stellungnahme Manuskripte Verlagen in nichtsozialistischen Staaten zum Druck übergeben werden.

Neben der konsequenten Durchsetzung vorhandener Normative ist zu prüfen, ob diese noch mit den gegenwärtigen Lagebedingungen übereinstimmen und sich gegebenenfalls Neuregelungen erforderlich machen. Analog dazu empfiehlt es sich, den Inhalt der Statuten oder Satzungen der Künstlerverbände zu überprüfen, zu ergänzen oder zu verändern.

In der Vergangenheit wurden Buchlesungen von feindlich-negativen Kräften ausgenutzt, um aus politisch-ideologisch fragwürdigen »Werken« zu lesen. Es sollte geprüft werden, ob und welche Möglichkeiten bestehen bzw. geschaffen werden können, derartige Aktivitäten zu unterbinden.

Im gesamten kulturellen Bereich wirkt sich auf die politisch-ideologische Festigung der künstlerischen Kollektive nachteilig aus, dass von den verschiedensten Leitungsebenen zu viel und nicht immer vertretbare Ausnahmeregelungen und Sondervergünstigungen gegenüber einzelnen Kulturschaffenden gewährt wurden. Das trifft zu für die Erteilung von Einzelreisegenehmigungen, Gastvorträgen, Studien- und Vortragsreisen in nichtsozialistische Länder, Gewährung von überhöhten Gagen u. a. finanziellen Forderungen. Die großzügige Handhabung der Erteilung von Genehmigungen zur Einfuhr von Westliteratur und Westwaren wirkt sich negativ auf die politisch-ideologische Haltung politisch ungefestigter und negativ eingestellter Kulturschaffender aus.

Im Bereich der Unterhaltungskunst und der Programmgestaltung gibt es Einflüsse und Modeerscheinungen des imperialistischen Kulturbetriebes. Demgegenüber zeigen kulturelle Beiträge, die der Herausbildung und Förderung der sozialistischen Nationalkultur der DDR, der Pflege der Kultur der Sowjetunion dienen, eine rückläufige Tendenz. Ursachen dafür liegen offensichtlich in der ungenügenden politisch-ideologischen Führungs- und Leitungstätigkeit der Generaldirektion des Komitees für Unterhaltungskunst unter Führung des Genossen Czerny. Die vorhandene Dezentralisierung des politisch-ideologischen und organisatorischen Leitungsprozesses im gesamten Bereich Unterhaltungskunst wirkt sich begünstigend für die Verbreitung negativer und schädlicher Tendenzen aus. Durch die Förderung solcher feindlich-negativ wirkender Unterhaltungskünstler wie Manfred Krug, Nina Hagen, Reinhard Lakomy, Gerulf Pannach, Renft-Combo, Klaus Lenz u. Ä. werden falsche Leitbilder für unsere Jugendlichen im Unterhaltungsbereich aufgebaut, deren gesellschaftliche Wirksamkeit der Herausbildung sozialistischer Persönlichkeiten und bewusster Erbauer des Sozialismus entgegensteht.

Hinzu kommen ungerechtfertigte hohe Einnahmen einzelner Kulturschaffender, wie z. B. Reinhard Lakomy, der 1976 durch die AWA24 und Schallplatte Einnahmen in einer Höhe von ca. 240 000 Mark hatte.25 Einnahmen in annähernder Höhe hatte auch Kurt Demmler, ebenfalls Mitunterzeichner einer »Protesterklärung.« (Opernsänger verdienen bei täglichem Training, bei in der Regel ein bis zwei Vorstellungen am Tag und langer Ausbildungszeit, 1 000 Mark bis 2 000 Mark monatlich, in den Bezirken 800 Mark.)

Die Verantwortung der Publikationsorgane und Massenmedien zur Durchsetzung der sozialistischen Kulturpolitik ist weiter zu erhöhen. Die Möglichkeiten zur Popularisierung talentierter progressiver Kräfte müssen im einheitlichen Vorgehen stärker genutzt werden, um eine positive Massenbeeinflussung zu erreichen und den Einfluss negativer Idole zurückzudrängen. Solche Organe, wie »Sinn und Form«, »Neue Deutsche Literatur«,26 »Filmspiegel«,27 illustrierte Zeitschriften, »Weimarer Beiträge«28 und andere sollten politisch und personell gestärkt und in parteiliche Auseinandersetzungen mit feindlich-negativen Theorien wirksamer einbezogen werden. Es muss verhindert werden, dass Publikationsorgane und Massenmedien negativ in Erscheinung getretene Künstler und Kulturschaffende popularisieren, mit denen zur gleichen Zeit politische Auseinandersetzungen geführt werden.

  1. Zum nächsten Dokument Besuch des Kölner Kardinals Höffner bei Kardinal Bengsch (1)
    8. Januar 1977
    Information Nr. 19/77 über den beabsichtigten Besuch des Vorsitzenden der »Deutschen Bischofskonferenz«, Kardinal Höffner, Köln, beim Vorsitzenden der Berliner Bischofskonferenz, Kardinal Bengsch, in der Zeit vom 8.1. bis 10.1.1977
  2. Zum vorherigen Dokument Androhung von Waffengewalt durch einen geflüchteten NVA-Soldaten
    7. Januar 1977
    Information Nr. 18/77 über die Androhung der Anwendung der Schusswaffe durch einen Unteroffiziersschüler der Nationalen Volksarmee gegenüber einem Bürger der DDR sowie einem BRD-Ehepaar