Das Berichtswesen der Staatssicherheit an ausgewählte SED- und Staatsfunktionäre veränderte sich zwischen 1953 und 1989 erheblich. Das hing mit der sich wandelnden Bedeutung der Stasi als Informationsgeber für die Partei- und Staatsführung zusammen. Entsprechend bemühte sich das MfS, durch Entwicklung neuer Formate den Informationsbedürfnissen der verschiedenen Empfänger nachzukommen.[1] Nachfolgend werden die wichtigsten Berichtsserien vorgestellt, soweit sie an die Partei- und Staatsführung zur Verteilung kamen und im Rahmen der Edition veröffentlicht werden.[2]
Übersicht Berichtsserien
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Informationsdienste
Laufzeit: 1953–1957
Die Informationsdienste waren thematisch gegliederte umfassende Lageberichte, die während des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 entstanden. Zunächst ohne festen Titel wurde ab August 1953 die Bezeichnung »Informationsdienst« eingeführt und die Berichte erhielten eine festgelegte Struktur. Sie erschienen anfangs täglich, ab September 1955 zweiwöchentlich, ab 1956 nur noch monatlich. 1957 wurde die Lageberichterstattung der »Informationsdienste« eingestellt.
Die Informationsdienste enthielten ab 1954 Anlagen. Hierbei konnte es sich um Berichte zu einzelnen Ereignissen handeln. Daneben gab es feste Serien wie beispielsweise »Feindtätigkeit« oder Auswertungen westlicher Rundfunksendungen, Propaganda oder Presse.
Sonderinformationen (auch: Sonderberichte)
Laufzeit: 1953–1958
Aus den anlassbezogenen Anlagen zu den »Informationsdiensten« entwickelten sich »Sonderinformationen« oder »Sonderberichte«. Sie wurden unabhängig von den Informationsdiensten verteilt und waren damit Vorläufer der Einzelberichterstattung (siehe Informationen).
Versorgung und Landwirtschaft
Laufzeit: 1955
Die Serie mit Berichten über die Versorgungslage und Landwirtschaft ist nur zwischen September und Dezember 1955 nachweisbar. Es handelte sich um eine Sonderreihe für die Berichterstattung an die Zentrale Kommission für Staatliche Kontrolle.
Informationen (auch: Einzelinformationen)
Laufzeit: 1956–1989
Ab 1956 dominierte in der ZAIG beziehungsweise ihrer Vorläuferin »Abteilung Information« die Einzelberichterstattung. Die Berichte wurden als »Information«, zeitweilig in den 1960er-Jahren auch als »Einzelinformation« bezeichnet. Unter den Informationen lassen sich ab den 1970er-Jahren feste Berichtsreihen beispielsweise zu Ein- und Ausreisen oder zum Umtausch von Devisen nachweisen, ohne dass diese formal als eigenständige Serien gekennzeichnet wurden.
Analysen
Laufzeit: 1953–1957
Die Serie der »Analysen« ist mit Unterbrechungen zwischen 1953 und 1957 nachweisbar. 1953 wurden zunächst retrospektive Zusammenfassungen von »Informationsdiensten« als »Analysen« bezeichnet. Ab 1954 handelte es sich zumeist um umfassendere Berichte zu in der Regel nicht tagesaktuellen Problemen bzw. Vorgängen.
K- und O-Berichte
Laufzeit: 1966/67–1989
Neben der Berichterstattung an externe Empfänger bestand in der ZAIG ein internes Berichtswesen, beispielsweise zur Anleitung der Diensteinheiten oder zur Unterrichtung der MfS-Führung. Vermutlich Mitte der 1970er-Jahre wurden diese internen Berichte und Materialsammlungen in einem nach Buchstaben sortierten Aktenplan Themengebieten zugeordnet. Die Bezeichnungen der Serien als »K-« und »O-Berichte« wurden aus dieser Registratur übernommen.
Bei der Neuordnung der Materialablage wurden ältere Berichte neu verzeichnet, sodass die Serie »K« bis 1967 zurückreicht. Laut Aktenplan der ZAIG waren unter diesem Buchstaben interne Informationen abgelegt. Etwa 1972 wurden Unterkategorien eingeführt. Unter »K 1« wurde »Verschiedenes«, unter »K 2« Berichte über die bewaffneten Organe und unter »K 3« Berichte aus den Bereichen Kunst, Kultur und Gesellschaft abgelegt. Bei der Serie »O« handelte es sich um Stimmungsberichte, die als »Reaktionen der Bevölkerung« und »Hausmitteilungen« abgelegt waren.
Obwohl es sich bei den Ablagen »K« und »O« um interne Berichte handelte, die zum Teil den Charakter von Materialsammlungen haben, fanden sich wiederholt Hinweise auf eine externe Verteilung ausgewählter Exemplare. Sie wurden deshalb in die Edition aufgenommen.
Fußnoten
[1] Die innerhalb des MfS festgelegten Berichtsarten bzw. -serien bildeten nicht die Praxis ab. So waren im Jahr 1960 fünf Berichtsarten vorgesehen, von denen aber nur zwei tatsächlich gefertigt und verteilt wurden. Auch wurden interne Berichte teilweise an externe Empfänger verteilt.
[2] Aufgenommen wurden auch die Ablagen bzw. Reihen »K« und »O«. Diese waren in der Regel interne Berichte, wurden aber teilweise auch an externe Empfänger verteilt.