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Über den Literaturwissenschaftler Hans Mayer

5. September 1963
Einzelinformation Nr. 536/63 über Prof. Hans Mayer, geb. am 17. März 1907 in Köln, zuletzt wohnhaft in Leipzig C 1, Tschaikowskistraße 23, Professor an der Karl-Marx-Universität Leipzig

M.1 stammt aus einem großbürgerlichen Haus. Seine Eltern waren Juden und wurden im KZ Auschwitz 1941 ermordet. Er studierte an den Universitäten Köln, Bonn und Berlin Rechts- und Staatswissenschaft. 1933 bis 1945 befand er sich in Frankreich und in der Schweiz in der Emigration. In der Schweiz trat er der Bewegung Freies Deutschland2 bei und wurde Chefredakteur einer Zeitschrift gleichen Namens, ferner Vorsitzender des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er Chefredakteur der Nachrichtenagentur DENA und später Chefredakteur bei Radio Frankfurt (bis 1947).

Im März 1947 wählte ihn die VVN in Hessen zum Landesvorsitzenden.

April 1947 übernahm er eine Dozentur für Staatslehre und soziale Theorie an der Frankfurter Universität. 1948 wurde er Professor an der Universität Leipzig. 1955 erhielt Mayer für seine Arbeiten auf literaturwissenschaftlichem Gebiet den Nationalpreis III. Klasse.

Mayer gehörte von 1929 bis 1933 der SPD an. Nach 1945 war er nicht parteilich gebunden.

M. unternahm im Juli 1963 mit Genehmigung des Ministers für Kultur und des Genossen Abusch3 eine Reise nach Bayreuth. Am 2. September 1963 wurde beim Rowohlt-Verlag Hamburg eine Pressekonferenz durchgeführt, auf der M. erklärte, er kehre nicht mehr in die DDR zurück.4

Wissenschaftliche Bedeutung

Prof. Hans Mayer ist ein namhafter und international anerkannter Literaturwissenschaftler. Als Antifaschist war er nach 1945 maßgeblich daran beteiligt, das nationale Kulturerbe von bürgerlich-reaktionären Entstellungen zu befreien. Er bemühte sich um die Darstellung einer gesellschaftskritischen Literaturgeschichte, ohne jedoch marxistische Positionen zu erreichen. Seine bekanntesten literaturkritischen Analysen behandeln Georg Büchner5 und Thomas Mann.6 Die Auseinandersetzungen, die mit Hans Mayer geführt wurden, richteten sich gegen seine idealistischen und revisionistischen Auffassungen, die er in verschiedenen Perioden unserer Entwicklung unterschiedlich vertrat. Während und nach den Ungarn-Ereignissen7 ging Mayer zu Angriffen auf die Kulturpolitik der Partei über und stellte – unter dem ideologischen Einfluss von Bloch8 und Lukács9 – seine sogenannte »Opulenztheorie« auf, in der er behauptete, die Literatur der zwanziger Jahre sei ungleich reicher und vielseitiger gewesen als in der Gegenwart. Diese Theorie kam besonders während eines Rundfunkvortrages 1956/57 von M. zum Ausdruck. Dieser Vortrag wurde nicht gesendet, M. erreichte aber über die revisionistischen Kräfte in der Redaktion des »Sonntags«,10 dass seine Ausführungen11 in dieser Wochenzeitung abgedruckt wurden.

Mayer schätzt ein, es sei das »Schärfste gewesen, was jemals gesagt wurde«, denn er habe »den völligen Bankrott der sozialistischen Literatur« geschildert, sowohl in der DDR als auch in der SU.

Dieser Artikel wurde vom westlichen Ausland zur Hetze gegen unsere sozialistische Kulturpolitik benutzt, in der Westzone,12 der Schweiz und Österreich nachgedruckt13 und auch in Polen und der ČSSR veröffentlicht. Während der Auseinandersetzungen um Prof. Bloch nahm M. eine unterschiedliche Stellung ein. Anfangs unterstützte er Bloch, zog sich aber später mehr und mehr zurück, um keine Angriffsfläche zu bieten. Nach der Emeritierung Blochs bemühte sich M., seine Vorlesungen stärker marxistisch auszubauen, ohne jedoch gänzlich von der Opulenztheorie abzugehen. Obwohl er nach außen hin fortschrittlich in Erscheinung trat, äußerte er sich im vertrauten Kreis sehr abfällig über die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR. Später trat Mayer erneut mit revisionistischen Thesen auf, die er auf Lenins Artikel »Parteiorganisation und Parteiliteratur« zurückführen wollte. Er behauptete, Lenins Forderung nach Parteilichkeit gelte nur für Mitglieder der Partei, keineswegs aber für alle Schriftsteller.14 Eine weitere These Mayers war, es gebe in der gegenwärtigen Periode eine einheitliche deutsche Literatur mit einem über den Klassen stehenden Inhalt. Auf der Beratung mit Schriftstellern und Künstlern am 25.3.1963 kritisierte Genosse Kurt Hager die falschen Auffassungen Mayers.15 Die ideologischen Auseinandersetzungen mit der bürgerlichen Ideologie führten dazu, dass die Parteileitung der Karl-Marx-Universität Leipzig auch Kritik an der Konzeption Hans Mayers übte. Mayer führt aus, der Grund zu seiner Republikflucht sei in der scharfen Kritik zu suchen, die die Universitäts- und Parteileitung in Leipzig an ihm übte, besonders im Zusammenhang mit seiner Veröffentlichung »Ansichten zur Literatur der Zeit«16 beim Rowohlt-Verlag in Hamburg.

In der Leipziger Universitätszeitung habe man ihn unter der Überschrift »Eine Lehrmeinung zuviel«17 angegriffen und die Parteileitung des Germanistischen Institutes habe sich mit diesem Artikel solidarisch erklärt. Er betrachte diese Ereignisse als eine »böswillige Kampagne« gegen ihn.

Die Überprüfungen der Angaben Mayers in Leipzig ergaben, dass er vor drei Monaten in der »Universitätszeitung« wegen seiner ungenügenden erzieherischen Arbeit kritisiert worden war. Dabei war jedoch betont worden, dass er eine vorzügliche Fachkraft sei. Eine außergewöhnliche »Kampagne«, die über den Rahmen der auch früher an ihm geübten Kritik herausging, war nicht gegen Mayer geführt worden.

Ideologische Stellung Mayers

Hans Mayer nahm eine antifaschistische Position ein. Er lehnte den Faschismus und die Refaschisierungstendenzen in der Westzone bedingungslos ab, ohne selbst zu einer marxistischen Position zu gelangen. Besonders verurteilte er den in der Westzone praktizierten Antisemitismus. Seine Haltung zur DDR war widersprüchlich, er glaubte in verschiedenen Kritiken an seiner Person einen versteckten Antisemitismus zu erkennen. Dies wurde dadurch begünstigt, dass einzelne Personen, die an ihm Kritik übten, bestimmte NS-Belastungen hatten, z. B. Kirsch18 (Halle), Willimczik19 (früher »Sonntag«) und andere. Mayer kommt aus einem Unverständnis für unsere gesellschaftliche Entwicklung heraus zur irrigen Schlussfolgerung, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR nicht von denen während des Faschismus unterscheiden. So äußerte er in internem Kreis gegenüber Bloch im Dezember 1957, Genosse Fröhlich20 benehme sich wie ein Gauleiter. Die Parteifunktionäre Fröhlich, Wagner21 und Wetzel22 seien so, wie die Nazis geschildert würden, der Kurs sei faschistisch und man stütze sich auch auf echte Faschisten. In einem anderen Zusammenhang führte er aus, jeder anständige und saubere Mensch würde in der DDR »korrumpiert und zum Schuft gemacht«. Man sehe auch im Westen, dass er (Mayer), Bloch und Peter Huchel23 von Grund auf »dem System« in der DDR feindlich gegenüberständen. Mayer war stark beeindruckt über die Auswüchse während der Zeit des Personenkults in der Sowjetunion und brachte zum Ausdruck, eine Bewegung, die die Menschen- und Bürgerrechte einzeln preisgebe und verrate, sei zu jeder Unmenschlichkeit wie Antisemitismus, Rechtsunsicherheit, Schwarz-Weiß-Macherei usw. bereit und sei in konzentrierter Form selbst unmenschlich. Die negativen und feindlichen Auffassungen Mayers wurden genährt und gestärkt durch sein Abhören der Westsender, durch Westpresse und ideologisch unklare Kontakte (z. B. innerhalb der »Gruppe 47«24 zu Günter Grass,25 Hans Magnus Enzensberger26 u. a.). Hinzu kommt seine selbstgewählte Isolierung in Leipzig und die Abwehr aller Versuche der Partei, ihm ideologisch zu helfen. Selbst freundschaftliche Kritiken fasste er als Angriffe auf seine Person auf und bezog eine Oppositionsstellung.

Bei seinen Vorträgen in der Westzone und im kapitalistischen Ausland vertrat er einen neutralistischen Standpunkt. Die Auseinandersetzungen der Partei auf dem Gebiet der Literatur und Kunst27 wurden von Mayer nicht verstanden. Seine Reaktion darauf war, der Partei das Recht abzusprechen, seine literaturwissenschaftlichen Arbeiten beurteilen zu können.

Charakterliche Einschätzung

Hans Mayer ist geistig sehr beweglich und besitzt ein umfangreiches Wissen. Er ist leicht beeinflussbar, labil und in seinen Entschlüssen sprunghaft wechselnd. Mayer ist stark egozentrisch veranlagt und hält sich für den einzig bedeutenden Wissenschaftler auf seinem Gebiet. So schätzte er selbst ein, dass Bloch international unbekannt und ein »verschollener Philosoph« sei, während sein, Mayers Name, internationalen Klang habe. Über den Germanisten – Professor Hadermann,28 mit dem er sich ideologisch verbunden fühlte –, sagte er, dieser sei »im Grunde nur ein Schulmeister«. Mit dem namhaften bürgerlichen Germanisten Prof. Frings,29 der loyal zur DDR steht, ist er von Grund auf verfeindet, da Frings ein größeres internationales Ansehen genießt. Mayer ist außerordentlich ehrgeizig und konnte es nicht verwinden, dass er nicht zum Mitglied der Deutschen Akademie der Künste (Dezember 1956) und auch nicht zum Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften (1957) gewählt wurde. Er ließ durchblicken, dass die Partei seine Wahl verhindert habe.

Prof. Mayer fühlt sich seiner Umwelt geistig weit überlegen und erkennt aus diesem Grunde keine Kritik an seiner Person an; wird Kritik geübt, fasst er sie als persönlichen Angriff auf. Andererseits ist kennzeichnend für ihn, dass er nicht allein wissenschaftliche Auseinandersetzungen führt, sondern auch mit anderen Methoden gegen Personen vorgeht, die unterschiedliche Meinungen vertreten, das heißt mit Verdächtigungen und Diffamierungen.

Gegenüber Personen, die sein Vertrauen genießen, fällte Mayer in seiner überheblichen Weise Werturteile über führende Persönlichkeiten aus dem Staats- und Parteiapparat. So führte er z. B. über den Volkskammerpräsidenten Dieckmann30 aus, dieser sei eine »Schießbudenfigur«. Mayer maßte sich an, die FDJ-Arbeit an seinem Institut zu kontrollieren und verlangte, es dürfe keine Veröffentlichung hierüber ohne seine Genehmigung in der Universitätszeitung erscheinen. In ähnlicher Weise mischte er sich auch in die Arbeit der Kulturkommission an der KMU und die Tätigkeit der Gewerkschaftsleitung der germanistischen und anglistischen Institute ein.

Prof. Mayer ist homosexuell veranlagt und hat sowohl in Leipzig als auch in der Westzone eine Reihe von Männerbekanntschaften.

Am Leipziger Hauptbahnhof nahm er verschiedentlich Verbindungen zu homosexuellen Personen und Jugendlichen auf und machte sich diese durch Geldzuwendungen gefügig. Auch in der Leipziger Wohnung des M. verkehrten zahlreiche junge Männer, insbesondere Sportler von der DHfK. Enge Verbindungen unterhielt Mayer zum Spitzensportler Frost, Klaus31 (Speerwerfen) sowie zu Angehörigen der ersten Männermannschaft Volleyball/DHfK.

Mayer lebte in gesicherten finanziellen Verhältnissen und hatte laut Einzelvertrag ein Monatseinkommen von 5 000 DM.32 Hinzu kamen Einkünfte aus Buchveröffentlichungen und Vortragstätigkeit. Seine Leipziger Bibliothek hat nach seinen eigenen Angaben einen Wert von 80 000 bis 100 000 Westmark.

Hinweise zu möglichen Aktionen des Gegners

Prof. Hans Mayer hatte aufgrund seiner Stellung keine unmittelbaren Möglichkeiten, Einsicht bzw. Kenntnis von Staatsgeheimnissen oder internen Parteivorgängen zu erlangen. Er besitzt aber einen ausgedehnten Bekanntenkreis, durch den er mittelbar zu verschiedenen Informationen gelangen konnte, und ist außerdem aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit eingehend über die Kulturpolitik unserer Partei informiert und in der Lage, gegenwärtige und weitere Maßnahmen auf ideologisch-kulturellem Gebiet im Sinne des Gegners zu interpretieren. Darüber hinaus bieten seine personellen Kenntnisse dem Gegner die Möglichkeit, weitere Ansatzpunkte für die politisch-ideologische Diversion33 bei schwankenden Kulturschaffenden zu finden.

Es sind Anzeichen vorhanden, dass die Republikflucht des Mayer mit publizistischen Mitteln hochgespielt und zum Anlass genommen wird, eine erneute Offensive auf kulturell-ideologischem Gebiet zu starten. Dabei wird auf die Renegaten Bloch und Kantorowicz34 zurückgegriffen, die mit Mayer befreundet waren und die gleiche ideologische Konzeption vertreten.

Da Prof. Mayer Mitglied des PEN-Zentrums und der Goethe-Gesellschaft war, ist zu erwarten, dass diese Positionen Mayers in den erwähnten Vereinigungen zu Angriffen auf die Kulturpolitik der DDR ausgenutzt werden.

Mayer verfügte über verschiedene Verbindungen in das sozialistische Ausland, insbesondere auch Ungarn. Da Mayer häufig das sozialistische Ausland aufsuchte, besteht die Möglichkeit, dass vom Gegner bestimmte Unterschiede in der kulturpolitischen Entwicklung einzelner sozialistischer Länder besonders herausgestellt werden, um die politisch-ideologische Diversion voranzutreiben und angebliche »Differenzen« zu zeigen.

Verbindungen

Prof. Mayer hatte einen großen Bekanntenkreis, vor allem zu Kulturschaffenden in der DDR. Hierzu gehören unter anderem:

  • Stephan Hermlin (Rudolf Leder), geb. 13.4.1915, Schriftsteller, war mit M. in der Schweiz in der Emigration, gemeinsame Herausgabe der Zeitschrift »Über die Grenzen«. M. holte H. an den Hessischen Rundfunk als Leiter der Literaturabteilung. Hermlin gehört zu den wenigen Schriftstellern der DDR, die von Mayer anerkannt werden.

  • Georg Maurer, geb. 11.3.1907, Lyriker, gemeinsamer Bekannter von Mayer und Bloch,

  • Peter Huchel, geb. 3.4.1903, Lyriker, ehemaliger Chefredakteur von »Sinn und Form«,35 gemeinsamer Bekannter von Bloch und Mayer. H. wurde nach seiner Abberufung als Chefredakteur vom Westberliner Senat demonstrativ mit einem Literaturpreis ausgezeichnet.

  • Erich Loest,36 ehemaliger Schriftsteller, inhaftiert wegen Beteiligung an einer staatsfeindlichen Gruppe. M. war mit ihm befreundet, Loest hatte ihn mehrfach während eines Krankenhausaufenthaltes besucht. Mayer bemühte sich um eine finanzielle Unterstützung der Frau L. Er äußerte über Loest: »Ich habe immer das Pech, dass die Leute, mit denen ich gut stehe, die kompromittiertesten sind.«

  • Gotthold Gloger, geb. 17.6.1924, Schriftsteller, enger Bekannter von Loest. Nach Mayers Einschätzung war G. mit L. Hauptkraft der Opposition am Literaturinstitut Leipzig gegen Alfred Kurella.37

  • Käthe Harig,38 ehemalige Leiterin des Herder-Instituts Leipzig und Ehefrau des früheren Staatssekretärs für Hochschulwesen,

  • Günter Caspar,39 stellvertretender Cheflektor im Aufbau-Verlag, durch Harich40 stark belastet, versöhnlerische Haltung,

  • Prof. Kuckhoff,41 Theaterhochschule Leipzig, naher Bekannter des M.,

  • Helene Weigel,42 Berliner Ensemble,

  • Wolfgang Langhoff,43 ehemaliger Intendant des Deutschen Theaters. M. führt L. bereits 1948 als Bürgen an.

Die 1962/63 wegen ihrer falschen ideologischen Haltung kritisierten Schriftsteller Kunert,44 Hacks45 und Biermann46 wurden von Mayer besonders gefördert und als Kennzeichen einer neuen Qualität in der Literatur hingestellt.47

In der Westzone gehören zum Bekanntenkreis des M. unter anderem:

  • Josef-Caspar Witsch, geb. 17.7.1906, wohnhaft Junkersdorf bei Köln, Tiroler Weg 7, Telefon 58 63 49. W. ist ein langjähriger Bekannter von M., der ihn seit seiner Schul- und Studienzeit hoch schätzt. Seit 1930 sind beide Duzfreunde. Sie waren gemeinsam in der Jungsozialistischen Bewegung und in einer sozialistischen Studentengruppe. Witsch war später Privatsekretär bei Ricarda Huch,48 mit der er 1947 in die Westzone ging. Seit 1948 ist er dort Verleger (nach Angaben von M. durch amerikanisches Geld finanziert) und faktisch Alleininhaber des Verlages Kiepenheuer & Witsch. In diesem Verlag erscheint ausgesprochen antisowjetische Propaganda, z. B. das Buch des Renegaten Wolfgang Leonhard49 »Die Revolution entlässt ihre Kinder« usw. M. wollte über W. die Herausgabe von Blochs Werken organisieren. Nach einer Reise in die Westzone nahm er davon Abstand und erklärte gegenüber Bloch, Witsch werde durch das Bonner Gesamtdeutsche Ministerium finanziell gestützt. M. war bereits vorher bekannt, dass W. mit Vorliebe antikommunistische Literatur verlegt. Der Verlag steht ferner in geschäftlichen Verbindungen mit dem Aufbau-Verlag. Nach Äußerungen von Bloch unterhält Witsch homosexuelle Beziehungen zu Mayer.

  • Dr. Fritz Raddatz,50 ehemaliger Cheflektor von Volk und Welt. R. ist nach dem Eigentümer die maßgebende Person im Rowohlt-Verlag Hamburg. Er organisierte die Herausgabe von Schriften des Mayer in der Westzone.

  • Ernst Bloch, geb. 8.7.1886, wohnhaft Tübingen, Im Schwanzer 35, Telefon 59 59. Bloch wurde im September 1961 republikflüchtig. Gegenwärtig lebt er in sehr ungünstigen Verhältnissen und verdient seinen Lebensunterhalt als Honorar-Professor durch Vorträge.

  • Marcel Reich-Ranicki,51 antikommunistischer Literaturkritiker,

  • Huffzky,52 Leiter der Zeitschrift »Constanze«. Mayer hatte H. in der Westzone besucht und Bloch darüber informiert.

  • Neske,53 Verleger in Westdeutschland,

  • Reginald Rudorf,54 war in der DDR vom MfS inhaftiert, die Frau des R. wurde von Mayer unterstützt. R. wurde nach seiner Haftentlassung republikflüchtig.

  • Gerhard Zwerenz,55 geb. 3.6.1925, Schriftsteller, wohnhaft in Köln, Heinsbergerstraße 1. Z. war mit Loest und Mayer eng bekannt und Schüler von Bloch.

  • Uwe Johnson, geb. 20.7.1934, Schriftsteller, Schüler von Mayer, republikflüchtig, vom Westberliner Senat für ein Anti-DDR-Buch56 mit dem Fontane-Preis »ausgezeichnet«.

Aus dem sozialistischen Ausland unterhielten nachstehende Personen zu Mayer Verbindungen:

  • Lászlo Kéry,57 ungarischer PEN-Klub, wohnhaft Budapest V, Dorottya u. 8, ist wahrscheinlich Schüler von Lukács,

  • Sőtér, István,58 Ungarische Akademie der Wissenschaften, wohnhaft Budapest XI, Ménesi u. 11/13,

  • Dr. Jenő Krammer,59 Universität Budapest, wohnhaft Budapest II, Kapás utca 48/50,

  • Georg Lukács, hatte auch noch nach der ungarischen Konterrevolution und seiner Rückkehr aus Rumänien Briefwechsel mit Mayer,

  • Roman Karst,60 Literaturhistoriker, VR Polen. Bekannter von Bloch und Mayer. Forderte 1956 Bloch, Harich, Kantorowicz zum »Kampf gegen den Stalinismus« auf.

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    6. September 1963
    Einzelinformation Nr. 523/63 über die Situation auf der Leipziger Herbstmesse 1963 (Nr. 3)
  2. Zum vorherigen Dokument Einsatz von Teflon in der Glasindustrie der DDR
    4. September 1963
    Einzelinformation Nr. 532/63 über die Notwendigkeit des Einsatzes von Teflon und daraus gefertigter Bauelemente (Ventile – Pumpen) in der Glasindustrie der DDR