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Ansichten von Leistungssportlern zu den Olympischen Winterspielen

26. Februar 1964
Einzelinformation Nr. 152/64 über Ansichten und Verhalten von an den Olympischen Winterspielen in Innsbruck beteiligt gewesenen Leistungssportlern und von Mitgliedern der Sportdelegation der DDR sowie über einige Probleme, die sich aus der Teilnahme einer gemeinsamen deutschen Mannschaft an den Olympischen Winterspielen ergeben

Der nachfolgende Bericht erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Einschätzung und Erfassung aller Meinungen von Leistungssportlern der DDR, die an den Olympischen Winterspielen in Innsbruck1 teilnahmen sowie auf eine umfassende Übersicht aller Vorkommnisse. Die Darlegungen konzentrieren sich lediglich auf einige wesentliche dem MfS durch Aktive, Sportfunktionäre und Delegationsangehörige bekannt gewordene Meinungsäußerungen und auf bestimmte Mängel und Schwächen, die während der Winterspiele im Zusammenhang mit der Mannschaft der DDR in Erscheinung traten. Auf die positiven Ergebnisse der Teilnahme an den Winterspielen wird dabei nicht gesondert eingegangen. Ferner soll auf einige dem MfS bekannt gewordene Ansichten und Verhaltensweisen von Funktionären der westdeutschen Sportführung verwiesen werden.

Während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck war das Vorgehen der westdeutschen Sportführung und Mannschaftsleitung offensichtlich von der Linie bestimmt, vor der Öffentlichkeit die Version einer gesamtdeutschen Olympiamannschaft unter westdeutscher Führung aufrechtzuerhalten. In der Öffentlichkeit war aber auch ihr Bestreben sichtbar, eine angebliche Harmonie und Einigkeit in allen Fragen der gemeinsamen Leitung der gesamtdeutschen Mannschaft vorzutäuschen, weil von westdeutscher Seite bei einer eventuellen Offensichtlichkeit der vorhandenen unüberbrückbaren Widersprüche und der erzwungenen Kompromisse eine Ablehnung der bisherigen Konzeption im IOC für Tokio befürchtet wurde.

In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass der sogenannte Chef de Mission der westdeutschen Mannschaft Dr. Heine2 vor der Abreise nach Innsbruck zu Bundesinnenminister Höcherl3 bestellt war und von diesem die Linie für das Auftreten gegenüber der Mannschaftsleitung der DDR und den internationalen Sportgremien erhielt.

Aus verschiedenen Äußerungen westdeutscher Sportfunktionäre – insbesondere Funktionäre der Fachverbände der Bundesrepublik, aber auch offizielle Pressesprecher der olympischen Gesellschaft und des Olympischen Komitees – während und auch nach Abschluss der Winterspiele ist jedoch immer mehr zu erkennen, dass die Tatsache des Bestehens einer gemeinsamen deutschen Olympia-Mannschaft stärker in den Vordergrund rückt und äußerst kritisch beurteilt wird.

Während die Vorstellungen des IOC-Präsidenten Brundage,4 sowohl in Tokio5 als auch während weiterer internationaler olympischer Sportwettkämpfe die Form einer gemeinsamen deutschen Mannschaft beizubehalten,6 mit der offiziellen Meinung der Bonner Regierung übereinstimmen und diese Ansicht auch im Übereinkommen mit der Bundesregierung von Daume7 vor dem Internationalen Olympischen Komitee vertreten wird, gibt es in letzter Zeit häufig Einwände durch die westdeutschen Sportfachverbände. Funktionäre der Sportfachverbände der Bundesrepublik verweisen mit kritischen Einwänden auf »Mühseligkeiten« der technischen Details und auf die Mehrbelastungen der Sportler der gesamtdeutschen Mannschaft durch zeit- und kräfteraubende zusätzliche Ausscheidungskämpfe. Selbst Dr. Heine äußerte Bedenken, auch in Zukunft diese Art der Gemeinsamkeit zu experimentieren. Unter anderem ziehen Dr. Heine und Tröger8 jedoch bei diesen Erwägungen vor allem in Betracht und verweisen auf die »Gefahr«, DDR-Sportler könnten bei Beibehaltung der bisherigen Klauseln sowohl bei der Nominierung der Aktiven für Tokio und spätere olympische Spiele als auch in der sportlichen Leistung entscheidende sportliche Positionen erringen und das Mehrkontingent in einer gesamtdeutschen Mannschaft stellen. Bei eventuellem Eintreten einer solchen Praxis – so schlussfolgern westdeutsche Sportfunktionäre weiter – könnte den westdeutschen Spitzensportlern kein Anreiz mehr geboten werden, und die Spitzenarbeit im westdeutschen Sport erfahre keine Krönung mehr durch die olympische Teilnahme.

Um eine solche Situation, die »immerhin eintreten könne«, von vornherein auszuschalten, sind realistisch denkende Kräfte innerhalb der westdeutschen Sportführung und Kreise um Dr. Heine der Auffassung, man solle die vorhandenen zahlreichen Unstimmigkeiten zwischen den beiden deutschen Olympischen Komitees und bei der technischen Einzelbehandlung dazu benutzen, das gesamtdeutsche Experiment nunmehr als endgültig gescheitert zu betrachten und für eine zweiseitige deutsche Teilnahme zu plädieren, wobei jedes Nationale Olympische Komitee eigene Mannschaften zu den Spielen nominieren sollte. Danach sei Aufgabe der beiden deutschen Olympischen Komitees zu sondieren, ob die Möglichkeit bestehe, je zwei Einzelwettkämpfer und je eine Staffel teilnehmen zu lassen, da eine solche Lösung eine deutsche Doppelmannschaft bedeute. Sollte ein derartiger Vorschlag im Internationalen Olympischen Komitee angenommen werden, entstehe für den deutschen Sport eine sehr günstige Situation aus der Tatsache, dass durch Doppelnominierung jeder Disziplin auch Doppel-Chancen vorhanden seien. Unter diesen Umständen wäre es nach Meinung einiger westdeutscher führender Sportfunktionäre akzeptabel, wenn trotzdem beide Olympischen Komitees in einer Einzelvertretung an den Olympischen Spielen teilnehmen würde, außerdem die beiden Mannschaften einheitlich gekleidet bleiben und auf die nationalen Embleme der DDR und Westdeutschland verzichten würde (das IOC sollte auch bei einer getrennten Teilnahme das deutsche Emblem: schwarz-weiß-gold9 mit den olympischen Ringen auf den Fahnen und an der Kleidung der Sportler als verpflichtende Auflage anerkennen). Eine solche Regelung könnte nach Ansicht einiger leitender Bonner Sportfunktionäre eine entscheidende Lebensdauer haben.

Während sich die betreffenden westdeutschen Sportfunktionäre eine Regelung nach dieser Version noch unter dem Vorsitz des IOC-Präsidenten Brundage erhoffen, erklärte Brundage inoffiziell allgemein zur gesamtdeutschen Olympia-Mannschaft, er sehe dieses Problem für die Zukunft nicht mehr unter seiner Verantwortung; seine persönliche Ansicht tendiere zwar weiterhin für eine gesamtdeutsche Mannschaft, wahrscheinlich müsse aber das IOC diese Frage für Tokio unter einem anderen Präsidenten neu behandeln, da sich veränderte Voraussetzungen ergeben hätten.

Um den Differenzierungsprozess in ihren Reihen aufzuhalten, beabsichtigen reaktionäre leitende westdeutsche Sportfunktionäre in Zukunft in ihrem Sinne schwankende Elemente auszuschalten und durch »harte« Leute zu ersetzen.

Verstärkt ist in letzter Zeit – und besonders während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck – der Versuch und das Bestreben der reaktionären westdeutschen Sportführung deutlich geworden, größeren Einfluss im IOC zu erlangen.

Dabei versuchen Vertreter der Bundesrepublik, Einfluss auf die gesamte Politik des IOC zu nehmen. Während dabei der Ehrenpräsident des westdeutschen Olympischen Komitees Dr. Karl Ritter von Halt10 in diesen Führungsgesprächen des deutschen Anteils keine entscheidende Rolle mehr spielt, bemüht sich Willi Daume bei dem jetzigen Präsidenten Brundage aktiv, seine jetzige Stellung im IOC auszubauen. Daume vertritt dabei die Ansicht, er habe besonders nach dem in Baden-Baden stattgefundenen IOC-Kongress eine relative Festigung seiner Stellung im IOC erreicht. Einige westdeutsche Sportfunktionäre vertreten die Ansicht, Daumes Ambitionen seien dadurch verstärkt worden. In Sport-Journalistenkreisen der Bundesrepublik wurde die Annahme geäußert, eine Führungsposition Daumes im IOC – eventuell der Präsidentenposten – sei, zumindest für die spätere Zukunft, nicht von der Hand zu weisen. Andererseits glaubt man in diesen Kreisen zu wissen, dass es unter den gegenwärtigen politischen Bedingungen in Deutschland niemals eine Mehrheit für einen IOC-Präsidenten aus Deutschland geben würde.

Nach vorliegenden Hinweisen versucht Daume gegenwärtig die zwischen dem jetzigen IOC-Präsidenten und dem Kanzler des IOC aufgetretenen Zwistigkeiten im Sinne Westdeutschlands auszunutzen, wobei er den leitenden Funktionären der Exekutive im IOC wiederholt die Vorstellung unterbreitete, es sei nicht im Sinne der internationalen Sportbewegung, wenn der Weltverband des IOC mit seinen umfangreichen organisatorischen Aufgaben auf die Dauer ehrenamtlich verwaltet würde. Er würde vielmehr dafür plädieren, für die internationale Organisation ein »bescheidenes«, aber sehr wirkungsvoll besetztes Generalsekretariat oder Kanzleramt zu benennen. Daume schwebt weiter vor, in diesem Sinne in Lausanne eine stabil ausgebaute Geschäftsstelle zu schaffen. Die Vorstellungen Daumes gehen weiter dahin, den Posten des Kanzlers eventuell ehrenamtlich zu belassen und einen Generalsekretär, der fest besoldet dem IOC-Sekretariat vorstehen soll, zu benennen. Für diesen Posten – sogenannten Generalsekretär im IOC – hat Daume bereits den Westdeutschen Werner Klingeberg11 – zzt. Diplomat der Bonner Regierung in der westdeutschen Botschaft in Washington – vorgesehen. (Klingeberg verfüge nach Ansicht Daumes über ausreichende Erfahrungen in der internationalen Sportbewegung und habe sich in der Organisation früherer Olympischer Spiele mehrfach verdient gemacht.) Sollten Daumes Vorstellungen, Klingeberg als sogenannten Generalsekretär im IOC einzubauen, in absehbarer Zeit nicht verwirklicht werden, gedenkt ihn Daume anderweitig in der Verwaltung des IOC unterzubringen mit dem Ziel, durch ihn die westdeutsche und seine eigene Position zu erweitern.

In Vorbereitung und während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck musste wiederum die Feststellung getroffen werden, dass die gesamte sich gegen den DDR-Leistungssport richtende gegnerische Tätigkeit, in welche die Sportführung Westdeutschlands einbezogen wird, vom sogenannten Ministerium für gesamtdeutsche Fragen und vom »Bundesinnenministerium« in Bonn zentral gesteuert wird. Das beweist nicht nur die »Vormundschaft« des Bundesinnenministers Höcherl bei den führenden westdeutschen Sportfunktionären. Auch der offizielle Vertreter des »Bundespresseamtes« für Innsbruck, Dr. Weilenmann,12 arbeitete eng mit dem sogenannten Ministerium für gesamtdeutsche Fragen zusammen. Weilenmann hatte in Innsbruck offensichtlich die Aufgabe, alle Fäden der gegen die DDR-Vertretung gerichteten Aktivität, besonders der westdeutschen und Westberliner Rundfunk- und Pressevertreter, zu steuern. Zu bemerken ist, dass Dr. Weilenmann praktisch im Auftrage Bonns in Innsbruck eine Doppel-Funktion bekleidete: einmal als hauptamtlicher Mitarbeiter und Fachreferent des »Bundespresseamtes« und zum anderen als Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Sportpresse. Obwohl vor den Winterspielen im Sportpresseverband Westdeutschlands ein Gespräch zwischen dem Olympischen Komitee und leitenden Vertretern des »Bundespresseamtes« stattfand und in Erwägung gezogen wurde, ob es vertretbar sei, Weilenmann, der eine bundespolitische Stellung bekleidet, im Auftrage des »Bundespresseamtes« und des Olympischen Komitees nach Innsbruck zu entsenden, wurde die Delegierung Weilenmanns beibehalten.

In Innsbruck nahm Weilenmann dann auch entscheidenden Einfluss auf die gesamte westliche Pressearbeit und insbesondere auf den Inhalt der offiziell vom westdeutschen Olympischen Komitee und von der westdeutschen Mannschaft veröffentlichten Presseinformationen. So lancierte er vor allem im Sinne Bonns Verlautbarungen über die gesamtdeutsche Teilnahme und auftauchende interne Zwistigkeiten.

Von der westdeutschen Mannschaftsführung wurden vereinzelt die ihrer Meinung nach voreiligen und kritikvollen Äußerungen Heines vor westdeutschen Sportjournalisten, Interna der gesamtdeutschen Mannschaft betreffend, bedauert. Das soll noch in Innsbruck zu einer Aussprache zwischen Daume und Heine geführt haben, in der Daume nachdrücklich um eine größere Zurückhaltung Heines, die Darstellung dieser Interna vor der Öffentlichkeit betreffend, gebeten haben soll. In der Beurteilung der Lage, die sich aus der gesamtdeutschen Mannschaft ergebe, würden bei Äußerungen Daumes und Heines vor Presse, Funk und Fernsehen gegensätzliche Aspekte und Interessen sichtbar.

Heine vertrete seine Interessen in erster Linie als Präsident des westdeutschen Ski-Verbandes, Daume dagegen stehe hinsichtlich des Bestehens einer gesamtdeutschen Mannschaft in Abhängigkeit von den Vorstellungen der Bundesregierung.

Die Steuerung der westdeutschen Sportbewegung durch Bonner Dienststellen findet weiterhin seinen Ausdruck in einer finanziellen Unterstützung, die führenden Mitgliedern des »wissenschaftlichen Ausschusses« des NOK durch das Bundesinnenministerium für die Dauer ihres Aufenthaltes in Innsbruck gewährt wurde. Unter dem Namen »Nöcker-Ausschuss«13 (Leitung: Perrey,14 Dortmund) hatten die Mitglieder lediglich die Aufgabe, eine individuelle Beobachtung durchzuführen. Die Ergebnisse der Beobachtungstätigkeit und deren wissenschaftliche Auswertung sollen der weiteren Lenkung der Spitzenförderungsmaßnahmen im westdeutschen Sport und der Betreuung der Leistungssportler dienen.

In Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Winterspiele in Innsbruck wurden im Wesentlichen folgende Absichten und Methoden der westdeutschen Sportführung – im Auftrage der Bonner Regierung handelnd – sichtbar:

  • Aufklärung der Pläne der Mannschaftsleitung der DDR zu den Verhandlungen mit der westdeutschen Mannschaftsleitung, zu Fragen einzelner Wintersportdisziplinen (Nominierung der Aktiven und Taktik) und einzelner Funktionäre, Trainer und Leistungssportler der DDR-Delegation;

  • politisch-ideologische Aufweichung und Zersetzung unter Sportlern und Mitgliedern der Touristendelegation der DDR;

  • Versuche der Abwerbung von Leistungssportlern und Touristen der DDR;

  • zielgerichtete Provokationen besonders in der Touristendelegation der DDR.

Bei der Durchführung dieser Methoden bedienten sich die interessierten westdeutschen Kreise akkreditierter und nichtakkreditierter Journalisten Westdeutschlands, republikflüchtiger Sportler und anderer republikflüchtiger Personen sowie weiterer westdeutscher Bürger, die sich als Touristen in Innsbruck aufhielten. Des Weiteren traten auch aktive Sportler der westdeutschen Mannschaft mit diesen Methoden in Erscheinung und versuchten, mit DDR-Sportlern in Kontakt zu kommen.

Die Mehrzahl der westdeutschen Offiziellen trat gegenüber den DDR-Offiziellen und den DDR-Aktiven sehr differenziert auf. Während sie sich gegenüber den Offiziellen ablehnend und zurückweisend verhielten, waren sie gegen die DDR-Aktiven betont freundlich, wobei sie auch bei schlechterem Abschneiden dieses Verhalten beibehielten, trotzdem beglückwünschten und trösteten. Mit dieser Methode sollte bei den DDR-Aktiven Eindruck erweckt und Kontakt geknüpft werden.

Auch durch westdeutsche Touristen wurde wiederholt versucht, Kontakte zu DDR-Bürgern zu finden. Bei den dabei geführten Gesprächen wurde von den Westdeutschen häufig eine zielgerichtete politisch-ideologische Zersetzungsarbeit durchzuführen versucht. Aktive und andere DDR-Bürger wurden dabei wiederholt mit den westlichen Argumenten über Reisebeschränkungen, »Freiheit« in der DDR, über den antifaschistischen Schutzwall u. Ä. konfrontiert. Dabei wurde z. B. auch den Eiskunstläufern einzureden versucht, sie bekämen für die Weltmeisterschaften in Westdeutschland keine Einreiseerlaubnis.

In weiteren »Argumenten« wurde versucht, die Existenz zweier deutscher Staaten zu ignorieren und unsere Aktiven mit Ansichten wie »Wir sind alle Deutsche und gehören zusammen« in Gewissenskonflikte zu bringen. Ferner wurde in Gesprächen durch Westdeutsche der DDR-Führung und -Sportführung der Hauptteil der »Spaltertätigkeit« im gemeinsamen deutschen Sport unterstellt und damit eine Umstimmung der Sportler beabsichtigt. Zum Teil wurden die Westdeutschen in ihren »Argumenten« noch durch die Tiroler Bevölkerung, die stark von den westdeutschen Touristen abhängig ist, unterstützt. Wenn auch der von diesen Kreisen erwünschte »Erfolg« der massiven Aufweichungsversuche im Wesentlichen ausblieb, kann doch nicht übersehen werden, dass die benutzten Argumente von einem Teil unserer Leistungssportler diskutiert wurden.

Ein Teil der DDR-Aktiven wurde laufend von Westdeutschen durch Gespräche – z. T. auch durch persönliche Einladungen – in Anspruch genommen. Damit wurde zum gewissen Grade offensichtlich auch eine physische und psychische Belastung der Aktiven und somit eine Leistungsminderung beabsichtigt.

Der Versuch der Kontaktaufnahmen wurde u. a. auch von den durch Westdeutschland dem Organisationskomitee Innsbruck zur Verfügung gestellten Helfern (z. B. Fahrern mit VW-Bussen) unternommen. Ein solcher Helfer ersuchte unsere Aktiven u. a. um Sportinformationen, die er angeblich für die westdeutsche Presse verwenden wollte.

Die westdeutschen Eiskunstläufer Schönmetzler15 und Schnelldorfer16 bemühten sich während der gesamten Dauer der Winterspiele außerordentlich um Ralph Borghard.17 Besonders Schönmetzler übte einen starken und teilweise negativen politisch-ideologischen Einfluss auf Borghard aus. Den Bestrebungen dieser Kontaktaufnahmen kam die noch vorhandene politisch-ideologische Unreife Ralf Borghards, seine mehrfach verworrenen Auffassungen über persönliche Freiheit, persönliches Vertrauen usw. entgegen. Borghard schloss sich in Innsbruck eng an Schönmetzler an und betrachtet ihn als seinen Freund. Selbst das provokatorische Auftreten Schönmetzlers (der von einigen unserer Aktiven als »frecher« und »anmaßender Bursche« eingeschätzt wurde) gegenüber der Trainerin Wischnewski,18 das durch den Genossen Ewald19 gerügt werden musste, änderte nichts an der Einstellung Borghards.

Das ständige Zusammensein Ralph Borghards mit Schönmetzler wirkte sich negativ auf sein Training aus, indem er z. B. den Trainingsplan nicht einhielt. Obwohl kritische Aussprachen zwischen seiner Trainerin und B. stattfanden, änderte er sein Verhalten nicht und benahm sich gegenüber seiner Trainerin äußerst unhöflich. (Inge Wischnewski äußerte aus Verärgerung in diesem Zusammenhang die Absicht, nur noch den Nachwuchs trainieren zu wollen.) Nachweisbare Absichten Schönmetzlers, Borghard eventuell abzuwerben, sind bisher nicht festgestellt worden. Anlässlich einiger Gespräche mit Aktiven versicherte Borghard, nicht die Absicht zu haben, republikflüchtig zu werden und zu den Weltmeisterschaften in Dortmund20 für die DDR starten zu wollen. Borghard äußerte nach den Aussprachen mit ihm jedoch, die »Freundschaft« zu Schönmetzler betreffend, Bedenken, man könne ihm das Vertrauen, aus Dortmund in die DDR zurückzukehren, entziehen. Sollte man jedoch zu ihm kein persönliches Vertrauen mehr haben, werde er sofort das Eislaufen aufgeben und einen Beruf ergreifen. Zu den Interessen seitens Westdeutscher an Borghard ist ferner zu bemerken, dass der westdeutsche Trainer Hofer21 um einen Kontakt zu Borghard bemüht war und ständig das Training Borghards beobachte.

Während der Winterspiele wurde seitens Westdeutscher, u. a. auch westdeutscher Sportfunktionäre, der Versuch unternommen, Sportler und Trainer der DDR abzuwerben. So erhielt z. B. der DDR-Trainer in Bob- und Schlittensport Geinitz22 u. a. entsprechende Angebote durch westdeutsche Funktionäre.23

Während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck wurden von den DDR-Bürgern verschiedentlich ehemalige republikflüchtige Spitzensportler der DDR festgestellt, die im verstärkten Maße Kontakte herzustellen bemüht waren und z. T. den Versuch der Abwerbung unternahmen. Obwohl das eigentliche Ansinnen dieses Personenkreises von unseren Sportlern im Wesentlichen erkannt und eine Kontaktaufnahme von vorn herein von ihnen abgelehnt wurde, fanden vereinzelt Gespräche zwischen den Republikflüchtigen und DDR-Sportlern statt. Der Hauptinhalt dieser Unterhaltungen erstreckte sich auf Auskünfte über in der DDR trainierende und den Republikflüchtigen bekannte Spitzensportler sowie auf »Schilderungen« und Verherrlichungen angeblich großzügiger Unterstützung und Förderung westdeutscher Sportler. Unter den in Innsbruck festgestellten republikflüchtigen ehemaligen DDR-Sportlern befanden sich u. a. die Eishockeyspieler Maus24 und Mauer25 und die Eiskunstläuferin Rathje, Hella.26 Außerdem versuchte der republikflüchtige [Name 1], Rodel- und Schlittenbauer (er hatte an der Rodel- und Bobbahn in Igls eine Reparaturwerkstatt eingerichtet), mit unseren Aktiven und Trainern Kontakt zu bekommen.

Vonseiten unserer Sportler gab es neben den eingangs geschilderten Kontakten, die im Wesentlichen auf Initiative der Westdeutschen entstanden, eine Reihe Gespräche mit westdeutschen Sportlern und Aktiven aus anderen kapitalistischen Ländern. Sie kamen meistens zustande aufgrund der gemeinsamen Trainingszeiten und des Bekanntseins von früheren internationalen Meisterschaften. Einzuschätzen ist, dass sich die Mehrzahl unserer Aktiven anlässlich dieser Unterhaltungen sehr korrekt verhielt und die Diskussionen im Sinne unserer politischen Konzeption führte. In Gesprächen über den antifaschistischen Schutzwall, sogenannte Reisebeschränkungen ins kapitalistische Ausland u. Ä. war jedoch vielen DDR-Sportlern eine gewisse Unsicherheit anzumerken, die in der Hauptsache aus politischer Unreife und Unsicherheit resultiert. Vor allem in Fragen der Auslandsstarts, die unseren DDR-Sportlern durch Eingreifen kapitalistischer Staaten untersagt werden, war eine starke Unsicherheit und z. T. Niedergeschlagenheit bei unseren DDR-Sportlern festzustellen, wobei eingeschätzt werden muss, dass dieses Thema – angeregt durch Sportler aus kapitalistischen Staaten – mit im Vordergrund der Gespräche zwischen Aktiven aus Ost und West stand.

Nach bisherigen Einschätzungen hat das Auftreten der DDR-Vertretung während der Winterspiele in Innsbruck insgesamt einen guten Eindruck hinterlassen.

Trotzdem muss festgestellt werden, dass es im Verhältnis der Sportler untereinander, zwischen Trainern und Sportlern sowie der Sportler und Trainer zu den Offiziellen, eine Reihe Mängel und Schwächen gab, die sich insgesamt auf das Leistungsvermögen der Aktiven sowie auf die Kollektivität unserer Delegation ungünstig auswirkten.

Allgemein beklagten sich unsere Aktiven, dass sich Offizielle und Trainer im Verlauf der gesamten Winterspiele zu wenig um sie gekümmert hätten. Begünstigt durch die verhältnismäßig zeitige Anreise der DDR-Mannschaft in Innsbruck hätte nach Ansicht einiger Aktiver eine weitaus bessere Kollektivität erreicht werden können. Demgegenüber habe aber die ungenügende Trainingsmöglichkeit unserer Aktiven vor Eröffnung der Winterspiele infolge mangelnder Schneeverhältnisse die Stimmung bereits von Anfang an niedergedrückt, ohne dass Offizielle und Trainer Versuche unternommen hätten, diese Atmosphäre zu lockern.

Die drückende Atmosphäre und Spannung in der DDR-Mannschaft habe sich im Verlaufe der Winterspiele weiter verdichtet. Dazu habe eine starke Nervosität in der gesamten Mannschaft, die auch bei den Offiziellen zu bemerken gewesen sei, die Leistungssportler außerordentlich belastet.

Von einer Reihe Leistungssportler wurden in dieser Situation – und besonders auch dann, wenn ihre Leistungen nicht die erwarteten Ergebnisse aufwiesen – helfende und, wie sie meinen, aufmunternde Aussprachen vonseiten der Trainer und Offiziellen vermisst. Einzuschätzen ist, dass westdeutsche Funktionäre diese Situation erkannten und auch auszunutzen versuchten. Es zeichnete sich daher wiederholt ab, dass mit weniger gut platzierten DDR-Aktiven nicht DDR-Offizielle, sondern westdeutsche Funktionäre erste Gespräche führten und sie trotzdem beglückwünschten. Dieses Verhalten der westdeutschen Funktionäre und Sportler wurde nach Äußerungen einiger unserer Aktiven von ihnen als sehr »korrekt« und »wohltuend« empfunden.27

Nach Ansicht von Aktiven müsse das psychologische Einfühlungsvermögen und das pädagogische Verhalten unserer Funktionäre gegenüber den Aktiven – vor allem unmittelbar nach dem Wettkampf – besser sein. Dadurch müssten die Sportler das Gefühl gewinnen, dass es nicht – wie sie verschiedentlich meinen – nur um die Erfüllung der Perspektiven, sondern auch um ihre persönlichen Belange geht. Jeder Sportler habe sein Bestes geben wollen, die Leistungen seien aber nicht immer gleich überragend und falsches Verhalten durch Leitungskader sei den Leistungen abträglich. Selbst Sportler, die bei der Wertung unter die besten zehn Sportler ihrer Disziplin gefallen seien, hätten kein Wort des Lobes gehört (z. B. Helga Haases28 4. Platz und die Skispringer). Die ersten lobenden Worte für diese Sportler habe es beim Empfang in Wien gegeben; das sei aber zu spät gewesen, sie hätten schon früher ein paar beruhigende Worte verdient.

Selbst mit Sportlern, die nicht unter die ersten zehn Platzierten gehörten, müssten sich Offizielle und Trainer persönlich mehr beschäftigen. Lediglich während des letzten Tages in Innsbruck/Wien sei durch M. Ewald dieser Versuch unternommen worden, indem die beiden Eisschnellläuferinnen Behrenz29 und Heinicke30 zum Empfang eingeladen worden wären. Das sei nach Meinung Aktiver darauf zurückzuführen gewesen, dass man durch den Republikverrat von Ute Gähler31 die Schlussfolgerung gezogen habe, sich um solche Sportler mehr zu kümmern. Bei unerwartet niedrigen Leistungen müssten die Aktiven durch das Verhalten der Offiziellen und Trainer zu der Schlussfolgerung kommen, sie würden nicht mehr anerkannt.

Besonders Recknagel32 war nach den ersten Ergebnissen sehr deprimiert und beklagte sich vereinzelt über das Verhalten ihm gegenüber. Unter anderem erklärte er, man könne ihm nicht unterstellen, er sei mit halber Kraft gesprungen; aber er habe infolge der ganzen Situation nächtelang nicht schlafen können.

Unmittelbar vor den Wettkämpfen sei von den Sportlern eine sehr starke Nervosität bei ihren Trainern festgestellt worden, die sich auch auf die Stimmung der Aktiven übertragen habe. Die Nervosität und teilweise Depression unter den Trainern – von Aktiven wurden besonders die Namen Haase,33 Renner34 und Lesser35 genannt – sei auf die »Angst« vor schlechtem Abschneiden ihrer Aktiven und vor Auseinandersetzungen nach der Rückkehr zurückzuführen. Diese Situation soll durch die Äußerung Manfred Ewalds in Gegenwart von Renner und Lesser »… kommt erst nach Hause, wir erzählen euch schon was. Ihr bekommt ja eigentlich nur den Schaum ab, die großen Wogen muss ich abfangen …« noch verschärft worden sein.

Renner soll in Auswirkung der Atmosphäre in unserer Delegation geäußert haben: »Wenn mir im Frühjahr wieder so ein Theater gemacht wird, knall ich ihnen den ganzen Kram vor die Füße.« Man müsse zwar auswerten, aber auf das »Wie« käme es an und darauf, ob die Menschen etwas können oder nicht.

Helga Haase soll bemerkt haben, ihr Mann sei derart fertig, fände keinen Schlaf mehr und würde am liebsten Nachwuchs, nur keine Spitzensportler mehr trainieren.

Ein anderer Trainer unserer Aktiven äußerte sich unzufrieden in der Richtung, die Mannschaftsleitung der DDR beurteile die Leistungen der Aktiven lediglich nach der Zahl der Medaillen. Als diese nach den ersten Tagen ausblieben, habe es kein freundliches Wort, nur Vorwürfe – u. a. solche, Trainer und Sportler hätten nicht bis zum letzten gekämpft – und böse Mienen gegeben. Er wende sich zwar nicht prinzipiell gegen den »Druck« von »oben«, er dürfe jedoch keine Auswirkungen in psychologischer Hinsicht auf die Aktiven haben.

Abgelehnt wurde sowohl von Trainern und Sportlern das vereinzelt unpersönliche und überhebliche Auftreten einzelner Funktionäre der Touristendelegation. Von Aktiven wird dabei der Genosse Kurt Edel,36 2. Vorsitzender des Rates des Bezirkes Suhl (Touristendelegation des DTSB) erwähnt, der besonders zu den ihm persönlich bekannten Spezialsprungläufern Kontakt hält. Genosse Edel soll u. a. zu Helmut Recknagel geäußert haben: »Wenn du morgen nicht das zeigst, was alle von dir erwarten, werde ich nach Rückkehr in die Heimat dafür sorgen, dass du überhaupt nicht mehr springen wirst.«37

Einige Trainer der DDR-Mannschaft wenden sich in ihren Argumenten gegen die angewandte Praxis, die Aktiven zu lange vor den eigentlichen Wettkämpfen am Austragungsort zu belassen. Die zeitmäßig frühe Anreise unserer Mannschaft in Innsbruck habe sich ungünstig ausgewirkt, zumal nur ungenügend für Abwechslung und Entspannung der Aktiven gesorgt worden sei.

Nach Äußerungen Offizieller und Trainer war die Mannschaftsleitung, insbesondere Genosse Ewald anfangs bemüht, alle Maßnahmen im Kollektiv zu beraten. Durch die Vielfalt der in Innsbruck zu lösenden Probleme sei dieser gute Vorsatz im Laufe des Aufenthalts fast ganz verloren gegangen, und vom Genossen Ewald z. B. seien viele Maßnahmen ohne das Leitungskollektiv entschieden worden. Von den übrigen Leitungsmitgliedern wurde u. a. als unangenehm und politisch falsch eingeschätzt, dass Genosse Ewald ohne vorherige Absprache mit dem Kollektiv bei einer Einladung durch den westdeutschen Botschafter an unsere Mannschaft seinen Namen einsetzte. (Später wurde der Besuch abgesagt, weil die von uns geforderten Bedingungen von den Westdeutschen nicht akzeptiert worden waren.)

Nach Meinung einiger Sportfunktionäre habe sich Manfred Ewald in der Anzahl der von ihm ausgeübten Funktionen übernommen; so habe z. B. die Funktion des Chefs de Mission/Stellvertreter auch ein anderer Genosse ausüben können, während Genosse Ewald die Aufgaben des Mannschaftsleiters der DDR-Olympia-Mannschaft beibehalten hätte.

Verschiedene Aktive äußerten in individuellen Gesprächen die Absicht, vereinzelt hätten ihre Wahrnehmungen zu der Feststellung geführt, dass unter leitenden Sportfunktionären unserer Mannschaft Differenzen bestehen würden. Einige Sportler sehen darin Kompetenzstreitigkeiten durch das Ineinandergreifen der einzelnen Verantwortungsbereiche. Während der am 5.2.1964 im Hotel »Europa« mit den Rodlern der DDR durchgeführten Pressekonferenz wurden von Aktiven und Journalisten die Genossen Behrendt38 und Schöbel39 vom NOK vermisst. Da die Pressekonferenz vom DTSB vorbereitet und einberufen war, wird geschlussfolgert, es habe unter den Genossen Meinungsverschiedenheiten gegeben, da die Genossen des NOK nicht bei der Organisierung der Pressekonferenz hinzugezogen worden seien.

Diskussionspunkt unter Aktiven und Trainern war in diesem Zusammenhang eine angebliche Äußerung Manfred Ewalds, wonach er es abgelehnt habe, gemeinsam mit Alfred Neumann40 und einer Sportdelegation nach Kuba zu reisen. Ewald lehne die »Zweileitung« dieser Delegation ab und habe nach dem schwachen Abschneiden unserer Leistungssportler in Innsbruck jetzt stärkere Argumente, um gegen die zweite Leitung des Sports überhaupt,41 das Staatliche Komitee, vorzugehen.

Durch die Vielzahl der organisatorischen Probleme habe die Leitung der Mannschaft unterschätzt, den Kollektivgeist der Delegationsteilnehmer durch gemeinsame Veranstaltungen u. Ä. zu fördern. Festgestellt wurde, dass unsere Sportler während des ganzen Aufenthaltes in Innsbruck mehr oder weniger auf sich selbst gestellt waren. Die Sportler hatten außer den festgelegten Terminen für Training und Wettbewerb bis auf Ausnahmen keine weiteren Verpflichtungen und verbrachten ihre Freizeit individuell. Freundschaftstreffen z. B. mit Mannschaften der befreundeten sozialistischen Länder waren nicht organisiert. Aktive vertraten – auch angesichts der Westdeutschen, die sich um Kontakte zu unseren Sportlern bemühten – die Ansicht, die Mehrausgaben der Delegationsleiter für weitere Empfänge, Freundschaftstreffen und gemütliches Beisammensein hätten sich gegebenenfalls ausgezahlt, da hierdurch der Kollektivgeist gefördert und eine bessere Übersicht über die Freizeitgestaltung der einzelnen Sportler erreicht worden wäre.

Zum Verhalten einiger Sportler und Offizieller der DDR-Mannschaft: Große Schwächen in der Haltung und Disziplin waren außer bei dem schon erwähnten Eiskunstläufer Borghard ferner bei den Eiskunstläufern Peter Göbel42 und Brigitte Wokoeck43 festzustellen. In überheblicher und teilweise selbstherrlicher Art hielten beide – unabhängig voneinander – die vorgeschriebenen Trainingszeiten nicht ein und ignorierten die Anweisungen der Trainer. Auf das Training der Paare Senf44/Göbel und Wokoeck/Walther45 wirkte sich das Verhalten negativ aus. Göbel und Wokoeck opponierten auch als treibende Teile gegen die gemeinsame Festlegung der Leitung, vorfristig in die DDR zurückzukehren, um ein ordnungsgemäßes Training durchzuführen. Nach Meinung einiger Sportler sei Brigitte Wokoeck sehr verzogen, sie bilde sich ein, sie sei eine »Schönheit« und das reiche. Viel Intellekt habe sie aber nicht. Gesprächsweise erklärte B. Wokoeck, sie mache ab sofort mit dem Eiskunstlauf Schluss und starte auch nicht zu den Weltmeisterschaften. (Bei Ankunft unserer Olympiadelegation in Berlin soll B. Wokoeck von ihrem Vater wegen ihres Entschlusses, das Eiskunstlaufen aufzugeben, beglückwünscht worden sein.)

Mit Befremden wurde von den DDR-Sportlern das Verhalten des Eiskunstlaufpaares Wokoeck/Walther aufgenommen, das nach der Auslosung der Reihenfolge im Kürlauf seinen günstigen Platz dem westdeutschen Paar Kilius46/Bäumler47 anbot.

Unter allen Delegationsteilnehmern fand das Verhalten des internationalen Preisrichters im Eiskunstlauf Ernst Bauch48 von der DDR-Delegation stärkste Ablehnung und Empörung. Nachdem Bauch unsere Eiskunstläuferin Seyfert49 nach Abschluss der Pflichtläufe offensichtlich zu hoch (5. Platz) und – um sich zu korrigieren – nach der Kür paradoxerweise auf den letzten Platz gesetzt hatte, plauderte er während einer Weinparty im angetrunkenen Zustand gegenüber westdeutschen Funktionären aus, er habe für eine höhere Platzierung von Gabi Seyfert den Auftrag leitender DDR-Sportfunktionäre erhalten. (Der DELV will Bauch in Kürze »aufgrund seines Alters« verabschieden.)

Klaus Bonsack50 äußerte mehrfach seine Verärgerung, nicht die Goldmedaille errungen zu haben. Während er in einigen Gesprächen mit Sportlern ferner erklärte, die Silbermedaille habe er lediglich für sich erkämpft, da dieser Erfolg lediglich auf seine persönlichen Leistungen zurückzuführen sei, meinte er in anderen Unterhaltungen, er habe die Medaille nicht für die DDR, sondern für Deutschland erhalten. Offiziell lehnte es Klaus Bonsack ab, zusammen mit den anderen Medaillengewinnern der DDR die eingegangenen Glückwünsche zu beantworten und dazu eine Stellungnahme abzugeben. Gegenüber westdeutschen Sportlern soll er jedoch die Meinung vertreten haben, er verstehe die Ablehnung der Glückwunschadressen aus der Bundesrepublik nicht.

Ablehnung gegen ihren Trainer Geinitz bekundeten sowohl Thomas Köhler51 als auch Klaus Bonsack. Er trinke sehr viel Alkohol und werde von mehreren Rodlern der Mannschaft nicht als Trainer anerkannt. Unter den Rodlern ist die Ansicht verbreitet, ihre Leistungen seien auf ihre persönliche Initiative und weniger auf die Anleitung durch den Trainer zurückzuführen.

Von der Mehrzahl der Sportler der DDR-Mannschaft wurde der Republikfluchtverrat52 der Ute Gähler verurteilt. Vereinzelt wurde in diesem Zusammenhang auch von den Sportlern eine schärfere Kontrolle und »Gängelei« erwartet. Da ihre Vermutungen nicht eintrafen, sprachen sich Aktive anerkennend über diese Reaktion der Leitung aus. Trotz der Ablehnung der Republikflucht der Gähler äußerten Sportler vereinzelt, die Handlung der G. bedeutet lediglich eine Reaktion auf das unpersönliche Verhalten der Funktionäre ihr gegenüber; die Ursachen seien im falschen Verhalten der Leitung zu suchen. Festgestellt wurde, dass sich die G. äußerst verärgert über die Nominierung der dritten westdeutschen Rodlerin zeigte und unserer Mannschaftsleitung die Schuld dafür gab.53 Sie äußerte, die Bronzemedaille wäre ihr nach dem Sturz der ČSSR-Sportlerin mit großer Wahrscheinlichkeit sicher gewesen. Sehr betrübend habe sie empfunden, dass sie nach Absetzung ihres Namens von der gesamten Mannschaftsleitung – wie sie meinte – gemieden wurde, und sie habe sich auch von ihrem eigenen Kollektiv der Schlittensportler sehr vernachlässigt gefühlt. Ihre Sportkameradinnen – darunter Ilse Geisler,54 mit der sie gemeinsam ein Zimmer bewohnte – seien von einem Empfang zum anderen gefahren, während sie angeblich vollkommen »in Vergessenheit« geraten sei. Soweit dem MfS bekannt ist, wohnt eine Schwester der Gähler in Westberlin und unternahm bereits früher den Versuch einer Abwerbung der Ute Gähler.

Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass sich die überwiegende Mehrheit der Touristen aus der DDR sehr diszipliniert verhielt und die Weisungen der Objektleitungen befolgte. In Diskussionen mit westdeutschen Personen traten die Touristen im Wesentlichen sehr selbstbewusst als Bürger unseres sozialistischen Staates auf.

Aufgrund der verschiedenartigsten Interessengebiete der einzelnen Touristen – z. B. ehrenamtliche Sportfunktionäre der verschiedensten Wintersportdisziplinen – war es den Delegationsleitern jedoch fast unmöglich Kollektive zu bilden. Die geschaffenen Zehnergruppen waren in den Objekten unserer DDR-Touristen lediglich von organisatorischem Wert, und die Tätigkeit der Zehnergruppenleiter beschränkte sich auf die Ausgabe von Eintrittskarten und dgl. Bei vielen Touristen bestand der einzige Kontakt zu den übrigen Angehörigen ihrer Zehnergruppe lediglich im gemeinsamen Einnehmen des Frühstücks. Alle Touristen – sowohl im Objekt Selrein als auch im Objekt Rothenbrunn – konnten sich zu jeder Tages- und Nachtzeit völlig frei bewegen. Diese Tatsache erleichterte einigen interessierten DDR-Touristen außerordentlich die Kontaktaufnahme zu Touristen aus Westdeutschland und dem kapitalistischen Ausland bzw. das Erneuern bereits vorhandener Kontakte. Der Republikverrat des Jugend- und Sportarztes Dr. [Name 2], Mitglied der Delegation des DTSB (Objekt Rothenbrunn), verlief somit unter für [Name 2] äußerst günstigen Bedingungen.

Besonders im Objekt Rothenbrunn bildete sich schwerpunktmäßig heraus, dass der größte Teil der dort untergebrachten DDR-Touristen briefliche oder telefonische Verbindung zu Verwandten und Bekannten in Westdeutschland und Österreich aufnahm. Anfangs wurde dieser Umstand von den Objektverantwortlichen nicht sofort erkannt und es wurden keine Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Kontaktaufnahmen wirksam. Besonders der Genosse [Name 3] als Objektverantwortlicher war seinen Aufgaben nicht gewachsen, zumal er weitere Aufgaben für die SV Dynamo – Eisschnelllauf – zu erfüllen hatte. Der Parteisekretär [Vorname Name 4] wurde wenig wirksam, bezog eine sehr »weiche« Linie und war nach Meinung einiger Genossen bemüht, keinem »zu nahe zu treten«.

Andere Genossen der Touristendelegation bezeichneten es als untragbar, dass der Hauptdelegationsleiter Günther Heinze55 in Innsbruck vier Funktionen von nicht geringer Bedeutung ausübte (Hauptdelegationsleiter für die Sportler-Touristendelegation, Verantwortlicher für die Kongress-Delegation, verantwortlich für die Kontaktaufnahme sportlicher Beziehungen, mehrfach eingesetzt vom NOK).

Durch ungenügende Kontrolle und mangelnden Kollektivgeist der Touristen sowie fehlende politische Lenkung der Zehnergruppen konnte am 9.2.1964 eine größere Gruppe von DDR-Touristen per Bus eine Reise zum Brenner unternehmen, wo mehrere DDR-Bürger von den Grenzposten unkontrolliert die Grenze nach Italien hin und zurück überschreiten konnten. Von ihnen wurden in einem in der Nähe der Grenze befindlichen Laden Gegenstände eingekauft. Dabei war den österreich-italienischen Grenzorganen bekannt, dass es sich um Touristen aus der DDR handelt, da dies am Bus deutlich gemacht war.

Anlage zur Information Nr. 152/64

Hinweise zur Person Ralf Borghards, zu seinem politischen, charakterlichen und sportlichen Verhalten, besonders im Zusammenhang mit dem Beschluss des DTSB, ihn aus dem SC Dynamo auszuschließen und jede leistungssportliche Förderung zu entziehen

Borghard56 hat sich während der Olympischen Winterspiele in Innsbruck zweifellos falsch verhalten. Das soll auch durch nachstehende Fakten in keiner Weise entkräftet oder beschönigt werden. Der vom DTSB (Ewald) deshalb vorgeschlagene Ausschluss aus dem SC Dynamo und die Entziehung jeglicher leistungssportlicher Förderung ist aber u. E. in keiner Weise gerechtfertigt und bedeutet, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

  • B. war mit 19 Jahren der jüngste männliche Teilnehmer der DDR-Sportler in Innsbruck. Er besitzt noch kein gefestigtes politisches Wissen und versteht deshalb politische Entscheidungen noch ungenügend. Ihm ist z. B. nicht klar, wieso er seine Freundschaft zu Schönmetzler in politisch vertretbaren Grenzen halten muss. Seine zu den Europameisterschaften in Budapest entstandene Freundschaft zu Sch. wurde aus politischen Gründen vom Verband sanktioniert (Telegramm Borghards an Schönmetzler im Auftrage des Verbandes, Fotos von beiden in der Presse usw.) Aufgrund dieser bekannten Situation hätte B. vor den Olympischen Winterspielen in Innsbruck eingehender als alle anderen Sportler über die Weisung Ewalds instruiert werden müssen, keine freundschaftlichen Beziehungen mit westdeutschen Sportlern zu pflegen. Das ist für sein Verhalten besonders gegenüber Schönmetzler nur ungenügend geschehen.

  • B. ist ein schwer zu behandelnder Charakter. Auf der einen Seite ist er selbstbewusst, aber störrisch oft bis zur Starrköpfigkeit und Unhöflichkeit, lehnt jede Bevormundung und Gängelei ab und empfindet oft auch Kritiken fälschlicherweise als Bevormundungen. Andererseits ist er aber durchaus ehrlich und in allen Dingen, die ihn selbst unmittelbar betreffen, bescheiden. Das zeigt sich besonders in solchen Dingen, wo er eine positive Rolle spielt, ohne viele Worte darum zu machen. Außer in der Vergangenheit gab es dafür in Innsbruck selbst genügend Beweise. Die Initiative der Zusammentreffen von Schönmetzler und Borghard ging in der Regel von Schönmetzler aus. Schon am ersten Abend nach Schönmetzlers Ankunft besuchte er Borghard. In Anwesenheit von Göbel und Walther gab es eine etwa zweistündige politische und vonseiten Schönmetzlers provokatorische Diskussion (Visa-Verweigerung, Pressefreiheit usw.), bei der B. eine sehr positive Rolle gespielt hat, selbst aber entsprechend seiner Mentalität nie darüber sprach. Dem späteren frechen, anmaßenden und oft provokatorischen Verhalten Schönmetzlers (der im Übrigen dafür sowohl in der westdeutschen als auch in unseren Mannschaft bekannt ist), besonders der Trainerin Wischnewski gegenüber, trat B. dann aber nicht mehr entgegen. Wie sich später herausstellte, hängt das offensichtlich in erster Linie damit zusammen, dass B. seiner Trainerin diese Anpöbeleien gönnte. Er nahm in seiner Halsstarrigkeit an, alle von ihr geübten Kritiken an seinem Verhalten zu Schönmetzler und an seiner Unhöflichkeit ihr gegenüber seien eine persönliche Sache und eine Bevormundung seitens der Trainerin Wischnewski. Hinzu kommt, dass die Trainerin W. aufgrund übergroßer Nervosität (Erfahrungen mit Bockenauer,57 Verrat der Ute Gähler) auch nicht den richtigen Ton fand, mit ihm zu sprechen. So zeigte B. nach der Ankunft des Schönmetzlers auch nicht mehr die bis dahin disziplinierte, pünktliche und fleißige Trainingsarbeit. Er zog sich auch weitgehend zurück und verhielt sich ebenfalls Schönmetzler gegenüber – der sich nach wie vor um eine enge Freundschaft zu B. bewarb – etwas reservierter, aber natürlich nicht mit dem nötigen Nachdruck und mit aller Konsequenz. Schönmetzler äußerte z. B. selbst: »B. ist ein Trottel und lehnt alle meine Einladungen zu Fahrten nach Seefeld oder anderen Orten ab.«

  • Als weitere wesentliche Ursache für die Zuspitzung um das Verhalten B’s. kommt u. E. die nicht richtige Behandlung B’s. infrage. Statt eine offene und ehrliche Aussprache mit ihm zu führen und klare Fronten zu schaffen, traten die verantwortlichen Funktionäre B. mit Misstrauen gegenüber und sahen in ihm – besonders nach dem Verrat der Ute Gähler – den Unzuverlässigsten, den Nächsten (Verräter). Sein Zimmer wurde ständig kontrolliert und alle möglichen Personen zur »Überwachung« beauftragt. B. selbst tat auch nichts zur Bereinigung dieser Situation.

  • Ein klärendes Gespräch eines verantwortlichen Funktionärs mit B. unterblieb besonders durch das Verhalten Grünwalds.58 Grünwald erklärte der Trainerin W., er habe mit B. gesprochen. Das war aber nicht der Fall gewesen. Die Trainerin musste aber annehmen, dass die Äußerung Grünwalds der Wahrheit entsprach. So bat sie auch Ewald, der sich zu einem Gespräch mit B. bereit erklärte, davon Abstand zu nehmen, weil Grünwald schon mit B. gesprochen hätte und B. vor dem Wettkampf nicht unnötig in Unruhe versetzt werden sollte. Auf diese Weise kam ein solches klärendes Gespräch durch Verschulden Grünwalds in Innsbruck nie zustande.

  • Zur Charakterisierung der Haltung B’s. soll ferner angeführt werden, wie er auf die Eröffnung seiner Trainerin am vorletzten Tage des Innsbruck-Aufenthaltes reagierte, dass er in Zukunft nicht mehr ins Ausland geschickt werde. B. erklärte dazu, er sei froh, dass wenigstens die Trainerin Vertrauen zu ihm habe. Das Misstrauen der anderen habe ihn in den letzten Wochen völlig fertig gemacht. Er betonte nachdrücklich: »Sie brauchen keine Angst zu haben. Ich komme auf jeden Fall wieder zurück und bleibe auch in Zukunft zuverlässig, auch wenn ich das mit Worten nicht immer ausdrücken kann. Bockenauer hat Ihnen bis zuletzt Höflichkeiten gesagt und durch schöne Worte seine Treue beteuert. Am Ende war er doch weg. Ich selbst habe das in diesem Maße nie gekannt und stand deshalb auch bei Ihnen im Mittelpunkt der Kritik«. B. fällt es sehr schwer, sich für begangene Fehler zu entschuldigen oder selbstkritisch Stellung zu nehmen. Im Wettkampf zeigte er sich aber stets vorbildlich und willensstark. So erklärte er auch nach seinem Wettkampf in Innsbruck, er freue sich besonders darüber, mit seiner Leistung gezeigt zu haben, dass die Aufgaben für das Eiskunstlaufen in der DDR doch nicht umsonst gewesen seien. Er hat bereits in der Vergangenheit vor allem durch gute Leistungen im Wettkampf versucht, Fehler wiedergutzumachen.

Diese Faktoren müssen angeführt werden, weil in der Begründung des DTSB die Haltung B’s. einseitig dargestellt wurde. Der Mensch B. mit seinen zweifellos vorhandenen Schwächen und die Begleitumstände wurden jedoch nicht genügend berücksichtigt. So wird in der Begründung auch festgestellt, dass die Bindungen an seine kranke Mutter nicht stark ausgeprägt seien. Genau das Gegenteil ist aber der Fall. B. hängt sehr an seiner kranken Mutter, die bis Mitte 1963 als Offizier im MdI beschäftigt war und krankheitshalber auf Rente gesetzt wurde. Von ihr erfolgt auch ein positiver politischer Einfluss auf ihn. Er ist sehr um seine Mutter besorgt und unterstützt sie nicht zuletzt durch seine große Sparsamkeit wo er nur kann. Gleichermaßen stark hängt er an seiner kleinen Pflegeschwester. In Innsbruck äußerte er anlässlich der bereits erwähnten Mitteilung seiner Trainerin: Man dürfe nicht immer nur nach äußeren Anzeichen gehen. Er wüsste zwar, dass er bei seinem Vater in Westberlin es auch nicht schlecht hätte, aber so gemein könne er seiner Mutter, seiner Oma und der Sportbewegung gegenüber nicht sein.

Bei allem Trotz und aller Verschlossenheit des B. gibt es bis jetzt keine ernsthaften Hinweise, an seiner Ehrlichkeit zu zweifeln. Es ist deshalb auch verständlich, wenn B. die Entscheidung des DTSB nicht anerkennt und sich beschweren will.

Zieht man noch einige andere Faktoren mit an, drängt sich unwillkürlich die Annahme auf, dass hier auch ein gewisses Intrigenspiel nicht ausgeschlossen ist. Als ein Ausgangspunkt müsste dabei die Behauptung Grünwalds gesehen werden, dass er mit B. gesprochen haben will, was in Wirklichkeit nicht der Fall war und was praktisch die gesamte Situation um B. komplizierte. So wäre es bei der allgemein bekannten engen Verbindung zwischen Grünwald und der Trainerin Jutta Müller59 – Seyfert (Karl-Marx-Stadt) durchaus denkbar, dass das falsche Verhalten Borghards bewusst ausgenutzt (und durch das Unterlassen des Gesprächs Grünwald/Borghard noch hochgespielt) wurde, um Jutta Müller die Möglichkeit zu verschaffen, den Karl-Marx-Städter Zöller60 und die Leistungen der Müller überhaupt in den Vordergrund zu bringen. Zöller wusste z. B. auch schon unmittelbar nach der Rückkehr der Delegation aus Innsbruck, dass er für Borghard nach Dortmund fahren soll. Die Müller wurde von jeher von Grünwald als die beste und fähigste Trainerin des Verbandes gepriesen, aber sie hatte noch keine nennenswerten internationalen Erfolge mit den von ihr trainierten Läuferinnen. Dagegen schnitten in den letzten Jahren die von der Wischnewski trainierten Läufer immer besser ab. In Innsbruck musste auch festgestellt werden, dass Grünwald für die Sportler selbst wenig Zeit fand. Er war meist mit der Müller zusammen. Obwohl er für die Gruppe Eisläufer verantwortlich war, hat er sich selbst am Tage des Wettkampfes von B. kaum sehen lassen, das gleiche war nach dem Wettkampf zu verzeichnen. Stattdessen war er aber selbst 7.00 Uhr morgens bei der Gabriele Seyfert (die Tochter der Müller) mit zum Training.

Unter diesem Aspekt scheint dann auch der vom SC Karl-Marx-Stadt (FDJ-Leitung) an den Zentralrat der FDJ gerichtete Brief keine zufällige Rolle zu spielen. In diesem Brief wird der Verdacht ausgesprochen, B. könnte von den Weltmeisterschaften in Dortmund nicht zurückkehren. Als Hinweis wird angeführt, B. habe nach den Ausscheidungskämpfen einen Koffer mit Kleidung aus Westberlin mitgebracht, die er von seinem Vater erhalten habe. (Überprüfungen ergaben, dass er nur seine eigenen Kleidungsstücke wieder mit zurückgebracht hat.)

Schließlich kann nicht von der Hand gewiesen werden, dass B. nur Anlass sein soll, auch gegen die Trainerin Wischnewski vorzugehen. Dabei könnte neben Neid über die sportlichen Erfolge auch eine gewisse »Rache« für abgeblitzte Annäherungsversuche (Orzechowski)61 in Innsbruck eine Rolle spielen.

  1. Zum nächsten Dokument Verstärktes französisches Interesse an der Leipziger Frühjahrsmesse
    29. Februar 1964
    Einzelinformation Nr. 161/64 über verstärktes französisches Interesse an der Leipziger Frühjahrsmesse und über die Freigabe der DDR-Guthaben in den USA
  2. Zum vorherigen Dokument Gewerkschaftstagung im Werk für Fernsehelektronik
    25. Februar 1964
    Einzelinformation Nr. 149/64 über eine Gewerkschaftstagung im VEB Werk für Fernsehelektronik, Berlin-Oberschöneweide, am 14. Februar 1964