Die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe entwickelte sich zur zentralen Schaltstelle des Ministeriums für Staatssicherheit, in der wichtige Funktionen zusammenliefen. Dazu zählten vor allem die Berichterstattung an die Partei- und Staatsführung, die Erarbeitung dienstlicher Bestimmungen, aber auch die Koordinierung der Datenverarbeitung im MfS oder der internationale Datenaustausch mit den anderen Staatssicherheitsdiensten des Ostblocks.
Die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (ZAIG) des MfS
Vorgeschichte der ZAIG (1953–1965)
Die ZAIG geht auf die nach dem Volkaufstand vom 17. Juni 1953 gegründete Informationsgruppe (IG) zurück, welche regelmäßig Lage- und Stimmungsberichte an die Partei- und Staatsführung verteilte. Sie entwickelte sich 1955/56 zur Abteilung Information, wurde aber 1957 als Resultat eines Konfliktes zwischen SED-Chef Walter Ulbricht und Stasi-Chef Ernst Wollweber personell reduziert und die Berichterstattung zurückgefahren.
Im Jahr 1957 übernahm Werner Irmler die Leitung der Abteilung; er prägte die ZAIG wesentlich bis zum Ende der Staatssicherheit 1989. Die Abteilung Information wurde 1959 in Zentrale Informationsgruppe (ZIG) umbenannt und übernahm die bisher eigenständige externe Berichterstattung des Auslandsgeheimdienstes des MfS (HV A). 1960 wurde das Berichtswesen an die politische Führung umfassend geregelt und die ZIG erhielt mit der Neueinrichtung von Informationsgruppen in den MfS-Bezirksverwaltungen (BV) und operativen Hauptabteilungen (HA) einen soliden Unterbau.
ZAIG (1965–1989)
Das Jahr 1965 war in der Entwicklung der ZIG entscheidend: Nach der Zentralisierung und Formalisierung der externen Berichterstattung führte die Irmler-Abteilung ein einheitliches Auswertungs- und Informationssystem für das gesamte Ministerium ein, das die Recherche, Analyse und Selektion von Daten sowie die Organisierung von Informationsflüssen gewährleisten sollte. Zusätzlich zur Unterstellung der Informationsgruppen in den Bezirksverwaltungen wurden nun auch in den Fachabteilungen Auswertungs- und Informationsgruppen (AIG) eingerichtet. Aus der Zentralen Informationsgruppe wurde nun die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe – ZAIG.
Im Jahr 1968 wurde die interne Kontrolle der Staatssicherheit in die ZAIG eingegliedert, die damit praktisch eine Aufsichtsfunktion über sämtliche Diensteinheiten erhielt. Im Jahr 1969 übernahm die ZAIG die Verantwortung für den Einsatz der EDV im MfS. Das im Aufbau begriffene Rechenzentrum (Abt. XIII) wurde ihr unterstellt. Im gleichen Jahr wurden die auf der Ebene der Bezirksverwaltungen und operativen Diensteinheiten der Zentrale bestehenden Auswertungs- und Informationsgruppen zu Auswertungs- und Kontrollgruppen (AKG) umgebildet und erhielten damit das gleiche Funktionsspektrum wie die ZAIG.
Eine weitere Entwicklungsstufe erreichte das Auswertungs- und Informationssystem mit dem Aufbau einer elektronischen Zentralen Personendatenbank (ZPDB). Gleichzeitig wurden neuere manuelle Verfahren (Vorverdichtungs-, Such- und Hinweiskarteien sowie Sichtlochkarteien) bestätigt und weiterentwickelt.
Einen letzten Aufgabenzuwachs erfuhr die ZAIG im Mai 1985, als die vormals selbstständige und für die Öffentlichkeitsarbeit sowie Traditionspflege zuständige MfS-Abteilung Agitation aufgelöst und als Bereich 6 in die ZAIG eingegliedert wurde.
Weiterführende Literatur:
Roger Engelmann, Frank Joestel: Die Zentrale Auswertungs- und Informationsgruppe (MfS-Handbuch), Berlin 2009 (https://www.bundesarchiv.de/publikationen/publikation/die-zentrale-auswertungs-und-informationsgruppe-zaig/).
Martin Stief: Die ZAIG – Nachrichtenzentrale der Stasi. In: Daniela Münkel, Ronny Heidenreich, Martin Stief (Hg.): Geheimdienste Politik und Krisen im Kalten Krieg. Göttingen 2025, S. 77–93.