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Arbeitsniederlegungen und Lohnforderungen (7. Nachtrag)

23. Oktober 1956
Information Nr. 267/56 – Betrifft: Arbeitsniederlegung und Lohnforderungen (7. Nachtrag zur Information Nr. 231/56)

Am 5.10.1956 wurden im VEB Sächsische Kunstseidenwerke Pirna, [Bezirk] Dresden, von zwei jugendlichen Arbeiterinnen der Cordabteilung, die von ihnen bedienten Maschinen während der Pause abgestellt. Ursache: Bei der Lohnauszahlung wurden 30,00 DM weniger Lohn ausgezahlt, hervorgerufen dadurch, dass im Monat September Betriebsstillstand eingetreten war. In diesem Werk ist es in letzter Zeit wiederholt vorgekommen, dass, um höhere Löhne zu erreichen, mit Arbeitsniederlegung oder Streik gedroht wurde. Diese Stimmung ist darauf zurückzuführen, dass den Arbeiterinnen, die bisher nach Lohngruppe 2 entlohnt wurden, durch einen Vertreter der HV Chemisch-technische Erzeugnisse die Einstufung in die Lohngruppe 3 versprochen, jedoch noch nicht verwirklicht wurde.1

Am 19.10.1956 kam es in der Schiffswerft Rechlin, [Bezirk] Neubrandenburg, Abteilung Maschinenbau, gegen 9.30 Uhr zu einer spontanen Versammlung der dort beschäftigten 16 Arbeiter. Ursache: Die Arbeiter forderten den Wegfall der Spätschicht, da die dortigen Beleuchtungsverhältnisse zur Durchführung der Präzisionsarbeiten ungenügend sind. Als der Obermeister den Arbeitern erklärte, dass es falsch wäre, gerade an dem Tag, wo die Falschmeldungen von Magdeburg dementiert wurden,2 diese Forderung zu stellen, sah der Wortführer die falsche Handlungsweise ein und alle 16 Arbeiter nahmen die Arbeit auf.

Im IFA-Werk Wilsdruff, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden, wurde in der Nacht vom 19. bis 20.10.1956 in der Abteilung Schweißerei Folgendes auf einer Holz-[Wortteil fehlt] angebracht: »Schweißer seid stark und einig, kämpft um eine 10%ige Zulage.« Ursache: In anderen Betrieben wird bedingt durch beengte Arbeitsräume eine 10%ige Zulage gezahlt. Aufgrund dessen wurde diese Forderung in der genannten Abteilung bereits im Jahre 1955 schon einmal erhoben, jedoch abgelehnt, da die Bedingungen nicht vorhanden sind. Trotzdem wird diese Forderung immer wieder gestellt. Beeinflusst wird die Stimmung außerdem durch die Materialschwierigkeiten, die keinen kontinuierlichen Ablauf der Produktion gewährleisten.

In der Maschinenfabrik und Eisengießerei Pulsnitz, [Kreis] Bischofswerda, [Bezirk] Dresden, – Privatbetrieb – herrscht unter den Arbeitern Unzufriedenheit über die bestehenden Normenzeiten, die angeblich zu niedrig sind. Am 16.10.1956 erklärte ein Dreher: »Wenn bis morgen Mittag die Normenzeiten nicht klar sind, halten wir die Maschinen an.« Diese Äußerung fand bei den übrigen Arbeitern jedoch keinen Widerhall.

Im VEB Berliner Vergaserfabrik Berlin, Abteilung Schlosserei, werden zzt. durch die TAN-Sachbearbeiter Arbeitsplatzstudien durchgeführt, um die Normen zu ändern.3 Unter den Schlossern wird dazu wie folgt diskutiert: »Man soll sich ja nicht von der Betriebsleitung einfallen lassen, die Normen zu erhöhen, denn man könnte nicht von den Arbeitern verlangen, dass sie dann für 1,50 DM Stundenlohn arbeiten sollen, wenn in der HO die Butter noch das Pfund 10,00 DM kostet.« Sobald die TAN-Sachbearbeiter in der Abteilung erscheinen, wird allgemein absichtlich langsam gearbeitet.

Am 19.10.1956 legten in den Vereinigten Hutwerken Guben, [Bezirk] Cottbus, in der Zeit von 8.00 bis 9.00 Uhr 20 Frauen die Arbeit nieder. Die Frauen begründen es damit, dass sie durch schlechtes Material ihre Norm nicht erfüllen können und von der Betriebsleitung schon seit ca. sechs Wochen eine Normänderung versprochen wurde, jedoch bisher nichts geschehen ist.

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    24. Oktober 1956
    Information Nr. 268/56 – Betrifft: Einschätzung der Erntearbeiten
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    23. Oktober 1956
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